Alle Artikel der Kategorie Uni.versum

»Wenn man Aufstände anzettelt, ist das doof «

Geschrieben von | Veröffentlicht am 24. Mai 2011 um 23:27 Uhr

Die Forschung ist für die Wissenschaft ein nicht mehr wegzudenkendes Arbeitsfeld. In der Geschichtswissenschaft bereichert Dr. Jörg Driesner mit Erlebnissen seiner Forschungsreisen im asiatischen Raum die gefüllten Seminarräume.

Seit wann sind Sie Dozent an der Universität in Greifswald?
Ich habe meine erste Lehrveranstaltung 2003 im Sommersemester abgehalten.

Was haben Sie davor gemacht?
Studiert (lacht). Ich habe 2003 mein Examen gemacht, habe in dem damaligen Graduiertenkolleg ein Stipendium bekommen und dann zum Wintersemester meine erste Lehrveranstaltung gegeben.

Sie sind also auch Greifswalder und sind nicht von außerhalb gekommen, um hier zu arbeiten?
Ich bin hier geboren, habe hier mein Abitur gemacht, studiert und arbeite jetzt auch hier.

Außer für die Forschungsreisen…
Genau! Ich fahr´ da nicht hin zum Arbeiten, sondern zum Forschen.

…Weiterlesen »

Künstler, organisiert euch! Für die Insomnale

Geschrieben von | Veröffentlicht am 1. April 2011 um 11:58 Uhr

Die diesjährige studentische Kunstausstellung „Insomnale“ steht auf der Kippe. Nach dem zehnjährigem Jubiläum im letzten Jahr droht der größten Ausstellung junger Kunst in Vorpommern nun das Aus.

Solchen Kunstwerken fehlt in Zukunft eventuell die Ausstellungsfläche

„Ihr lernt ganz viel und es gibt Scheine!“ Was nach einer sehr verkürzten Definition des Studiums klingt, ist ein fast schon verzweifelter Notruf des Fachschaftsrats (FSR) Kunst und Kunstgeschichte. Auf einem schlichten Aushang heißt es weiter: „Kommt zum SOS-Treffen“, mit großer dringender Überschrift „Rettet die Insomnale!“

Zu der Krisensitzung am 16. März erscheinen rund zwei Dutzend Interessierte im hellen Zeichenraum des Caspar-David-Friedrich-Instituts (CDFI). Während es draußen vor den dunklen Fenstern in Strömen regnet, tragen Annabelle Diepold und Karolin Schwab das Problem allen Anwesenden vor. Die frisch gewählte Vorsitzende und die Finanzerin des Fachschaftsrats suchen ein neues Veranstaltungsteam, welches im kommenden Sommer eines der wichtigsten Aushängeschilder des Kunstinstituts und der Studierendenschaft schultern soll: die „Insomnale“.
Gemeint ist eine der erfolgreichsten Ausstellungen in Mecklenburg-Vorpommern. Namensgebend ist die Schlaflosigkeit, welche sich nach langen Nächten der Vorbereitung, des Sommers und der Ausstellungen einstellt.

…Weiterlesen »

Bald ein schwarzes Loch in der Geschichte

Geschrieben von | Veröffentlicht am 16. Februar 2011 um 22:07 Uhr

Das Personalkonzept von 2004 ist längst beschlossene Sache. Auch die daraus resultierenden Stellenstreichungen, die bis 2017 durchgeführt werden müssen sind bekannt. Für die Ur- und Frühgeschichte sind die Auswirkungen jetzt spürbar.

Historische Münzen die kürzlich bei Anklam gefunden wurden

Historische Münzen die kürzlich bei Anklam gefunden wurden

Nach dem Plan des Landes Mecklenburg-Vorpommern sollte die Ur- und Frühgeschichte nach Rostock wandern, um dort an die klassische Archäologie angeschlossen zu werden. Zu diesem Umzug ist es aber nie gekommen, sodass die Wissenschaftler weiterhin hier in Greifswald forschen und lehren. Das ursprünglich noch eigenständige Institut ist nun schon mehr als zehn Jahre in das Historische eingebunden. Seit dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Prof. Mangelsdorf, dessen Stelle durch Einsparungen nicht neu besetzt wurde, gibt es nur noch eine außerplanmäßige Professur. Prof. Terberger hält den Ein-Mann-Betrieb am Laufen. Der letzte wissenschaftliche Mitarbeiter, Herr Dr. Ruchhöft, wird zum Ende des Semesters gehen. Danach können zusätzliche Mitarbeiter für Forschungsprojekte nur noch über Drittmittel finanziert werden.

Herrn Terberger beschäftigt dieser schleichende Prozess nun schon recht lange. Ihm wurden durch den angedachten Aufbau der Ur- und Frühgeschichte klare Ziele genannt, wie es mit seinem Fach weitergehen sollte. Als das nicht umgesetzt wurde, gab es das neue Ziel im Hochschulentwicklungsplan, wonach es zu einer Wiedereinrichtung hier in Greifswald kommen sollte mit einem Mindestmaß an Ausstattung. Viele verschiedene Institute haben bislang von der Arbeit profitiert und hier sieht Herr Terberger die größten Auswirkungen für die Universität: „Die Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie war wichtiger Bestandteil, der mit slawischer Geschichte, dem Mittelalter, den Stadtentwicklungsfragen und den vielen Klöstern hier im Lande verbunden ist. Das alles wurde mitbetreut und kann in Zukunft nicht mehr geleistet werden.“

Die Lehrveranstaltungen werden wohl nur noch Überblicksveranstaltungen sein und auch nur für die älteren Perioden, wie der Stein- und Bronzezeit, da dort der Schwerpunkt von Herrn Terberger liegt. Die Ur- und Frühgeschichte hat in den letzten Jahren immer wieder durch Ausgrabungen, wie der Entdeckung des wohl ältesten Schlachtfeldes Europas im Tollensetal aus der Bronzezeit, und Forschung auf sich aufmerksam gemacht; also genau das getan, was von einer Forschungseinrichtung verlangt werde, meinte Herr Terberger. Er erwartet von den Verantwortlichen vor allem, dass in Aussicht gestelltes von der Fakultät, der Universität und dem Land auch umgesetzt werde. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die die Projekte vor allem unterstützt, gibt hauptsächlich Beihilfen. Die Grundausstattung muss von der Universität gestellt werden. Daher werden große Forschungsprojekte in Zukunft wohl etwas zurückgehen.

…Weiterlesen »

Leben wie auf einem fremden Planeten? – Als Autist an der Universität

Geschrieben von | Veröffentlicht am 14. Februar 2011 um 22:04 Uhr

PJ studiert seit 2010 Biochemie im ersten Wintersemester an der Universität Greifswald unter ganz besonderen Bedingungen: Er wurde mit der autistischen Entwicklungsstörung Asperger-Syndrom geboren.

Ein Patientengespräch: „Ich habe in den letzten Monaten das Verhalten Ihres Sohnes sorgfältig beobachtet und studiert und kann nun zu einer dezidierten Auswertung kommen: Felix ist ein ganz besonderes Kind. Er zeigt neben autistischen Merkmalen ganz spezielle Begabungen, die wie abgetrennt von seinen sonstigen Verhaltensmustern scheinen. Autismus heißt, dass Felix sich nie so verhalten wird wie andere Menschen, er kann sich nicht in die Gefühle anderer hineinversetzen oder sich in die sozialen Regeln einer Gemeinschaft hineindenken. Ein österreichischer Arzt, Hans Asperger, hat diese Form von Autismus Anfang der 40er Jahre erstmals beschrieben. Felix wird sich immer schwer tun mit sozialen Kontakten und den Regeln menschlichen Miteinanders. Er kann einfach nicht nachvollziehen, was sich in den Köpfen anderer abspielt. Felix wird sich immer anders fühlen und verhalten“, erklärt der Arzt. Betroffen reagiert die Mutter:“ Immer anders, nie normal?“

Die dargestellte Szene stammt aus dem deutschen Film „Der kalte Himmel“ von Andrea Scholl und zeigt die Situation in der den verzweifelten Eltern die Diagnose zum andersartigen Verhalten ihres Sohnes gestellt wird: Asperger-Syndrom.

„Immer anders, nie normal“, diese Hiobsbotschaft muss nicht immer so definitiv eintreten, wie sie in dem Film formuliert wird. Dies wurde mir in den letzten Wochen durch ausführliche Eindrücke und Gespräche bewiesen. In unserer kleinen Stadt Greifswald studiert seit diesem Wintersemester PJ (auf Wunsch nur Initialen verwendet) Biochemie im ersten Semester. Seit seinem neunten Lebensjahr weiß P, dass auch er von der angeborenen Entwicklungsstörung, dem Asperger-Syndrom, betroffen ist. Allerdings tritt diese besondere Form von Autismus mit unterschiedlicher Intensität auf. Bei PJ sind zwar die Symptome von geringen Fähigkeiten zur sozialen Interaktion und besondere Intelligenz in bestimmten Bereichen (Spezialinteressen) beispielsweise deutlich zu erkennen, aber trotzdem ist es ihm möglich relativ „normal“ am Uni-Leben teilzunehmen. Aber was ist schon normal? Für den naturwissenschaftlich begabten Studenten sind die anderen „seltsam“ und er „normal“. Dies war für mich zu Beginn schwer zu begreifen, aber nach einigen Überlegungen schien es ganz klar: Für jeden Menschen ist das normal, was für ihn seit der Kindheit das Leben ausmacht und dies gilt auch für Betroffene dieser Entwicklungsstörung.

P hat nicht das Gefühl auf einem falschen Planeten gelandet zu sein, wie das englische Synonym „wrong planet syndrom“ impliziert. Diesen Eindruck kann ich nun bestätigen. Zwar schien es mir fremdartig mich mit einem Menschen zu unterhalten, der weder Mimik noch Gestik verwendet und Blickkontakt strikt vermeidet, trotzdem hat P ein so selbstbewusstes und aufgeklärtes Auftreten, dass man ihm alles, auch studieren, zutraut. Er hat mit den üblichen Hindernissen des Studienanfangs zu kämpfen: Sich in einer neuen Stadt zurechtfinden, an das selbstständige Leben gewöhnen und rechtzeitig zu den Uni-Veranstaltungen erscheinen. Lediglich der Trubel des Kontakteknüpfens bleibt ihm erspart. Er muss nicht oberflächliche Gespräche führen, bis die richtigen Bezugspersonen gefunden sind und endlos scheinende Abende durchstehen, um möglichst viele neue Leute kennen zu lernen.

…Weiterlesen »

Die Arndt-Debatte als Fallbeispiel

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2010 um 21:24 Uhr

„Westprofessoren“ und gezielte Meinungsmache – eine nicht hinnehmbare Diskussionskultur für zwei Greifswalder Studenten. Sie nahmen sich der Probleme an und publizierten das Ergebniss in einem wissenschaftlichen Band.

Der 17. März dieses Jahres verlief relativ alltäglich und unscheinbar: Das Wetter in Greifswald war grau, viele Prüfungen waren erledigt, die Semesterferien näherten sich dem Ende. Was an diesem Tag hinter den Türen des Universitätshauptgebäudes passierte, in dem der akademische Senat tagte, war eine der lang erwarteten Entscheidungen. Zwei Lager haben sich beim Rubenowplatz eingefunden. Die einen sind für, die anderen gegen die Beibehaltung des Namenspatrons „Ernst Moritz Arndt“, der 1933 eingeführt wurde.

Eine fast einjährige Debatte mit vielen Höhen und Tiefen, insbesondere in der (Hochschul-)Politik, ging diesem Tag voraus. Durch eine Inszenierung Arndts von Sebastian Jabbusch und dem Vortragen von antisemitischen Zitaten wurde wieder eine ganze Welle an Streitgesprächen und manchmal auch Anfeindungen zwischen Studierenden, Bürgern der Stadt und anderen Beteiligten ausgelöst.

Bei der Vollversammlung der Studierendenschaft im Juni 2009 stimmte eine klare Mehrheit der Anwesenden dafür, dass die studentischen Gremien den Namen „Ernst Moritz Arndt“ ablegen sollten, und das Studierendenparlament (StuPa) sich dem Antrag anschließen solle. Noch dazu kam eine Entscheidung, die bisher einmalig in der 550-jährigen Geschichte der Universität war: Eine studentische Urabstimmung sollte her.

Unter anderem auf Initiative von studentischen Senatoren – darunter Fabian Freiberger und Thomas Schattschneider – gründete sich wegen der Debatte auch im akademischen Senat eine Kommission. Diese sollte erarbeiten, welche Argumente für und welche gegen Arndt als Namenspatron der Universität sprechen. Der Senat entschied sich – unabhängig vom Ergebnis der Urabstimmung – am 17. März 2010 für den Namenspatron. Die Senatsvorsitzende Maria-Theresia Schafmeister erklärte nach der Entscheidung in einem Beitrag von moritzTV: „Uns ist durch diese Entscheidung der Auftrag gegeben worden, sich kritisch mit der Person Arndt auseinanderzusetzen. Die Debatte um den Namenspatron wird nicht aufhören.“

…Weiterlesen »

»Auf der Intensivstation läuft man auf Socken «

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2010 um 20:46 Uhr

Julia Lott, 26, hat ihr Praktisches Jahr für ihr Medizinstudium in Nepal verbracht. Was sie in diesen vier Monaten in der Chirurgie erlebt hat und wie anders es dort abläuft, hat sie dem moritz erzählt.

Im „Health Camp“ begrüßen die Nepalesen die Ärzte

moritz Hast du ein Stipendium bekommen oder musstest du alles selber bezahlen?
Julia Lott Ich habe mich kurzfristig für das Praktisches Jahr in Nepal entschieden, und so kein Stipendium mehr erhalten. Aber dadurch, dass die Lebenserhaltungskosten sehr niedrig sind und der Flug auch recht günstig war, bin ich im Endeffekt mit plus minus Null aus diesen vier Monaten gegangen. moritz Wie war die Umstellung für dich? War es schwierig, sich einzufinden?
Julia Du kommst an und bist erst mal total beeindruckt von den Farben, von den Gerüchen und auch abgeschreckt von dem Lärm in Kathmandu. Aber die Leute in ihren bunten Gewändern sind sehr herzlich. Auf der anderen Seite sieht man Straßenköter an jeder Ecke. Es gibt in Nepal viele Gegensätze zwischen Schönheit und Armut. Kathmandu ist so versmoggt, aber mit ein bisschen Glück kann man einen Blick auf das Himalayagebirge erhaschen. Nachmittags musste ich leider oft mit einem Atemschutz herumlaufen. Nach zwei Monaten tat es so gut einen Trecking-Ausflug in die beeindruckenden Berge zu machen und frische Luft zu atmen. Als ich wieder zurück nach Greifswald kam, ist mir das erste Mal aufgefallen, wie sauber hier die Luft eigentlich ist.

…Weiterlesen »

Abitur 1,0 muss nicht immer Segen sein

Geschrieben von | Veröffentlicht am 16. November 2010 um 20:00 Uhr

Einser Absolventen stehen nicht nur einer Vielzahl von Studienoptionen gegenüber, sondern auch hohen Erwartungen anderer.

Das Abitur ist für viele die erste wirkliche Hürde im Leben und dazu noch eine wichtige! Die Durchschnittsnote des Abschlusses bestimmt oft, welche Türen sich für das zukünftige Berufsleben öffnen und welche für immer verschlossen bleiben. Ein Schnitt im Einserbereich ist für den Großteil der Schulabgänger eher ein Wunschdenken als wirkliche Realität. Nur wenigen gelingt es, sich die begehrten Noten auch zu erarbeiten und damit das Tor zum Wunschstudium aufzustoßen. Dann aber sind die Möglichkeiten vielfältig: entweder man studiert beispielsweise Medizin an der nächstgelegenen Universität oder besucht eine Privatschule für Wirtschaft in einem ganz anderen Bundesland. Leider wird es von einem Großteil der Gesellschaft schon fast erwartet, dass Spitzenabiturienten entsprechende Berufswege, wie den eines Arztes, einschlagen.

Doch wie trifft man die richtige Entscheidung, wenn man die freie Qual der Wahl hat? „Nach meinem Abi war ich erstmal ziemlich planlos, was genau ich denn nun studieren wollte. Ich wusste nur, dass es irgendetwas in Richtung Naturwissenschaften und Forschung werden sollte“, erzählt Jörn, der erst nach einem Studienwechsel das richtige Fach für sich gefunden hat.

Trotz einer Traumnote von 1,1 schrieb er sich zunächst für ein zulassungsfreies Fach ein: „Ich hatte mich damals recht spontan entschieden, aber relativ schnell gemerkt, dass es doch das falsche Fach für mich war.“ Er hat dann die Zeit bis zum nächsten Semesterstart genutzt und sich in verschiedenste Vorlesungen zur Orientierungshilfe gesetzt. So ist er letztendlich bei den Humanbiologen gelandet. Jörn steht somit stellvertretend für viele andere und zeigt, dass selbst Einser-Abiturienten keinen Masterplan in der Hand haben und Zeit zur Entscheidungsfindung brauchen.

Für Maja war dagegen schon in der Schulzeit klar, wohin ihr Weg gehen sollte: „Ich habe mein Schulpraktikum in der 10. Klasse in einer Reha-Klinik gemacht und durfte dort bei den Neuropsychologen reinschauen. Danach war Psychologie eine Studiumsoption. Ich habe mich informiert und seit der 11. Klasse stand es dann für mich fest.“ Sie hat sich mit einem Schnitt von 1,4 beworben und studiert heute im fünften Semester. Psychologie gehört wie Humanbiologie an der Universität Greifswald neben (Zahn-)medizin zu den höchsten NC-Fächern.

…Weiterlesen »

Historikern fällt die Decke auf den Kopf

Geschrieben von | Veröffentlicht am 16. November 2010 um 20:00 Uhr

Stücke der Decke lösten sich aus dem Mauerwerk des Historischen Instituts. Das Gebäude wurde wegen Einsturzgefahr vollständig gesperrt. Die Verantwortlichen schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Die neuen Räume des Historischen Institutes sind inzwischen technisch gut ausgestattet

Am 24. September brach die Raumplanung des Historischen Institutes komplett zusammen. Nachdem gut zwei Wochen vorher Teile des Deckenmaterials in der Fachbibliothek heruntergestürzt waren, wurde das Gebäude zunächst partiell und dann komplett gesperrt. Rostige Stahlträger und poröses traten deutlich hervor. Der Pressesprecher der Universität, Jan Meßerschmidt, erklärte, dass es sich bei der Sperrung um eine reine Vorsichtsmaßnahme gehandelt hätte. In der verbleibenden vorlesungsfreien Zeit konnte das Historische Institut in die Gebäude der ehemaligen Kinderklinik in der Soldmannstraße ausgelagert werden.

Während für alle Lehrveranstaltungen zu Semesterbeginn Räumlichkeiten zur Verfügung standen, mussten sich einige Mitarbeiter, darunter Dozenten und Professoren, kleine Räume in der Bahnhofstraße teilen oder standen komplett auf der Straße. Auch verblieben unverbesserte Hausarbeiten, Klausuren, Forschungsunterlagen sowie die Computer der Mitarbeiter im abgesperrten Gebäude. Gerade die unverbesserten Hausarbeiten waren für Bafög empfangende Studierende ein Problem, da diese ihre Ergebnisse zeitig einreichen mussten.

Das neue Gebäude der Historiker in der Soldmannstraße

Mittlerweile wurden für alle Mitarbeiter Räume in der alten Kinderklinik gefunden und nach einer Begutachtung durch einen Statiker konnten Akten und Computer aus dem Gebäude ausgeräumt werden. Der geschäftsführende Direktor des Historischen Institutes, Professor Thomas Stamm-Kuhlmann, erklärte, dass für die Seminare gut gesorgt sei und die neuen Büros zumindest teilweise von guter Qualität seien. Auch geht er davon aus, dass die Ergebnisse der Hausarbeiten und Klausuren jetzt „mit der üblichen Verzögerung“ bekannt gemacht werden. Auch die Studierenden haben ihre anfängliche Skepsis gegenüber den neuen Räumen größtenteils abgelegt, nur die abgelegene Lage wird weiterhin kritisiert.

Das größte Problem ist derzeit die Fachbibliothek des Historischen Institutes. Die Bestände befinden sich noch großteils im gesperrten Gebäude, auf sie kann nur aufwendig per Fernleihe zugegriffen werden. Teile der Bestände wurden bereits in die Zentrale Universitätsbibliothek am Beitzplatz umgelagert. Das Historische Institut kämpft laut Stamm-Kuhlmann dafür, dass die Bibliothek als geschlossener Bestand erhalten bleibt. Ob und an welchem Ort dies der Fall sein wird, steht allerdings noch nicht fest.

Zusätzlich wird die Alte Bibliothek in der Rubenowstraße ¬– auch hier sind für die Historiker interessante Bestände eingelagert – zumindest kurzfristig nicht zur Verfügung stehen. Sie ist voraussichtlich bis zum Ende des Jahres wegen Sanierungsmaßnahmen gesperrt.

Bevor der Betrieb im Stammgebäude des Historischen Institutes in der Domstraße 9a wieder aufgenommen werden kann, muss das Gebäude grundsaniert werden. Dass das Gebäude langfristig eher saniert als abgewickelt wird, hält Stamm-Kuhlmann schon auf Grund der Lage des Gebäudes für wahrscheinlich. Die Domstraße 9a liegt an exponierter Stelle auf dem historischen Campus, den die Universität als einen zentralen Standort des Lehr- und Forschungsbetriebs erhalten will.

…Weiterlesen »

„Es gefällt mir nicht, wenn Studenten zu viel Mitbestimmungsrecht haben“

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. Oktober 2010 um 18:26 Uhr

Rektoren außer Dienst – in dieser Ausgabe mit Dieter Birnbaum

Altrektor Dieter Birnbaum leitete die Universität Greifswald von 1979 bis 1985.

Das Graben in der Rektoren-Geschichte der Universität hat uns an einem schönen sonnigen Nachmittag im Frühherbst nach Karlsburg geführt. Dort trafen wir Prof. em. Dieter Birnbaum. Sein Jagd-Hobby hatte er an diesem Tag bereits ausgelebt. In seinem Wohnzimmer unterhielten wir uns mit ihm, umringt von seinen Jagdtrophäen, einem ausgestopftem Wildschweinkopf, Marder und Fuchsfell. Geboren 1931, studierte er in Greifswald und war dort bis 1990 Professor für Biologie. Von 1979 bis 1985 war er Rektor der Greifswalder Universität.

moritz Sie waren von 1979 bis 1985 Rektor. Wir können uns vorstellen, dass es in der DDR schwierig gewesen ist, die eigenen Ideen durchzusetzen. Wie war das damals?
Dieter Birnbaum Ja, mit der Frage habe ich schon gerechnet. Es ist so, dass ich ja ein überzeugter Anhänger des DDR-Regimes, beziehungsweise des Sozialismus war. So, dass ich nie große Konflikte gehabt habe. Es gab einige Dinge – sicher – mit denen ich nicht einverstanden war, aber in der Regel habe ich damals die Politik vertreten, die Gang und Gebe war. Die Partei hat alles bestimmt. Ich war selbst viele Jahre Mitglied der Universitätsparteileitung –schon als Student und nach dem Studium auch. Und als Rektor habe ich natürlich das umgesetzt, was dort beschlossen wurde. Ich stand hinter der Partei.

moritz Wie war die Zeit nach Ihrer Funktion als Rektor? Mussten Sie sich zuerst einmal erholen und haben Sie sie eventuell vermisst?
Birnbaum Nein, nein. Ich bin danach ganz normal in die Sektion der Biologie zurückgekehrt. Irgendwann war ich dann etliche Jahre Sektionsdirektor, außerdem hatte ich die Leitung des Bereiches Molekularbiologie – Biochemie und Genetik inne. Nach meiner zweiten Amtszeit habe ich keine Pause gemacht. Ich habe während meiner Zeit als Rektor trotzdem die Biochemie-Vorlesungen gehalten. Für die Studenten war das nicht so angenehm, weil ich die Vorlesungen immer um 7:15 Uhr gehalten habe, damit ich danach Zeit für meine Rektortätigkeit hatte (lacht). Ansonsten – nachdem ich drei Jahre Rektor war – habe ich für mich selbst sichergestellt, die Funktion noch eine Periode auszuüben und dann sollte Schluss sein. Also Ende ist Ende, dann laufe ich auch nicht alle 14 Tage ins Rektorat. Mit anderen Funktionen habe ich das immer genauso gemacht. Nicht mehr Aufdrängen und vor allem nicht mehr reinhängen – das darf man nicht. Aber der Kontakt mit der Universität ist bis heute noch vorhanden. Die ehemaligen Rektoren werden immer wieder zu manchen Veranstaltungen und verschiedenen Anlässe eingeladen.

moritz Wann sind sie aus dem Lehrbetrieb von der Uni ausgeschieden?
Birnbaum Ausgeschieden bin ich gleich nach der Wende – 1990. Ich war nicht mehr weit vom Pensionsalter entfernt und dann, wie schon erwähnt, bin ich auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Ich war praktisch vom Studium bis zum Ende nur in Greifswald, mit einer halbjährigen Unterbrechung, wo ich dann in Moskau am biochemischen Institut war.

…Weiterlesen »

Die Suche nach schwarzen Löchern auf dem Campus – Das Prüfungsamt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 6. Oktober 2010 um 18:26 Uhr

Immer wieder ist von ärgerlichen Zwischenfällen mit dem Prüfungsamt zu hören

Notenlisten gehen verloren, Gutachten und Anträge kommen im Prüfungsamt gar nicht erst an. In den vergangenen Monaten wurden der moritz-Redaktion immer wieder Ärgernisse aus dem Prüfungsamt zugetragen. Zeit, einmal nachzuhaken.

Die meisten Probleme zielen auf fehlerhafte Abschlusszeugnisse und Dokumente, die zwischen Instituten und dem Zentralen Prüfungsamt scheinbar verschwinden. „Durch die wahrscheinlich zu geringe Mitarbeiterzahl werden wichtige Dokumente verschlampt und man muss deshalb oft hinterher sein, um Prüfungsnoten eingetragen zu bekommen“, berichtet uns Petra*.

Sebastian Franz, ein mittlerweile ehemaliger Sachbearbeiter des Prüfungsamtes, fiel besonders durch Unfreundlichkeit auf. „Herrn Franz fand ich vom Service nicht besonders nett, seine Unfreundlichkeit war, wie ich finde, unangemessen“, erzählt uns Monika*. Zudem hätten auch bei ihm Anträge wochenlang unbearbeitet im Ordner gelegen. Sind dies alles nur unglückliche Einzelfälle?

Wir horchen uns weiter um und befragen Studierende vor dem Prüfungsamt. Die meisten sind sehr zufrieden mit der Arbeit ihrer Sachbearbeiter und loben deren Freundlichkeit und Schnelligkeit. Von anderen hören wir aber, dass auch bei ihnen Notenlisten zwischen dem Institut und dem Prüfungsamt verloren gegangen seien, oder dass Anträge auf Notenverbesserungen oder Praktikumsanrechnungen über Monate unbearbeitet auf den Tischen der Sachbearbeiter lägen. Also doch keine Ausnahmen?

Wir wollen im Prüfungsamt nachfragen. Ursula von der Gönne-Stübing, Geschäftsführerin des Zentralen Prüfungsamtes, scheint stets sehr beschäftigt. Telefonisch ist sie für uns nicht zu fassen und auf unsere E-Mail-Anfrage müssen wir auch gut zwei Wochen warten. Dann erhalten wir eine kurze Antwort mit der Bitte, uns an Jan Meßerschmidt, den Pressesprecher der Universität, zu wenden. Von Herrn Meßerschmidt erfahren wir: „Das Prüfungsamt bemüht sich, ausreichend Personal einzustellen. Aufgrund der schwierigen Stellensituation an der gesamten Universität müssen wir mit befristeten Stellen leben. Trotzdem sind wir optimistisch, das wir den Anforderungen gerecht werden können.“ Zudem würden „die Arbeitsstrukturen und Arbeitsabläufe laufend den Erfordernissen angepasst werden. Das wurde bisher immer so gehandhabt. Wir haben jetzt auch eine Kollegin, die Routineabläufe mitbetreut und Sachbearbeiter entlastet“, so Meßerschmidt weiter.

…Weiterlesen »

Seite 3 von 812345Letzte »