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Alle Artikel der Kategorie Urabstimmung
Gremienwahl 2010 – Wir machen Demokratie 2.0
Geschrieben von Arik Platzek | Veröffentlicht am 22. Januar 2010 um 06:35 UhrArndt-Debatte: Zeit für den Heilungsprozess
Geschrieben von Carsten Schönebeck | Veröffentlicht am 19. Januar 2010 um 12:04 UhrEin Kommentar von Carsten Schönebeck
„Es riecht nach Wurstgulasch und Nudeln in der Greifswalder Mensa.“ So beginnt der Bericht von Spiegel Online über die Urabstimmung in der vergangenen Woche. Und tatsächlich: Wer am Montag den studentischsten aller Greifswalder Futtertröge betrat, der bemerkte, dass der penetrante Geruch von Druckerschwärze, aufsteigend von den hochglanzpolitischen Flyern, verschwunden war. Der Schweißgeruch penetranter Wahlkämpfer: Verweht! Niemand, der sich einem in den Weg stellte, um Flyer oder Zeitungen loszuwerden, Unterschriften zu sammeln oder „einfach mal so ins Gespräch zu kommen.“ Es kehrt wieder Ruhe ein in der Greifswalder Studierendenschaft.
Die Auszählung der Urabstimmung am Freitag hatte noch einmal für Spannung gesorgt. Überall sah man überraschte Gesichter. Der Schock saß nicht nur bei „Uni ohne Arndt“ tief, sondern auch bei allen Sympathisanten, wiegte man sich doch lange in Sicherheit.
Arndt strikes back!
Das wohl brisanteste Ergebnis war das der Urabstimmung. Nachdem ein halbes Jahr lang ein Sturm drohte, die Studierendenschaft zu zerreißen, haben wir das Resultat nun schwarz auf weiß per Wahl manifestiert. Ergebnisse sind interpretierbar und vor allem die Verliererseite ist sich für keine noch so abstruse Erklärung zu schade. Die falsche Fragestellung sei schuld, ist eine der häufigsten Erklärungen. Dass man sich damit ein argumentatives Eigentor baut, ist nach der Vehemenz der Namensdebatte nur konsequent. Haben tatsächlich Studenten pro Arndt gestimmt, weil ihnen das schlichte aber neutrale „Uni Greifswald“ noch weniger gefällt, so muss man klar konstatieren: Sie empfinden den umstrittenen Arndt offenbar nicht als „untragbar“ – im Gegenteil.
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Urabstimmung, Senat, StuPa: Stimmen zu den Wahlen
Geschrieben von Carsten Schönebeck | Veröffentlicht am 17. Januar 2010 um 23:16 UhrEin intensiver Wahlkampf, organisatorische Verbesserungen bei der Wahl und nicht zuletzt der Streit um den Namen der Greifswalder Universität haben der Studierendenschaft eine Rekordwahlbeteiligung beschert.
Bei den Senatswahlen errangen die Mediziner und Naturwissenschaftler einen Erdrutschsieg unter den Studenten, auch bei den Professoren verschiebt sich die Sitzverteilung zu Gunsten dieser beiden Fakultäten. Zu den weiteren Plätzen (wissenschaftliche und weitere Mitarbeiter) können wir derzeit noch keine Aussagen treffen. Die Wahlergebnisse sollten laut Aussage des Wahlleiters Mike Naujock am Freitag veröffentlicht werden, dies ist jedoch bisher nicht geschehen.
Thomas Schattschneider (Liste “Pro Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Lehramt”), der seinen Sitz im Senat verteidigen konnte, sagte gegenüber dem webMoritz: “Traurig ist, dass unsere Liste das Wählerpotential der Philosophischen, der Theologischen und der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät nicht mobilisieren konnte. Diese drei Fakultäten machen zwei Drittel der Greifswalder Studenten aus. Die Listenwahl hat sich aber bewährt, so haben wir zumindest fünf der Mediziner und Naturwissenschaftler draußen gelassen.”
Schattschneider erklärte, er sehe sich zwar als Vertreter der gesamten Universität, dennoch sollten sich die Mehrheitsverhältnisse unter den Studenten auch im Senat widerspiegeln. Er habe sich erhofft, seine Liste könne sieben oder acht Sitze erringen, sechs seien aber immer noch ein respektables Ergebnis. Zu den Auswirkungen des Ergebnisses sagte er: „Man muss im Auge behalten welche Entscheidungen im Senat anstehen, zum Beispiel die Wahl der Prorektoren, die Zielvereinbarung mit dem Land oder die Weiterführung der Lehramtsausbildung. Durch die überproportionale Vertretung von zwei Fakultäten seien einige Entscheidungen bereits absehbar.“ Die Liste „Volluniversität“, so Schattschneider müsse noch zeigen, ob sie ihrem Namen auch gerecht werde.
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Hochschild zur Arndt-Debatte: Denkt lieber an euer Studium!
Geschrieben von Gabriel Kords | Veröffentlicht am 11. Januar 2010 um 18:17 UhrSeit heute Morgen stimmt die Greifswalder Studierendenschaft in der ersten Urabstimmung der Geschichte der Universität über die Frage ab, ob die Uni ihren Namenspatron „Ernst Moritz Arndt“ ablegen soll oder nicht. Die Debatte berührt seit ihrem neuerlichen Ausbruch bei der Vollversammlung im Sommer 2009 nicht nur die studentische Öffentlichkeit. Aus Anlass der nun begonnenen Urabstimmung meldeten sich in diesen Tagen auch die kommunalpolitische Prominenz zu Wort. Den Anfang machte Jost Aé, jahrelanges Bürgerschaftsmitglied der SPD. Er schrieb an die Initiative Uni ohne Arndt anlässlich der auf des webMoritz veröffentlichten Gastbeitrags von Prof. Dr. Helmut Klüter unter anderem:
„Nicht die Zeiten sind verantwortlich, sondern wir sind für sie verantwortlich. Es wird sich daher zeigen, ob in unserer Alma Mater genügend weltbürgerlicher Geist und Mut herrschen, einen Namen abzulegen, dem diese Ehre nicht gebührt. Schon eine Kaserne nach Arndt zu benennen, hielte ich heute für bedenklich.“

Axel Hochschild
Am heutigen Tage meldete sich, wie an verschiedenen Stellen im Internet (z. B. hier) zitiert wird, auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Axel Hochschild zu Wort. Er lässt mitteilen:
“Die CDU-Fraktion hat sich auf ihrer letzten Fraktionssitzung eindeutig gegen eine Namensänderung ausgesprochen. Es gibt hierfür keine wirklichen Gründe. Wir haben als CDU-Fraktion alle anderen Fraktionen aufgerufen sich ebenfalls klar zu positionieren.”
Die CDU argumentiert dabei zunächst wirtschaftlich. In der Pressemitteilung heißt es:
„Namensänderungen sind immer mit Kosten verbunden. Gerade in den Zeiten knapper Kassen, sollte man sich genau überlegen wofür man das wenige Geld ausgeben möchte. Aus Sicht der CDU-Fraktion solle man besser daran arbeiten die Studienbedingungen, Stichwort Bologna Prozess , in Greifswald weiter zu verbessern, so Hochschild. Die jetzige Debatte sei für die Universität eher schädigend.“
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Interview: Die Urabstimmung und ihre Folgen
Geschrieben von Carsten Schönebeck | Veröffentlicht am 9. Januar 2010 um 19:48 UhrKurz vor Weihnachten führten die moritz-Medien ein Interview mit Jan Steyer von der Initiative “Uni ohne Arndt” und Marco Wagner von der Arndt AG Greifswald. Ein Auszug des Gesprächs erschien Anfang Januar im moritz-Magazin, MoritzTV hat ebenfalls einen Teil des Interviews veröffentlicht. Das Video findet ihr weiter unten.
Uns ging es dabei insbeondere um den stattfindenden hochschulpolitischen Prozess rund um die Urabstimmung und die anstehende Senatsentscheidung. Das Gespräch führten Alexander Müller, Daniel Focke und Carsten Schönebeck.
webMoritz: Im Januar steht die erste Urabstimmung in der Geschichte der Universität Greifswald an. Was ist von euch noch an Aktionen geplant um die Massen zu mobilisieren?
Jan Steyer: Wir wollen den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Universität abschaffen, haben daher bis zur Urabstimmung vor, mit Infoständen die Menschen zu informieren. Kurz vor der Abstimmung wird es auch einige Plakataktionen geben. Momentan arbeiten wir gemeinsam mit der Pro-Arndt-AG an einer Zeitung, die Argumenten für und gegen Arndt beinhalten soll. Außerdem wird es noch einige verbale Zusammentreffen der beiden AGs, wie kürzlich beim Debattierclub, geben.
Marco Wagner: Solche Informationsaktionen planen wir natürlich auch. Auch nach der Urabstimmung wird es noch weiter Veranstaltungen geben. Das Thema ist dann ja noch nicht erledigt, am Ende entscheidet ja der Senat. Unter anderem wird es ja noch eine zweite Anhörung geben, bei der auch die Greifswalder Bevölkerung eingeladen wird.
webMoritz: Warum betreibt ihr überhaupt so einen großen Aufwand, um eine letztendlich rein symbolische Abstimmung?
Marco Wagner: So symbolisch ist die Urabstimmung gar nicht. Die Vollversammlung im Sommer, bei der die Studierendenschaft den Namen abgelegt hat, hatte so große Signalwirkung, dass der Senat eine eigene Kommission zur Namensfrage eingesetzt hat. Genauso hoffen wir, dass die Urabstimmung entsprechend Druck auf den Senat ausüben wird, so dass diese entsprechend für oder gegen den Namen entscheidet. Die Urabstimmung ist also bei Weitem nicht bedeutungslos.
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Gastbeitrag: Zu den „Wortmeldungen zu Ernst Moritz Arndt“
Geschrieben von Gastautor | Veröffentlicht am 8. Januar 2010 um 14:11 UhrDie am kommenden Montag beginnende Urabstimmung der Studierenden zu Ernst Moritz Arndt erregt die Gemüter – sogar über den Kreis der Studierenden hinaus. Neben der Infozeitung zu Arndt, die von der StuPa-AG zum Uni-Namen herausgegeben wurde, publizierte der Greifswalder Kirchenhistoriker Dr. Irmfried Garbe ein Heft mit dem Titel “Wortmeldungen zu Ernst Moritz Arndt”, das mehrere Aufsätze von Wissenschaftlen enthält, die sich eher dem Arndt-freundlichen Flügel der Debatte zuordnen lassen. Es ist online nicht verfügbar, die enthaltenen Aufsätze wurden jedoch größtenteils zur Arndt-Anhörung vor dem Senat verfasst und können auf dessen Homepage nachgelesen und nachgehört werden. Prof. Dr. Helmut Klüter, Lehrstuhlinhaber für Regionale Geographie, äußert sich in einem Gastbeitrag für den webMoritz zu dem Heft:

Prof. Dr. Helmut Klüter
Am 5.1.2010 erschien in Greifswald ein Heft mit vorgeblichen Argumenten „für eine Beibehaltung des Namens Ernst Moritz Arndt-Universität“. Vom Inhalt dieses Heftes sollte man sich distanzieren, und zwar aus folgenden Gründen:
1. Schon die Diktion ist problematisch. Da heißt es in der Überschrift des ersten Beitrags: „Für die Beibehaltung des Namens Ernst Moritz Arndt-Universität Greifswald.“ Damit wird stillschweigend vorausgesetzt, dass die Umbenennung der Universität von 1933 auch heute Rechtsgültigkeit hat.
Andererseits betonen die Autoren, der gute Arndt hätte dazu aufgefordert, sich gegen despotische und tyrannische Entscheidungen von oben zu wehren. Es steht außer Frage, dass der Entscheidung von 1933 entsprechende Säuberungen und andere Aktivitäten vorausgegangen sind, und dass der damalige Rumpfsenat sich einer Vorgabe des „Stahlhelms“ gebeugt hat, vielleicht auch beugen musste. Warum lehnen sich die angeblichen Apologeten Arndts nicht gegen diese Entscheidung auf? „Wem Furcht vor Jemand seine Zunge schließt, der dünket mich der schlimmste nun und immer“. (Sophokles, zitiert bei Arndt, zitiert von Garbe 2010, S. 12, Anm. 5). Übrigens wäre es auch für die Gegner Arndts angebracht, diese Entscheidung nicht zu akzeptieren. Denn der Universität ist mit dieser Art der Umbenennung 1933 nationalsozialistisches Unrecht widerfahren. Wir sollten also davon ausgehen – nicht zuletzt unter Berufung auf Arndt -, dass die Universität auch heute noch Universität Greifswald heißt.
2. Die „Wortmeldungen zu Ernst Moritz Arndt“ sind ein typisches Dokument des Greifswalder Provinzialismus. Keiner der Autoren macht sich Gedanken darüber, wie die Hochschule mit dem Namen Ernst Moritz Arndts im Ausland wirkt. Bisher konnte man darauf hoffen, dass kaum jemand Ernst Moritz Arndt kannte. Im Zeitalter des Internets ändert sich das leider. Wenn man in das französische Google E. M. Arndt eingibt, wird man nicht nur zur Universität Greifswald, sondern auch zu dem nachstehenden Text geführt:
Der Gott, der Eisen wachsen liess
Un article de Wikipédia, l’encyclopédie libre.
Der Gott, der Eisen wachsen ließ est un poème patriotique du poète allemand Ernst Moritz Arndt. Il était écrit juste avant les guerres de 1813 à 1815, pendant lesquelles l’Allemagne se libérait du règne de Napoléon Bonaparte.
Le poème reflète la haine contre Napoléon et le sentiment anti-français du poète, bien qu’il ne nomme pas de noms ou dates historiques d’actualité. Avec une mélodie composée plus tard, ce poème est devenu un des chants les plus importants du mouvement nationaliste allemand.Texte et traduction
allemand(de)
français
Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
der wollte keine Knechte.
Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
dem Mann in seine Rechte;
drum gab er ihm den kühnen Mut,
den Zorn der freien Rede,
dass er bestände bis aufs Blut,
bis in den Tod die Fehde.So wollen wir, was Gott gewollt,
mit rechter Treue halten
und nimmer im Tyrannensold
die Menschenschädel spalten.
Doch wer für Tand und Schande ficht,
den hauen wir in Scherben.
Der soll im deutschen Lande nicht
mit deutschen Männern erben.O Deutschland, heil’ges Vaterland!
O deutsche Lieb und Treue!
Du hohes Land, du schönes Land,
dir schwören wir aufs Neue:
Dem Buben und dem Knecht die Acht!
Der füttre Krähn und Raben!
So ziehn wir aus zur Hermannsschlacht
und wollen Rache haben.Lasst brausen, was nur brausen kann,
in hellen, lichten Flammen!
Ihr Deutschen alle, Mann für Mann,
fürs Vaterland zusammen!
Und hebt die Herzen himmelan
und himmelan die Hände,
und rufet alle Mann für Mann:
Die Knechtschaft hat ein Ende!Lasst klingen, was nur klingen kann,
Trompeten, Trommeln, Flöten!
Wir wollen heute Mann für Mann
mit Blut das Eisen röten,
mit Henker- und mit Knechteblut.
O süßer Tag der Rache!
Das klinget allen Deutschen gut,
das ist die große Sache.Lasst wehen, was nur wehen kann,
Standarten wehn und Fahnen!
Wir wollen heut uns Mann für Mann
zum Heldentode mahnen.
Auf, fliege, stolzes Siegspanier
voran den kühnen Reihen!
Wir siegen oder sterben hier
den süßen Tod der Freien.Le Dieu qui faisait croître le fer
ne voulait pas d’esclaves.
Puis, il donnait le sabre, l’épée et l’épieu
dans la droite de l’homme ;
puis, il lui donnait le courage hardi,
l’ire de la parole libre,
pourqu’il continue jusqu’au sang,
jusqu’à la mort la querelle.Nous voulons donc tenir ce que Dieu a voulu
en bonne fidélité
et ne jamais pour la solde des tyrannes
fendre les crânes humains.
Mais celui qui lutte pour vanité et honte,
nous le hacherons en tessons.
Celui-là ne doit point, au pays allemand,
hériter à côté des hommes allemands.O Allemagne, ô patrie sacrée !
O amour et fidélité allemands !
Pays si haut, pays si beau,
à toi, nous jurons de nouveau :
Veillez les garçons et les esclaves !
Qu’ils fassent manger les corneilles, les corbeaux !
Mais nous allons à la bataille de Teutobourg
et réclamons vengeance.Faites gronder ce qui peut gronder
aux flammes claires et lucides !
Les Allemands, tous les hommes,
ensemble pour la patrie !
Et élevez les cœurs au Ciel
et au Ciel aussi les mains,
et criez, tous les hommes :
La servitude est finie !Faites retentir ce qui peut retentir,
les trompettes, les timbales, les flûtes !
Nous voulons aujourd’hui, tous les hommes,
rougir le fer par le sang,
par le sang des bourreaux et des esclaves.
O chéri jour de la vengeance !
C’est un bon son à chaque Allemand,
ceci est la grande chose.Faites flotter ce qui peut flotter,
les fanions et les drapeaux !
Nous voulons aujourd’hui, tous les hommes,
nous exhorter à la mort héroïque.
Hardi, vole, ô fière bannière de la victoire
devant les lignes audaucieuses !
Nous vainquerons ou nous mourrons ici
de la douce mort des libres.Aus: http://fr.wikipedia.org/wiki/Der_Gott,_der_Eisen_wachsen_liess, abgerufen am 7. Januar 2010.
Bedenkt man, dass das Französisch die faktische Regierungssprache der EU-Kommission in Brüssel ist, dann hat die Universität mit dem Namen Arndt ein echtes Marketing-Problem. Wenn eine EU-Sekretärin in Brüssel etwas nicht weiß, dann schaut sie zunächst im französischen Internet nach. Wenn sie dann den oben zitierten Text lesen muss, kann man ihr nicht verdenken, wenn sie einer Hochschule, die Arndt in ihrem Namen propagiert, reserviert gegenübersteht.
Der Text gehört zu den wenigen Artikeln des französischen Netzes, die in deutscher Sprache getitelt sind. Der kommunikativen Nähe dieses grausamen, beschämenden, durch und durch peinlichen Textes zu unserer Universität kann man sich entziehen, wenn man Ernst Moritz Arndt aus dem Namen der Universität streicht. Oder müssen wir darauf warten, bis auch die übrigen 20 Horrorgedichte von Ernst Moritz Arndt neben dem Link zur Universität Greifswald stehen?
3. In dem Beitrag von Irmfried Garbe heißt es am Schluss: „Sein Denkhorizont ist europäisch-christlich bestimmt. Sein akademisches Lebenswerk bietet Stoffe, die sich über Literaturwissenschaft, Pädagogik, Geschichte, Altphilologie, Romanistik, Nordistik, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Staats- und Verfassungsrecht, Theologie, Philosophie, Geographie, Germanistik und Volkskunde erstrecken“ (I. Garbe 2010, S.12). So enden normalerweise Biographien und Aufsätze über Arndts Zeitgenossen und Theologen Nikolai Grundtvig (1783-1872). Herr Garbe hat hier offenbar in die falsche Schublade gegriffen. Sein impliziter Verweis auf Grundtvig ist dennoch sehr wertvoll, zeigt er doch, was ein protestantischer Theologe zu Arndts Zeiten an positiven Impulsen zu geben vermochte. Grundtvig interpretierte die „Entdeckung“ des „Volkes“ in Richtung auf die Erziehung zum mündigen Bürger. Er schuf Volkshochschulen und die Idee des lebenslangen Lernens. Er wollte die Landbevölkerung emanzipieren. Seine Einflussnahme auf die dänische Verfassung von 1848 war derart vorausschauend, dass es in Dänemark seitdem keiner Revolutionen bedurfte, um das Land zu modernisieren. Grundtvig hatte also – im Gegensatz zu Arndt – politischen Erfolg. Als Denkmal steht in Kopenhagen eine riesige Kirche, die seinen Namen trägt. Sogar EU-Programme sind nach ihm benannt. Arndt wirkt im Vergleich zu seinem dänischen Theologie-Kollegen wie ein Dinosaurier.
4. Und dennoch: aus militärgeographischer Sicht war Arndt seiner Zeit voraus. Er erkannte sehr früh, dass die damals neue Raumabstraktion „Vaterland“ als Motivationsrahmen für den straffreien Totschlag die Hörigkeit und den direkten Gehorsam dem Fürsten gegenüber ersetzen konnte. Er verband dabei „Vaterland“ mit „Muttersprachraum“ zu einem totalitären Konstrukt, dem sich „das Volk“ kaum entziehen konnte.

E. M. Ardnt
„ Was ist des Deutschen Vaterland,
So nenne mir das große Land!
So weit die deutsche Zunge klingt
Und Gott im Himmel Lieder singt
Das soll es sein!
Das, wackrer Deutscher, nenne dein!”Aus: E.M. Arndt: Des Deutschen Vaterland.
„Vaterland“ dient zur Ideologisierung der materiellen Umgebung, mit Muttersprachraum wird auch die immaterielle Umgebung okkupiert. Gott und die Religion werden dabei bedenkenlos den Kampfzielen untergeordnet. Auch die nationale Idee wird über die Religion gestellt. Wer nun erwartet, dass der Theologe Irmfried Garbe dieses blasphemische Element in Arndts Ideologie aufarbeitet oder auch nur erwähnt, wird in den Wortmeldungen von 2010 enttäuscht. Ebenso unterlässt es der Historiker Dirk Alvermann, auf die dadurch begründete Rolle Arndts als Prototyp des „Deutschen Christen“ zu verweisen. („Deutsche Christen“ war in der Zeit von 1932 bis 1945 die Selbstbezeichnung der nationalsozialistischen Richtung der Evangelischen Kirche.)
Die religiös verbrämte Verquickung von „Vaterland“ und „Muttersprachraum“ lässt dem Individuum keine Rückzugsmöglichkeit mehr, von der aus es eine Aufforderung zum straffreien Totschlag kritisieren könnte. Damit wurde eine fast automatische Tötungsmaschinerie aus der Taufe gehoben, die mit dem Aufkommen der Massenvernichtungswaffen in Kriegen und Weltkriegen ihre blutige Umsetzung fand. Viele Administrationen und Regimes haben von dem darauf aufbauenden Instrumentarium Gebrauch gemacht, es gegenüber der eigenen Bevölkerung in Stellung gebracht und sie in den Krieg geschickt. Es scheint so attraktiv zu sein, dass selbst heutige Militaristen gern darauf zurückgreifen: „Komplementär zu seinen demokratischen Überzeugungen vertrat Arndt, inmitten der kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, eine für seine Zeit einzigartige und noch für unsere heutige Zeit vorbildliche militärische Ethik“. (R. Bach 2010, S.16; Hervorhebung von H. K.). Das heißt: auch im Zeitalter der atomaren Erstschlags- bzw. Antwortstrategien sind Kriege dann erlaubt, wenn der Mordende nur die richtige Ethik hat. Die Opfer haben das bitte in christlicher Demut zu akzeptieren. (vgl. Garbe 2010, S.12: Er hält Arndt für einen Christen).
5. Auf solche Argumente antworten Tietz, Bach, Staats, Garbe und Alvermann, dass für so etwas nicht Arndt verantwortlich gemacht werden könne, der sei doch bereits 1860 verstorben. Das ist sicher richtig. Aber wir, die Menschen von heute, wissen, wie die Geschichte weiter gegangen ist – und die genannten Tietz, Bach, Staats Garbe und Alvermann sollten es auch wissen. Insofern ist deren Verteidigung Arndts ein eher plumpes Ablenkungsmanöver: Nicht Arndt möchte seinen Namen über der Universität Greifswald sehen, sondern Tietz, Bach, Staats, Garbe und Alvermann möchten es. Die Intensität, mit der sie in ihren „Wortmeldungen“ Arndt zu entschuldigen suchen, lässt auf die Dimension ihres schlechten Gewissens schließen, das sie offenbar bei diesem Unterfangen haben.
Fassen wir zusammen:
- Für eine moderne Universität ist es blamabel, wenn sie sich bei ihrer Namensgebung auf eine zweifelhafte Initiative des faschistischen „Stahlhelms“ von 1933 stützt. Die damalige Umbenennung ist aus heutiger Sicht inakzeptabel.
- Im Zeitalter des Internets kann man Arndts „Werk“ nicht länger geheim halten. Unsere internationalen Partner haben die Möglichkeit, zu erfahren, wer da als Namenspatron fungiert. Als einzelner Wissenschaftler hat man dann nur noch die Möglichkeit, sich von der Aktion 1933 zu distanzieren. Was ist ein Image wert, wenn man sich davon distanzieren muss?
- Bereits vor dem Zeithintergrund des frühen 19. Jahrhunderts und vor allem in Bezug auf damalige Angewandte Theologie erscheint Arndt hoffnungslos veraltet. Der Protestantismus hat das Glück, dass einige romantische Ideen dieser Zeit durch Grundtvig und andere Theologen für die heutige Kirche uminterpretiert und für die gesellschaftliche Praxis gerettet werden konnten. Das sollte aber keineswegs Arndt zugerechnet werden.
- Mit der religiös verbrämten Verquickung von „Vaterland“; „Muttersprachraum“ und -komplementär dazu – dem Hass auf andere Völker hat Arndt wesentliche Bausteine dafür geliefert, Aggression gegen andere Staaten auch in Friedenszeiten latent zu halten. Die kriegerischen Entladungen haben 1918 und 1945 haben zwei deutsche Administrationen in den Untergang geführt. Ist das noch nicht genug?
- Diejenigen, die dennoch für Arndt als Namenspatron plädieren, führen einen merkwürdigen Stellvertreterkrieg: Sie sezieren Arndt, seine Biographie und die entsprechenden Vergangenheiten. Daraus basteln sie ihre eigene, gegenwärtige, humpelnde, kriegsträchtige Tradition und ihre ebenso konservativ angeschrägte, schon von Motten zerfressene Identität. Genau diese möchten sie durch den Namen der Hochschule bestätigt sehen. Sie machen aus dem Universitätspatron ein Universitätsgespenst. Der Widergänger muss episodisch neu beschworen werden, denn „die Konstruktion von Vergangenheit und Deutung der Gegenwart muss immer wieder neu erfolgen…“ (Alvermann 2010, S. 30). Für derartige Geisterbeschwörungen sollte unsere Universität sich zu schade sein.
Literatur:
Alvermann, D.: Über Arndt. In: Garbe 2010, S. 17 – 32.
Arndt, E. M.; Hoffmann von Fallersleben, A. H.; von Schenkendorf, M.: Gesammelte Werke. Berlin ca. 1910.
Bach, R.: Ernst Moritz Arndt – Namenspatron der Universität Greifswald. In: Garbe 2010, S. 13-16.
Garbe, I. (ed.): Wortmeldungen zu Ernst Moritz Arndt. Greifswald 2010.
Garbe, I.: Arndt als Greifswalder Unipatron – Gesichtspunkte für die öffentliche Anhörung am 11. Dez. 2009. In: Garbe 2010, S. 10-12.
Staats, R.: Erklärung zu Namen „Ernst-Moritz-Arndt-Universität“ in Greifswald. In: Garbe 2010, S. 8-9.
Tietz, K.E.: für die Beibehaltung des Namens Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. In: Garbe 2010, S. 2-5.
Bilder: webMoritz-Archiv
Arndt in der Evangelischen Studentengemeinde
Geschrieben von Eric Schümann | Veröffentlicht am 7. Januar 2010 um 15:51 UhrEine Woche vor Beginn der Urabstimmung war Ernst Moritz Arndt erneut Thema einer öffentlichen Diskussionsrunde.

Dr. Garbe bei seinem Vortrag in der ESG
Die Evangelische Studentengemeinde (ESG) hatte den Kirchenhistoriker und Arndt-Befürworter Dr. Irmfried Garbe und den Studenten Jan Steyer als Vertreter der Initiative “Uni ohne Arndt” eingeladen. Über den Ablauf und die Erkenntnisse der Diskussionsrunde diskutierten unsere Leser (mehr oder minder konstruktiv) bereits unter diesem Artikel.
Im Anschluss an die Veranstaltung sprach der webMoritz mit Jan Steyer und Arndt-Befürworter Marco Wagner.
Weitere Informationen:
Dr. Garbe hatte sich bereits auf der wissenschaftlichen Anhörung der Senatskomission für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen. Seinen Vortrag findet ihr hier als PDF-Datei. Weitere verschriftlichte Vorträge und auch Tondokumente der Anhörung findet ihr auf der Uni-Homepage.
Bilder:
Logo ESG – Evangelische Studentengemeinde
Arndt Büste – Alexander Kendzia
Doktor Garbe – Eric Schümann
“Das ist nicht unser Ernst” – Party im IKUWO
Geschrieben von Sandro Teuber | Veröffentlicht am 6. Januar 2010 um 17:10 UhrDie “hedonistische Internationale inna Greifswalder Hochschule” (H.I.G.H) lädt am Samstag zu einem nicht ganz “Ernst” gemeinten Tanzabend ins Internationale Kultur- und Wohnprojekt IKuWo. Thema des Abends ist die kommende Woche geplante Urabstimmung zur Ablegung des Namens “Ernst Moritz Arndt”. Als Motto des Abends geben die Veranstalter an: “HINKOMMEN! TANZEN! ARNDT WEGBASSEN!”

Flyer zur Party
Mit ihrer Party wollen die Hedonistinnen auf die kommende Urabstimmung hinweisen und die Leute motivieren, das Kreuz an der “richtigen” Stelle zu setzen. Auf das im IKuWo übliche Einlassverbot für eine bestimmte Klientel wird im Flyer mit den Worten hingewiesen: “Rassist_innen, Sexist_innen und andere Vollpfost_ionnen bleiben natürlich zu Hause und schreiben weiter webMoritz-Kommentare.”
Musikalisch gewohnt elektrolastig geht es los mit einem Konzert vom Elektrobär. Als DJs treten NLPN und Elektro.indie.fresse in Erscheinung. Weitere Infos auf der Hedonistinnen-Seite und auf der Homepage der Initiative Uni ohne Arndt. Auch im StudiVZ wird für die Veranstaltung geworben. Einlass ist ab 22 Uhr.
Foto: Veranstalter.
Druckfrisch eingetroffen: Die Zeitung zur Urabstimmung
Geschrieben von Gabriel Kords | Veröffentlicht am 4. Januar 2010 um 16:00 UhrIm Internet kursierte die Infozeitung zur Urabstimmung schon seit einigen Tagen – jetzt liegt sie auch gedruckt aus. Auch auf dem webMoritz kann man sie herunterladen (Bilder rechts und links).
Das kostenlose Heft stellt Argumente für und gegen den Namenspatron zusammen über den die Greifswalder Studenten in der kommenden Woche abstimmen sollen. Sie wurde von Mitgliedern der Initiativen “Uni ohne Arndt” und “Pro Arndt” erstellt. Für die technische Umsetzung wurde die Expertise einiger Mitarbeiter des moritz-Magazins herangezogen.
Dass die Befürworter und Gegner des Namenspatrons gemeinsam an der Erstellung gearbeitet haben, heißt allerdings nicht, dass es sich um eine Einheitliche Zeitung handelt: Die 20-seitige Publikation besteht aus zwei getrennten Teilen, die so angeordnet sind, dass man das Heft jeweils drehen muss, um den anderen Teil zu lesen (in der Internet-Ausgabe wurde das natürlich beseitigt). Innerhalb der Teile hatten die Initiativen die volle Entscheidungsfreiheit. Das Heft verfügt somit auch über zwei Impressen.
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moritz 81 – Dezember 2009 – Die erste Urabstimmung
Geschrieben von Moritz-Magazin | Veröffentlicht am 26. Dezember 2009 um 23:38 UhrLiebe moritz-Leserinnen und Leser,
Es ist kein Geheimnis, dass Greifswald eine kleine Stadt ist, in der man schnell die meisten Menschen kennt und in der man sich ab und zu auch eingeengt fühlt. Dieser Kleinstadtkoller verursacht wohl bei jedem von uns mitunter Phänomene wie Fernweh und Reisesehnsucht. Während der eine diese schon mit einem kurzen Wochenendtrip in die Umgebung bekämpft, muss der andere ganz neue Länder und ferne Gegenden erkunden. Mich selbst hat das Fernweh so gepackt, dass ich gleich mit der Planung eines ganzen Auslandsjahres ab dem kommenden Sommer begonnen habe. Nach Schweden soll mein Abenteuer führen. Während der Vorbereitung auf eine Tour ergeht es jedem Reisenden ähnlich: Die Spannung auf einen neuen Ort mischt sich mit Nervosität und Angst vor dem Unbekannten.
Wen ebenfalls das Fernweh plagt, dürfte unsere neue Serie interessieren, in der wir die Partneruniversitäten Greifswalds in Osteuropa vorstellen. Zu Beginn soll der Blick nach Polen zur Adam-Mickiewicz-Universität in Poznan gehen. Nicht Fern-, sondern Heimweh haben wahrscheinlich viele ausländische Studierenden, welche die Weihnachtsfeiertage fern von ihren Familien in Greifswald verbringen. Wie es ihnen dabei ergeht und was ihre Sehnsucht nach dem zu Hause ein wenig lindert, berichten wir im Universum. Den Blick auf andere Länder zu richten, lohnt sich auch in der Hochschulpolitik: Die aktuellen weltweiten Proteste an Universitäten beispielsweise nahmen vor einigen Wochen in Österreich ihren Ausgang. Mit welchen Forderungen und mit welchen Folgen der Bildungsstreik in Greifswald verlief, verrät euch ebenfalls der aktuelle moritz.
Ob man fremde Kulturen nicht sogar direkt vor der Haustür entdecken und kennen lernen kann, haben zwei unserer Redakteurinnen während des vierzehnten PolenmARkTs in Greifswald ausgetestet. Bei dem umfangreichen Programm dürften sich nicht nur eingefleischte Polenfans mit Reisefieber infiziert haben.
Verlangen nach Veränderung und einer neuen Stadt hatte vielleicht auch Professor Patrick Donges, als er sich nach vielen Jahren an der Universität Zürich für einen Wechsel in Richtung Norden nach Greifswald entschied. Hier wartet ein seit langer Zeit unbesetzter Lehrstuhl im Fach Kommunikationswissenschaft darauf, von ihm wieder mit Leben und Ideen gefüllt zu werden. Wohin die Reise der Kommunikationswissenschaft in Greifswald mit ihm als Expeditionsleiter in den nächsten Jahren gehen soll, erfahrt ihr, wenn ihr umblättert.
Doch die weitesten Reisen unternimmt man immer noch mit dem Kopf. So ist auch Lesen in gewisser Weise eine Art des Reisens. Deshalb, moritz-Freunde, gönnt euch Zeit, wenn ihr durch das aktuelle Heft blättert und verweilt an den Stellen, die ihr spannend, bewegend oder unterhaltsam findet. Schließlich heißt es nicht umsonst: „Man reist nicht nur, um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein!“
Christiane Müller
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