Alle Artikel der Kategorie Zu guter Letzt

OZ-Ente verselbstständigt sich

Geschrieben von | Veröffentlicht am 1. April 2009 um 13:55 Uhr

Eigentlich hätten wir uns ja selbst einen Aprilscherz ausdenken müssen. Manchmal ist es aber auch gut, erstmal abzuwarten…

Der heutige Aprilscherz der Greifswalder Ostsee-Zeitung wäre an sich nicht der Rede wert gewesen. Dort hatte es geheißen, heute um 13 Uhr solle ein Modell für ein Caspar-David-Friedrich-Denkmal auf dem Marktplatz vorgestellt werden. Was sich die OZ-Redaktuere für diesen Zeitpunkt ausgedacht hatten, ist uns nicht bekannt.

Die Ente der OZ ging allerdings kräftig nach hinten los: Um 13 Uhr stand an der beschriebenen Stelle zwar kein Deknmal aber ein Werk von Aktivisten, die einen Transparent mitsamt einer Figur aufgestellt hatten, wie der Fleischervorstadtblog berichtet. Text: “Das CDU-Blatt in die Tonne kloppen. Für Qualitätsjournalismus.”

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Das Denkmal - wer hat es aufgestellt? Fest steht wohl: Die OZ war's nicht.

Einzelheiten zu der Aktion (etwa ihr Urheber) sind uns derzeit nicht bekannt. Wir werden sie gegebenenfalls an dieser Stelle nachreichen.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung vom Fleischervorstadtblog.

Der unedle Ritter Zumwinkel

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. März 2009 um 01:31 Uhr

Ein Kommentar von Eric Wallis -

burg-250x200-davipt_via_flickrLetzte Woche führte die Polizei auf der italienischen Burg Klaus Zumwinkels eine Razzia durch. Dabei leisteten die Italiener Amtshilfe im Rechtsfall der Telekomspionage, die Zumwinkel als damaliger Aufsichtsratschef mit zu verantworten habe. Die Telekom soll Mitarbeiter und Journalisten bespitzelt haben.

Noch interessanter als die Razzia ist die Tatsache der Burg. Die Burg Zumwinkel thront sicher auf einem Berg über dem Gardasee. Zumwinkel ist neben seinen Rollen als Spitzel, Steuerhinterzieher und Millionengehaltsempfänger also auch Burgherr. Das ist nicht erstaunlich, sondern folgerichtig. Denn wer spionieren lässt, den Fiskus beraubt und sich auf Kosten der Gemeinschaft ein viel zu hohes Gehalt bewilligt, nun ja, der braucht auch eine Burg.

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Glosse: Was Jack Wolfskin über uns Deutsche aussagt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 16. Februar 2009 um 14:17 Uhr
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Ein Beitrag zur psychoanalytischen Kleidungssemiotik von Eric Wallis

wolfskin-ladenÜberall sieht man JackWolfskin. Das Phänomen ist so auffällig, dass ein mir bekannter Däne wähnte, JackWolfskin sei die neue Uniform der Deutschen! Die Deutschen sehnen sich also nicht nur nach einem neuen großen Führer (vergleiche letzte Kolumne), die Deutschen haben sich auch schon eine neue Uniform besorgt.

Während weltweit die Menschen und besonders die Amerikaner am liebsten die Uniformen aus der Nazizeit auftragen, sind wir Deutschen zur Abwechslung mal einen Schritt weiter. Wir tragen “Outdoor”.

Die ersten die überhaupt solche Kleidung trugen, das waren Kraxel-Heinis und Wald-und-Wiesen-Freaks. Einst waren diese Leute Mangelware. Sie schliefen im schwedischen Winterwald und bestiegen hohe Alpenberge. Extreme Kleidung für extreme Leute. Jeder kannte so jemanden, nur richtig geheuer waren einem diese Menschen nie. Die ersten Nachahmer kamen aus den ökologischen Nischen der Landschaftsökologiestudenten und Umweltschutzaktivisten. Jeder von ihnen besaß zwar nur ein Paar Schuhe, aber das hat 300 Euro gekostet und war von Meindl.

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Glosse: Ein Führer für Deutschland

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. Januar 2009 um 14:21 Uhr

Die Zeiten scheinen schlecht zu werden. Da hallt auch schon aus allen Winkeln der Republik ein altbekanntes Zauberwort: FÜHRUNG.

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Propaganda-Fake

Führung liegt im Trend. Wer sie nicht hat, der ist von gestern. Die Franzosen haben sie, die Amerikaner bekommen sie in jedem Fall. Selbst in ihrer schlimmsten Krise sind uns die Amerikaner um Längen voraus, und sei es nur darin, angeführt zu werden. Aber wir Deutschen bekommen mal wieder nichts hin. Uns sind die Führungskräfte ausgegangen. Ja, wir haben ein Führerdefizit.

Vergangenes Jahr war es der ungenügende Führungsstil Kurts Becks. Ihm fehlte Führungswille. Am Ende fehlte ihm der Führungsanspruch. Nachfolger Steinmeier wusste sofort, dass die Partei nun Führung brauche.

„Von der Pflicht zu führen. Neun Gebote der Bildung“ heißt der Bestseller des selbst ernannten 71jährigen Bildungspapstes Bernhard Bueb, denn zu viele unserer Lehrer strauchelten führungslos umher. Und auch die Medien stimmen in diesen Chor ein, überall vernimmt man das fast selten gewordene Wort in jeglicher Variation und zu jeder Gelegenheit. Bisweilen wird sogar öffentlich gefragt, ob Diktaturen als die Königinnen unter den Führungen nicht die schnelleren und darum besseren Entscheidungen fällen können angesichts der ganzen Krisen.

Im Führungsmagazin DER SPIEGEL fragt sich kurz vor Weihnachten der interviewete Joschka Fischer, warum Deutschland angesichts der Krise immer nein sage, statt selbst die Führung zu übernehmen, denn jetzt sei strategische Großplanung angesagt – im europäischen Geist. „Deutschland versagt als Führungsmacht in Europa.“ DER SPIEGEL fragt Fischer später, ob deutsche Politiker sich Frankreich ein Stück unterwerfen müssen, um Europa führen zu können? Also Führung durch Unterwerfung? Unterführung sozusagen.

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Propaganda-Fake

Man fragt weiter, ob denn Herr Fischer auch bei Frau Merkel ein Defizit an Führung bemerke. Ob es sich so anfühlt, wenn man wie eine Kuh an der Nase herumgeführt wird, fragt man sich als Leser. Zum Glück stellt sich wenig später endlich heraus, dass Europa wegen mangelnder deutscher Führung schwächelt. Am Ende soll man, so Fischer, in Deutschland endlich einmal wirklich Führungsverantwortung übernehmen. Dafür hält er es für absolut notwendig, dass Deutschland wieder in die Führungsrolle komme. Heil mein Fischer!

Nach diesem Führungsgespräch weiß man vor lauter Führungsdefizit gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Glücklicherweise schafft es DER SPIEGEL den Leser geschickt in den unmittelbar angrenzenden Beitrag zu überführen. In diesem gratuliert Altkanzler Gerhard Schröder Uraltkanzler Helmut Schmidt zum Geburtstag. Er schreibt „Sucht man nach einem Begriff für das Besondere, das Einzigartige der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt, dann ist es „Führung“.

Schröder entdeckt sie also in der Vergangenheit, die deutsche Führung. Sie liegt verborgen im alten Schmidt. Vorsichtshalber zaubert er ein Schmidt-Zitat von 1986 aus dem Zylinder „Ein Staat braucht Führung, die das Management einer Krise beherrscht und beherrschen will.“ Am Ende verbindet er seine Glückwünsche „mit einer tiefen Verneigung – vor einem großen deutschen“ Führer, Pardon „Kanzler, einem wirklichen Europäer und einem großartigen Menschen.“ Was Schröder sagt, ist uns allen längst bitter klar. Wir haben keinen starken Führer mehr in Deutschland. Merkel zaudert und Glos, Steinbrück und all die anderen sind nicht einmal der Rede wert.

Wir müssen uns einen neuen Führer suchen. Am Ende wird es wieder das Fernsehen sein, dass den Karren aus dem Dreck zieht. Schließlich kümmert es sich ja auch um Dicke, Verschuldete und Hässliche. Wie wäre es mit einer neuen Sendung: Deutschland sucht den Superführer!

Als Obama in Berlin redete, kamen 200.000, um zu hören, was er im Schilde führt. Wo sind diese 200.000, wenn es gegen Bildungskürzungen, Arztpauschalen, Radikalismus und Managergehälter geht? 200.000 Deutsche werden wohl nur durch wahre Führer mobilisiert.

In Anbetracht der Tatsache, dass man niemandem zutraut dieses Land zu bessern, am wenigsten scheinbar sich selber, will man mal wieder alles auf eine Karte setzen.
Es ist als hätten wir Deutschen die Demokratie satt. Wir gehen nicht mehr auf die Straße, um miteinander Politik zu machen. Wir wollen den Nachbarn nicht sehen auf irgendeiner Demonstration, vor allem wollen wir selber nicht gesehen werden. Nur wem es elend geht, der protestiert. Wir haben uns gegenseitig satt.

Wir Deutschen gehen nur noch auf die Plätze, nicht mehr auf die Straßen. Auf eingezäunten Plätzen, die gut bewacht sind, stehen wir und glotzen den fremden Messias an, lauschen seinen lauen Worten und träumen unseren Traum von neuer Führung. Ja – oder besser Ja-wohl – Wir wollen wieder Führung wagen.

Vielleicht sollten wir aufpassen, dass wir nicht allzu laut nach Führung rufen. Denn manch einer wurde am Ende hinters Licht geführt. Und dort ist es dunkel dunkel dunkel.

Grafik Startseite: surface to air via Flickr

Kolumne: Das lange Warten auf die Post

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. November 2008 um 22:04 Uhr

Psst! Für alle, die es noch nicht wissen: Die Greifswalder Post ist verzogen. Als würde das nicht reichen haben teure Strategen beschlossen alles neu und viel viel besser zu machen. Unter der neuen Anschrift soll auch ein neues Antlitz kleben. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, es ist alles noch viel viel schlimmer geworden:

Der Absender kommt mit dem Fahrrad. Das stetllt er in die zweite Reihe an andere Fahrräder, die schon an der Fassade lehnen. Fahrradständer gibt es nicht.

Dann betritt er die Post. Und siehe da: alles ist neu und viel viel besser. Kein Mief nach Bohnerwachs und Paketleim. Wenn man die vielen Automaten im ersten Raum der neuen Post passiert, riecht es nach Effizienz und genutzten Synergien.

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Hackfleisch-TV: In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?

Geschrieben von | Veröffentlicht am 25. Oktober 2008 um 14:00 Uhr

Der Famila-Markt auf Sylt hat eine Wursttheke. Dort bietet man dem Kunden nicht nur Fleisch in allen möglichen Erscheinungsformen sondern auch “Hackfleisch-TV”.

Was zum Teufel ist das? Auf den ersten Blick scheint es sich dabei um eine sonderbare Ausdifferenzierung des althergebrachten Fernsehens zu handeln. Aber es ist mehr. Es ist die Liebeserklärung des Fernsehens an die Schlachtkammer. Es ist eine Art Liveübertragung genau jenes Geschehens, das sich abspielt, wenn das Hackebeil zum Einsatz kommt.

Da der normale Fleischfresser genau dieses Geschehen gar nicht mitansehen will bzw. kann, belästigt Hackfleisch-TV seine Zuschauer nicht mit Blutbächen und Knochenknacken, sondern zeigt nur und immer wieder, aber vor allem live, wie frisch doch alles ist – bei Famila. Dem erstaunten Kunden bleibt nur die mittlerweile fast alltägliche Frage: In was für einer Gesellschaft leben wir hier eigentlich?

Es ist also geschehen: Das Fernsehen hat sich in die letzte und intimste Zone der deutschen Gesellschaft vorgewurschelt: hinter die Fleischtheke. Diese ist nun live verbunden mit dem nicht minder heiligen Ort unseres ganzen großen Wurstlandes. Gemeint ist jene geheime Welt, die hinter den wurstverhangenen Kachelwänden liegt. Eine Welt, die dem Fleischlüsternen bisher nur durch seine eigene schmutzige Phantasie zugänglich war und durch die eine oder andere versteckte Kamera.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Nach den erschreckenden Bildern von essenden Fernseh-Reportern, die jeden Tag die gleiche Mahlzeit bestellten, um die am Tag zuvor mühselig in die nicht geschafften Steaks eingearbeiteten Holzstäbchen wiederzufinden. Und das nach all den Gammelfleischskandalen, deren Nachgeschmack kaum erst einem sauren Aufstoßen gewichen ist. Nach allen Querelen, die das Deutsche Fernsehen dem Deutschen Fleisch gemacht hat, hat es nun bei Famila beschlossen, dem Hackepeter die Haxe zu reichen.

Und das Produkt dieser jungen Liebe trägt den wohlklingenden Namen Hackfleisch-TV. Dass die Wahl nicht auf Wurst-TV fiel, liegt auf der Hand. Salami-TV klang derweil zu undeutsch für eine so deutsche Sache, wie die Wurst. Und da es bei Fleisch nicht nur um die Wurst geht, entschied man sich bei Famila nach langen Abstimmungsrunden für Hackfleisch-TV. Dann schickte man noch schnell einen Azubi in die Elektrogeräteabteilung, um den allergrößten Flachbildfernseher zu holen und schwuppdiwupp gab’s Hackfleisch-TV.

Seitdem leistet dieser merkwürdige Sender die Überzeugungsarbeit bezüglich Frische und Qualität. Hackfleisch-TV schafft Vertrauen, weil es auf einem Flachbildschirm erscheint. Überall gibt es sie schon, diese Riesen-Flachbildschirme, die Vertrauen schaffen. Der Bürger kennt das sehr gut, der Bürger vertraut dem Fernsehen. Darum sieht der Bürger ja durchschnittlich dreieinhalb Stunden am Tag fern. Das Fernsehen kümmert sich um die Talente, um die Sozialfälle, um die Bildung und um Kochrezepte. Der Bürger weiß das zu schätzen, dass sich jemand kümmert. Der Bürger vertraut dem Fernsehen und nun vertraut er zumindest bei Famila auch der Wurst.

Diese Art des Vertrauens zu schaffen, war den unterbezahlten Kräften – von Wurstfachkräften kann ja keine Rede mehr sein – schon lange nicht mehr möglich. Diese armen Würstchen werden nämlich so schlecht bezahlt, dass sie kaum mehr verantwortlich zu machen sind für ihrer Hände Arbeit. Ohne Verantwortung lässt sich aber kaum das bei Famila so dringend benötigte Vertrauen gewinnen. Vertrauen hat man hierzulande nur in jene, denen diese Verantwortung auch bezahlt wird. Diese Leute arbeiten übrigens nicht hinter der Theke oder in den Lokomotiven, sondern die sitzen auf Stühlen in Räumen, in denen man sich noch nicht einmal das Mittagessen selber holen, geschweige denn bezahlen muss.

Kurzum man hat auch hinter der Wursttheke erkannt, wozu das Fernsehen in der Lage ist. Den von ihrer fleischlichen Verantwortung enthobenen Mitarbeitern bleibt nur das Abwiegen und die ewig gleichen Fragen “Geschnitten oder am Stück” oder „Darf es ein bisschen mehr sein?”.

Manchmal aber, wenn wieder mal jemand ganz und gar gefesselt vor dieser Theke steht und nicht glauben kann, dass es Hackfleisch-TV tatsächlich gibt; wenn er sieht, wie das nur mit den saubersten Geräten gehandhabte Gehackte gerührt wird und wie ihn, den Käufer, dieses Gehackte dann selber ganz tief drinnen rührt und bewegt; dann kommt es vor, dass dieser Mensch ein Foto machen möchte, nur um später zu Hause begreifen zu können. Und genau dann sagt die Verkäuferin ihren dritten Standardsatz. Jenen Satz, der ihr erst vor kurzem vom Management empfohlen wurde auswendig zu lernen: „Fotografieren ist hier verboten!”

Und spätestens dann weiß man auch, was man bei Famila wirklich unter Transparenz versteht.

Autor: EdeWalletzky

Link: Hack-TV

Zur Lage der Nation

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 19:25 Uhr

Dem Deutschen Volke eine Jahresabschlussbilanz

Wir Deutschen sind schon ein tolles Völkchen. Ein Volk, das seine besten Zeiten gehabt zu haben scheint. Wir hatten Dichter, Denker, Demagogen, den Dreißigjährigen, Den Ersten und Den Zweiten (Welt)Krieg. Wir hatten alles, was es gibt, sogar Demokratie und Durchbruch.


Ja Leute, ich will ehrlich sein, der Drops ist wohl oder übel gelutscht. Den Blick ostwärts gerichtet stelle ich fest, “Jetzt sind andere am Zuge”.

Vorbei die Zeit der üppigen Industrienation mit einer handvoll Arbeitslosen. Jeder Aufschwung, und sei er noch so schön, ist irgendwann vorbei. Und für uns scheint dieser Zeitpunkt gekommen zu sein. Lange angekündigt, aber nun erst so richtig in Rollen gebracht, beginnt heute die Zeit der deutschen Zurückentwicklung. Oder anders: Jetzt fängt es an Spaß zu machen.

So doof wie Hundert Meter Feldweg

Da haben wir den ersten Indikator: Die gesamtdeutsche Verblödung. Pisa hin Pisa her, blöd zu sein ist gar nicht schwer. Das Beste daran ist ja noch, dass es den Leuten egal ist, was sie nicht wissen. Doch mal ehrlich, Hand auf Herz: Wie und Wo lernen wir denn heute überhaupt noch etwas? Ist es nicht so, dass ein Großteil der Bürger ihr Wissen bei Galileo und Barbara ?Ich will keine Schokolade? Salesch empfängt. Wo ist der Fünfzehnjährige, der den Namen des deutschen Umweltministers weiß? Wo bist du, Oh Herr?

Mal ganz abgesehen davon, dass das niemanden wirklich interessiert, sind wir damit schon bei Bergab-Indikator Nummer Zwo. Politik. Denn wenn einer Schuld am Niedergang dieses unseres Landes zu tragen hat, dann ja wohl dieser unfähige Haufen alter S[zensiert]e im Bundestag. Ach wie fühlt man sich da an Heines Wintermärchen erinnert und möchte am liebsten ein paar Strophen hinzudichten oder zumindest auswendig lernen. Prost Pisa übrigens. Unsere Regierung, dieses Sammelsurium menschlich bedauernswerter Geschöpfe, die sich in dubiosen Machenschaften ergehen jenseits von veruntreuten Parteigeldern. Ach wie haben wir sie lieb.

Doch Leute, in einem Punkte, da bin auch ich glücklich über unsere Regierung, da kann sich einfach fast jeder freuen. Das ist der Punkt, da sage auch ich ?Ja? zu deutschen Größen wie Fischer, Schröder, Trittin und natürlich auch zu Hans ?Ich bin kein Teil des Gliedes? Eichel. Das liegt allein daran, dass nur wegen denen dieses Land nicht von den anderen, der Opposition, gelenkt wird. Wenn es dann doch irgendwann mal die erste schwarze Kanzlerin gibt, na dann Prosit Merkel, äh, Mahlzeit. Wenigstens würde sich der Bush freuen, denn dann ist Deutschland endlich wieder mit dabei, wenn es heißt, ?Endlich Krieg?. Und was das Beste daran ist: Am Ende sind wir Schuld. Und in den Geschichtsbüchern, sofern es noch welche geben wird, wohl aber in der BILD-Zeitung, wird stehen: ?Deutschland! Schuld am dritten Weltkrieg?. Aber vielleicht geht’s dann ja mal wieder bergauf. Kennt doch jeder Geschichtsstudent den Leitsatz: Krise, Krieg Aufschwung.

Abgesehen von stupidem Machtgerangel, Bürgerschwindel, Stasiaktenherauskramen von unbequemen Nachfragern, Magenkuhleboxen, ________________,  (Platz für eigene Kreationen) haben unsere Politiker also alles andere zu tun, als dieses Land zu regieren.
Nichtsdestotrotz aber sind sie doch nur unser, der Bürger, verlängerter Arm. Unsere Repräsentanten. Und wenn man bedenkt, dass man von den Leuten regiert wird, die man verdient, dann wird man erkennen, dass sie eigentlich alles richtig machen beim Repräsentieren.

Wir Deutschen selber sind also Indikator Nummer drei. Ein verstrittenes, verbohrtes, jammerndes Häufchen Elend im Herzen Europas. Man mag kaum glauben, dass wir zu einer friedlichen Einigung im Jahre 90 fähig waren. Dass das wir selber, wir das Volk, waren. Unglaublich! Schaut uns doch an. Es kümmert doch keine Sau, wenn selbst dieser unser Feiertag, der Tag des deutschen ?Wir sind ein Volk? Volkes abgeschafft werden soll. Feige, und ranzig wie alte Butter, die mit ihrem gelben, zerlaufenen Fett unsere Küche verpestet warten wir auf das Jungle-Camp und die obligatorischen Scheißhausfliegen in Gestalt vergilbter Prominenter. Puh, wie es stinkt! Ein bisschen Spaß muss sein…

Wer auf die Straße geht wird ausgelacht. Wer nicht auf die Straße geht, guckt Salesch und Jungle-Camp. Nur meckern tun wir alle. (Außer Herr Esser.) Man hat mittlerweile gelernt immer die anderen für das eigene Elend zu hassen. Das befreit und ist einfach zu machen. So sind irgendwie alle Schuld, nur ist sich dessen keiner bewusst. Haha.

Wir graben uns das eigene Grab, verschrumpeln langsam zu einem widerwärtigen Volksgeschwür. Wenn so zusammenwächst, was zusammengehört, na dann Prosit Neujahr Herr Brandt. Das hätten sie nicht gewollt. Doch wer macht uns so träge, so ängstlich, so dumm? Sind es Existenzängste, die gescheut durch Arbeitsplatzerpressung hervorgerufen werden? Eine gute Frage, die uns den vierten Indikator auf dem Weg zum Postentwicklungsland näher bringt. Die gute alte deutsche Industrie. Unsere Zwei Kriege gingen auch auf deren Rechnung, vor allem aber ging die Rechnung für diese auf.
Da sind unsere Konzerne, die die Manager mit Geldern bezahlen, die 100 andere zusammen nicht in zwanzig Jahren erwirtschaften.

Da sind die Forderungen nach der 50- und 60- bald auch noch 100-Stunden Woche. Man droht ganz einfach mit Kündigung und Standortwechsel. Oder man kürzt Zusatzleistungen mit den Worten: ?Seid froh, dass ihr noch arbeiten dürft.? Da muckt doch keiner mehr auf, hierzulande. Ob die Gewerkschaften ein weiterer Bergab-Indikator sind, steht auch noch zur Debatte, beweisen doch sie, dass Organisationen ab einer bestimmten Größe irgendwann nur noch zum Selbstzweck wirtschaften.

O ja, wie ineffizient wir arbeiten, wir Deutschen. Wenn es eines gibt, was hier noch günstig ist, dann sind es wohl die Managergehälter. Denn die kriegen sogar bei Rauswurf die Millionen nur so nachgeworfen.

Mähh!

“Wir sind ein Dummes Volk. Mähhh.” Das habe ich 1992 an einem der Wohnblöcke meiner Heimatstadt gelesen. Von Jahr zu Jahr habe ich mehr das Bedürfnis dem Sprayer für diese Aussage die Hand schütteln zu müssen. Ich ging jeden Morgen daran vorbei, zur Schule. Ich musste lachen. Heute kann ich nicht mehr lachen. Heute mache ich nur noch Mähhh.
Ja und sehen sie, wie einfach es geht! Probieren sie es aus: Mähhh. Mähhh. Mähhhh. Arztpauschale 10 Euro! Mähhh! Geht halt keiner mehr zum Arzt der, keine Kohle hat, steigen halt die verschleppten Grippen, kostet halt 3 Milliarden. Mähh! Senken wir eure Löhne! Und wenn ihr streikt – Mähh. Bauen wir halt ein Werk in der Ukraine! Mähh. Benzin muss teurer werden! Mähh. Das Geld stecken wir uns in den Hintern! Mähh! Zahlt Krankenversicherung! Mähh! Und zahlt eure Medikamente selber! Mähh. Zahlt, Zahlt und macht Mähh, und geht doch zu Hause.

Ja so könnte ein jeder von uns diesen Schafschor um ein bis tausend Beispiele ergänzen. Mähh! Es ist schon traurig, nicht wahr? Wenn man es sich so vor Augen hält. Fehlt eigentlich nur noch, dass Gott unserem Kanzler erscheint, um ihn von der Richtigkeit seiner Kanzlerschaft zu überzeugen.

Es ist, als würden wir bergab rollen, leider noch nicht schnell genug, darum müssen wir treten und treten. Alle Hand in Hand, bringen wir dies Land so richtig die Abfahrt runter, wieso auch nicht: Runter geht ja besser als hoch. Ich bin nur mal gespannt, was unten auf uns wartet.

Vielleicht ja wieder mal eine Mauer. Oder ist das alles gar nicht wahr? Bauschen wir diese ganzen Dinge nur auf, um was zum Meckern zu haben oder zum Mähen? Möähh! Geht es uns noch viel zu gut, uns Deutschen?

Sind wir nicht noch viel zu klug für Pisa? Sind nicht unsere Politiker die Besten? Sind wir nicht ein Volk? Haben wir nicht die netteste Industrie der Welt?

Und nun? Was jetzt?

Nein, ich schreibe hier keine Zusammenfassung, keine belehrenden Worte, die mit Basta enden, ich will nur noch eine Frage stellen, obwohl ich schon viel zu viel gefragt habe.
Glaubt ihr im Osten etwa immer noch, dass ihr irgendwann auf Hundert Prozent kommt? Da zumindest eure 100 Prozent den Wessis so was von egal sind, und da es euch Ossis nur um Gleichberechtigung geht, wird zumindest dieses Problem schon seit Monaten gelöst.
Stichworte wie Opel, Mercedes, Minus Weihnachtsgeld, Minus Urlaubsgeld… reichen doch wohl aus, um zu erkennen, dass man nicht bestrebt ist den Osten auf Westniveau zu bringen, sondern den Westen auf Ostniveau. So hat der Osten seine Gleichberechtigung und dem Westen war es ja eh egal. Mähh!

Ja genau EGAL. Ist es womöglich jenes EGAL, dass uns geißelt? Das Kifferwort EGAL! Egal ist 88 erklärt dann ja wohl auch die Landtagswahlen in Sachsen Anhalt. Macht das EGAL, die Deutschen so schwach. Lässt sie zwar meckern, aber egal (Mähh!).

Vielleicht sollte es uns nicht egal sein, wenn Feiertage abgeschafft werden sollen, Menschen für ihren Rauswurf 30 Millionen. kassieren, Lohn gekürzt und Abgaben erhöht werden. Vielleicht sollte uns Deutschen im Neuen Jahr 2005 einfach nicht mehr soviel egal sein. Aber egal.

Geschrieben von Eric Wallis

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