Alle Artikel mit dem Tag: Lehramt

Am Donnerstag: Bildungsstreik in Greifswald

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. November 2011 um 19:08 Uhr

Am Donnerstag, 17. November, soll im gesamten Bundesgebiet ein Bildungsstreik für Solidarität und freie Bildung stattfinden und zu diesem Anlass sind auch in Greifswald Aktionen geplant. Das ansässige Bündnis hat zum Donnerstag eine Demonstration ab 12 Uhr angekündigt, zu der Schüler wie Studenten gleichermaßen aufgerufen sind. Treffpunkt ist das Rubenowdenkmal, von dort aus soll der Demonstrationszug durch die ganze Stadt gehen.

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Zielvereinbarung steckt Zukunft ab

Geschrieben von | Veröffentlicht am 11. November 2010 um 11:08 Uhr

Studierende und Dozenten demonstrieren vergangenes Semester für das Lehramt.

“Die Universität Rostock wird zukünftig Studienplätze für die Lehrämter an Grundschulen und Regionalen Schulen, an Gymnasien, für Sonderpädagogik sowie an Beruflichen Schulen vorhalten, die Universität Greifswald hingegen ihr Angebot im o.g. quantitativen Rahmen auf die Lehrämter an Regionalen Schulen sowie an Gymnasien in den vorhandenen lehrerbildenden Fächern beschränken.” Mit diesen in der Zielvereinbarung verankerten Sätzen ist damit die im vergangenen Semester hart umkämpfte Lehrerausbildung an der Universität Greifswald für die nächsten Jahre gesichert. Die Zielvereinbarung  wurde für die kommenden zehn Jahre zwischen Mecklenburg-Vorpommern und der Greifswalder Universität getroffen. Die Wiedereröffnung der Fächer Latein, Mathematik und Physik, wie es von Studierendenvertretern vorgeschlagen und vom Senat positiv bewertet wurde, wird jedoch nicht vollzogen.

Neuer Campus Loefflerstraße kommt

Somit bleibt für die nächsten Jahre der Status Quo erhalten. Möchte man zumindest vorerst meinen. In den nächsten Jahren wird sich für die Philosophische Fakultät dennoch laut Zielvereinbarung einiges ändern. So wird dem Umbau der bisherigen Kliniken in der Friedrich-Loeffler-Straße zum neuen Campus der Philosophischen Fakultät oberste Priorität zugesprochen. Bis 2017 sollen die Sanierungsarbeiten andauern. Dann werden voraussichtlich unter anderem das Historische Institut sowie die Anglistik untergebracht sein. Beide Institute sind, beziehungsweise waren, in stark baufälligen Gebäuden untergebracht. Das Historische Institut musste zu Beginn dieses Semesters in die Soldmannstraße umziehen, weil Teile der Decke des Institutsgebäudes in der Domstraße 9a herunter fielen. Darüber hinaus will die Universität auf dem Gelände, auf dem gegenwärtig die Innere Medizin, Chirurgie und Pharmazie untergebracht sind, zukünftig eine neue Bereichsmensa sowie ein “Familienzimmer” errichten. Dem webMoritz liegen Informationen vor, wonach in der Mensa am Schießwall dann ein Zentrum für die studentische Selbstverwaltung Einzug erhalten soll. So soll dort dann der AStA und deren angegliederte Gremien sowie studentische Initiativen und Vereine in dem Gebäude untergebracht werden.

Neues Pharmazieinstitut und Neubau einer Tierversuchsanlage

Das Historische Institut musste Anfang diesen Semesters wegen Baufälligkeit gesperrt werden.

Um die Sanierung zügig voranzutreiben, will die Uni dem Land, dass aufgrund klammer Kassen den Umbau gegenwärtig nicht finanzieren kann, einen finanziellen Vorschuss in Höhe von zwölf Millionen Euro gewähren. “Die erforderlichen Mittel wird die Uni durch eine vorübergehende Belastung ihrer körperschaftseigenen Liegenschaften bereit stellen.” Das Land verpflichtet sich im Gegenzug, “nach Fertigstellung der Maßnahmen, spätestens jedoch vier Jahre nach letztmaliger Bereitstellung der Mittel das Darlehen in fünf gleichen Jahresraten zurückzuzahlen.” Der Umbau des Campus’ Loefflerstraße zum geisteswissenschaftlichen Zentrum ist jedoch nur dann möglich, wenn die bestehenden Institute aus den Gebäuden ausgezogen sind. Die übrigen Institute der Hochschulmedizin werden in den kommenden Jahren in den neuen Klinikumskomplex mit integriert werden. Darüber hinaus sollen bis 2017 Neubauten des Instituts für Pharmazie fortgesetzt und eine neue Tierversuchsanlage errichtet werden.

Landschaftsökologie soll neuer Forschungsschwerpunkt werden

Während die Grundlagenforschung unter anderem in den Schwerpunktbereichen Molekulare Biologie und Medizin, Plasmaphysik und Kulturen des Ostseeraumes in den nächsten Jahren fortgesetzt werden soll, ist auch die Entwicklung der Landschaftsökologie zu einem neuen Forschungsschwerpunkt der Universität vorgesehen. Um die Qualität von Studium und Lehre weiterhin zu sichern und auszubauen, soll die hochschuldidaktische Weiterbildung in den kommenden Jahren fortgesetzt und ausgebaut werden. Zudem wird die Entwicklung und Einrichtung eines modernen und umfassenden Forschungsinformationssystems angestrebt.

Aus Sicht der Universität nehmen gegenwärtig noch zu wenig Studierende an Forschungsprojekten teil. Durch entsprechend qualitativ hochwertige Lehre sollen zukünftig mehr Studierende für die Mitarbeit an Forschungsprojekten gewonnen werden. Um in der Forschung künftig noch mehr in die Tiefe gehen zu können, soll eine Graduiertenakademie eingerichtet werden. Den Grundstein dieser soll eine Graduiertenschule für biomedizinische Wissenschaften bilden und im Rahmen der Exzellenzinitiative um “die Förderung einer Graduiertenschule im Bereich Personalisierte Medizin und Prävention” seine Fortsetzung finden.

Universität will “familiengerechte Hochschule” werden

Im sozialen Bereich hat die Universität mit der Landesregierung die Vereinbarung getroffen, die Kinderbetreuung von Kindern Studierender sowie der Belegschaft zu verbessern. So soll der Kindergarten in der Makarenkostraße finanziell unterstützt und das bereits erwähnte “Familienzimmers” in der Löfflerstraße eingerichtet werden. In diesem Zusammenhang strebt die Greifswalder Alma Mater die Zertifizierung als “familiengerechte Hochschule” an. Darüber hinaus setzt sich die Hochschule zum Ziel, den Anteil weiblicher Lehrstuhlinhaber zu erhöhen. Darüber hinaus sollen zukünftig die Bedürfnisse behinderter Studierender durch die Ermöglichung eines möglichst barrierefreien Studiums in den kommenden Jahren Berücksichtigung finden.

Internationale Ausstrahlung weiterhin von Relevanz

Die Hochschulmedizin hat in der Zukunftsplanung oberste Priorität.

Internationale Ausstrahlung wird auch in den kommenden Jahren für die Ernst-Moritz-Arndt-Universität von besonderer Relevanz sein. Dazu gehört vor allem die Intensivierung der wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Südostasien, insbesondere Vietnam und der Greifswalder Hochschule. Zudem wird die “regionale Verankerung im Ostseeraum” zur qualitativen und quantitativen Erweiterung ihrer Funktion als “kulturelle Brücke im Ostseeraum” von Bedeutung sein. Primäres Ziel der Internationalisierung soll die Entwicklung international konkurrenzfähiger Angebote in Forschung und Lehre sein.

Finanziell wird der Hochschule in den kommenden Jahren mehr Geld zur Verfügung gestellt. So sollen die Zuschüsse für die Universität bis 2014 um 600.000 Euro und für die Hochschulmedizin um etwa 2 Millionen Euro erhöht werden. Damit wird auch in Zukunft der medizinischen Forschung an der Greifswalder Alma Mater oberste Priorität eingeräumt.

Fotos: Carsten Schönebeck (Demo), Gabriel Kords (Historisches Institut), Sebastian Jabbusch (Universitätsklinik), Franziska Maxi Müller via Jugendfotos.de (Aufmacher)

Mittwoch: Senatssitzung

Geschrieben von | Veröffentlicht am 17. August 2010 um 16:56 Uhr

Am Mittwoch, dem 18. August, tagt ab 14 Uhr der akademische Senat im Konferenzraum des Unihauptgebäudes. Als Gast wird morgen unter anderem der hochschulpolitische Sprecher der SPD, Mathias Brodkorb anwesend sein, um den Stand der Verhandlungen zur Lehrerausbildung darzustellen. Im hochschulöffentlichen Teil der Sitzung wird die Ordnung für die Zusatzausbildung des Polonicum besprochen werden. Das Polonicum ist eine Zusatzausbildung in polnischer Sprache und Kultur. Ziel der Ausbildung ist die Vermittlung von Kenntnissen in polnischer Sprache und Literatur sowie von Kenntnissen im Bereich der Landes- und Kulturstudien. Für das sich über zwei Semester erstreckende Zusatzstudium sollen nach Angaben der noch zu verabschiedenden Ordnung Gebühren erhoben werden.

Antrag zur Lehrerausbildung

Des weiteren hat Erik von Malottki im Namen des Studierendenparlaments (StuPa) einen Antrag zur Lehrerausbildung in den Senat eingereicht. Der Senat soll sich demnach für den Erhalt der lehramtsrelevanten Bildungswissenschaften aussprechen und eine alleinige Konzentration dieser in Rostock ablehnen. Grund für diesen Antrag sind Verlautbarungen von Seiten der Landesregierung, wonach das Lehramtsstudium in Greifswald unter der Bedingung der Schließung des Instituts für Bildungswissenschaften (IfB) in Greifswald erhalten bleiben soll. Die lehramtsrelevanten bildungswissenschaftlichen Seminare würden demnach von Rostocker Gastlehrkräften in Greifswald übernommen werden.

Mit einer vollständigen Konzentration der Bildungswissenschaften in Rostock wäre nach Angaben des Antragstellers die Lehrerausbildung in Greifswald langfristig gefährdet. Zudem würde es zu keiner qualitativen Verbesserung der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern kommen. Die Lehramtsstudierenden würden ihre Ansprechpartner für pädagogische Fragen in Greifswald verlieren, was insgesamt eine Verschlechterung der Ausbildung für Lehramtsstudierende in Greifswald bedeuten würde.

Neue Professuren für die Medizin

Weiterer Schwerpunkt der Senatssitzung werden Angelegenheiten der Medizinischen Fakultät sein. So wurde ein Antrag auf Ausschreibung zur W1-Junioprofessur für Tumorgenetik gestellt. Am Mittwoch wird die Anhörung zum Antrag auf Ausschreibung, Zur Zusammensetzung der Berufungskommission und zum Ausschreibungstext stattfinden.

Darüber hinaus möchte die Medizinische Fakultät noch weitere W2-Professoren in der kardiologischen Epidemologie, klinischen und experimentellen Neuroimmunologie, Nephrologie, individualisierter Laboratoriumsmedizin, Neuropathologie und Neuro-Urologie einstellen. Für den Bereich der “bevölkerungsbezogenen Versorgungsforschung und Community Health” fordert die Medizinische Fakultät eine W3-Professur an.

Der Senat tagt Mittwoch ab 14 Uhr im Konferenzsaal des Unihauptgebäudes

Tagesordnung

TOP 1: Feststellung der Beschlussfähigkeit und Bestätigung der Tagesordnung

TOP 2: Protokollrunde

TOP 3: Informationen des Rektorats

TOP 4: Informationen der Senatsvorsitzenden:

TOP 5: Vorlagen aus der Studienkommission:

TOP 6: Nachwahl eines studentischen Mitgliedes für die UB- /EDV-Kommission

TOP 7: Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses zum Körperschaftshaushalt 2009

TOP 8: Lehrerbildung

TOP 9: Angelegenheiten der Medizinischen Fakultät

TOP 9.1.: W1-Professur für Tumorgenetik

TOP 9.2: W2-Professur für kardiologische Epidemiologie

TOP 9.3: W2-Professur für Klinische und Experimentelle Neuroimmunologie

TOP 9.4: W2-Professur für Nephrologie

TOP 9.5: W2-Professur für Individualisierte Laboratoriumsmedizin

TOP 9.6: W2-Professur für Neuropathologie

TOP 9.7: W2-Professur für Neuro-Urologie

TOP 9.8: W3-Professur für bevölkerungsbezogene Versorgungsforschung und Community Health

TOP 10: Sonstiges


Foto: Markus Studtmann via Wikipedia (CC-Lizenz)


Mit dem Computer nach Afrika – Ein Lehramtsstudent berichtet

Geschrieben von | Veröffentlicht am 20. Juli 2010 um 15:43 Uhr

Ein Gastbeitrag von Michael Seifert

„Nach Kenia!?“ – Dr. Thomas, der Leiter des Lehrerprüfungsamtes, fiel fast vom Stuhl als ich ihm meinen Wunsch mitteilte, meinen dreimonatigen, „ausbildungsrelevanten“ Auslandsaufenthalt in einem englischsprachigem Land ausgerechnet in Kenia machen zu wollen. Noch skeptischer wurde sein Blick als ich ihm schilderte, dass die Reise nach Lodwar, mitten in die Wüste der Turkana im äußersten Nordwesten des Landes, einen Katzensprung entfernt zur Grenze zum Südsuden, gehen sollte. Dennoch wurde mir die Anerkennung durch das Lehrerprüfungsamt gegeben und die Reise konnte ganz offiziell genehmigt losgehen.

Lehramtsstudent Michael Seifert in der afrikanischen Wildnis. Auch im Bild: Dromedare.

Doch der Reihe nach: Wie kommt man dazu anstatt in England oder den USA ein Semester zu studieren, wie es die Schöpfer der Prüfungsordnung für das Lehramt Gymnasium im Fach Englisch sich sicherlich eigentlich gedacht hätten, einfach nach Kenia zu fahren? Die gewisse Abenteuerlust drei Monate meines Studiums in Afrika zu verbringen hatte ich, fehlte also nur noch die Zeit und der Grund. Nach der anstrengenden Wahlorganisation für StuPa-Wahl und Urabstimmung war ich urlaubs(-semester-)reif und die Eltern des ehemaligen Juso-Kreisvorsitzendens Eric Hartmann hatten den idealen Grund:

Nach ihrem Aufenthalt als Lehrer an der deutschen Schule Nairobi hatten Brit und Jan Hartmann immer noch starke Verbindungen nach Kenia. Nach ihrem Abschied konnten sie mit Cisco und der Diözese Lodwar ein Computerprojekt verwirklichen, dass sich in den vier Jahren gut entwickelt hat. Nun sollte die nächste Stufe gezündet werden, indem die Kurse didaktisch verbessert und Lehrer einer nahegelegenen Schule zu Computerlehrern ausgebildet werden sollten. Dazu passte ich als Englisch-Lehramtsstudent mit ordentlichen Computerkenntnissen natürlich sehr gut. Vier Monate, nachdem Eric mir den Floh in den Kopf gesetzt hatte, stieg ich Anfang Mai in das Flugzeug nach Nairobi. Von dort ging es eine Woche später weiter nach Lodwar.

Strohhütte im Nirgendwo

Angekommen an meinem Praktikumsort war ich erstmal baff: Der Flugplatz – eine unbefestigte Piste mitten im Nirgendwo; der Tower – eine Strohhütte, die Straßen – Sandpisten und durch den Ort laufen Herden von Ziegen, verfolgt von Hirten in traditionellen Gewändern. Ganz so krass hätte ich mir das doch nicht vorgestellt. Auch die Info, dass sich die Trucks in Richtung Südsudan im Ort stauen, weil sie nicht über den Fluss können, da letzte Nacht die Brücke weggeschwemmt wurde, steigerte meine Laune bei Ankunft nicht unbedingt. Aber kneifen galt nicht und so musste ich mich mit der Situation abfinden.

Der Flughafen in Lodwar, "eine unbefestigte Pisten im Nirgendwo"

Der Flughafen in Lodwar, "eine unbefestigte Piste im Nirgendwo".

Doch schon am nächsten Tag begann sich meine Laune zu heben: Spontan übernahm ich zusätzlich eine Science-Schulklasse für Schüler, die ihren Schulabschluss nachholen wollen – unbezahlbare Erfahrung in der, im Studium sehr knapp bemessenen, Praxis. Für einen angehenden Lehrer ein optimales Umfeld, da man keine Hilfsmittel, aber viel Freiraum hat. Die vielbeschworene Theorie der Didaktik und Methodik fühlte sich in dem Moment so weit weg an, wie meine Uni – auf einem anderen Kontinent. Man muss sich so genauer überlegen, wie man es den Schülern am Besten beibringt. So erklärte ich den Aufbau eines Fisches am (nicht mehr lebenden) Exemplar oder mittels eines Pappstreifens und Sand das Prinzip von Aerodynamik. Dabei bin ich mit meinen 30 Schülern in einer absolut privilegierten Situation. Bei einem Besuch in einer Schule staunte ich Bauklötze, als eine Klasse besser besucht war als so manche Vorlesung im Audimax der Rubenowstraße. Im öffentlichen Schulsystem Kenias dürfen sich die Lehrer nämlich mit 120 Schülern in einer Klasse rumschlagen! Die Motivation und Disziplin ist unglaublich hoch. Während bei uns wohl die wenigsten gerne ihre Zeit in überfüllten Schulräumen verbracht hätten, laufen kenianische Schüler mehrere Kilometer, um in die Schule zu kommen und verbringen manchmal den Nachmittag freiwillig in der Bibliothek. Auch bin ich in Deutschland selten auf der Straße angebettelt worden, doch das Schulgeld für jemanden zu übernehmen, damit er weiter lernen und sich fortbilden kann…

„Zeig mir, wie der Fisch gefangen wird!“

Das bringt mich auch direkt zu den Problemen Afrikas: Die Armut ist allgegenwärtig und als „Mzungu“ (Suaheli für „Weißer Mann“) wird man sehr häufig um Geld angebettelt. Für Afrikaner sind Europäer grundsätzlich reich und man soll ihnen doch bitte direkt helfen. Wenn man bedenkt, dass man für 20 Cent eine vollwertige Mahlzeit erhält, die für die meisten meiner Schüler den ganzen Tag reichen muss, wird einem dann doch anders. Ein Turkana hat aber meine Meinung genau auf den Kopf getroffen: „Gib mir keinen Fisch, sondern zeig mir, wie der Fisch gefangen wird!“ – anders ausgedrückt: Zeig mir wie ich’s richtig machen kann, damit ich mir in Zukunft selbst helfen kann. Deshalb engagiere ich mich gerne für Brit und Jan Hartmanns Projekt, um meinen Beitrag zu leisten, den Rückstand Afrikas in der IT-Bildung zu verkleinern. Nach dem Abschied der beiden ausgebildeten Lehrer schlief das Projekt mit der Computerbildung in der Primary School (diese geht bis zur achten Klasse) nämlich vorübergehend ein. Also wählte ich direkt die große Lösung und gab gleich zwölf Lehrerinnen und Lehrern einen Computerkurs, damit diese ihr frisch erworbenes Wissen so schnell wie möglich an die Schülerinnen der St.Monica-Girl’s-School weitergeben können um so den Rückstand Lodwars so schnell wie möglich zu verringern.

Bei einer Fahrt mit dem Weihbischof der Diözese ergab sich für mich auch die Möglichkeit, einen Einblick in das Flüchtlingsproblem Afrikas zu bekommen. Bei einer Fahrt durch das UN-Flüchtlingscamp in Kakuma wurde mir ein weiteres Mal klar, wie gut wir es in Deutschland haben. Das Camp trennte die einzelnen Flüchtlinge nach ihren Herkunftsländern auf. So wie die Häuser gebaut wurden, stelle ich mir Slums vor – die Baumaterialien Pappe, Blech und Holz überwiegen im Camp. Die Infrastruktur war nicht oder kaum vorhanden: Die Straßen waren Rüttelpisten, die Elektrizität kaum vorhanden und auf 70.000 Einwohner kamen fünf Bohrlöcher, die dann in verschiedene Brunnen verteilt wurden.

Wie viele passen in ein Auto? – Einer geht noch

Wieviele passen in ein Auto? Die Antwort: Mindestens zwei, da haben aber noch 13 weitere Platz.

Doch die Bewohner des Camps und in Lodwar allgemein sind nicht, wie man sich das gedacht hätte, verzweifelt, sondern strahlen absolute Lebensfreude aus. Wenn man auf Kinder trifft, wird man mit stürmischen „Mzungu, Mzungu“-Rufen begrüßt und ständig wird mir von den Kleinen „How are you?“ entgegengerufen. Diese Begrüßung ist die wortwörtliche Übersetzung von „Habari“ und ist der erste englische Satz, den die Kinder sprechen können. Auch die etwas älteren Bewohner sind total nett und im Vergleich zu uns Europäern unkompliziert. Während man in Deutschland peinlich genau darauf achtet, wie viele Leute in ein Auto passen, gilt in Kenia die Kapazitätsgrenze „einer geht noch“. Auf der Rückfahrt von Kakuma pressten wir uns mit 15 Personen auf die Ladefläche einer Pritsche. Als Deutscher wird man zudem während der WM ständig auf das Thema Fußball angesprochen. So ergeben sich viele nette Plaudereien über die schönste Nebensache der Welt. Absolut positiv ist auch die Gastfreundschaft der Afrikaner zu erwähnen. In einem Camp für IDPs wurde ich vom quasi Bürgermeister mit den Worten „es ist uns eine Ehre“ zum Mittagessen eingeladen. Das traditionelle Ziegenfleisch mit Ugali mit ihm und seinen Kindern in der einfachen Lehmhütte zu teilen, war ein tolles Erlebnis.

Gerade die Leute machen den Aufenthalt zu einem unvergesslichen und vor allem absolut positiven Erlebnis. In den zwei Monaten in Lodwar habe ich schon viele Freundschaften knüpfen und wunderbare Erfahrungen sammeln können. Auch Dr. Thomas’ Bedenken, ob man denn für das Englischstudium so viel lernen kann, kann ich absolut positiv entgegentreten. Durch die vielen Gäste der Diözese aus aller Welt kommt man zudem mit vielen klugen Menschen aus allen Kontinenten ins Gespräch. Und dabei ist die Sprache fast immer Englisch. Die Praxiserfahrung ist also sowohl beim Sprechen da, als auch beim Unterrichten. Für das weitere Studium war das Abenteuer in Lodwar also die perfekte Wahl. Wer sich genauer über das Projekt informieren will und meinen Reiseblog lesen will, der kann unter www.computerschule-kenia.de und www.abacus-ev.de alles noch mal genauer durchlesen. Über Kommentare auf dem Blog und Mails freue ich mich immer.

Viele Grüße aus der Wüste der Turkana an die Ostseeküste Greifswald,

euer Michael.

Fotos: Michael Seifert

500 gegen Tesch und für das Lehramt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 9. Juli 2010 um 00:44 Uhr

Frederic Beeskow, "Alterspräsident" des StuPa, ruft zur Demo

Aus den zehn Bussen auf dem Parkplatz in der Nähe des Schweriner Schlosses strömen an diesem 8. Juli um zehn Uhr insgesamt 500 Menschen, um sich für den bevorstehenden Demonstrationszug und die anschließende Abschlusskundgebung zu sammeln.

Der Umzug führte durch die Innenstadt über den Marktplatz und anschließend zur Siegessäule vor dem Schloss. Unter den Demonstrierenden befanden sich nicht nur zahlreiche Studierende. Der Studiendekan Professor Patrick Donges war ebenso dabei, wie Professoren Alexander Wöll, Dekan der Philosophischen Fakultät und Heinrich Assel, Dekan der Theologischen Fakultät.

Zudem waren die Lehrenden aus dem Bereich Fachdidaktik des Historischen Instituts mit in die Landeshauptstadt gefahren, um gemeinsam mit den Studierenden ein Zeichen gegen die Pläne der Landesregierung zu setzen. Darüber hinaus waren zahlreiche andere Wissenschaftler der Theologischen und Philosophischen Fakultät unter den Demonstrierenden. Auch einige Rostocker Universitätsangehörige reisten nach Schwerin, um die Greifswalder Studierenden bei ihrem Anliegen zu unterstützen. Bereits gestern war eine Solidaritätskundgebung der Bildungsaktion Rostock eingegangen. Im Verlauf der Kundgebung wurde eine weitere Solidaritätskundgebung des AStA Neubrandenburg verlesen.

“MähklenBurk prauchd kaihne LäHra!”

Die Karawane setzt sich in Bewegung...

Während des Umzuges durch die Innenstadt vielen erneut die Forderungen: “Hopp, Hopp, Hopp Bildungsabbau Stopp!”. Es wurde gepfiffen, in die Vuvuzela und das Horn geblasen und für das Greifswalder Lehramt getrommelt.  Letzteres übernahmen Vertreter des Studententheater StuThe. Auf den Schildern und Bannern standen Losungen wie “Sterbehilfe ist verboten – auch für uns”, “Gegen Bildungsterrorismus”, “MähklenBurk prauchd kaihne LäHra!” oder “Bildung MV/ HGW – weiterdenken verboten!” Das Bildungsbündnis Greifswald war ebenfalls mit ihrem Banner “reclaim your education” dabei. Zwei Studenten mimte einen Sensenmann mit dem Gesicht des Bildungsministers Henry Tesch.

Die Abschlusskundgebung wurde von Thomas Schattschneider, Sprecher der Landeskonferenz der Studierendenschaft, und Daniela Gleich, der amtierenden AStA-Vorsitzenden moderiert. Als erster Redner trat der SPD-Landespolitiker Mathias Brodkorb auf. Er warb für Verständnis der Studierenden gegenüber der Landesregierung. Andererseits hob er hervor, dass Rostock nicht über die Kapazitäten verfüge, alle Lehrerinnen und Lehrer im Land ausbilden zu können. Er forderte, dass Rostock und Greifswald in der Frage des Lehramtes gemeinsame Wege gehen sollten, anstatt sich zu spalten. Dass die Allgemeinen Studierendenausschüsse vor wenigen Tagen beschlossen, gemeinsam für den Erhalt des Lehramtes in Greifswald und für den Ausbau eines Zentrums für Lehrerbildung in Rostock zusammen zu arbeiten, wusste Brodkorb bis dato offenbar noch nicht.

Tesch stellt sich seinen Gegnern

Henry Tesch war ebenfalls auf der Kundgebung - hier eine Karikatur seiner selbst.

Bildungsminister Henry Tesch stellte sich – trotz Buh-und vereinzelten “Tesch muss weg”-Rufen -  ebenfalls den Demonstrierenden. Zunächst lobt er das Positionspapier der Greifswalder Studierendendenschaft zur künftigen Lehramtsausbildung an der Universität Greifswald. “Ihr Papier hat eine solche Qualität, dass ich es beiden Rektoraten empfohlen habe” meinte Tesch dazu. Anschließend redete er sehr viel über die Notwendigkeit einer Lehrerbedarfsplanung für das Land Mecklenburg-Vorpommern und dass es auch der Landesregierung um eine qualitative Verbesserung der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern gehe. Andererseits kritisierte er, dass in den vergangenen Jahren in Greifswald immer wieder betont würde, man wolle das Lehramt erhalten, andererseits jedoch bislang kein weiterer Ausbau der Fachdidaktiken erfolgte.

“Es gibt Sparzwänge vom Land, die dafür verantwortlich sind, dass Fachdidaktiken nicht weiter ausgebaut werden können” entkräftet Thomas Schattschneider die Kritik des Bildungsministers. Professor Roland Rosenstock, stellvertretender Senatsvorsitzender der Universität, unterstützt Schattschneiders Argumentation. Er verweist dabei auf die Argumentation der Regierung, die Universität wolle eine Profilierung auf Medizin und Naturwissenschaften. “Das Land hat den Abbau der Geisteswissenschaften betrieben, nicht die Universität! Weder das Rektorat, noch der Senat wollen eine Profilbildung auf Naturwissenschaften und Medizin” hob Rosenstock hervor. Er unterstrich besonders deutlich, dass die Zielvereinbarungen mit der Landesregierung von Seiten der Universität nicht unterschrieben würden, solange in diesem der Erhalt der Lehramtsstudiengänge nicht festgeschrieben sei.

Regierung hat “undurchdachtes, unrealistisches” bildungspolitisches Konzept

Kundgebung an der Siegessäule vor dem Schloss

Professor Assel, Dekan der Theologischen Fakultät sprach in Bezug auf die Pläne der Landesregierung von einem “undurchdachten, unrealistischen Konzept”, gegen welches die Teilnehmenden demonstrieren. Er rechnete vor, dass nach den Zielvorgaben des Landes bei einer Verlagerung des Lehramtes von Greifswald nach Rostock in der Stadt an der Warnow und deren Umland, dort Kapazitäten in Höhe von 180.000 Praktikumsstunden pro Semester vorhanden sein müssten. “Wo sollen diese Stunden in Rostock abgeleistet werden, wenn die Lehrerbildung dort konzentriert wird?” richtet Assel die Frage an die Landesregierung.

“Wir demonstrieren nicht nur für die Uni Greifswald. Wir demonstrieren für die Interessen künftiger Studierender, künftiger Lehrer und künftiger Schüler.” Für diese Worte erntete Professor Alexander Wöll, Dekan der Philosophischen Fakultät, breite Zustimmung durch Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Rasseln und Applaus. Er wies in seiner Rede darauf hin, dass man durch die Partnerschaft mit Rostock das Lehramtsstudium in Greifswald erhalten wolle.

Cornelia Mannewitz, Dozentin am Institut für Slawistik, sprach als Vertreterin der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf der Kundgebung. Sie hält die Schließung des Greifswalder Lehramts für undenkbar. “Die Pläne des Landes sind inakzeptabel.”

“Wer sich Greifswald ohne Uni vorstellen will, braucht nur mal nach Anklam zu fahren” meint der FDP- Landes- und Greifswalder Kommunalpolitiker Sebastian Ratjen zum Thema.

“Wichtiger Tag für Lehrerbildung in Greifswald und Mecklenburg-Vorpommern”

Banner des Bildungsbündnis Greifswald (BBG)

“Die Demonstration wurde vom AStA sorgfältig und verantwortungsvoll vorbereitet. Sie haben versucht, alle anzusprechen. Jeder konnte sich angesprochen fühlen. Es war ein wichtiger Tag für die Lehrerbildung in Greifswald und auch in Mecklenburg-Vorpommern, weil nur durch beide Universitäten eine qualitativ hochwertige Lehrerbildung abgesichert werden kann” beurteilt Professor Franz Prüß, Lehrstuhlinhaber für Schulpädagogik in Greifswald, die Veranstaltung.

“Ich habe einen guten Eindruck von der Demo” meint Dr. Michael Gratz, Dozent für Neuere Deutsche Literatur am Germanistischen Institut. Die Demonstration sei publikumswirksam gewesen. “Wenn etwas publikumswirksam ist, ist es immer gut, weil dann die Politiker vorsichtiger in ihrem Handeln werden.” Zudem seien “viele Sachen, die heute gesagt wurden, nicht immer gesagt worden.”

„Die heutige Demonstration hat nochmals den Standpunkt der Greifswalder Studierendenschaft Nachdruck verliehen, dass eine zukunftsfähige Lehrerausbildung ohne unsere Universität nicht denkbar ist. Durch das Greifswalder Positionspapier haben wir Fakten geschaffen und nun liegt es an den Rektoraten in Greifswald und Rostock zusammen mit den beiden Studierendenschaften und dem Bildungsministerium ein zukunftsgewandtes Lehramtskonzept zu entwickeln” wird Daniela Gleich in der Pressemitteilung des AStA zitiert. Der Greifswalder AStA werde weiterhin gemeinsam mit Vertretern der Rostocker Studierendenschaft an einem “nachhaltigen Lehrerkonzept für das Bildungsland Mecklenburg-Vorpommern arbeiten.”

Galerien von der Demo:

Fotos: Marco Wagner (Einzelfotos), Patrice Wangen (obere Galerie), Gabriel Kords (untere Galerie)

500 Studenten demonstrieren in Schwerin

Geschrieben von | Veröffentlicht am 8. Juli 2010 um 16:30 Uhr

Demonstranten auf dem Schweriner Markt

Etwa 500 Studenten und Dozenten der Greifswalder Uni haben heute vormittag an einer Demonstration in Schwerin teilgenommen. Sie protestierten damit gegen Pläne der Landesregierung, die Lehramt-Studiengänge in Greifswald aufzugeben oder zumindest stark einzuschränken. Unter den Protestierenden waren auch die Dekane der philosophischen und theologischen Fakultät, die Professoren Wöll und Assel, sowie der stellv. Senatsvorsitzende Prof. Rosenstock und zahlreiche weitere Dozenten verschiedener Institute.

Auf dem Protestmarsch durch die Schweriner Innenstadt skandierten die Teilnehmer Sprüche wie “Wer Lehrer quält, wird abgewählt” und “Tesch muss wesch”. Bei der anschließenden Kundgebung am Landtag sprachen der stellv. Senatsvorsitzende Thomas Schattschneider, verschiedene Greifswalder Professoren und der SPD-Bildungsexperte Matthias Brodkorb.

Bildungsminister Henry Tesch (CDU) während der Kundgebung.

Auch Bildungsminister Henry Tesch (CDU) sprach zu den Studierenden. Unisono wurde das vor zwei Wochen vorgelegte studentische Positionspapier zur Lehramts-Ausbildung gelobt – auch vom Minister. Er empfahl den Rektoren in Greifswald und Rostock, das Papier in die Verhandlungen zu den Zielvereinbarungen, die derzeit laufen, mit einfließen zu lassen. Außerdem übte Tesch unverhohlene Kritik am Greifswalder Rektor, Prof. Rainer Westermann. Im Gegensatz zu den Studenten lasse dieser eine klare Positionierung vermissen.

Immerhin hatte das Rektorat aber einen Bus nach Schwerin gesponsert, ebenso der Uni-Förderverein. Weitere Spenden kamen unter anderem von den Stadtwerken Greifswald. Die Stimmung der Protestierenden im sonnigen und heißen Schwerin war heiter – Konflikte oder Probleme gab es nicht. Die Veranstaltung endete nach zwei Stunden mit der Rückfahrt der Teilnehmer nach Greifswald.

Einen ausführlichen Bericht lest ihr in Kürze auf dem webMoritz.

Update: Fotos von der Demo

Fotos: Gabriel Kords

*Update*Einigung zwischen Greifswald und Rostock im Lehramtsstreit

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. Juli 2010 um 22:53 Uhr

Trotz der Einigung ist die Notwendigkeit, in Schwerin zu demonstrieren, nach wie vor gegeben.

Wie aus einer am Dienstagabend eingegangenen gemeinsamen Pressemitteilung der Allgemeinen Studierendenausschüsse Rostock und Greifswald hervor geht, konnten sich beide Vertretungen der jeweiligen Studierendenschaften während eines gemeinsamen Treffens in Rostock auf einen Kompromiss einigen. Für Greifswald sollen die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik vorgehalten werden.

Die sogenannten Unikatfächer Dänisch, Geografie, Kunst und Gestaltung, Norwegisch, Polnisch, Russisch und Schwedisch sollen weiterhin in Greifswald verbleiben. “Der voraussichtlich zukünftig steigende Bedarf an spezieller pädagogischer Lehre (bspw. Sonderpädagogik)” solle weiterhin in Rostock verbleiben bzw. “nach Greifswald importiert werden.” Zudem wollen “beide Seiten gemeinsam daran arbeiten, die zukünftige Lehrerbildung zu verbessern und ihre Ideen in das neue Lehrerbildungsgesetz hinein zu tragen.” Der Kompromiss wurde in einem Entwurf eines “Konsenspapier der Studierendenschaften der Universitäten Greifswald und Rostock zur Lehrerbildung in Greifswald” festgehalten. Die Studierendenparlamente in Rostock und Greifswald müssen nun dieses Papier noch jeweils absegnen, um die Einigung zu besiegeln.

Dem webMoritz liegt zu gegebener Stunde der Entwurf des Kompromisspapiers vor. In diesem heißt es unter anderem: “Die Unikatfächer sollten mit Hauptfächern (Mathematik, Englisch, Deutsch) oder mit Fächern hohen Bedarfs kombiniert werden.” Im Gegenzug erklärten sich die Greifswalder damit einverstanden, dass es “keinen weiteren Ausbau der Erziehungswissenschaften” gäbe und man gemeinsam mit Rostock “intensiv im Zentrum für Lehrerbildung und Bildungswissenschaften des Landes in Rostock zusammenarbeiten zu wollen.”

Insgesamt stellen sich somit beide Studierendenschaften erstmalig gemeinsam gegen die Pläne der Landesregierung, das Lehramt bis auf das Fach Kunst und Gestalten nach Rostock verlagern zu wollen. Die Signale der Landesregierung bezüglich dieses Kompromisses müssen vorerst abgewartet werden. Denn schlussendlich bleibt für die Zukunft des Greifswalder Lehramtes entscheidend, wie in Schwerin das Urteil über die Zukunft des Lehramtsstudiums fällt.

*Update* 07.07.10, 23:30

Den webMoritz erreichte vor kurzem eine Pressemitteilung der “Bildungsaktion Rostock”. In dieser wird zur Solidarität mit den Studierenden der Universität Greifswald aufgerufen. Darin heißt es unter anderem:

“Studierende in Mecklenburg-Vorpommern lassen sich nicht spalten:
Aufruf zur Teilnahme an der Großdemonstration in Schwerin!
Am Donnerstag, den 08.Juli 2010 veranstaltet der AStA Greifswald in Schwerin eine Demonstration gegen die Streichung der LehrerInnenausbildung. Die Bildungsaktion Rostock unterstützt die Greifswalder Studierendenschaft bei diesem Vorhaben.
Beide Universitäten müssen Maximalforderungen stellen können, ohne mit der jeweils anderen Universität in einen Konkurrenzkampf zu treten. (…) “Wir begrüßen jeden Widerstand gegen die Zielvorgabe des Ministeriums, unsere Hochschulen angeblich effizienter zu gestalten, Kosten einzusparen und den Stellenabbauplan bis zum Jahr 2017 mit aller Gewalt durchzudrücken” so Florian Fröhlich als Mitglied der Bildungsaktion Rostock. Im Unterschied zum Bundesland Schleswig-Holstein, in dem der Sparhammer kurz und schmerzvoll zuschlägt, wird der “Kürzungsschmerz” in Mecklenburg-Vorpommern geschickt über einen Zeitraum von 13 Jahren in die Länge gezogen, um den Widerstand gering zu halten und auf verschiedene Hochschulen zu verteilen. “Wir rufen die Gremien beider Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern auf, sich gemeinsam auf einen Forderungskatalog zu einigen, der Maximalforderungen beider Unis zulässt und geschlossen deren Realisierung durch das Bildungsministerium einfordert” fügt Fabian Nehring, ebenfalls Streikmitglied, hinzu. (…) Die Bildungsaktion Rostock ruft alle Studierenden dazu auf, an den Protesten der Greifswalder teilzunehmen und der Landesregierung ihren Unmut kundzutun!”

Sollten zahlreiche Studierenden landesweit und nicht zuletzt von der Uni Rostock dem Aufruf folgen und die Greifswalder Studierenden bei ihren Protesten morgen in Schwerin unterstützen, dürfte sich der Druck auf die Landesregierung in Bezug auf ihre Einsparungspolitik im Bildungswesen dadurch weiter erhöhen.

Vollversammlung- so spannend, dass viele erst gar nicht kamen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 23. Juni 2010 um 23:32 Uhr

Die Vollversammlung war nur mäßig besucht.

Am Mittwoch dem 23. Juni fand die Sommervollversammlung (VV) der Studierendenschaft der Universität Greifswald statt. Was für alle Anwesenden schon längst augenscheinlich war, bestätigten die Zahlen: Die Hallen am Bahnhof waren mit gerade mal 160 Teilnehmern nur eher mäßig gefüllt, die VV damit nicht beschlussfähig. Fünf Prozent der Studenten, also gut 600 Personen, wären dafür nötig gewesen.

Die Lehrerbildung war an diesem Nachmittag das am meisten diskutierte Thema. Der AStA beantragte, dass die Studierendenschaft zur Greifswalder Lehramtsausbildung bekennt. Dazu war am Montag bereits ein Positiosnpapier vorgestellt worden.

In der Diskussion um diesen Antrag wurde unter anderem gefragt, warum man bei diesem Papier auf die Zusammenarbeit mit Rostock verzichtet habe. Dem sei, so Daniela Gleich, kommissarische AStA- Vorsitzende nicht so gewesen. Man habe angefragt. Seitens der Universität Rostock sei jedoch kein Interesse vorhanden gewesen, die Greifswalder Studierenden in ihrem Kampf gegen die Schließung der Lehramtsausbildung zu unterstützen.

“Drescht auf Tesch ein”

„Drescht auf Tesch ein“ forderte Stephan Schumann von den Jusos, bezog dies allerdings auf einen verbalen Druck. In diesem Rahmen appellierte Paula Zill, AStA-Referentin für Studium und Lehre, an die Studierendenschaft, sich unbedingt an den Protesten um den Erhalt der Lehramtsausbildung zu beteiligen. Nach einer längeren Debatte folgte schließlich die Abstimmung. Die Mehrheit der Studierenden stimmte für den Antrag.

Professor Walter erhielt den Preis für hervorragende Lehre an der Universität Greifswald.

Des Weiteren wurde an diesem Abend der Preis für hervorragende Lehre des Allgemeinen Studierendenausschusses erstmalig vergeben. Preisträger ist der Slawistik-Professor Professor Harry Walter. Prorektor Professor Michael Herbst hielt zuvor eine Laudatio für den Preisträger.  Begründet wurde die Preisvergabe unter anderem damit, dass es bei den Lehrveranstaltungen von Walter zu einer besonders engen Verzahnung zwischen Studium, Forschung und Lehre käme. Das Preisgeld, welches der Professor neben einer Urkunde und einem Blumenstrauß erhielt, wolle er im Sinne der Studierenden und für eine zusätzliche Exkursion nutzen.

BWL-Diplom soll bleiben

Nach dieser Ehrungszeremonie wurde wieder relativ lange über den Erhalt des BWL-Diploms debattiert. Professor Roland Rollberg, vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre hielt eine Plädoyer für den Erhalt des Diplomstudienganges  in Greifswald. „Warum lautet der Antrag nicht: Ablehnung des Bologna-Prozess insgesamt?!“ wirft der Student Eric in die Diskussion mit ein. Nach einer guten halben Stunde wurde über den Antrag, den letzten noch vorhandenen Diplom-BWL-Studiengang zu erhalten, abgestimmt. Eine große Mehrheit sprach sich für deren Erhalt aus.

Die Novellierung des Landeshochschulgesetzes (LHG) stand ebenso auf der Agenda und sorgte für einigen Diskussionsstoff. Die Antragsteller kritisierten, dass im Gesetz kein Freiversuch bei den Prüfungen und keine Vollversammlungspflicht enthalten sind. Diese, so die deutliche Mehrheit der Vollversammlung, sollen noch eingefügt werden..

Professor Rollberg verteidigt das BWL-Diplom an der Universität Greifswald

Lange wurde auch über die Verbesserung der Radwegsituation diskutiert. Dies schloss eine Fürsprache der Studierendenschaft für die Diagonalquerung an der Europakreuzung mit ein. Die Studierendenschaft stimmte für den Ausbau der Radwege in Greifswald.

Neben diesen Anträgen fordert die Studierendenschaft eine Verbesserung der Wohnraumsituation in der Stadt und des Essensangebots in der Mensa, welches unter anderem auch die Speiseinteressen der Veganer berücksichtigen soll.

Nicht angenommen wurde ein Antrag, zur Ausstattung der Innenstadt mit Uni-WLAN. “Die Vollversammlung bittet die Universität Greifswald, an den am meisten frequentierten Plätzen in der Innenstadt Uni-WLAN bereitzustellen” – so der Wortlaut des Antrages. Der Antrag stieß bei vielen Studierenden auf Unverständnis. Dies sei nicht Aufgabe der Universität und in Zeiten knapper Kassen eine unnötige Ausgabe, erklärten mehrere Anwesende. Am Ende stimmten 36 dagegen und 21 dafür – zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Teilnehmerzahl offenbar bereits mehr als halbiert.

Senkung des Semesterbeitrages auf sieben Euro: “Absoluter Schwachsinn!”

Der frühere AStA-Finanzreferent Eric Kibler wünschte sich in einem Antrag, dass sich die Studierendenschaft dafür ausspreche, den Semesterbeitrag auf sieben Euro zu senken. Erik von Malottki (Jusos) hielt diesen Antrag für “absoluten Schwachsinn”. Ein Votum für diesen Antrag würde in letzter Konsequenz zu einer Schwächung der Studierendenschaft und der studentischen Kultur führen. Die studentische Kultur wird zum größten Teil aus den Einnahmen durch die Semesterbeiträge finanziert.

Begründet wurde der Antrag damit, dass die vorhandenen finanziellen Überschüsse der Studierendenschaft abgebaut werden sollten. Neben Erik von Malottki hielten noch viele andere Studierende, darunter Corinna Kreutzmann, derzeit Finanzreferentin im AStA, Reden gegen diesen Antrag, der schlussendlich abgelehnt wurde.

Studierendenschaft soll Mittel der Studierenden abrufen

Public Viewing gab es in den Hallen am Bahnhof nicht. Immerhin war für das leibliche Wohl gesorgt

Thomas Schattschneider stellte schlussendlich einen Alternativantrag vor. “Die Vollversammlung fordert alle Studierenden der Universität Greifswald auf, die bereitgestellten finanziellen Mittel für kulturelle, soziale oder politische Projekte aktiv abzurufen.” Dieser Antrag wurde dann auch von den noch übrig gebliebenen Anwesenden angenommen.

Ein Antrag von Benjamin Dahlke, die Studierendenschaft möge fordern, dass alle bereits umgestellten BA/ MA-Studiengänge wieder in Diplom/ Magisterstudiengänge umgewandelt werden, fand ebenso keine Mehrheit unter den Anwesenden.

Der Antrag zur Abänderung der Fristenregelung für die Abmeldung von schriftlichen Prüfungen wurde von der Studierendenschaft unterstützt. Studenten sollen sich, so der Wille der VV, künftig bis zu sieben Werktage vor dem Prüfungstermin von der Prüfung wieder abmelden können.

Zudem gab es noch einen Informations-TOP, in dem sich der AStA und die Moritz-Medien vorstellten. Zuletzt waren unter den etwa 50 verbliebenen Anwesenden hauptsächlich die “üblichen Verdächtigen” in den Hallen am Bahnhof. Nach vier Stunden war schließlich Schicht im Schacht. Die – wieder einmal nicht beschlussfähige Vollversammlung – war beendet. Das im Anschluss geplante Public Viewing musste aufgrund technischer Probleme ausfallen.

Korrekturhinweis: Die im Text angegebene Zahl von 160 Teilnehmern bezieht sich auf den Beginn der Vollversammlung. Diese erhöhte sich noch leicht auf 200.

Fotos:

Carsten Schönebeck

Positionspapier kritisiert Bildungsministerium

Geschrieben von | Veröffentlicht am 21. Juni 2010 um 10:28 Uhr

Kundgebung für das Lehramts-Studium in Greifswald Anfang Juni 2010

Mehrere Vertreter der Studierendenschaft haben ein Positionspapier zur Lehramtsausbildung ausgearbeitet, das heute Mittag der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Das Studierendenparlament hat das Papier in seiner Sitzung am 16. Juni verabschiedet.

In dem 35-seitigen Dokument setzen sich die Autoren mit der Zukunft der Lehramtsausbildung in M-V auseinander. Die Studierenden haben dabei die bestehenden Verhältnisse in Greifswald und Rostock verglichen und werfen einen äußerst kritischen Blick auf die Planungen des Ministeriums und die ihnen zu Grunde liegenden Studien und Berechnungen. Dabei machen sie eine Reihe von Fehlschlüssen und methodischen Problemen aus.

Vor Veröffentlichung: Maulkorb für studentische Medien

Das Studierendenparlament hatte in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch versucht, die Verabschiedung des Positionspapiers hinter verschlossenen Türen stattfinden zu lassen. Die Öffentlichkeit war dazu mit großer Mehrheit ausgeschlossen worden. Als Begründung dieses Schrittes wurde angeführt, man wolle eine Berichterstattung der Medien über das Papier bis zu dessen offizieller Vorstellung verhindern. Trotz mehrfachen Protests seitens des webMoritz waren keine triftigen Gründe für dieses Ansinnen genannt worden.

Zudem war das Positionspapier unter den Gästen im Saal herumgereicht worden – auch noch nach dem nicht-öffentlichen Sitzungsteil. So dürfte auch zu erklären sein, warum es dem ein oder anderen inzwischen doch vorliegt. Wie Carsten Schönebeck heute in der Ostsee-Zeitung berichtet, stellt sich die Greifswalder Studierendenschaft mit dem Positionspapier erstmals gegen die Kommilitonen in Rostock. In dem Papier heißt es etwa:

“In den Eckwerten des MBWK (Anm: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur) wird in einer knappen Passage auf die Lehrerbildung des Landes eingegangen, wobei die Leistungen der Rostocker Universität zu Unrecht positiv hervorgehoben werden. Die Leistungen der Universität Greifswald werden hingegen negativer dargestellt als sie sind.”

Prognose: Alle Lehrer arbeiten Vollzeit, keiner geht in Frührente

Insgesamt sei die vergleichende Darstellung der beiden Landesuniversitäten, die Rostock bessere Leistungen bescheinigt, “mangelhaft” und “interessengeleitet”. Mithilfe zahlreicher Statistiken und Untersuchungen wollen die Autoren diese Thesen nachweisen. So führen sie etwa auf, dass die Staatsexamens-Noten in Greifswald seit Jahren gleich gut ode besser sind wie die in Rostock. Zudem halten die Autoren den vom Land prognostizierten Lehrermangel in den kommenden zehn Jahren für stark untertrieben, denn die Berechnungen seien durch die Wahl der Parameter geschönt. So gehe das Bildungsministerium in seiner Bedarfsstudie unter anderem davon aus, dass alle Lehrer im Land Vollzeit arbeiten und kein einziger von ihnen in Frührente geht.

Insgesamt bemühen sich die Studierenden in dem Dokument um einen wissenschaftlichen und sachlichen Ton. So will man offenbar erreichen, dass das Papier im Ministerium und in der Landespolitik intensiver wahrgenommen wird als gewisse andere Protestformen. Das Papier enthält über 70 Fußnoten, zahlreiche Tabellen und Diagramme und ein einseitiges Abkürzungsverzeichnis. Zu den Mitarbeitern gehören unter anderem Daniela Gleich (komm. AStA-Vorsitzende), Franz Küntzel und Björn Reichel (HoPo-Referenten), Erik von Malottki (StuPist, Jusos) sowie die StuPa-Urgesteine Thomas Schattschneider (ohne Hochschulgruppe) und Alexander Schulz-Klingauf (GHG).

Eine ausführliche Vorstellung des Positionspapiers ist für heute Mittag, 14 Uhr angesetzt – der webMoritz wird darüber selbstverständlich berichten. Reaktionen aus der Politik oder vonseiten des Bildungsministeriums gibt es noch nicht.

Foto: webMoritz-Archiv/Carsten Schönebeck

Kontroverse um Latinum am Historischen Institut

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Juni 2010 um 17:55 Uhr

An Latein verzweifeln viele Studenten

An Latein verzweifeln viele Studenten

In Mecklenburg-Vorpommern besteht auf Grund des Landeshochschulgesetzes eine La­ti­nums­pflicht für Geschichtslehrer, ganz gleich, ob sie an Gymnasien oder Haupt- und Realschulen un­terrichten.

Wer also Geschichte auf Lehramt studiert, benötigt das Latinum für sein erstes Staatsexamen und muss das, solange es nicht bereits zu Schulzeiten abgelegt wurde, an der ­U­ni nachholen. In Greifs­wald werden dazu zwei verschiedene Kurse angeboten. Beim ersten wer­den die Lateinkenntnisse über vier Semester mit je vier SWS vermittelt. Der Intensivkurs hin­gegen dauert nur zwei Semester. Seine Arbeitsbelastung ist aber auch mit acht SWS ent­sprechend hoch.

Viele Studenten zögern die Lateinkurse bis zum letzten- scheinfreien- Se­mes­ter hinaus. Nur wenige schaffen ihr Studium dann in der Regelstudienzeit. Dazu hängt über vie­len noch wie ein Damoklesschwert die gravierende Regelung, dass, wer dreimal durch die La­ti­numsprüfung rattert, für immer für das Lehramt Geschichte in Deutschland gesperrt ist.

FSR fordert Abschaffung der Latinumspflicht

Dem Fachschaftsrat Geschichte ist diese Problematik wohl bekannt. Immer wieder wenden sich verzweifelte Studenten an den ihn, um Hilfe in dieser Situation zu finden. Immer wieder wird über den enorm hohen Arbeitsaufwand geklagt. Viele Betroffene fordern die Ab­schaf­fung der Latinumspflicht, da sie sie für unsinnig halten.

Besonders wird jedoch der fehlende Praxisbezug kritisiert: Im Schulunterricht werden kaum Quellen analysiert. Schon gar nicht sei damit zu rechnen, dass jeder Schüler Latein könne. An vielen Schulen besteht noch nicht einmal die Möglichkeit, Latein als zweite Fremdsprache zu wählen.

Wolfram Löbsack, FSR-Vorsitzender

Wolfram Löbsack, Vorsitzender des FSR Geschichte, merkt an, dass das Latinum auch in keiner Weise für das Studium erforderlich ist. „In den Seminaren wird lediglich mit über­setz­ten Quellen gearbeitet, jedoch nie mit Originaltexten. Es ist durchaus möglich, das Studium ohne Lateinkenntnisse quasi zum Abschluss zu bringen.“

Zudem steht der Arbeitsaufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen. „Es entfallen nicht nur mehr SWS auf Latein als auf Lehrveranstaltungen für Didaktik und Pädagogik.“ so Löbsack. „Was die Studenten für die La­tein­kurse zu Hause vorbereiten müssen, ist enorm: Formen lernen, Grammatik pauken, ganze Tex­te übersetzen.“

Insgesamt sei der Schwierigkeitsgrad der Kurse, aber auch der Prüfung zu hoch. Dies äußere sich in einer hohen Durchfallquote. Deren genauer Wert wird zwar nicht veröffentlicht, beim FSR sieht man in dieser Praxis aber den Beweis für eine hohe Quote.

Dr. Lars Deile vom Arbeitsbereich Fachdidaktik der Geschichte bringt die Meinung vieler Studenten auf den Punkt: „Das Latinum ist sinnvoll, aber in den Anforderungen nicht zu recht­fertigen. Wenn das Kultusministerium die Studienzeiten schon verkürzen will, dann sollte man beim Latinum anfangen.“

Beim Fachschaftsrat sieht man das ähnlich. Wolfram Löbsack und seine Mitstreiter setzen sich für die Abschaffung der Latinumspflicht in Meck­lenburg- Vorpommern ein. „Im Interesse der Studenten und Schüler sollten die Lehr­amts­stu­den­ten lieber auf ihre künftige Rolle als Lehrer umfassender vorbereitet werden, statt so viel Energie in Latinum zu investieren, das lediglich als Prestigequalifikation gilt.“, so Wolfram Löbsack.

Als Alternativen schlägt er mehr Didaktikstunden oder schulpraktische Übungen vor, hält aber auch das Ausweichen auf Sitzscheine oder Übungen in Alter Geschichte für sinnvoll. „Man könnte auch statt Latein eine moderne Fremdsprache erlernen, was angesichts des Migrations- und Integrationsaspekts von Schule sicher vernünftig erscheint.“, so Löbsack weiter. Um für Beistand zu werben, schrieb der Fachschaftsrat Briefe an die Bil­dungs­be­auf­trag­ten der demokratischen Parteien im Landtag. Bisher erfuhr man jedoch nur wenig Unter­stüt­zung.

Bis es zu einer Verbesserung der Situation kommt, rät der Fachschaftsrat, wenn möglich, die benötigten Lateinkenntnisse nicht an der Universität Greifswald zu erwerben. Stattdessen empfiehlt der FSR auf Lateincrashkurse auszuweichen, wie sie etwa die Hamburger Aka­de­mie Bonae Artes anbietet. So könne man viel Zeit sparen, die sonst für die Lateinkurse an der Uni geopfert werden müsste.

Billig sind solche Intensivkurse jedoch nicht. Bonae Artes etwa verlangt für einen fünf- bis sechswöchigen Kurs 525 Euro. Eine Unterkunft ist nicht inbegrif­fen, auch muss die eigentliche Latinumsprüfung noch an einer Schulbehörde oder be­rech­tig­ten Universität abgelegt werden.

Latinumsbefürworter stellen ihre Sicht dar

Der Lateindozent Jens Metz äußert Verständnis für die Studierenden. Er sei sich bewusst, dass die Latinumskurse eine große Belastung darstellen. Dennoch teile er nicht die Argumentation der Studierenden. „Die meisten dieser Argumente sind einer inneren Abneigung der Studenten gegen die lateinische Sprache entsprungen. Diese erkläre ich mir durch den Lernaufwand und die Prüfungsangst.“, so Metz.

„Die Durchfallquote veröffentliche ich aus zwei Gründen nicht. Erstens, um die Diskussion nicht weiter anzuheizen. Zweitens bin ich mir bewusst, dass in­folge der Tatsache, dass viele Studenten das Latinum bis kurz vor dem Staatsexamen auf­schie­­ben, die Latinumsprüfung zu einer Art ‚Zulassungsklausur‘ für das Staatsexamen hoch­sti­­lisiert wird, und drittens werden bzw. wurden in Greifswald von Prüfungen dieser Relevanz nie Durchfallquoten he­raus­ge­ge­ben.“

Die meisten Dozenten am Historischen Institut stehen hinter dem Latinum

Für das Nichtbestehen einiger Studenten macht er ein fehlendes Grundverständnis von gram­matischen Strukturen und die Abwesenheit der Studenten von den Kursen verantwortlich. Wer alleine versuche, die komplexen Strukturen der lateinischen Sprache zu begreifen, mache es sich noch einmal enorm schwer.

Den Latinumstourismus, die Latinumsprüfung etwa an einer Schule oder in einem anderen Bundesland abzulegen, hält er für problematisch. An der Uni­ver­sität Greifswald kenne man die Prüfer und wisse auch als Student, welche Lektüre einen er­wartet. Lege man das Latinum etwa an einer Schule ab, könne man mit Dichtung oder an­de­ren, schwierigeren Texten konfrontiert werden, die an der Uni nicht behandelt und deshalb auch nicht abgeprüft werden würden, so Metz.

Von Seiten der Studierenden wird aber vor allem damit argumentiert, die Lateinkenntnisse hät­ten weder im Studium selbst, noch im späteren Beruf einen Praxisbezug und kämen kaum zur Anwendung. Bestreiten will dies von Seiten der Latinumsbefürworter niemand.

Dr. Ber­nard van Wickevoort Crommelin vom Lehrbereich Alte Geschichte weist jedoch darauf hin, dass gerade ein Praxisbezug im Studium zwar wünschenswert, aber nicht machbar sei: „Da Bachelor-Studenten keine Lateinkenntnisse benötigen, kann in Seminaren nicht mit la­tei­ni­schen Originalquellen gearbeitet werden. Ansonsten müssten für Bachelor- und Lehr­amts­stu­denten zwei unterschiedliche Seminare angeboten werden. Das ist natürlich nicht möglich“, so van Wickevoort Crommelin.

Eine Abschaffung des Latinums halten sowohl Metz als auch van Wickevoort Crommelin für problematisch: „Die meisten Bundesländer verlangen das Latinum von ihren Lehrern. Ich kann es nicht verantworten, wenn ein Student aus Greifswald seinen Studienort nicht wech­seln könnte oder später keine Arbeit in einem anderen Bundesland aufnehmen darf, nur weil M-V das Latinum nicht von seinen Lehramtsstudenten verlangen sollte“, so van Wickevoort Crommelin. Metz gibt weiterhin zu bedenken, dass nicht jeder, der auf Lehramt studiert, auch Lehrer wird. „Ich selbst bin das beste Beispiel.“, so Metz. „Ohne Latinum wäre den Studenten dann aber auch der Weg in die Forschung versperrt.“

Dem Argument, Latein sei spätestens seit dem Mittelalter ein tote Sprache, widerspricht Metz. Latein sei mehr als 2000 Jahre die Weltsprache gewesen und bis ins 19. Jahrhundert die Wis­sen­schaftssprache – wie heute Englisch. „Wer also den Wert der historischen Weltsprache Latein untergräbt, untergräbt per se auch den Wert der aktuellen Weltsprache Englisch“, fügt Metz an.

Van Wickevoort Crommelin wirft einen weiteren Aspekt auf: Die Sicht des Wissenschaftlers. „Ich denke, die ganze Problematik wird viel zu formal gesehen. Die Diskussion darf in keinem Fall nur unter Gesichtspunkten der Verwertbarkeit des Latinums geführt werden, etwa im Unterricht. Es geht primär um die inhaltliche Dimension.“, gibt van Wickevoort Crommelin zu bedenken.

Insofern soll mit dem Lateinischen vor allem die Fähigkeit zur Interpretation und Deutung von Sprache vermittelt werden. „Es geht also um die dahinter stehende Deutung von Welt, im Sinne von Weltsicht, und um das Verstehen von Denkweisen.“

Kommission berät Lösungsvorschläge

Aber auch auf Seiten der Latinumsbefürworter will man die Probleme der Studenten nicht klein­reden. Es gibt verschiedene Vorschläge, die zurzeit unbefriedigende Praxis zu ändern. Jens Metz etwa schlägt die Einführung eines Propä­deu­tikums, also Vorstudiums vor, in dem die terminologisch-metasprachlichen Grundlagen für das Studium geschaffen werden sollen – auch das Latinum.

Weiterhin berät man, eine be­stimmte Semestergrenze einzuführen, bis zu der das Latinum spätestens abgelegt werden muss. Damit soll verhindert werden, dass Studenten ihr Staatsexamen praktisch in der Tasche haben, jedoch am Latinum auf den letzten Metern scheitern.

Im Laufe dieses Semesters noch will eine Kommission von Lehrenden über das weitere Vor­ge­hen beraten. Ihr werden neben Jens Metz auch Prof. Dr. Stamm- Kuhlmann, derzeit Direktor des In­sti­tuts, und Professor Dr. Spieß, Lehr­stuhlinhaber für Allgemeine Geschichte des Mittelalters, angehören.

Bildquellen:

Startseite: flickr (veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz, aufgenommen von -Marlith-)
Wolfram Löbsack: Homepage des FSR Geschichte, keine CC-Lizenz
Historisches Institut: Homepage des Historischen Instituts, keine CC-Lizenz

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