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Neues Leitbild: Greifswald hebt ab

Geschrieben von | Veröffentlicht am 20. Oktober 2010 um 13:37 Uhr

Die Stadt stellte den Entwurf für das aktualisierte Leitbild der Hanse- und Universitätsstadt Greifswald auf einer Abschlussveranstaltung in der Aula der Universität vor. Es soll im Dezember von der Bürgerschaft angenommen werden.

Die Schaltzentrale Vorpommerns.

Obwohl der Entwurf des neuen Leitbildes kein Geheimnis mehr ist, war die Aula der Universität Greifswald gut gefüllt. Denn bereits im Juli stellte die Stadt Greifswald und das beauftragte Beratungsunternehmen Prognos AG den Entwurf auf einer Pressekonferenz vor (webMoritz berichtete).

OB: “Wir werden das Leitbild nicht hinter den Ofen hängen.”

Oberbürgermeister Dr. Arthur König (CDU) eröffnete die Veranstaltung damit, dass er das vergangene Jahr zusammenfasste, vom Prozess der Leitbildaktualisierung und den Gesprächskreisen berichtete. König bedauerte, dass man nicht alle Interessenten in die Gesprächskreise einbinden konnte. Besonders hob König hervor, dass man das aktualisierte Leitbild breit in die Öffentlichkeit tragen wolle und nicht, wie in einem webMoritz-Kommentar befürchtet, hinter den Ofen hängen werde. Diese Marketing-Offensive soll auch mit einer Aktualisierung des städtischen Internetauftritts und der Umsetzung der von Prognos empfohlenen Ziele für die städtischen Arbeitskreise einhergehen.

Prognos: Leitbildentwurf steht – Jetzt ist die Stadt gefordert

Viel Neues gab es auch von Prognos-Mitarbeiter Florian Knetsch nicht zu hören. Auch er schilderte anhand einer Präsentation was im Laufe des letzten Jahres innerhalb der Workshops erarbeitet wurde. Vor allem betonte er, dass die Stadt das Bürgerengagement stärker nutzen müsse. Dies könne beispielsweise mithilfe von Ideenwettbewerben oder mit einem Bürgerhaushalt geschehen. Das neue Leitbild enthält neben Caspar David Friedrich auch den Namenspatron der Universität, Ernst Moritz Arndt. Auf die Frage, wieso man sich im Entwurf, gerade im Hinblick auf die Namensdebatte an der Universität, dafür entschieden hat den umstrittenen Patron zu nennen, antworteten die beiden Vertreter von Prognos, dass dies eben der Name der Universität sei und man so auch die Geschichte berücksichtigen möchte. Die von Stadt und Prognos erarbeiteten Ziele für die Arbeitskreise der Hansestadt enthalten keine konkreten Vorschläge zur Umsetzung. Das wäre nicht Teil des Auftrags gewesen und müsse nun von der Stadt selbst erarbeitet werden, so die Vertreter der Prognos.

Schmückendes Beiwerk

Um die Bedeutung des Leitbildes herauszustellen, schlossen sich Vorträge von Professor Heiko AuerbachProfessor Klaus-Dieter Weltmann und der Schülerin Franziska Bröker an. Auerbach ging in einer dynamischen “Keynote Speech” auf wirtschaftswissenschaftliche Grundzüge des Marketings ein und lobte die Stadt für die Aktualisierung des Leitbildes. Greifswald hätte damit “die Landebahn” verlassen. Auch stellte er heraus, dass man aus den Mechanismen, die für die Vermarktung eines Schokoriegels genutzt werden, auch etwas für das Stadtmarketing lernen könne. Man brauche ein Alleinstellungsmerkmal. So gesehen sei Caspar David Friedrich der “Batman” Greifswalds. Vor allem rief er die Stadt dazu auf ihre Präsenz im Web 2.0, insbesondere in den Social Networks, durch gezielte Pressearbeit zu verbessern. Die Plasmaforschungseinrichtungen Greifswalds wurden in einem kurzen Vortrag von Klaus-Dieter Weltmann, Direktor des Leibniz-Institut für Plasmaforschung, vorgestellt. Er stellte mit seinem Vortrag klar, dass Greifswald auch hier ein Alleinstellungsmerkmal besitzt und sogar zum “Mekka der Plasmaforschung” werden könnte. Abschließend beschrieb die Greifswalder Schülerin Franziska Bröker warum sie gerne in Greifswald lebt und was ihr an der Stadt besonders gut gefällt.

Hintergrund:

Im Jahr 2009 wurde durch die Stadt die Aktualisierung des zehn Jahre alten Leitbildes mit Unterstützung der schweizerischen Beratungsfirma Prognos gestartet. Nach einer Auftaktveranstaltung in der Aula erarbeiteten Mitarbeiter von Prognos zusammen mit Vertretern der Stadt und “Experten” Vorschläge für einen aktualisierten Text des Leitbildes, sowie Ziele, die von den einzelnen Arbeitskreisen der Stadt in Zukunft erreicht werden sollen. Das gesamte Projekt kostete 60.000€ und findet seinen Abschluss in der vorgesehen Bestätigung des Leitbildentwurfes im Dezember durch die Vertreter der Bürgerschaft.

Das alte und neue Leitbild im Vergleich ist in diesem Artikel zu sehen.

Chronologie der Berichterstattung zum Thema Leitbild:

Fotos: Alexander Kendzia (Galerie), Michael Sander via Wikipedia.de (Rathaus)

GrIStuF-Infoabend: Wie organisiere ich eigentlich ein Studentenfestival?

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Oktober 2010 um 15:04 Uhr

Schon ein paar Monate ist es mittlerweile her, das internationale Studentenfestival GrIStuF. Vom 26. Mai bis zum 6. Juni war Greifswald ein bisschen internationaler, kreativer und bunter als sonst – bereits zum fünften Mal fand das Festival mit dem diesjährigen Motto “response-ability” statt. 150 Studierende weltweit kamen dafür in die Hansestadt, um beispielsweise an Workshops teilzunehmen und um andere Kulturen kennenzulernen.

Am 21. Oktober findet hier im IKuWo, Goethestraße 1, ein Infoabend statt

Nach einer Erholungspause über den Sommer melden sich die Organisatoren rund um das Festival und veranstalten daher am 21. Oktober einen Infoabend im Internationalen Kultur- und Wohnprojekt IKuWo. “How to realize an International Students’ Festival?” heißt es dort ab 21 Uhr.  Dabei geht es um die Frage, wie ein Studentenfestival organisiert wird und was hinter den Kulissen passiert. Die GrIStuF-Mitglieder werden dabei eine kurze Präsentation über das diesjährige Festival geben. Anschließend gibt es Getränke ab 22 Uhr an der GrIStuF-Bar, die jeden Donnerstag im IKuWo stattfindet. Der Eintritt ist frei.

Wessen Neugier dann noch nicht getilgt ist und wer vielleicht selbst das Studentenfestival 2012 mitplanen möchte, kann am Mittwoch, dem 27. Oktober, der Sitzung von GrIStuF beiwohnen. Das Büro befindet sich in der Wollweberstraße 4.

Bilder: GrIStuF (webMoritz-Archiv)

Mit Einkaufswagen und Revolver über das Skelett der Erde: The Road

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Oktober 2010 um 13:00 Uhr

Seit 7. Oktober ist die Verfilmung des preisgekrönten Romans "Die Straße" in den Deutschen Kinos

Der Himmel ist von Aschewolken geschwängert, die jeden Sonnenstrahl in sich brechen und die Erde gleichgültig ihrer Farben berauben. Die Berge sind von Asche bedeckt, die erbarmungslos jedes Leben zum Schweigen bringt. Die Wälder haben ihre Welketracht bereits seit Jahren abgelegt und stumm ragen die kahlen Stämme der toten Bäume wie ein fleischloses Skelett haushoch aus der Asche zu ihren Füßen in die Asche über ihren Köpfen. Vereinzelte Erdrutsche, entwurzelte Bäume, saurer Regen und starke Erdbeben bezeugen die letzten Krämpfe des sterbenden Planeten. Inmitten dieser hoffnungslosen Kulisse, auf einer längst verlassenen Serpentinenstraße, schleppen sich ein Vater (Viggo Mortensen) und sein Sohn (Kodi Smit-McPhee) abgemagert, ungewaschen und hungrig auf der Suche nach Benzin und Lebensmitteln entschlossen den Weg entlang.

Mit erschreckend entmutigenden Landschaftsaufnahmen des postapokalyptischen Szenarios verbildlicht John Hillcoat (The Proposition – Tödliches Angebot) Cormac McCarthys (unter anderem No Country for Old Men) jüngsten, 2007 mit dem Pulitzerpreis für Romane ausgezeichneten Roman The Road und bleibt der Handlung der Vorlage treu. Nachdem ein grelles Licht zu sehen war, wüteten verheerende Brände auf der Erde und alles Leben begann zu sterben. Nur ein kleiner Teil der Menschheit hat überlebt, keine Tiere und keine Pflanzen. So durchforsten entweder auf sich gestellte Individuen oder vereinzelte, kleinere Gruppen die Ruinen ehemaliger Siedlungen nach Lebensmitteln aller Art. Doch brach bald unter einigen Menschen Kannibalismus aus und die Menschen fingen an, in Furcht voreinander zu leben. Anhand der beiden Protagonisten, dem namenlosen Vater und seinem ebenso namenlosen Sohn, zieht The Road den Zuschauer hinein in seine hoffnungslose und beklemmende Welt. Nach dem Selbstmord der verzweifelten Mutter (Charlize Theron) beschließen Vater und Sohn, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, lediglich mit einem Einkaufswagen und einem Revolver mit zwei Patronen ausgestattet, durch das Grau ihrer Welt in Richtung Meer zu reisen.

Soundtrack zur Bedeutungslosigkeit von Nick Cave

Die atmosphärische Dichte der Vorlage auf die Leinwand zu übertragen, ist bei The Road, wie bei kaum einem anderen Film, der Knackpunkt, mit dem alles steht und fällt. Hier zeigen sich die Früchte von Hillcoats Arbeit als Musikvideoregisseur, wenn sich die beiden ausgemergelten und verdreckten Protagonisten mit ihrem Einkaufswagen über verlassene Highways quälen, die Kamera herauszoomt, die Bedeutungslosigkeit beider Existenzen aufzuzeigen und im Hintergrund die düstere, von Nick Cave komponierte, Musik eine Vertonung der alles bedeckenden Asche zu sein scheint.

Mit Einkaufswagen, Revolver und fest entschlossenem Blick auf dem Weg in den Süden.

Die einzigen Farbtupfer stellen die Erinnerungen des Vaters an eine fast schon unwirklich anmutende und vergangene Welt dar, durch deren Kontrast zur postapokalyptischen, lebensfeindlichen Umgebung sich die erfahrene Verzweiflung nur um ein Vielfaches intensiviert. Hillcoats letzte Zutat in der Komposition seiner fahlen und bedrückenden Atmosphäre ist sein Gefühl für Auslassungen. Wenn Vater und Sohn in das Haus einer Gruppe von Kannibalen eindringen, dann wird die Unsäglichkeit des Kannibalismus nicht in blutrünstigen Szenen exzessiv ausgekostet, sondern der Fokus bleibt auf den Protagonisten und den von ihnen gefundenen Indizien, um den Zuschauer vor einer passiven Rezeptionshaltung zu bewahren.

Trotz aller Gewaltigkeit und Virtuosität der Inszenierung bildet die ausgeblichene, lebensferne Umgebung nicht den Kern von The Road, sondern schafft einen Rahmen, in dem der Zuschauer gezwungen wird, sich mit den fundamentalen Wahrheiten der eigenen, menschlichen Existenz auseinander zu setzen. Wodurch unterscheidet sich der Mensch vom Tier, durch die Sprache, die Moral oder etwa die Vernunft? Angesichts der immensen existenziellen Nöte und der allgegenwärtigen Gefahr erweisen sich in The Road alle Ideale der Aufklärung und des Humanismus als leere Phrasen und blasse Erinnerungen an vergangene Zeiten. Zeilen wie diese: „Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium! … alle Menschen werden Brüder, wo Dein sanfter Flügel weilt…“ aus Schillers Ode an die Freude wirken vor dem Hintergrund des Films fast wie bitterster Sarkasmus. Vielmehr skizziert The Road den von Hobbes erdachten Naturzustand des Menschen, in dem der Mensch dem Menschen ein Wolf ist, mit dem einen Unterschied, dass dieser Zustand nicht als Ausgangspunkt für die Entwicklung gemeinschaftlichen Lebens, sondern in seiner Konsequenz als Resultat dieses Lebens existiert. In dieser Umgebung ist das einzig Menschliche aktives Mitleid. Mitleid, das sich ob der eigenen Ohnmacht im Verweigern oder Nehmen des Lebens äußert.

Furcht und Misstrauen bestimmen den Alltag von Vater und Sohn.

Hustenanfälle und Strohhalmgeschlürfe statt Hunger und Einsamkeit

Auch wenn der Film technisch auf höchstem Niveau ist und die Romanvorlage adäquat an die Gegebenheiten der Leinwand angepasst wurde, so kann der Film nur teilweise wirklich überzeugen. Da man in einem Buch gesprochene Sprache grundsätzlich anders wahrnimmt, als in einem Film, lässt es sich ertragen, wenn ein Protagonist nur selten zu Wort kommt. Auf der Leinwand hingegen können solche Charaktere schnell zur Qual werden, wenn sie ständig unbeholfen neben der Handlung stehen. So gut Kodi Smit-McPhee die Rolle des naiven und verängstigten Sohnes, der von seinem Vater oft bevormundet und angewiesen wird, auch in der ersten halben Stunde spielt, spätestens ab der Hälfte des Filmes trampelt der vergötterte Sohn mit seiner schlaffen Körperhaltung und seinen plumpen Sterbewünschen jeden Anflug von Mitgefühl aus dem Kinosessel. Darüber hinaus lassen sich existenzielle, für die Wirkung des Films unabdingbare Nöte wie Hunger oder absolute Einsamkeit nur schwer nachvollziehen, wenn sich aus dem Halbdunkel des Kinosaals Hustenanfälle, Bonbongeraschel oder Strohhalmschlürfen immer wieder in den Vordergrund spielen und so die Empathie mit den Charakteren jedes Mal unterbrochen wird. Der Gipfel des Zumutbaren ist allerdings erreicht, als der Sohn zum ersten Mal in seinem Leben Bekanntschaft mit einer CocaCola-Dose macht. Wer sich bereits über das Product-Placement von Coladosen in Pearl Harbour ärgerte, dem wird diese als perfekter Werbeclip inszenierte Begegnung mit der roten Dose mehr als nur sauer aufstoßen und womöglich eher zum Gehen animieren als die oben erwähnte Kannibalismusszene. An und für sich ließe sich auch hierüber hinwegsehen, wäre dies nicht nur die Spitze des Eisberges einer Produktion, die amerikanischer kaum sein könnte, denn diese Produktion ist es, die die Stimmung des Filmes viel drastischer bricht als es Bonbongeraschel jemals könnte.

Über weite Strecken hat es Hillcoat sehr gut verstanden, sich dem Roman aufmerksam zu nähern und diesen in „realen“ Bildern auf der Leinwand zu verwirklichen. An einigen Stellen des Films machen sich die Unterscheide beider Medien leider jedoch zu deutlich bemerkbar. So entschwindet die vorher mühsam aufgebaute Atmosphäre, die den Zuschauer in das Erlebnis hineinzieht und entlässt den selbigen in eine bloße Aufnahmehaltung. Alles in Allem handelt es sich bei The Road dennoch um einen durchaus sehenswerten Film, der durch seine technische Feinheit und Bildgewalt viel an Ausdruckskraft und Authentizität gewinnt und gerade jetzt in der stiller werdenden Jahreszeit Herbst den Zuschauer emotional bindet.

Uni-Umfrage zum Sicherheitsgefühl in Greifswald

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Oktober 2010 um 10:00 Uhr

Fühlst du dich sicher in deinem Stadtteil, in deiner Straße, in deinem Haus, in deiner Wohnung?

Wie sicher fühlen sich die Greifswalder in ihrer Stadt?

Professor Dr. Manfred Bornewasser vom Institut für Psychologie der Universität Greifswald möchte dieses Thema mit Unterstützung der Stadt wissenschaftlich untersuchen und bittet um die freundliche Mitarbeit aller Bürger, die diese Frage als wichtig empfinden. Dabei soll in Erfahrung gebracht werden, ob sich die Bürger unserer Stadt sicher fühlen, wenn sie auf unseren Straßen unterwegs sind. Erfasst werden sollen spezifische Befindlichkeiten der Menschen, die sich auf ihr Sicherheitsgefühl auswirken.

“Wir hoffen durch die Befragung Anhaltspunkte dafür zu bekommen, welche Anstrengungen unternommen werden können, um die Stadt Greifswald für Sie noch ein bisschen sicherer zu machen”, sagte Dr. Anne Köhn, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie.

Die Befragung zum Sicherheitsgefühl richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt die über 16 Jahre alt sind und erfolgt völlig anonym. “Eine rege Teilnahme ist Voraussetzung dafür, ein genaues Bild der Lage in Greifswald zu zeichnen. Wenn Sie teilnehmen möchten, dann nutzen Sie bitte den folgenden Link für eine elektronische Befragung”, erklärt Köhn weiter.

http://ww2.unipark.de/uc/GR_UniGreifswald_Koehn_LS/f02b/

Fragebögen liegen auch in verschiedenen Einrichtungen der Stadt aus, so im Ordnungsamt, der ARGE, der WVG und der Stadtbibliothek. Oder man kann die Nummer 03834/863774 anrufen und sich einen Fragebogen zusenden lassen.

Fotos: Archiv webMoritz, Kai Hagelauer via jugendfotos.de

Das Projekt GreiMUN stellt sich vor

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Oktober 2010 um 16:03 Uhr
Flyer GreiMUN Infoveranstaltung WS 10/11

Flyer GreiMUN Infoveranstaltung Wintersemester 2010/11

Greifswald Model United Nations e.V. (GreiMUN) ist ein gemeinnütziger, universitätsnaher Verein Greifswalder Studenten, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Verständnis der Arbeit der Vereinten Nationen und das Interesse an internationalen Beziehungen zu fördern. Jedes Jahr fährt eine Delegation Greifswalder Studenten zur NMUN-Simulation nach New York City. Die Studenten des Vorjahres übernehmen ehrenamtlich die Ausbildung des aktuellen Jahrgangs. Die letzten beiden Delegationen aus Greifswald waren sogar so erfolgreich, dass sie als “Distinguished Delegation” (2009) und “Outstanding Delegation” (2010) ausgezeichnet wurden.

Wie in jedem Wintersemester bietet das Projekt GreiMUN e.V. Studierenden aller Fachrichtungen die Möglichkeit, an einem kostenlosen Seminar teilzunehmen, das Studierende auf die Teilnahme an Simulationen der Vereinten Nationen vorbereitet. Dazu werden im Seminar Themen wie Verhandlungstaktik, Grundlagen der UNO, Fachsprache und Verhalten in Sitzungen vermittelt. In zwei Simulationen in Greifswald wird das erlernte Wissen auch praktisch umgesetzt und gefestigt.

Es besteht nach erfolgreicher Teilnahme die Möglichkeit, im April nächsten Jahres mit nach New York zur UNO zu fliegen und an der National Model United Nations Simulation teilzunehmen. Hier werden circa 4.000 Studenten aus aller Welt die UNO simulieren. Das Angebot richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen und Semester. Das Seminar vermittelt unter anderem „Soft-Skills“, die im Berufsleben immer wichtiger werden. Je nach Studiengang ist eine Anrechnung des Seminars als Praktikum möglich.

Am Mittwoch, dem 20. Oktober 2009, findet um 20 Uhr im Hörsaal 1, Rubenowstraße 1, eine Informationsveranstaltung statt, auf der alles rund um das Projekt und das Seminar erläutert wird. Weitere Informationen rund um das Projekt sind auf der Internetseite von GreiMUN zu finden.

Links:

Der Autor des Textes ist Mitglied bei GreiMUN.

Bilder: Privat; nicht CC-lizenziert, Aufmacher Alexander Kendzia (webMoritz-Archiv)

Mit den moritz Medien zur Schulungsfahrt: Jetzt mitmachen!

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Oktober 2010 um 13:29 Uhr

Wer Lust hat, bei den moritz Medien mitzuarbeiten und die Angebote der Erstsemesterwoche nicht wahrnehmen konnte, hat nun seine zweite Chance: Am kommenden Wochenende, vom 22. bis 24. Oktober, dreht sich alles um die studentischen Medien, ums Schreiben, Fotografieren, filmen und vieles mehr. Es gibt noch freie Plätze.

Komm mit zum moritz Medien-Wochende!Traditionell fahren die Mitarbeiter der moritz Medien einmal im Jahr zur Schulungsfahrt. Die Fahrt steht aber auch allen interessierten Neueinsteigern offen. Dieses Jahr geht es ins Gutshaus Klein Dammerow, unweit vom Plauer See. Los geht es am Freitag Nachmittag, dem 22. Oktober. Am Sonnabend werden verschiedene Workshops angeboten, von denen man sich zwei aussuchen kann. Unter anderem wird es ein Seminar zur Einführung in den Journalismus, das praktisch und theoretisch angelegt sein wird, geben. Weiterhin bieten wir einen Fotoworkshop an und in einer anderen Veranstaltung wird über das Interview für die Kamera informiert. Vorkenntnisse sind bei den meisten Workshops nicht unbedingt notwendig.

An den Workshops nehmen dann in unterschiedlicher Zusammensetzung Mitglieder von moritz Magazin, moritzTV und webMoritz teil. Abends ist aber auch Platz für Freizeit. So kann man an einem Wochenende auf einen Schlag viele Leute kennenlernen und erfährt gleichzeitig etwas über redaktionelles und fotografisches Arbeiten.

Gekocht wird selbst vor Ort (auch vegetarisch) und die Abreise erfolgt dann gegen Sonntag Mittag. Das ganze Wochenende kostet insgesamt für jeden Teilnehmer 15 Euro. Die Teilnahme ist über den webMoritz möglich: Schreibt uns einfach bis zum 21. Oktober 18 Uhr eine E-Mail an web@moritz-medien.de.

Foto: webMoritz-Archiv

Superwoman? Superman? Ringvorlesung des IZFG

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Oktober 2010 um 13:26 Uhr

Jedes Kind kennt Superman, den Comichelden mit dem wehenden roten Umhang, dem Sixpack und der gegelten Stirnlocke. Seit über achtzig Jahren kämpft er für das Gute, ob in Comics oder Filmen. Darüber hinaus ist er, sowie die blonde, vollbusige und wenig bekleidetete Superwoman Thema der neuen Ringvorlesung des IZFG, dem Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien. “Superwoman? Superman? Visionen vom optimierten Leben”, heißt die Veranstaltung. Die erste Vorlesung zur Einstimmung findet am 20. Oktober von 16 bis 18 Uhr im Hörsaal der Deutschen Philologie, Rubenowstraße 3, statt.

Der perfekte Mann: Superman mit Sixpack oder lieber Bierbäuchen? Im Vortrag geht Thomas Altgeld am 27. Oktober darauf ein.

Danach folgen elf weitere Veranstaltungen, jede Woche mit einem neuen Thema, das sich um den “perfekten” Körper, das “peferkte” Geschlecht dreht. So wird am 27. Oktober Thomas Altgeld aus Bremen über den “perfekten” Mann sprechen. Im Mittelpunkt steht dabei die Problematik, wie sich das Gesundheitshandeln von Jungen und Männern zwischen Sixpacks und Bierbäuchen gestaltet. Weitere Schwerpunkte sind Betrachtungen zu Geschlechterfragen aus verschiedenen Bereichen, wie der Literatur- oder Rechtswissenschaft. Beispielsweise wird die Juniorprofessorin Hania Siebenpfeiffer am 12. Januar über “Kollaborierende Körper in der Gegenwartsliteratur” referrieren. Eine Woche später hält Konstanze Plett (Bremen) eine Vorlesung über Konstruktionen von Geschlecht durch Recht. Im vergangenen Wintersemester war das Thema der Ringvorlesung übrigens: Greifswald regendered, Perspektiven der Geschlechterforschung.

Organisiert wird die Vorlesungsreihe in diesem Jahr von Hania Siebenpfeiffer vom Institut für Deutsche Philologie, Andrea Bettels (IZFG) und Professorin Mariacarla Gadebusch Bondio vom Institut für die Geschichte der Medizin.

Foto: Lukas Hersemeyer via jugendfotos.de

Neues Schmuckstück in der Mensa

Geschrieben von | Veröffentlicht am 17. Oktober 2010 um 21:25 Uhr

Zwar halten die Bauarbeiten an der Mensa am Schießwall immer noch an, doch kann man eine Neuerung seit Montag bestaunen: die neue Cafeteria mit dem schönen Namen „ins grüne“. Schon beim Eintreten in das Mensagebäude weisen die grünen Aufkleber auf dem Fußboden den Weg. In der Ankündigung  wirbt das Studentenwerk mit dem „erfrischenden Ambiente eines grünen Gartens“ und einem Ort zur Entspannung zwischen den Vorlesungen. Die Einrichtung, schlicht in den Farben Grün und Weiß gehalten, wirkt durchaus ansprechend, das finden auch viele Studenten. Auch, dass in die Mensa noch etwas „reingesteckt“ wurde, findet positiven Anklang in der Studierendenschaft.

Frau Wolter, die bereits in der alten Cafeteria gearbeitet hat, betont: „Im Vergleich zu früher ist die neue Cafeteria wirklich schön geworden.“ Preislich wäre auch kaum ein Unterschied zu vorher festzustellen. Dies mag ein weiterer Anziehungspunkt von „ins grüne“ sein: Den Kaffee und auch viele der anderen Angebote kann man hier günstiger erwerben als anderswo oder in diversen Bäckereien.

„Seit Montag können wir einen anhaltend großen Zulauf beobachten“, stellte auch die Chefin der Kaffeebar, Christine Menzel, fest. „Vor allem das größere Snack-Angebot ist sehr beliebt.“

In der Pressemitteilung findet sich auch der Hinweis darauf, dass nur Fair-Trade-Kaffee verwendet wird, was vor allem den Studenten wichtig sei. Doch fragt man gezielt nach, stellt sich heraus, dass es „zwar allgemein wichtig ist, aber ich selbst achte nicht so sehr darauf“, so eine Studentin. Allerdings wurden Bedenken geäußert, was die Ausstattung betrifft. Die “ins grüne Coffeebar” wurde am 11. Oktober um 20 Uhr eröffnet.

Fotos: Andrea Dittmar

Stadt muss in Bahn nach Ladebow investieren

Geschrieben von | Veröffentlicht am 17. Oktober 2010 um 11:16 Uhr

Vor einem Jahr hängten Unbekannte dieses Protestplakat auf.

Irgendwo zwischen der Bahnverbindung Greifswald- Stralsund zweigt ein Gleis ab. Es verläuft hinter kleinen Gärten, immer den Ryck entlang, bis zum Museumshafen, wo es die Seite wechselt, um dann im Hafen von Ladebow in einem kleinen Umschlagbahnhof zu münden.

Bis vor fünf Jahren war dieses Gleis noch in Besitz von DB-Cargo, bis die Stadt die Strecke für einen symbolischen Euro von dem Unternehmen abkaufte. Was die Stadt jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist die Tatsache, dass Greifswald dadurch zum Eisenbahn- Infrastrukturunternehmen wurde und somit verpflichtet ist, die Befahrbarkeit der Strecke sicher zu stellen, sofern es Interessenten gibt, die das Gleis befahren wollen und dieses nicht stillgelegt ist.

Die Strecke nach Ladebow ist offiziell noch nicht stillgelegt und es haben sich – wie die Ostsee-Zeitung berichtet – bereits bei der Bundesnetzagentur Interessenten für die Nutzung der Strecke zum Hafen angemeldet. Während zwischenzeitlich die Idee diskutiert wurde, das Gleis langfristig für touristische Zwecke nutzen zu wollen, entschied man sich aus finanziellen Gründen dagegen, es zu reaktivieren. Eine halbe Million Euro würde der OZ zu Folge alleine die Sanierung der Eisenbahnbrücke am Museumshafen kosten. SPD-Fraktionschef Andreas Kerath hält die Sanierung für “zu unwirtschaftlich” und befürwortet daher ein Stilllegungsverfahren.

Die Vision des neuen Museumshafens mit Haltestelle für die Eisenbahn (rechts)

Da sich allerdings bereits drei Interessenten für die Nutzung der Strecke bei der Bundesnetzagentur angemeldet hätten, muss die Stadt nun per Gesetz die Kosten für die Sanierung der Strecke, speziell der Brücke aufbringen. Das regelt das Recht auf “diskriminierungsfreien Zugang”. Durch ein Interessenbekundungsverfahren wollte die Stadtverwaltung gegenüber der Bundesnetzagentur nachweisen, dass sie weder Willens, noch in der Lage sei, das Gleis zu sanieren. Nachdem der Hauptausschuss auf die Beschlussvorlage des Baudezernenten Jörg Hochheim (CDU) nicht weiter eingegangen ist, kam es zwangsläufig zu einem Treffen zwischen Vertretern der Bundesnetzagentur, Bausenator und Tiefbauamtsleiter Fred Wixford. Die Greifswalder Vertreter konnten lediglich erreichen, dass sich die Aufforderung zur Ertüchtigung des Gleises verzögert. Hochheim zufolge sei die Bundesnetzagentur grundsätzlich nicht bereit, von ihren Forderungen Abstand zu nehmen.

Unterdessen hat sich der bei der Bundesnetzagentur für diese Aufgaben zuständige Referent Christoph Döbber gegenüber der Stadt bereit erklärt, bei der nächsten Bürgerschaftssitzung anwesend zu sein, um die Hintergründe der Forderung zu erläutern. Den von der SPD vorgeschlagenen Weg, ein Stilllegungsverfahren einzuleiten, hält Hochheim indes für weniger optimal. „Auch dafür ist ein Interessenbekundungsverfahren die Voraussetzung. Ignorieren wir das, würde die Bundesnetzagentur dieses initiieren und wir hätten keine Entscheidungsbefugnis mehr“, meinte der Baudezernent.

Foto: Archiv/ Anonyme Lesereinsendung (Protestplakat), Archiv/ Tiefbau- und Grünflächenamt (Konzept Museumshafen)

Mit dem Matatu durch Kenia

Geschrieben von | Veröffentlicht am 16. Oktober 2010 um 12:00 Uhr

Staubig. Wenn ich mit nur einem Adjektiv beschreiben müsste, wie Kenia so ist, würde ich nicht lange nachdenken und staubig wählen, auch wenn ein Wort alleine nie ein Land beschreiben kann. In Kenia gibt es den Staub in mindestens zwei verschiedenen Farben. Im fruchtbaren Hochland dominiert rot. In der Savanne grau. Wenn es regnet, wird der Staub innerhalb von Minuten klebrig und rutschig. Unter den Schuhen sammelt sich dann zentimeterdick der Matsch. Ansonsten ziehen sich schon nach wenigen Tagen ohne Regen große Trockenrisse durch den Boden. Schnell ist der Staub überall. In den Lungen, auf der Haut, an allen Kleidungsstücken.

13th World Scout Moot Kenia

Eröffnungsfeier des 13th World Scout Moot

Wenn man von Afrika redet, ist damit meist Subsahara-Afrika gemeint. Wenige Menschen haben hiermit positive Assoziationen. Zu viele Bilder und Berichte von Bürgerkriegen, Elend, Hungersnöten, Armut, Korruption und Gewalt sind aus dieser Region per Nachrichten in unsere gemütlichen Wohnzimmer transportiert worden. Auf der anderen Seite wurde uns immer wieder die großartige Schönheit der Natur und die einfache Lebensweise der Stämme gezeigt. Erzählt man dann seinen Freunden oder der Familie von einem bevorstehenden Aufenthalt in Kenia, dann wird man mit diesen Vorurteilen und geschürten Ängsten konfrontiert. „Was hat dich denn geritten, so ein Wagnis einzugehen?“ Der Grund für meinen Aufenthalt in Kenia war ein Zeltlager und sicher etwas Abenteuerlust. Außerdem fand ich, dass Backpacking die beste Möglichkeit bot, Kenia zu erkunden.

Vom 27. Juli bis 7. August 2010 fand mit dem 13th World Scout Moot in Kenia das erste internationale Großevent für Jugendliche auf dem afrikanischen Kontinent statt. Ungefähr alle vier Jahre findet diese Veranstaltung der Weltpfadfinderorganisation WOSM an einem anderen Ort der Erde statt. Das letzte Moot fand 2004 in Taiwan statt. Nach Kenia kamen dieses Jahr circa 1.800 Menschen aus 67 Ländern.

Wir waren mit 55 deutschen Teilnehmenden vor Ort, von denen ich die 21 Teilnehmenden meines Verbandes, dem Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) e.V., betreute und die komplette Teilnahme organisierte. Das beinhaltete die Vorbereitung, ein Vortreffen, Absprachen mit den anderen beiden deutschen Subkontingenten und in der Gruppe der deutschsprachigen Kontingente, Kommunikation mit den Ausrichtern und Teilnehmenden, Planung der An-/Abreise, und dann auf dem Moot die täglichen Besprechungen aller Kontingentsleitungen. Also sehr viel Aufwand. Erst nach dem Moot begann für mich der entspanntere Teil meines Keniaurlaubs ohne viel Verantwortung und Arbeit.

Maschinengewehre trennen Reichtum und Armut

13th World Scout Moot Kenia

Internationaler Nachmittag auf dem 13th World Scout Moot

In international gemischten Gruppen zu je 10 Personen verbrachten die Teilnehmenden die 12 Tage des Zeltlagers. Junge Menschen von allen Kontinenten der Erde, verbunden durch die Idee der vor kurzem 100 gewordenen Pfadfinderbewegung. Das war schon eine ganz besondere Erfahrung, fast zwei Wochen mit so verschiedenen Menschen die meiste Zeit zusammen zu verbringen und ihre Kultur zu erleben. Orte und Zeit gab es dafür reichlich, zum Beispiel beim gemeinsamen Zubereiten und Kochen des Abendessens. Dabei prallten oft Welten aufeinander. Während die Teilnehmenden aus reicheren Ländern das Fleisch akribisch von Knochen, Sehnen und Fett trennten, kochten sich viele Teilnehmenden aus Kenia und anderen afrikanischen Ländern aus genau diesen Zutaten ihre Mahlzeit. Viel krasser war allerdings der Zusammenstoß zwischen den Welten am Beispiel des zentralen Zeltplatz und der direkten Nachbarschaft.

Der Zeltplatz lag nämlich am Rande Nairobis. Genau 300 Meter neben dem zweitgrößten Slum Afrikas, Kibera. Ein kleiner Streifen Wald, ein Zaun und mit Maschinengewehren bewaffnete Sicherheitskräfte trennten den Platz vom Elend. Geschätzte 1.000.000 Menschen leben hier in ärmlichsten Verhältnissen und auf der anderen Seite des Zauns, campierten die „reichen“ Eliten und warfen überflüssige Lebensmittel einfach weg.

Kibera

Blick über die Wellblechdächer von Kibera

Kibera wurde auch als ein Ursprung potenzieller Bedrohung für uns angesehen. Als am 4. August das kenianische Wahlvolk über eine neue Verfassung abstimmte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht und keiner durfte den Lagerplatz verlassen. Bei der Präsidentenwahl Ende 2007 gab es bis März 2008 Ausschreitungen auf Grund von Wahlbetrug und ethnischen Spannungen. Dabei kamen mindestens 1.500 Menschen um. Zwar verteilten sich die Ausschreitungen über das ganze Land, doch in Kibera lag ein Schwerpunkt. Zum Glück war das Votum für die neue Verfassung eindeutig und es kam zu keinem Zwischenfall. Trotzdem war besonders an diesem Tag die Stimmung im Camp etwas angespannt.

Ansonsten war das Verhältnis zu den Menschen in Kibera gut. Einige der Teilnehmenden führten soziale Projekte durch und gingen beispielsweise an Schulen und betätigten sich dort handwerklich. Allerdings waren manche dieser “Community Services” genannten Programmpunkte recht schlecht organisiert, so gab es z.B. für 50 Personen nur drei Pinsel zum Streichen der Wände. “Hakuna Matata?” Na ja, von wegen kein Problem. Diese organisatorischen Lücken wurden dann aber schnell durch die Spontaneität der Teilnehmenden gefüllt.

Workshops über Frieden, Gender, Umweltschutz und Gesundheit

Neben dem Community Services gab es noch andere zentrale Programmpunkte. Im “Global Development Village” wurden Workshops zu den Oberthemen Frieden, Gender, Umweltschutz und Gesundheit durchgeführt. Zu Beginn des Moots wurden die Teilnehmenden drei Tage lang in drei verschiedenen „Expedition Centers“ aufgeteilt, um das Land besser kennenzulernen. Das schweißte sowohl die Subcamps als auch die Kleingruppen zusammen.

Matatu Busstation

Matatu Busstation in Naivasha

Nach dem Moot begann dann der individuelle Teil des Urlaubs. 10 Tage waren wir nur zu sechst unterwegs und bewegten uns wie die Einheimischen per öffentlichen Kleinbussen, den Matatus von einer Stadt zu anderen. Teilweise zählte unser Matatu 23 Insassen, davon der Fahrer, der „Schaffner“ (steht an der Tür und treibt den Fahrpreis ein), drei kleine Kinder, die auf dem Schoss ihrer Mutter saßen, sowie uns sechs Mzungus (=weißer Mann auf Swahili) inklusive Gepäck. Sitzplätze hatte der Minibus allerdings nur 13.

Als Unterkünfte nutzten wir unsere Zelte auf Campingplätzen oder billige Hotelzimmer, in denen man teilweise die ganze Nacht durch von der Band nebenan wach gehalten wurde. Überhaupt lief ständig und überall laut Musik. Shakiras WM-Song “Waka Waka This time for Africa” hat sich zu einem ganz speziellen Sommerhit für die Kenianer entwickelt. Sobald irgendwo Musik lief, war auch Shakiras Ode an Afrika dabei. Ansonsten lief viel Reggae, Dancehall und etwas Rap. Teilweise stand ein DJ an der Straße vor einem Geschäft und legte dort live auf.

Vogelparadies und schnaubende Flusspferde

Natronsee Lake Elmenteita

Natronsee Lake Elmenteita im Rift Valley

Unsere Nachtour hatte zwei Schwerpunkte, das Rift Valley als Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs mit erloschenen Vulkanen, Natronseen und hunderten verschiedener Vogelarten und als zweites die Masai Mara, das bekannteste Wildschutzgebiet Kenias. Größere Stationen waren durchwegs Städte, die mit “n” begannen: Naivasha, Nyanhururu, Nakuru, Narok und Nairobi.

Am Lake Naivasha hatten wir eine nächtliche unheimliche Begegnung mit Flusspferden. Zwei besonders verrückte aus meiner Gruppe meinten, Hippos wären gar nicht so gefährlich wie ihr Ruf und die Warnungen vor ihnen. Als sie dann aber im Dunkeln das wütende Schnauben eines Flusspferdes hörten, liefen sie doch ziemlich schnell. Immerhin sollen die Dickhäuter für die meisten Todesfälle durch Wildtiere in Afrika verantwortlich sein.

Besonders unheimlich empfand ich es, an einer zentralen Busstation aus dem Matatu auszusteigen und von Klebestoff schnüffelnden Kindern umgeben zu sein. Ein Mzungu erregt aber in Kenia überall Aufsehen und wird anstrengend umworben, doch irgendein Produkt zu erwerben.

20°C im Winter

Masai Mara

Gnus in der Masai Mara

Nur soviel zum Wetter: es war Winter. Das hiess, im 1.650 Meter hochgelegenen Nairobi war es tagsüber etwas über 20°C warm und nachts mit um die 10°C sehr kalt. Die ersten Nächte gab es leichte Niederschläge. In meinem “Expedition Center” am Mt. Kenya nahe Nyeri war es auch bis in den späten vormittag nass-kühl. Wenn dann aber die Sonne durch die Wolken brach, wurde es schlagartig heiß. Das Rift Valley und die Masai Mara dagegen entsprachen schon den klimatischen Vorstellungen von Afrika. Dort war es um die 25°C und fast immer trocken.

Die Masai Mara ist wohl die bekannteste Region Kenias. Im TV ist sie immer wieder zu sehen, wenn es um die Gnuwanderung aus der Serengeti in Tansania nach Norden geht. Über 1,4 Millionen Gnus, hunderttausende Zebras, Antilopen, Gazellen und in deren Gefolge Löwen, Geparden, Leoparden, Hyänen und andere Raubtiere ziehen Ende Juli/Anfang August über den Fluss Mara nach Kenia, um dort in der dann fruchtbaren Savanne zu leben. Ab Oktober geht es wieder zurück nach Süden. Diese weltweit größte Säugetierwanderung an Land ist ein Schauspiel sondergleichen. Jährlich lockt es tausende Touristen an und ist damit einer der größten Devisenbringer der kenianischen Tourismuswirtschaft. Auch wir folgten dem Ruf der Wildnis und verfielen dann dem Zauber, als wir dort zwei Tage unserer Nachtour auf Safari waren.

Überwältigende Tierwelt

Löwin in der Masai Mara

Löwin in der Masai Mara

So viele Tiere, vor allem so viele Säugetiere, gibt es sonst nur selten zu sehen. Es ist einfach überwältigend, wenn man in das „Game Reserve“ reinfährt und nach wenigen Minuten die ersten gigantischen Gnuherden sieht. Abgenagte Kadaver zeigten deutliche Spuren der nächtlichen Jagd der Raubkatzen. Hier erfüllte Kenia das Klischee von Afrika, wie es uns „Jenseits von Afrika“ oder etliche Tierdokus im TV eingetrichtert haben. An einigen Stellen im Park sammelten sich die Safariautos. Dort gab es dann immer etwas besonderes zu sehen. Meistens vollgefressene Löwen beim Schlafen.

Als ich am letzten Tag der Reise im Safaribus auf der Straße Richtung Nairobi saß, wirbelte dieser auf der unasphaltierten Piste viel Staub auf. Durch das offene Fenster war sowohl mein T-Shirt als auch mein Arm ganz rot-braun geworden. Auch das spätere mehrfache Waschen zu Hause in Greifswald brachte keinen Erfolg. Das T-Shirt bleibt weiterhin staubig. Ein Teil von Afrika klebt für immer an mir.

Fotos: Oliver Wunder // Mehr Fotos gibt es auf dem privaten Blog des Autoren.