Alle Artikel mit dem Tag: DDR

Kultur kompakt: 24. bis 27. Februar

Geschrieben von | Veröffentlicht am 24. Februar 2012 um 00:41 Uhr

Der Schnee und die Eiseskälte sind weg und so langsam kann man sich wieder vor die Haustür trauen- und sei es auch nur, um in die nächste Kneipe oder Café zu huschen. Wer noch nicht weiß, was er in den nächsten Tagen anstellen kann und will, für den sind hier ein paar Schmankerl zusammengestellt.

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Gregor Gysi über die Finanzkrise, Drogen und Guido Westerwelle – Teil 2

Geschrieben von | Veröffentlicht am 3. November 2011 um 07:00 Uhr

An dieser Stelle veröffentlichten wir vor zwei Tagen, am 1. November, den ersten Teil des Gesprächs mit Gregor Gysi. Dort ging es unter anderem um die Finanzkrise und im Besonderen um die viel diskutierte Griechenland-Hilfe. Auch das neue Parteiprogramm seiner Partei Die Linke war Thema, wo auch die angeblichen neuen Pläne zur Legalisierung von Drogen angesprochen wurden. Teil zwei liefert nun Details zu Gysis (Partei-)Jugend und seinem “Promibonus”.

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Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten…

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. Juni 2011 um 08:28 Uhr

“Ich verstehe ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer zu errichten. Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht, weil sich die Bauarbeiter der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft dort voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten” – mit diesen Worten trat Walter Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR am 15. Juni 1961 an die Öffentlichkeit.

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Rabenliebe im Koeppenhaus

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Januar 2011 um 12:42 Uhr

Wurde 2010 mit dem Ingborg Bachmann-Preis für "Rabenliebe" geehrt

Wenn sich heute Abend um 20 Uhr Peter Wawerzinek im Koeppenhaus an den, für ihn aufgestellten, Lesetisch setzen, wird, um aus seinem preisgekrönten Buch Rabenliebe vorzulesen, dann fließen Erzähler und Autor zu einer Person zusammen, die Wawerzineks erschütternder Geschichte einen Körper, eine Realität, gibt, der man sich kaum wird entziehen können.

Rabenliebe erzählt die Geschichte Wawerzineks einsamer, verlassener und heimatloser Vergangenheit. Als Kleinkind ließ ihn seine Mutter auf ihrer Flucht nach Westdeutschland in der DDR zurück. Über mehrere Jahre hinweg wurde Wawerzinek in Waisenhäusern herumgereicht und brauchte bis ins vierte Jahr hinein, um eine gemeinsame Sprache mit seiner menschlichen Umwelt zu finden. Eine Umwelt, die sich durch gescheiterte Adoptionsversuche immer wieder veränderte. Die eigene Mutter und sein Bezug zu ihr bleiben zeitlebens paradox. Einen Fluchtversuch als Grenzsoldat bricht er, nachdem er bereits die Grenze passiert hatte, wieder ab. Was war es, dass er sich von dieser Person, die ihn in seiner größten Hilflosigkeit verstoßen hatte, erhoffte? Jahre später, nachdem die Mauer bereits gefallen war, wurde die Sehnsucht unerträglich. Er besucht seine Mutter und seine acht Halbgeschwister, doch kann sie dem, über Jahrzehnte aufgebautem, überhöhten Bild nicht gerecht werden und so bleibt es bei dieser einen Begegnung.

Zugegeben, autobiografische Bücher gibt es auf dem gegenwärtigen Büchermartk noch und nöcher. Was Wawerzineks Roman allerdings hervorstechen lässt, ist nicht nur die abgründige Geschichte, sondern auch die sprachliche Rafinesse, die das komplexe Spiel aus Nähe und Distanz, das wenigen biografischen Büchern gelingt, zu jeder Zeit virtuos beherrscht.

Alle Literaturinteressierten sollten sich diese Gelegenheit also nicht entgehen lassen, einen der bedeutendsten und gewaltigsten Romane des letzten Jahres vom Autor persönlich vorgetragen zu bekommen. Die Lesung beginnt um 20 Uhr und kostet 8 und 5 Euro mit Ermäßigung.

Fotos:  User Amrei-Marie via Wikipedia Commons (Peter Wawerzinek); Christine Fratzke (Koeppen)

Weiterführende Links

Der Mauerfall und die Folgen für Greifswald – Dr. Reinhard Glöckner zu Gast bei “Nacht am Meer – der Talk im Strandkorb”

Geschrieben von | Veröffentlicht am 8. November 2010 um 10:44 Uhr

09. November 1989. Die berühmte Pressekonferenz mit Günther Schabowski. Ziemlich unerwartet öffnen sich die Grenzen und Deutschland wird in der Folge wiedervereinigt. Das weiß jeder. Doch wie sah das konkret für Greifswald aus? Das weiß nicht jeder.
Deshalb haben wir Dr. Reinhard Glöckner, den ehemaligen Pfarrer der Marienkirche und gleichzeitig erster frei gewählter Oberbürgermeister von Greifswald eingeladen. Er ist ein Zeitzeuge, der aus erster Hand weitergeben kann, welche Herausforderungen zu bewältigen waren: Z.B. wie man damit umgegangen ist, wenn das Bundesrecht noch unbekannt sowie ein Landesrecht nicht existent waren. Außerdem werden wir natürlich einen Blick in die Gegenwart werfen: 21 Jahre Mauerfall – was ist (nicht) geblieben und (nicht) neu dazugekommen? Wie hat man die DDR im Nachhinein zu bewerten? Und was hat es mit der Ostalgie auf sich u.v.m.

Kurz und prägnant:
Dienstag, 09.11.2010, 22-23.00 Uhr auf 98,1 Mhz oder im Liverstream. Moderation: Stephan Dreytza. Einschalten!

Infos zum Mauerfallgeschehen/DDR (Auswahl):

www.mauerfall-berlin.de
www.stiftung-aufarbeitung.de
www.ddr-mythen.de
www.stiftung-ettersberg.de
Bundeszentrale für politische Bildung
www.stiftung-hsh.de
www.landesbeauftragter.de

Dirk Mellies/Frank Möller: (Hg.): Greifswald 1989. Zeitzeugen erinnern sich, Marburg 2009

Keine vergeudete Lebenszeit – Hans-Georg Soldat

Geschrieben von | Veröffentlicht am 8. Juli 2010 um 23:58 Uhr

1958 flieht der Greifswalder Student Hans-Georg Soldat aus der DDR nach Westberlin und landet Jahre später beim Rundfunk im Amerikanischen Sektor (RIAS). Er arbeitete dort 27 Jahre als Literaturredakteur, stark beobachtet von der Stasi. Ein Zeitzeuge im Gespräch.

Die kleine Hansestadt Greifswald – kein Schönwalde II, kein Ostsee-Viertel, nur 46 000 Einwohner. Keine Plattenbauten, kein Kernkraftwerk in Lubmin, die Altstadt ist vollständig erhalten – einige Autos fahren über den Marktplatz. An der Universität sind 2 500 Studenten eingeschrieben, davon 600 Studentinnen. Walter Ulbricht ist an der Macht und die Stadt gehört zum Bezirk Rostock. Es ist das Jahr 1955. Das Land trägt den Namen DDR.

Weniger Studierende heißt nicht weniger Lebenslust. Die Studentinnen und Studenten tanzen in ihrer Freizeit gern zu amerikanischer Tanzmusik. Die Platten kommen meist aus West-Berlin, werden von dort an die Küste mitgebracht. Die bekannte 60-40-Regel gibt es schon damals, an die vorgeschriebene Menge von nicht-amerikanischen Bands und Liedern wird sich auch in Greifswald selten gehalten. Es ist der Hochschulfunk, welcher zu dieser Zeit den damals noch kleinen Campus mit Musik versorgt. Und das ganz ohne Radio, sondern Drahtfunk: durch Leitungen und kleine Lautsprecher in die Mensa und alle Zimmer der Studentenheime, den Containerbauten an der Fleischerwiese kommen die unregelmäßigen Sendungen.

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Vortrag: Der Einfluss der Staatssicherheit auf die Bildung in der DDR

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. Juli 2010 um 22:24 Uhr

Am kommenden Freitag, dem 9. Juli, hält Professor Udo Margedant einen Vortrag  zum Thema “Die Einflussnahme des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf Bildungseinrichtungen in der DDR”. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Hörsaal 3 des Audimax. Organisiert wird sie von der Katholische Studentenverbindung Alemannia.

Wappen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR

“Die Überwachung der Bürger in der DDR machte vor den Hochschulen keinen Halt”, erklärt Margedant, der nach der Wiedervereinigung als Gründungsdirektor maßgeblich am Aufbau der Landeszentrale für politische Bildung in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt war. Von der Ausbildung der Lehrer nach der Ideologie des Marxismus-Leninismus bis zur Anwerbung inoffizieller Mitarbeiter waren die Hochschulen ein wichtiges Betätigungsfeld für die Staatssicherheit. Auf die Aktivitäten des MfS in der Bildungspolitik, insbesondere an den Hochschulen, wird Margedant in Vortrag und Gespräch eingehen.

Margedant, Jahrgang 1942, studierte Politikwissenschaft in Frankfurt am Main. Nach Promotion und Habilitation wurde er Professor für Sozialgeschichte und Sozialphilosophie an der Universität Wuppertal. Anfang der Neunziger Jahre baute er in Mecklenburg-Vorpommern die Landeszentrale für politische Bildung auf und war deren erster Leiter. Margedant war lange Jahre Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, zuletzt in der Hauptabteilung Politik und Beratung und beschäftigte sich dort mit Politikanalyse und Grundsatzfragen. Große Beachtung fanden seine Veröffentlichungen zur Föderalismusreform in Deutschland.

Bilder:

DDR-Fahne – gemeinfrei

MfS-Wappen – jgaray via wikimedia

“Greifswald 1989″ – Studenten interviewten Zeitzeugen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. Dezember 2009 um 17:47 Uhr

Viele Veranstaltung hat es in den letzten Monaten anlässlich 20 Jahren friedlicher Revolution in Greifswald gegeben, einige stehen noch bevor. Seitens der Uni gab es bisher jedoch kaum eine Würdigung der Ereignisse. Am Historischen Institut haben die Dozenten PD Dr. Frank Möller und Dirk Mellies vom Lehrstuhl für neueste Geschichte zusammen mit knapp 20 Studenten in den letzten Monaten eine Publikation mit Zeitzeugen der Wendejahre erarbeitet.

Der frisch erschienene Band „Greifswald 1989“ stellt die Erinnerungen von 21 Zeitzeugen an die Wendeereignisse und die Folgezeit zusammen. Den Befragten ist gemein, dass sie zur Wendezeit in Greifswald lebten oder mit Greifswald in Verbindung standen und eine gewisse – zumindest lokale – Prominenz genießen. Unter ihnen sind zum Beispiel der SPD-Politiker Hinrich Kuessner, zu Wendezeiten Vorsteher der Odebrecht-Stiftung, Dietmar Enderlein, Gründer und Chef des Medigreif-Konzerns und damals Komandeur der Militärmedizinischen Sektion der Uni, Reinhard Arenskrieger, heute Bausenator der Stadt und 1990 von der Partnerstadt Osnabrück als „Aufbauhelfer“ entsandt, oder Reinhard Amler, damals wie heute Leiter der Lokalredaktion der Ostsee-Zeitung.

„Nicht die Vergangenheit, sondern das Gedächtnis der Vergangenheit erfasst.“

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Buchcover

Die Zeitzeugen wurden im Sommer von jeweils ein bis zwei Studenten interviewt, die aus den Interviews anschließend einen Fließtext von etwa zehn Buchseiten Länge entwarfen. Die Herausgeber Möller und Mellies redigierten die Texte seit Anfang des Semesters und schrieben das ausführliche und informative Vorwort, das das Vorgehen der Arbeitsgruppe genau beschreibt. Zudem betonen sie dort, dass es das Werk mit den Interviews nicht einfach „Quellen der Vergangenheit zu erzeugen“ könne. Vielmehr „standen für uns auch nicht die Rekonstruktion der Wende in Greifswald, sondern die persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen und Bewertungen im Mittelunkt […]. Nicht die Vergangenheit sondern das Gedächtnis der Vergangenheit wird hier erfasst.“

Mit der Arbeit der Studenten sind die Dozenten insgesamt sehr zufrieden. Frank Möller: „Wir müssen ihnen ein großes Kompliment machen. Die Projektarbeit hat sehr gut funktioniert.“ Alle seien jedoch überrascht gewesen, wie viele Stunden Arbeit für die Transkription eines aufgezeichneten Interviews nötig gewesen seien. Auch seien einige wenige Interviewte vor der Veröffentlichung wieder abgesprungen. Insgesamt sei es aber nicht so gewesen, dass die Zeitzeugen nachträglich viel gestrichen oder korrigiert hätten.

„Werde die Dinge, so wie ich sie gerne hätte, darstellen.“

Dass die Erinnerungen mitunter ganz schön subjektiv sind, versteht sich angesichts dieses Ansatzes von selbst. Manche Interviewte legen Wert darauf, diese Subjektivität  vor ihren Ausführungen noch einmal zu betonen. So etwa Dietmar Enderlein, der nach seinem kometenhaften (Wieder-)aufstieg nach der Wende immer wieder viel Kritik ertragen musste (siehe z.B. hier),  schreibt:

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Prof. Dietmar Enderlein (Archivbild)

„Wenn du irgendwas hinter dich gebracht hast, denkst du in fünf Jahren nur noch an das Gute und dann reproduzierst du das aus der Wunschvorstellung. Dann kannst du dich äußern und plötzlich kommt etwas ganz anderes raus, als das was irgendwo mal in der Realität gewesen ist. Auch ich werde die Dinge, so wie ich sie gerne hätte und wie sie aus meiner Sicht zu sehen sind, darstellen.“

Enderlein, der sich selbst für ein „begehrtes Ausfrageobjekt“ hält und freimütig bekennt, dass er „von Angst und Gier“ getrieben wird, erzählt ausführlich über die Zeit vor und während der Wende und seinen Umgang als Soldat mit den Ereignissen. Die Aufzeichnungen liefern einen spannenden Einblick in die Gedankenwelt des Ex-Komandeurs und heutigen Unternehmers.

Enderlein, stets ein Freund klarer Worte, geizt nicht mit individuellen Herangehensweisen an zentrale Fragen. Etwa diese hier: „Wie haben Sie die Staatssicherheit erlebt? – Da stell ich euch mal ‘ne Frage. Warum konzentrieren sich alle auf die Staatssicherheit? Weil die zum Buhmann der Nation erklärt wurde. Warum konzentriert ihr euch nicht auf den Bundesnachrichtendienst und warum nicht auf die CIA? […] Wie ich die Staatssicherheit erlebt habe? Na ich hatte hier eine Abteilung und da waren vier Offiziere der Staatssicherheit, die waren mir unterstellt. Punkt.“

„Der Weg zur Wiedervereinigung war mir von der Sache her Wurst.“

Ebenfalls etwas eigenwillig ist seine Sicht auf den Mauerfall: „Die Maueröffnung war für sich in diesem ganzen System gar nicht so bedeutungsvoll. […] Wenige Tage vorher sind die Kleinblöden, die da schreiend über die Mauer gerannt sind, noch auf der Demonstration zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober mit FDJ-Bluse und Transparent durch Berlin marschiert. Der Weg zur Wiedervereinigung war mir von der Sache her Wurst. Aber als Soldat, da kriegst du einen Befehl und dann machst du. Ich war nicht dazu da, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu beurteilen und zu sagen „das mache ich jetzt aber nicht, ich schieß‘ in die andere Richtung.“

Weiter rechnet Enderlein mit den Wendehälsen ab, die nach der Wende plötzlich anders tickten als zuvor (er selbst tat das in seinen Augen nicht) und spart auch nicht mit Kritik an den Altvorderen des Runden Tisches und anderer Institutionen der Wende. Reinhard Glöckner etwa, dem ersten frei gewählten Greifswalder Bürgermeister nach der Wende, der auch schon vorher Abgeordneter des Stadtparlaments war, hält er vor: „ „Wenn Sie wirklich dieser absolute Gegner des DDR-Regimes waren, dann müste ja in jedem Beschluss des Parlaments […] eine Gegenstimme sein, mindestens eine. War aber nicht, hat er immer mitgestimmt.“ Auch eine vernünftige DDR habe er sich vorstellen können, sagt Enderlein, wenn ihm aber einer die Frage stelle „Willst du die DDR wiederhaben?“, dann: „merke ich schon an der Fragestellung: Du bist ein Idiot, fertig.“

„Ansonsten würde ich „Hurra“ schreien.“

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Friedensgebet im Dom 1989

Nicht alle Erinnerungen lesen sich so spektakulär wie die Enderleins, aber die meisten Befragten offenbaren spannende Gedanken und Erlebnisse. Frank Pergande, heute FAZ-Korrespondent für M-V und in den 90ern Herausgeber des „Greifswalder Tageblatts“, weiß zu berichten, dass es Mitte der 80er Jahre auch schon bürgerlichen Widerstand gegen den Stadtabriss nördlich der Langen Straße gab. Auch die etwas weniger prominenten Zeitzeugen sind interessant zu lesen: Der Franzose Jean-Pierre Pané-Farreé, heute Koch im Café Caspar und 1977 „aus Liebe zu meiner Frau“ nach Greifswald gekommen, ist dankbar für die Wende und freut sich darüber, dass nach 1989 „die Zeremonie der Bürokratie“ vorbei war. Hans-Joachim Hübler, vor der Wende Bauleiter im KKW Lubmin und heute ALGII-Empfänger klagt über den Verlust der materiellen Sicherheit. Er könne sich nicht mehr leisten, seine Kinder besuchen zu fahren: „Das ist die Einschränkung meiner Freiheit. Ansonsten würde ich „Hurra“ schreien heute.”

Alle 21 Zeitzeugen offenbaren ihren eigenen, individuellen Blick auf die Ereignisse; die Zusammenstellung ist lebendig und längst nicht nur für Greifswalder und Historiker ungemein lesenswert. Angereichert wird das Buch mit zahlreichen Fotografien aus den Wendejahren. Für die bessere Lesbarkeit wäre mitunter eine etwas stärkere Anpassung der Aufzeichnungen an die Schriftsprache wünschenswert gewesen – doch auf diese Weise bleibt immerhin viel der sprachlichen Authentizität erhalten. Die hier und da etwas eigentümliche Orthographie und Interpunktion ist vermutlich dem Zeitdruck geschuldet, unter dem die Herausgeber standen, um ihr Werk noch in diesem Jahr herauszubringen.

Buchpräsentation am Mittwoch

Am kommenden Mittwoch um 18 Uhr wird der Band zusammen mit der Stadt, die das Projekt mit einem Druckzuschuss förderte, den Herausgebern, einigen beteiligten Studenten und einigen Befragten im Rathaus präsentiert.

Kaufen kann man das Buch seit der letzten Woche im Uni-Laden für 19,90 Euro (292 Seiten, Marburg 2009, Tectum Verlag). Auch regulär über den Buchhandel ist es erhältlich. Die Exemplare an die örtlichen Bibliotheken sind unterwegs, werden aber erfahrungsgemäß bis zur Verfügbarkeit noch einige Wochen benötigen. Laut OPAC ist es aber zumindest in der alten Uni-Bibliothek bereits im Präsenzbestand vorhanden.

Bilder: Tectum-Verlag (Buchcover), Sandro Teuber (Enderlein), Dorothea Puttkamer (Friedensgebet)

Bewegung in Debatte um Lea-Grundig-Preis

Geschrieben von | Veröffentlicht am 26. November 2009 um 17:18 Uhr

von Markus Hildner und Gabriel Kords

Seit 1996 wird der von Hans und Lea Grundig gestiftet Preis an der Universität Greifswald nicht mehr verliehen, weil die Rolle der Stifterin in der DDR-Zeit ungeklärt ist. Wie es mit dem Preis und der zugehörigen Stiftung weitergehen soll, ist auch 13 Jahre nach der Aussetzung des Preises ungewiss. Morgen soll es dazu allerdings ein Gespräch im Landesinnenministerium geben.

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Lea Grundig

Lea Grundig (geb. Langer) wurde am 23. März 1906 In Dresden geboren. Die studierte Künstlerin setzte sich bereits in ihrer Jugend mit politischen und gesellschaftlichen Problemen auseinander. In der Zeit des Nationalsozialismus waren Lea und ihr Mann Hans Grundig aufgrund der Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei und ihrer jüdischen Religion gefährdet. Lea Grundig emigrierte nach einer monatelangen Untersuchungshaft nach Palästina.

1949 erhielt Grundig eine Professur in Dresden, 1961 wurde sie Mitglied der Akademie der Künste und war ab 1964 Mitglied des Zentralkomitees der DDR. Die Universität Greifswald verlieh ihr 1972 einen Ehrendoktortitel. Im Gleichen Jahr zahlte sie ein Stiftungsguthaben für die Hans- und Lea-Grundig-Stiftung der Universität Greifswald ein. Diese sollte jährlich einen Preis verleihen, der herausragende künstlerische, kunstwissenschaftliche und kunstpädagogische Leistungen von Studierenden und Absolventen des Caspar-David-Friedrich-Instituts (CDFI) würdigen sollte.  Seit 1996 wird der Preis allerdings nicht mehr verliehen, weil einige Dozenten des Caspar-David-Friedrich-Instituts den Namen Lea Grundig für nicht vertretbar hielten.

Vor 12 Jahren hatte der damalige Rektor Prof. Jürgen Kohler das Caspar-David-Friedrich-Institut um eine Stellungnahme gebeten.  Der damalige Institutsdirektor, Professor Ulrich Puritz, des Institus habe dann mit Zeitzeugen gesprochen, heißt es in einem Bericht der Ostsee-Zeitung. Lea Grundig habe nach deren Angaben für den Ausschluss von nicht linientreuen Künstlern aus dem Verband gesorgt, sagten diese.

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“Verirrte Gammler besudeln das Ansehen der Universität”

Geschrieben von | Veröffentlicht am 9. November 2009 um 15:26 Uhr

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls passiert speziell in Greifswald zwar wenig Bemerkenswertes, doch der webMoritz hat aus Anlass des großen Jahrestags ein besonderes Dokument ausgegraben. Das Schreiben dürfte mutmaßlich bereits zu seiner Entstehung für Heiterkeit gesorgt haben – heute ist es aber unfreiwillig noch komischer als zu seiner Entstehungszeit. Wobei es in seinem Inhalt durchaus noch von gewisser Aktualität ist…

Sodann:

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