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Von völkischen und neurechten Jugendgruppen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 16. Juli 2009 um 09:04 Uhr

Der Artikel vom 7. April zum Verbot der rechtsextremen Organisation “Heimattreue Deutsche Jugend – Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.” (HDJ) stieß bereits auf hohe Resonanz. Auch in der breiten Öffentlichkeit gibt es, spätestens seit dem Verbot großes Interesse an der Thematik völkischer Jugendgruppen.

Inzwischen gibt es eine Publikation und ein Internet-Blog die sich damit beschäftigen. Grund genug das Thema hier erneut aufzugreifen.

BUCH ÜBER VÖLKISCHE UND NEURECHTE JUGENDGRUPPEN

Wer trägt die schwarze fahne dort - Cover-208x300

Mit dem Thema “rechte Jugendgruppen” haben sich der Berliner Journalist Maik Baumgärtner und der Diplom-Sozialpädagoge Jesko Wrede aus dem Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP) beschäftigt. Mehrere Jahre recherchierten beide zu völkischen und neurechten Jugendbünde und trugen dabei viel Material zusammen. Auf 212 Seiten präsentieren sie nun ihre Zwischenergebnisse.

Die Publikation “Wer trägt die schwarze Fahne dort…” erschien Anfang Juni bei der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt (ARUG) und war nach zwei Wochen bereits vergriffen.

Für Nichtkenner der deutschen Jugendbewegung wird als Einstieg die historische Entwicklung der Jugendbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts nachgezeichnet. Weiter geht es mit der Neugründung nationalistischer Jugendbünde in den 1950er und 1960er Jahren. Kurz werden dabei einige nicht mehr existierende Dachverbände, sowie Gruppen vorgestellt.

Doch gerade die aktuelle Situation ist sehr interessant. Völkische und neurechte Gruppen geben sich nach außen harmlos. Sie kleiden sich wie Jugendbewegte, singen die selben Lieder und gehen teilweise auf Fahrt. So sind sie schwer von Pfadfindern, Bündischen und Wandervögeln zu unterscheiden. Damit versuchen sie an die “normale” Jugendbewegung anzuschliessen, was ihnen teilweise gelingt. Nach Innen legen sie jedoch ihren Schafspelz ab, vertreten teilweise Blut-und-Boden-Ideologie und idealisieren das Volkstum.

Daher widmen sich Baumgärtner und Wrede vor allem noch existierenden, aktiven Gruppen und stellen diese vor. Dabei wird auf die Geschichte der Gruppen, deren Auftreten, Publikationen, Mitglieder, Kontakte ins rechte Milieu und ihre programmatischen Schwerpunkten eingegangen.

Dabei werden die Gruppen “Der Freibund – Bund Heimattreuer Jugend e.V.”, “Sturmvogel – Deutscher Jugendbund”, “Fahrende Gesellen – Bund für deutsches Leben und Wandern e.V.”, “Deutscher Mädelwanderbund”, “Überbündischer Kreis”, “Freundeskreis der Artamanen” und “Deutsche Gildenschaft“ vorgestellt und besprochen.

Auch Aktionen wie das sogenannte “überbündische Burgfest”, sowie die “Aktion Gedenkzug” finden Erwähnung. Die Haltung von Pfadfindern, Wandervögeln und der bündischen Rechten zwischen Abgrenzung und Annäherungsversuchen findet in einem extra Kapitel Platz.

Im Anhang werden “Die Ludendorffer – Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.” und “Sturmadler – Jugendbund für Fahrt und Lager” behandelt. Es gibt ebenso ein Personen- und Sachregister zur Recherche.

Baumgärtner und Wrede untermauern ihre Ausführungen durch viele Zitate aus Publikationen der besprochenen Gruppen und Personen. Sie schaffen so ein ziemlich bedrückendes Bild eines neurechten Netzwerkes.

VERFLECHTUNGEN ZWISCHEN GRUPPEN UND NEURECHTEN INSTITUTIONEN

2 Fahrende Gesellen 1988 auf Jahrestreffen des "Freundeskreis Ulrich von Hutten". Foto: Rolf Boehm

Mind. ein Fahrender Gesell 1988 auf dem Jahrestreffen des rechtsextremen Vereins "Freundeskreis Ulrich von Hutten". Foto: Rolf Boehm

Einige der genannten Bünde haben zahlreiche personelle Verflechtungen mit der rechten Szene in Deutschland und gestalten einen großen Anteil eines neurechten Netzwerkes. Dies lässt sich am Beispiel der “Deutschen Gildenschaft” (DG) besonders gut zeigen. Mitglieder der DG waren maßgeblich daran beteiligt umstrittene und neurechte Institutionen wie die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, das „Institut für Staatspolitik“ (IfS), sowie den „Verlag Edition Antaios“ zu gründen.

Auch Andreas Molau, ehemaliges Mitglied im Bundesvorstand der NPD und jetziger Bundespressesprecher der DVU, war bis zum April 2009 Mitglied der DG. Des Weiteren erschienen z.B. Werbeanzeigen von rechten Verlagen in Publikationen der Gruppen oder Mitglieder schrieben Artikel für rechte Zeitschriften.

Felix Menzel, Mitglied im Freibund, war 2008 nicht nur Kontaktperson für die Sonnenwendfeier, sondern auch für die Kontoführung des Freibundes zuständig. Darüber hinaus betreibt er das neurechte Schülerzeitungsprojekt “Blaue Narzisse” und trat 2008 auch als Referent für das IfS auf. Er selber äusserte sich in einem Interview der Zeitschrift “Sezession” des IfS, Ausg. 21 Dezember 2007, zum Zweck der “Blauen Narzisse” so:

“Zuerst einmal wollen wir an einer rechten Milieubildung mitarbeiten. Aufgrund der eigenen Interessenlage und der eigenen Fähigkeiten haben wir dafür das journalistische Betätigungsfeld gewählt. Für eine Milieubildung reicht dies natürlich nicht aus. Deshalb engagieren sich viele unserer Autoren und Redakteure zusätzlich in Schüler- und Studentenverbindungen oder in der Bündischen Jugend.”

Zahlreiche weitere Verflechtungen werden durch Baumgärtner und Wrede aufgedeckt und beschrieben.

REVISIONISTISCHES WELTBILD

Einige Gruppen vertreten ein geschichts- und gebietsrevisionistisches Weltbild. Die beiden Weltkriege werden verklärt und das deutsche Volk als Opfer dargestellt. Die aktuelle Grenzziehung wird nicht akzeptiert. Dies zeigt sich z.B. an einem Zitat aus der Mitgliederzeitschrift der “Fahrenden Gesellen”. In “Der Fahrende Gesell”, Folge 2 / 2006, schreibt Gunthart H. A. Stübiger im “Fahrtenbericht: Wie oft sind wir geschritten auf schmalem Negerpfad…”:

Was ist Deutschlands höchster Berg? Wer auf diese Frage statt der erwarteten Antwort  “die Zugspitze“ die Antwort “der Kilimandscharo” bekommt, schaut erst einmal verblüfft.

AKTIVITÄTEN IN MECKLENBURG-VORPOMMERN

Von den besprochenen Gruppen sind nur wenige Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Ganz im Gegensatz zur HDJ, die hier eine ihrer mitgliederstärksten Regionen in Deutschland hatte.

In Koppelow und Klaber (zwischen Teterow und Güstrow) soll es ein Siedlungsprojekt der “Neo-Artamanen” geben. Die “Neo-Artamanen” bewegen sich, so die Autoren, in der Nähe der “Artamanen”, die 1926 gegründet wurden und eine radikal-völkische Siedlungspolitik im Stil der Blut-und-Boden-Ideologie betrieben. Prominenteste Mitglieder der Artamanen waren Ausschwitz-Kommandant Rudolf Höß und Reichsführer-SS Heinrich Himmler.

In den 1990er Jahren sollen, so die Autoren, die “Neo-Artamanen” vor allem von Mitgliedern aus dem “Freibund” gegründet worden sein. In ihrem Siedlungsprojekt sollen sie u.a. Ökolandbau und einen Öko-Baustoffhandel betreiben. Als externer Fachmann trat einer der Öko-Landwirte 2007 im Schweriner Landtag für die NPD auf.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Da das Buch schnell vergriffen war und auch wegen des Auffindens neuen Materials haben Baumgärtner und Wrede einen Blog zum Thema völkische und neurechte Jugendgruppen (www.rechte-jugendbuende.de) gestartet.

Maik Baumgärtner, Jesko Wrede: “Wer trägt die schwarze Fahne dort…”
Reihe “Kompetente Konzepte für Demokratie und Toleranz”, Band 2
Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN
Braunschweig 2009
ISBN 978-3-932082-35-1

www.rechte-jugendbuende.de

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Rolf Boehm. Übernommen aus Rechte Jugendbünde: Fundstücke von 1988 .

Rechtsextreme HDJ verboten

Geschrieben von | Veröffentlicht am 7. April 2009 um 17:25 Uhr

Am 31. März 2009 hat das Bundesinnenministerium die rechtsextremistische Jugendorganisation “Heimattreue Deutsche Jugend – Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.” (HDJ) verboten.

Laut Innenministerium verbreitete die HDJ rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut. Weiter heißt es in der Verbotsbegründung:

In speziellen Schulungen werden bereits Kinder im Grundschulalter gezielt in “Rassenkunde” unterrichtet. Sie werden dazu angehalten, für die “Blutreinheit” und das “Fortbestehen des deutschen Volkes” einzutreten. “Ausländer” und “Juden” werden als Bedrohung für “das deutsche Volk” dargestellt.

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HDJ-Zeltlager. Quelle: www.recherche-nord.com

Die HDJ bestand bundesweit aus schätzungsweise 400 Mitgliedern und hatte in Greifswald ihre Leitstelle Nord. Der Greifswalder Biologie-Student Ragnar Dam war Chef der HDJ-Einheit Mecklenburg-Pommern und „Führer“ der HDJ-Leitstelle Nord. Weitere prominente Kader der HDJ in Greifswald waren Lutz Giesen und Frank Klawitter. Klawitter und Dam wurden 2008 auf Grund ihrer rechtsextremen Gesinnung aus dem örtlichen Technischen Hilfswerk (THW) ausgeschlossen.

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Zeltlager entpuppt sich als rechtsextremistisches Schulungscamp für Kinder

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. August 2008 um 19:15 Uhr

Am letzten Freitag löste die Polizei ein Zeltlager in der Nähe der Gemeinde Hohen Sprenz (Landkreis Güstrow) auf. Ein Bürger hatte die Polizei über das Zeltlager informiert, welches sich an einer abgelegenen Stelle auf einem Privatgrundstück befand. Die eingeleiteten Ermittlungen ergaben, dass es sich bei dem Zeltlager um ein Jugendcamp der „Heimattreuen deutschen Jugend” (HDJ) handelt.

Unter den 50 Teilnehmern befanden sich 39 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren. Nach Angaben der Polizei waren die Jungen und Mädchen uniform gekleidet und hatten schwarze Hosen und weiße bzw. blaue Hemden mit HDJ-Symbolik an. Während des geregelten Zeltlagerlebens wurden offenbar auch Verhaltensweisen und Lebensformen aus der Zeit des Nationalsozialismus praktiziert. Die Polizei stellte bei ihrer Durchsuchung Unterlagen sicher, die eine gezielte Verbreitung rechtsextremistischer Inhalte und eine tägliche Beschulung der Kinder mit nationalsozialistischem Gedankengut beweisen. Außerdem wurden Geschirrhandtücher mit Hakenkreuzsymbolen, mit Hakenkreuzen versehene Tagebuchaufzeichnungen sowie Liedtexte mit eventuell strafrechtlicher Relevanz sichergestellt. Wie die Polizei angab, wurde den Teilnehmern des Jugendcamps „zielgerichtet [...] eine der freiheitlich demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland entgegenstehende Ideologie zugänglich gemacht und verinnerlicht.” Das Zeltlager wurde als jugendgefährdender Ort eingestuft und von der Polizei aufgelöst. Zusammen mit dem Jugendamt sorgte die Polizei dafür, dass die Kinder ihren Eltern übergeben wurden.

FDP und Bündnis 90/Die Grünen legten dem Bundestag inzwischen einen Antrag auf Verbot der HDJ vor. Die HDJ ist aus dem in den fünfziger Jahren gegründeten “Bund Heimattreuer Jugend” hervorgegangen, seit 2001 ist sie ein eigenständiger Verein mit Sitz in Plön. FDP und Grüne wiesen darauf hin, dass es bei der HDJ inhaltliche und personelle Kontinuitäten zur 1994 verbotenen “Wiking-Jugend” gebe. Die „Wiking-Jugend” war 1994 “wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit der NSDAP und der Hitler-Jugend” aufgelöst worden.

Bildquelle: Recherche-Nord

Mehr lesen: Blick nach rechts

Greifswalder Biostudent als Nazi entlarvt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. Mai 2008 um 21:05 Uhr

Wir hatten vor kurzem über eine Buchvorstellung “Ferien im Führerbunker” berichtet, bei der eine Journalistin von Ihre Recherchen im Umfeld der völkisch-neofaschistischen Organisation “Heimattreue Deutsche Jugend” (HDJ) erzählte.

Unter dem Bericht wurde in diesem Kommentar auch auf einen Flugzettel an der Universität hingewiesen, der einen Greifswalder Student als Nazi entlarven sollte. Inzwischen wurden diese Angaben auch aus vertrauenswürdigen Quellen bestätigen.

“Recherchen von bnr.de haben ergeben, das auch der an der Greifswalder Universität Biologie und Genetik studierende Chef der HDJ-Einheit Mecklenburg-Pommern und „Führer“ der HDJ-Leitstelle Nord Ragnar Dam Mitglied des Greifswalder Ortsverbandes des THW ist. (tn)” [Ganze Meldung]

Ragnar Dam bei einem Zeltlager der HDJ

Ebenso interessant sind die Berichte von Recherche-Nord, die über die Hausdurchsuchung von Dams Wohnungen in Berlin und Greifswald berichten (hier):

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“Ferien im Führerbunker” – Vortrag über die HDJ

Geschrieben von | Veröffentlicht am 26. April 2008 um 14:51 Uhr

Gestern stellte die Journalistin und Autorin Andrea Röpke im Soziokulturellen Zentrum St. Spiritus in Greifswald ihr Buch “Ferien im Führerbunker” vor.

Aus Angst vor politischen Übergriffen der rechten Szene wurde die Veranstaltung öffentlich nicht beworben. Stattdessen wurde via E-Mail Verteiler dazu eingeladen. Auch sonst zeigten sich die Veranstalter besorgt. Auf der Straße hielt man Ausschau nach potentiellen Störern und die Polizei schaute “routinemäßig” vorbei.

Auch die Zuhörer waren nervös. Ein OZ-Fotograf wurde von mehreren Gästen im Publikum gebeten sie nicht zu fotografieren. Man sei besorgt von Nazis später in der Zeitung erkannt zu werden.

Der Vortrag bestätigt die Sorgen. Die Neonaziorganisation “Heimattreue Deutsche Jugend” (HDJ) (Wiki-Eintrag) gilt als gefährlich und militaristisch. Sie sei vermutlich auch bewaffnet. Besonderes Augenmerk des Vortrags lag auf den Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern und auch Greifswald, wo die HDJ sehr aktiv sei. Genannt wird beispielsweise Frank Klawitter, in der Szene liebevoll „Führer von Greifswald“ genannt. Er wohnt im Stadtteil Ladebow.

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