Alle Artikel der Kategorie Hochschulpolitik

TITEL: Wahlreise

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Januar 2013 um 14:00 Uhr

Einige unter uns wissen, wie es sich anfühlt das Studierendenparlament (StuPa) zu wählen, doch wie wirkt dieses Spektakel aus der Sicht eines Wahlzettels? moritz hat exklusiv nachgeforscht und offenbart die Wahrheit. Ein Erfahrungsbericht.

Früher war ich mal ein großer Baum, jetzt bin ich nicht mehr so schön anzuschaun. Als rotes Blatt Papier warte ich hier im Drucker geduldig darauf als Wahlzettel in die große Welt zu ziehen, denn ich bin zu etwas Großem bestimmt: Ich werde ausziehen um dem Volk eine Stimme zu geben.

In großen Kartons verpackt geht es nach dem Passieren der bösen Tintenstrahler Richtung Uni-Hauptgebäude. Ich wäre gerne noch ein wenig weiter gereist, aber als kleiner Zettel hat man da kein Mitspracherecht.

Gott, herrscht hier ein Trubel. Warum sind die denn alle so aufgeregt? Als Zettel kann ich diesen ganzen Tumult nicht so ganz nachvollziehen, geht doch sowieso kaum jemand zu so einer Wahl. Dementsprechend kehrt bereits nach wenigen Minuten die gewohnte Ruhe ein, schließlich wird Konzentration und Ernsthaftigkeit in solch entscheidenden Momenten erwartet. Immer wieder bilden sich kleine Schlangen mit Wahlmutigen vor dem großen Tisch, auf dem ich nun schon eine kleine Weile ausharre, doch eine Massenwahl will sich nicht einstellen. Schlafen die faulen Studenten etwa alle noch oder lockt bereits die Bibliothek? Fehlendes Interesse möchte ich nun wirklich niemandem andichten.

Nach zwei Tagen bin ich endlich an der Reihe. Studierendenausweis und ein Häkchen in der Namensliste, Ordnung muss schließlich sein. Dann werde auch ich endlich in die Wahlkabine getragen. Die Entscheidung fällt nach ein paar prüfenden Blicken scheinbar nicht schwer. Einige der gesetzten Kreuze  gefallen mir gar nicht, doch wieder gilt das Schweigegebot der Zettel.

Vor dem nächsten Schritt bangt es mir: Zusammengefaltet in eine dunkle Urne geworfen werden, das ist kein Vergnügen. Langsam aber stetig wird die Luft über mir dünner und der Zettelberg immer größer. Die Menschen um mich herum freuen sich anscheinend darüber. Mir wird es allerdings langsam ein wenig eng. Kurz vor dem Ersticken wird der Deckel geöffnet.

Hui, ist das ein Spaß mit den anderen Zetteln aus der Urne auf einen großen Tisch zu fliegen, fast wie auf den großen Fließbändern in der Papierfabrik, ein bisschen muffig riecht es hier dennoch. Nun ist aber Schluss mit lustig, es geht ans Auszählen. Schweigend und emsig machen sich die Helfer daran Stapel zu bilden, Strichlisten zu führen und über wohl lustig gemeinte Stimmabgaben zu stöhnen. Ein paar meiner Freunde hat es schlecht getroffen, ihr Mensch hat sie zu einem ungültigen Wahlzettel gemacht und das bedeutet Schredder. Manchmal höre ich sie nachts immer noch schreien.

Mir bleibt dieses Schicksal glücklicherweise erspart und das Ergebnis steht nun nach einer aufregenden Woche fest. Mein Job ist erledigt und das StuPa mit einem Prozent mehr Wahlbeteiligung neu besetzt. Ich erhole mich nach diesem Stress erst mal auf den Bahamas und wer weiß, vielleicht trifft man sich ja mal als Recycling-Papier wieder.

Eine Investigativ-Reportage von Lisa Klauke-Kerstan

TITEL: Alte Hasen, neue Küken

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Januar 2013 um 14:00 Uhr

Die Wahlen zum Studierendenparlament hielten wieder einige Überraschungen bereit. Unter anderem ziehen zwei Erstsemester in das Parlament ein. Welche Vor- und Nachteile sehen die Parlamentarier darin?

Vom 14. bis 18. Januar fanden wieder die Wahlen zu den studentischen und akademischen Gremien statt. Dieses Mal konnten bis zu 21 Stimmen für den Senat, den jeweiligen Fakultätsrat und das Studierendenparlament (StuPa) abgegeben werden. Mit drei dieser Stimmen konnte jeder Student seinen Vertreter im StuPa wählen. Er konnte dabei aus 37 Kandidaten auswählen, für 27 öffnete sich letztendlich die Tür zum StuPa. Klare Wahlsiegerin, mit 565 abgegebenen Stimmen, wurde Steffi Wauschkuhn. Wie im vergangenen Jahr hat die diesjährige Siegerin noch keine Erfahrung im StuPa. Auch für den Zweitplatzierten Jan-Ole Schulz ist das StuPa Neuland, da er erst seit Oktober 2012 an der Universität studiert. Im zukünftigen StuPa werden nur mit den beiden Erstplatzierten die Universitätsmedizin und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät vertreten sein. Die restlichen Stupisten kommen aus der Philosophischen oder der Rechts-und Staatswissenschaftlichen Fakultät, aus der Theologischen hatte sich von Vornherein kein Kandidat aufgestellt. An der Wahl beteiligten sich 1 871 Studenten. davon wurden 33 Stimmzettel vom Wahlausschuss als ungültig befunden. Insgesamt gaben 15,54 Prozent der Studierendenschaft ihre Stimme ab.

Mit der Wahlbeteiligung waren der Wahlleiter, Torben Brandt, sowie seine Stellvertreter Ea Warnck und Jan-Christoph Heins zufrieden: „Das ist ja eine Steigerung zum letzten Jahr“, so Torben. Schließlich war das Ziel, die 10-Prozent-Hürde zu knacken. Dieses Ziel hatten sie schon am Mittwoch erreicht und somit war die Wahl ein guter Erfolg. Natürlich hätte sich die Wahlleitung eine höhere Wahlbeteiligung gewünscht, schließlich studieren an der Universität Greifswald mehr als 11 500 Studenten. Probleme gab es auch. „Für uns als Erstsemester war die Organisation des Ganzen schwieriger als für jemanden, der schon länger an der Uni studiert, denn wir kannten keinen anderen und auch keine Zuständigkeiten.“

Neue Leute, neue Ideen, neue Denkansätze?

Nicht nur die Wahlleitung, sondern auch einige der Kandidaten begannen ihr Studium in Greifswald erst im jetzigen Wintersemester. Das wirft die Frage auf, inwieweit so junge Küken im StuPa etwas bewirken können oder ob es sinnvoller wäre, den alten Hasen den Vortritt zu lassen. „Meine Erfahrungen mit dem Verwaltungsapparat der Uni sind bislang sehr theoretischer Natur, dass ist schon ein Nachtteil“, erklärt Dietrich Wenzel, Stupist in der kommenden Legislatur und Student im ersten Semester. Vor allem das Erlernen und Verstehen von Formalien enthält für die jungen Küken großen Arbeitsaufwand, der neben dem Universitätsleben erarbeitet werden muss. „Gleichzeitig hoffe ich doch, dass meine Motivation noch etwas schwungvoller ist, als sie das vielleicht im fünften Semester wäre.“ Ebenso haben die neuen Stupisten eine unvoreingenommene und unverbrauchte Sicht auf aktuelle Themen, da sie sich in frühere Debatten nicht einmischen konnten beziehungsweise sie nicht miterlebt haben. Sie kommen mit unkonventionellen Denkansätzen, die ein neues Licht auf Situationen werfen. Die jungen Küken wollen mit frischem Elan schnell etwas erreichen. Jedoch kann sich aber Ernüchterung einstellen, da die Sitzungen viele formelle Aspekte enthalten. Gerade alte Hasen zeigen diesbezüglich mehr Geduld. Ein weiterer Aspekt sei, dass die Wahl zum Parlamentsmitglied denjenigen dazu verpflichtet, ein ganzes Jahr in Greifswald zu bleiben und sich aktiv am hochschulpolitischen Geschehen zu engagieren. „Ich denke, dass man im zweiten Semester eine Amtszeit im Gremium besser unterbringen kann als kurz vor dem Abschluss“, meint Dietrich. Gerade Studenten, die ein Auslandssemester planen, organisieren ihr Studium daraufhin. Eine Legislatur in späteren Semestern ist so kaum möglich.

Marian Wurm, ehemaliger StuPa-Präsident und einer der alten Hasen im neuen StuPa, führt an, dass gerade die Stupisten, welche in den Fachschaftsräten angefangen und sich von unten nach oben gearbeitet haben, die beste Arbeit leisten, da in den Fachschaftskonferenzen Themen behandelt werden, die die Studenten stärker beschäftigen. „Doch läuft man Gefahr, einfache Probleme nicht mehr zu sehen, mit denen die Studierenden im Uni-Alltag konfrontiert sind“,so Marian. Dieser langwierige Weg eignet sich jedoch kaum für Bachelor-Studenten, da diese nach Regelstudienzeit nur drei Legislaturen miterleben können. Aber für Studiengänge, die auf Diplom oder Staatsexamen hinauslaufen, scheint diese Methode ideal zu sein.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Konstellation des kommenden StuPa auf die Beschlussfähigkeit auswirkt und ob alte und neue Parlamentarier eine produktive Kommunikation untereinander führen. Egal, ob man nun im zweiten Semester oder im zehnten Semester studiert: „Man muss sich auch seiner Verantwortung bewusst sein, immerhin verwaltet man die Beiträge aller Studierenden“, schließt Marian ab.

» Klare Ziele gesetzt «

Wahlsiegerin Steffi Wauschkuhn

Die Medizinstudentin Steffi Wauschkuhn ist die Wahlsiegerin der diesjährigen StuPa-Wahl. moritz sprach mit ihr über ihren Wahlerfolg und die Ziele, die sie im StuPa verfolgt.

Hast du mit dem Wahlerfolg gerechnet?

Ich freue mich sehr über das Wahlergebnis. Ich habe mir natürlich gewünscht in das Studierendenparlament (StuPa) oder den Senat, für den ich ja auch kandidiert habe, einziehen zu können. Aber mit diesem überraschenden Ergebnis habe ich nicht gerechnet. Ich bin sehr froh, dass so viele ihr Vertrauen und ihre Stimme in mich gesetzt haben, obwohl ich hochschulpolitisch noch nicht in Erscheinung getreten bin.

Wieso bist du zur Wahl angetreten?

In meinen ersten beiden sehr lernintensiven Jahren in Greifswald hatte ich wenig Zeit, mich hochschulpolitisch zu engagieren. Durch mir bekannte Stupisten wurde allerdings mein Interesse daran geweckt. Jetzt nach meinem Physikum ist alles ein wenig entspannter, sodass nun die richtige Zeit für mein Engagement ist.

Was sind deine Ziele?

Als Ziel für StuPa und Senat habe ich mir auf die Fahne geschrieben: Die CO2-neutrale Uni, die auch ein Programmpunkt der Solidarischen Universität (Soli-Uni) ist, die Förderung der studentischen Kultur, momentan am präsentesten ist der Club 9, die Förderung und der Ausbau der Alleinstellungsmerkmale des Universitätsstandortes Greifswald und die stärkere Einbindung der Studenten in die Forschung.

Was erwartest du dir von deiner Arbeit im StuPa?

Durch hochschulpolitisch aktive Freunde war ich früher schon immer über die Arbeit des StuPa unterrichtet, welche Anträge gestellt wurden, wie die Sitzungen abgelaufen sind. Dadurch weiß ich, was mich erwartet. Die Soli-Uni-Liste hat viele Plätze sowohl im Senat als auch im StuPa erhalten. Wir haben uns klare Ziele gesetzt. Die Kommunikation läuft gut. Deshalb hoffe ich auf produktive Ergebnisse.

Ein Artikel von Anne Sammler und Corinna Schlun; Grafiken von Ann-Kathrin Barjenbruch

TITEL: Sternstunden der Demokratie

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Januar 2013 um 14:00 Uhr

17 Sitzungen des Studierendenparlamentes gab es in dieser Legislatur bisher. Debatten, Anträge, Misstrauensvoten – alles war dabei. Doch was wird in Erinnerung bleiben?

Wenn man sich die Wahlversprechen aus der letzten Legislatur des Studierendenparlaments (StuPa) einmal genauer anschaut, fällt eines besonders auf: Scheinbar hochschulgruppenübergreifend haben ein Großteil der Stupisten versprochen sich für den Ausbau und Verbesserung des Hochschulsportes, für eine bessere Vernetzung zwischen den einzelnen studentischen Gremien und für den Erhalt der studentischen Kultur ausgesprochen. Zusätzlich zu diesen Top drei der studentischen Forderungen gab es auch vereinzelte Exoten: So positionierte sich Gesa Geissel für eine Beachparty, aus dem Grünen-Lager wurden mehr Stellplätze für Fahrräder an den Uni-Gebäuden gefordert und selbst ein Semesterticket wurde für Greifswalder Studenten als wichtig empfunden, um aufgelistet zu werden. Es wurde viel versprochen, doch wie viele von diesen Vorhaben wurden in die Praxis umgesetzt?

Antrag für eine ökologische Mensa kam nicht von der grünen Hochschulgruppe

Ein Antrag auf eine ökologischere Mensa wurde überraschenderweise nicht von der Grünen Hochschulgruppe sondern vom Ring Christlich Demokratischer Studenten eingebracht. Dieser wurde inzwischen vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ausgiebig bearbeitet und es fällt auf: Antragsteller Matias Bluhm ist noch am Ball und scheint immer noch Feuer und Flamme für dieses Projekt zu sein. Dass diese Entwicklung vom einem gegebenen Wahlversprechen bis zur tatsächlichen Umsetzung nicht als alltäglich angesehen werden kann, dürfte an dieser Stelle nicht überraschen, scheinen doch viele Stupisten das ein oder andere mal zu vergessen, dass sie ihren Wählern auch eine gewisse Pflicht gegenüber haben. Zu oft wurden Forderungen im Wahlheft verewigt, die scheinbar im Laufe der Legislatur keine Beachtung mehr fanden. So scheint es nie zu einer geforderten Prüfung eines Semestertickets gekommen zu sein. Da kommt die Frage auf, ob der eine oder andere Stupist es nicht am besten Patrick Schmidt hätte gleich tun sollen: Er verzichtete auf jegliche Zielaufzählungen im alten Wahlheft.

Dauerthema: „Studentenwerk-App mit Bezahlfunktion“

Natürlich wurden nicht alle Vorsätze liegen gelassen. Die Junge Union zum Beispiel forderte bereits auf ihren Flyern in diesem und im letzten Jahr eine „Studentenwerk-App mit Bezahlfunktion“. Die scheint sich jedoch als schwieriger realisierbar zu entpuppen als zuerst gedacht: Stadt, Uni und Studentenwerk planen alle, mehr oder weniger, eine eigene App. Nach Angaben von Christoph Böhm sollte mit dieser vor 2015 nicht mehr zu rechnen sein.

Aber nicht nur die einzelnen Forderungen der Hochschulgruppen haben die Sitzungen inhaltlich gefüllt. Ganz nebenbei hat sich die Studierendenschaft, vertreten durch das StuPa, für eine Diagonalquerung auf der Euroapkreuzung ausgesprochen, zahlreiche Satzungsänderungsversuche wurden unternommen und selbst ein Antrag auf eine eigene Hochschulimkerei wurde eingereicht. Es dürfte für jeden Geschmack was dabei gewesen sein.

Im StuPa-Alltag fehlte es oft an inhaltlichen Disputen. Manche Anträge wurden viel zu schnell abgenickt, wenige Nachfragen ließen immer wieder eine eher mäßige Sitzungsvorbereitung vermuten, wie bei den Konzepten zur Verwendung der unrechtmäßig erhobenen Rückmeldegebühren. So zeichneten sich immer die gleichen Akteure heraus. Besonders die erfahrenen Stupisten Christoph Böhm und Alexander Wilhelm Schmidt stachen mit ihren Redebeiträgen häufig hervor und wurden somit zu den Wortführern. Oft konnte man auch etwas von Fabian Schmidt, Marvin Hopf, Christopher Riemann oder Martin Grimm hören, wohingegen Oliver Gladrow, Gunnar Meiselbach, Daniela Gleich, Marc Wildschrei oder Max Pröbsting vor allem mit ihrer Abwesenheit glänzten. Ohnehin waren die meisten Sitzungen nicht voll besetzt, was die eine oder andere Entscheidung äußerst knapp werden ließ oder gar verhinderte, weil keine Mehrheit zustande kommen konnte.

Gerade einmal 22 Stupisten nahmen durchschnittlich an den Sitzungen teil

Mit Marco Wagner und Erik von Malottki mischten regelmäßig studentische Senatsmitglieder in den Debatten mit. Besonders bemerkenswert war Eriks energisches Eintreten gegen eine Satzungsreform, bei der er eine „Überregulierung“ befürchtete. Dabei konnte er schnell viele Stupisten von seiner Meinung überzeugen, gegen die Änderungen zu stimmen, wobei sich vorher eine klare Mehrheit abzeichnete.

Wenn man sich die Sitzungszeiten einmal genauer anschaut, fällt besonders eins auf: Gerade einmal sechs Überstunden, resultierend aus den Verlängerungen nach 24 Uhr – außerordentliche Sitzungen sind hier nicht mit einbezogen worden – hat sich dieses StuPa bis zum 04. Dezember 2012 erlaubt. Insgesamt wurden bis jetzt zwölf ordentliche und fünf ausserordentliche Sitzungen einberufen. 103 Anträge (davon sieben als Satzungsänderungsanträge) wurden eingereicht. Zum Vergleich: Das letzte StuPa (2011/2012) hat bis zum ähnlichen Zeitpunkt (06. Dezember 2011) mit zwölf ordentlichen, drei ausserordentlichen Sitzungen und insgesamt 101 eingereichten Anträgen, wovon vier Satzungsänderungsanträge jeglicher Art waren, einen ähnlichen Schnitt erreicht. Zu nennen sei an dieser Stelle auch, dass das StuPa- Präsidium wieder voll besetzt war. Neu-StuPist und gleich Neu-Präsident Milos Rodatos schaffte es, sich zwei Mitstreiter für das Präsidium zu suchen. Dabei waren beide zunächst keine Mitglieder im Parlament. Timo Neder gelang als Nachrücker zu einem Stimmzettel im StuPa und Emilia Bokov war nicht zur Wahl angetreten. Die stellvertretenden Präsidiumsmitglieder müssen nicht unbedingt auch gewählte Stupisten sein. Die Aufgabe vom Präsidium ist es vor allem, für einen reibungslosen Ablauf der Sitzungen zu sorgen. Der Präsident hatte das Plenum vorwiegend gut im Griff, und behielt bei den meisten Streitereien einen kühlen Kopf. Häufig mischte er selbst in den Diskussionen mit und war damit zweifellos der dritte Wortführer im Parlament; oft parteiergreifend und nicht immer sachlich, was ihm auch Kritik einbrachte.

Hochschulpirat als Präsident = mehr Transparenz?!

„Mehr Transparenz der Arbeit der Studentischen Gremien“ kündigte Milos in seiner Bewerbung an. Als Präsident hatte er die besten Voraussetzungen, dies auch zu erfüllen. So kündigte er in seinem Antrittsinterview mit moritz (mm98) an, anhand einer eigenen Internetseite „die Arbeit des Präsidiums transparent und nachvollziehbar darzulegen.“ Passiert ist hier nichts, Protokolle wurden viel zu spät und mit fragwürdiger Qualität veröffentlicht. Dafür fand der Präsident aber andere Stellen, in denen er sich bewähren konnte. Im Senat nutzte er ausgiebig sein Mitspracherecht und meldete sich als höchster Vertreter der Studierendenschaft häufig zu Wort.

Stellt sich die Frage, was zum Ende der Legislatur hin zusätzlich in Erinnerung bleibt. Es wurden zahlreiche Anträge auf Geheimabstimmungen als „Sternstunden der Demokratie“ bezeichnet, Antragsteller von Schliessung der Tagesordnungspunkte ohne Debatte und Endabstimmung als „Demokratieverweigerer“ benannt und das Wissen darüber kundgetan, welche Stupisten ihre Eltern verklagen würden und welche nicht.

Ein Bericht von Natalie Rath und Simon Voigt

TITEL: “Ich habe Satzungen zu schätzen gelernt”

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Januar 2013 um 14:00 Uhr

Ein Jahr im Studierendenparlament liegen hinter der Psychologiestudentin Jasmin Dinter. moritz sprach mit der Wahlsiegerin des letzten Jahres – sie bekam 539 Stimmen – über ihre Legislatur.

Was hattest du für Erwartungen, als du dich für das Studierendenparlament (StuPa) bewarbst?

Meine Erwartungen waren eigentlich, dass ganz viele verschiedene Projekte vorgestellt werden, die Unterstützung von links-grünen Menschen brauchen. Ich hätte mir mehr linke und grüne Sachen gewünscht (lacht). Ich wusste auch, dass ich mir viele Satzungen durchlesen und das aneignen musste, weil es wichtig ist, das alles seinen formalen Gang geht. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass es jede Sitzung Änderungen gibt. Ich dachte eher, dass es eine Satzung gebe, die aber nicht so zentral wichtig ist, dass sie immer wieder besprochen werden muss.

Das klingt so, als hätte dich das StuPa ein bisschen abgeschreckt?

Ja, ich hatte weniger mit formaler als mit inhaltlicher Arbeit gerechnet. Ich studiere nicht Jura. Ich weiß nicht, wie Satzungen und Fi-nanzordnungen aussehen müssen, somit war ich da auch ein wenig raus, weil ich bei Sachen nicht die Relevanz erkenne konnte. Mir wurde das zwar alles erklärt, aber damit hatte ich einfach nicht gerechnet, überhaupt nicht (lacht).

Was nimmst du aus einem Jahr StuPa als Erfahrung mit?

Ich hab Satzungen zu schätzen gelernt, auch das diese präzise formuliert sind (lacht). Ich fand das sehr spannend, ich habe vorher nie in solch einem Gremium gearbeitet. Dadurch konnte ich einiges über strukturelle Abläufe im Gremium lernen. Ich fand es gut, dass wir so aktiv waren und viel bewegt haben. Wir konnten viele Studenten für die Rettung des Club 9 werben. Ich habe aber auch gelernt, mich in bestimmte Debatten nicht einzumischen, wenn diese zu geladen sind. Ich möchte nicht Politikerin werden. Da bin ich mir sicher.

Was sollten die nächsten Stupisten anders machen?

Es ist wichtig, dass gemeinsame Ziele präsent bleiben. Es ist auch wichtig, dass man während des Wochenendes die Satzungen und Ordnungen liest und darüber spricht, aber ich würde viel lieber die Gruppe stärken, weil ich glaube, dass das die ganze Legislatur besser prägen könnte. Beim StuPa-Wochenende hat man die Möglichkeit, alle näher kennen zu lernen. Ich finde, das sollte stärker genutzt werden, um eine Einheit zu bilden.

Ist das nicht kontraproduktiv für die Debatten im StuPa?

Das würde ich nicht denken. Das soll nicht heißen, dass jeder seine Meinung zugunsten einer großen Gruppenidee aufgeben soll. Wenn man sich untereinander kennt, geht man auch ganz anders mit der Meinung des anderen um. Gegenseitig zuhören finde ich wichtig. Ich denke, dass es helfen könnte.

Was würdest du den Stupisten noch mit auf den Weg geben?

Unterschätz den Zeitaufwand nicht. Ich habe relativ viel Zeit jede Woche investiert und denke nicht, dass ich neben dem Studium und den anderen Sachen noch Zeit für eine der Arbeitsgemeinschaft (AG) gehabt hätte. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass man sehr viel Spaß daran haben kann, in den AGs aktiv zu sein. Auch könnte meiner Meinung nach das StuPa-Wochenende besser genutzt werden, um die außerparlamentarischen Aufgaben der Stupisten, also die AGs und Ausschüsse vorzustellen. Dort stellen sich ja auch die Medien und der Allgemeine Studierendenausschuss vor und es wird immer ganz klar gesagt, dass Stupisten auf deren Sitzungen gern gesehen sind. Aber bei jeder Sitzung dabei zu sein….

…das muss ja nicht sein, aber man kann ja ein- oder zweimal vorbeigucken, um zu sehen, wie das abläuft.

Das ist richtig. Ich fasse mir da auch an meine eigene Nase. Dort wird man sensibilisiert, was da eigentlich für Arbeit geleistet wird. Die neuen Stupisten sollten auch die einzelnen Bewerber für einzelne Posten ernster nehmen. Hier hat sich ein Mensch beworben, der sich auch darüber Gedanken gemacht hat. Diese Person dann einfach abzulehnen ohne weiter nachzufragen, finde ich immer kränkend. Was ich den neuen Stupisten noch mitgeben kann, ist, dass sie sich nicht demotivieren lassen. Ich muss ganz ehrlich sagen, zu Zeiten ist es mir schwer gefallen, immer Spaß und Freude daran zu haben. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, wie man das ändern kann, aber ich finde es schon erstrebenswert, immer mit Spaß und Motivation zur Sitzung zu gehen.

Ein Interview von Katrin Haubold und David Vössing; Portraitfoto von Katrin Haubold

Erstmal wählen gehen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Dezember 2012 um 16:30 Uhr

Nach der Vollversammlung am 6. Dezember stehen nun die Gremienwahlen vor der Tür. Zeit, eure Wunschkandidaten für den Senat, die Fakultätsräte, das Studierendenparlament und die Fachschaftsräte zu ernennen.

Nachdem moritz in der letzten Ausgabe der Verwendung des Semesterbeitrages auf den Grund gegangen war, nehmen wir nun die akademische und studentische Selbstverwaltung unter die Lupe. In der dritten Januarwoche finden die Gremienwahlen 2013 an der Universität Greifswald statt. Dort könnt ihr entscheiden, wer zukünftig in der Hochschulpolitik mitmischen darf. Gewählt werden vier verschiedene Gremien, deren Mitglieder eure Interessen an der Uni vertreten. Es geht dabei nicht nur um den Einsatz eurer Semesterbeiträge, sondern unter anderem auch um die Studien- und Prüfungsordnungen und den Erhalt der studentischen Kultur.

Wer am 15. November seine E-Mails gecheckt hat, der hat von den ausstehenden Wahlen der studentischen Mitglieder im Senat und in den Fakultätsräten bereits Wind bekommen. Diese beginnen am Dienstag, dem 15. Januar 2013 in der Zeit von 9 bis 16 Uhr als Urnenwahl in der Zentralen Universitätsbibliothek. Wem der Weg zu weit ist, der kann an den beiden folgenden Tagen auch zum Konferenzraum des Universitätshauptgebäudes kommen und dort, ebenfalls von 9 bis 16 Uhr, seine Stimme abgeben. Mitbringen müsst ihr dazu nur euren Studierendenausweis und eure Wahlbenachrichtigung, die ihr per E-Mail bekommen habt.

Um euch einen Überblick zu den beiden Gremien zu geben, hat moritz deren Aufbau und Funktionen noch einmal kurz zusammengefasst:

Der Senat ist das Parlament der Universität. Er beschließt die Satzungen und Ordnungen – hauptsächlich Studien- und Prüfungsordnungen – und entscheidet somit über das Grundgerüst eures Studiums. Die 36 Mitglieder unterteilen sich in Professoren, Mitarbeiter und Studierende, wobei die zwölf studentischen Senatsmitglieder jeweils für ein Jahr amtieren.

Die Fakultätsräte dagegen bilden die Legislativen der fünf Fakultäten. Sie beschließen die fakultätsspezifischen Ordnungen und entscheiden über grundsätzliche Studienangelegenheiten. Sie diskutieren auch über die Verteilung der finanziellen Mittel sowie die Einrichtung, Änderung und Aufhebung von Studiengängen. Neben insgesamt neun Vertretern der Lehrenden, akademischen und anderen Mitarbeitern der Universität sitzen auch zwei Studierende in jedem Fakultätsrat. Bei Fakultäten mit mehr als vierzig Professuren zum Zeitpunkt der Wahl verdoppelt sich die genannte Zahl der Mitglieder auf 22. Auch im Fakultätsrat beläuft sich die Amtszeit der studentischen Vertreter auf ein Jahr.

FSR und StuPa machen gemeinsame Sache

In derselben Woche stellen sich auch die Kandidaten für unser Studierendenparlament (StuPa) und unter anderem die Fachschaftsräte (FSR) Anglistik/Amerikanistik, Geschichte, Jura und Politik- und Kommunikationswissenschaft (IPK) zur Wahl. Dabei kommt es dieses Jahr zu einer Premiere: Zum ersten Mal werden die Wahlen des StuPa und der vier genannten FSR zusammen organisiert, durchgeführt und ausgezählt. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hatte hierfür bereits im Oktober zur RAStAfahndung aufgerufen. Die Posten des Wahlleiters und seiner zwei Stellvertreter sowie der Wahlausschussmitglieder konnten bereits besetzt werden, weiterhin werden noch engagierte Wahlprüfungsausschussmitglieder und Wahlhelfer gesucht.

Die Zusammenlegung der Wahlen soll langfristig zu einer Vereinfachung des Wahlvorgangs führen. Tibor Oestereich und Raphael Scheibler vom FSR des IPK erhoffen sich weiterhin eine größere Beteiligung unter Helfern und Wählern: „Wir haben uns dafür entschieden, der neuen Wahlordnung beizutreten, da wir hoffen, dass durch die Zusammenlegung auch die Wahlbeteiligung steigt. Vielleicht sind die Studierenden eher gewillt zur Wahl zu gehen, wenn sie diese für StuPa und FSR gemeinsam erledigen können.“ Der FSR Jura führt zudem die höhere Sicherheit vor Wahlbetrug an, die institutsfremde Wahlhelfer gewährleisten.

Der FSR ist euer Ansprechpartner bei Fragen rund ums Studium. Er vertritt eure Interessen gegenüber den Dozenten und auf Fachschaftskonferenzen, Institutsratssitzungen und im StuPa. Weiterhin organisiert er gemeinsam mit den Tutoren die Erstsemesterwoche und plant diverse Veranstaltungen wie Grillabende, Institutsfeste und Vorträge. Die Mitgliederanzahl hängt von der jeweiligen Fachschaft ab.

Das StuPa setzt sich aus 27 stimmberechtigten Mitgliedern zusammen. Dazu kommen der Präsident des Studierendenparlaments und seine Stellvertreter sowie die studentischen Senatoren. Diese haben allerdings – wenn sie nicht auch gewählte Mitglieder sind – nur eine beratende Funktion. Zu den Aufgaben des StuPa zählt die Entscheidung über Anträge, die jeder Studierende einreichen kann. Dabei handelt es sich insbesondere um Finanzanträge für Projekte und studentische Gruppen. Denn die Verwaltung der Geldmittel der verfassten Studierendenschaft obliegt dem StuPa. Zudem wählt es die AStA-Referenten und die Chefredakteure beziehungsweise die Geschäftsführung der studentischen Medien, wobei aktuell die Debatte über eine Neustrukturierung ebendieser Einrichtungen läuft.

Kooperation mit dem Rektorat

Neben den Gremienwahlen steht im neuen Jahr auch der Amtsbeginn der neuen Rektorin, Professorin Hannelore Weber, vor der Tür. Die jetzigen Senatsmitglieder erhoffen sich vor allem eine bessere Zusammenarbeit mit der Hochschulleitung. „Im Vorfeld der Rektorwahl stellte die Vollversammlung der Studierendenschaft Kriterien auf, nach denen die studentischen Senatoren ihre Entscheidung auszurichten hatten. Gefordert wurde unter anderem, die Studierendenschaft als Partner zu begreifen“, so der studentische Senator Marco Wagner. „In den vergangenen Sitzungen machte Frau Weber einen vermittelnden, auf Ausgleich bedachten Eindruck. Als es im Senat um die Zukunft des Club 9 ging, unterstützte sie ebenfalls unser Anliegen. Von daher bin ich optimistisch, dass wir von der neuen Rektorin nicht enttäuscht werden.“

Gerade angesichts der aktuellen Lage ist eine gelungene Kooperation enorm wichtig. 2013 bringt große Themen mit sich: Es geht um eine gerechtere Verteilung der Finanzen unter den Fakultäten und auch die Mittel für Kultur und Sport werden weiterhin Diskussionspunkte bleiben – ganz unabhängig davon, wie die Verhandlungen um den Verbleib des Club 9 ausgehen. Marco weiß: „Unter diesen Vorzeichen wird ein gutes, auf Partnerschaft ausgerichtetes Verhältnis unabdingbar sein, wenn es darum geht, die Universität in ihrer Gesamtheit – und dazu gehört ohne Zweifel der Hochschulsport und die studentische Kultur – zu erhalten.“

Hoffen auf rege Wahlbeteiligung

Am Ende steht und fällt alles mit eurer Beteiligung! Nicht nur die Landesregierungen haben mit der sogenannten Wahlmüdigkeit zu kämpfen – auch an Universitäten scheint das Interesse an Selbstbestimmung nachzulassen. Bevor ihr also das nächste Mal über die Höhe des Semesterbeitrages oder eine fiese Prüfungsordnung meckert, gebt eurer Meinung eine Stimme! Wer auf den Sommervollversammlungen 2011 und 2012 dabei war, hat selbst erlebt, dass eine Mitentscheidung in der Hochschulpolitik möglich ist. Die Ergebnisse der Vollversammlung sind zwar nicht bindend, aber das Meinungsbild der Studierenden wird als Grundlage für kommende Beschlüsse genutzt. Bei der letzten Wahl der studentischen Senatoren gaben 12,2 Prozent der Studierenden ihre Stimme ab, die StuPa-Wahl erreichte eine Wahlbeteiligung von immerhin 14,4 Prozent. Der Vorsitzende der StuPa-Arbeitsgemeinschaft Wahlen, Henri Tatschner sagt dazu: „Es wäre schön, wenn wir bei der kommenden Wahl wieder mindestens 10 Prozent erreichen könnten.“

Unwissenheit sollte dieses Mal keine Ausrede sein. Die grundlegenden Informationen habt ihr nun bekommen, warten wir auf die Kandidaten und hoffen auf eine spannende Wahl!

Ein Feature von Laura Hassinger & Luise Schiller; Fotomontage von Corinna Schlun

TITEL Hoffen und Harren

Geschrieben von | Veröffentlicht am 3. Dezember 2012 um 11:08 Uhr

Das gleich mehrere studentische Clubs und Vereine Schwierigkeiten haben, ist kein Geheimnis mehr. Vor allem schlechte oder gar fehlende Räume machen einen Großteil des Problems aus. Doch wo eins ist, ist auch eine Lösung – oder etwa nicht?

Studentische Kultur beginnt nicht nur bei den Menschen, die sie prägen, sondern auch in den Gebäuden, die sie tragen. Die „Straze“ in der Stralsunder Straße ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Das 1847 erbaute Haus wurde um 1900 zum imposanten Gasthof „Gesellschaftshaus zum Greif“. Das Gebäude ist nicht nur kulturhistorisch sehr kostbar, auch der Gebäudetyp ist in heutiger Zeit nur noch sehr selten vorzufinden. Im Jahr 1924 kaufte die Universität das Haus und benutze es seitdem in unterschiedlicher Weise. Sogar die Mensa war hier kurzzeitig untergebracht. Ab 1926 wurde die „Straze“ sowohl als Instituts-, Wohnungs- und Sporthallengebäude benutzt. 2007 sollte daraus dann ein von Studenten genutztes Medien- und Kulturhaus entstehen. Die studentischen Medien, Radio 98eins, das Studententheater, die Greenpeace Hochschulgruppe und der GrIStuF-Verein hätten die Räumlichkeiten für sich nutzen können. Trotz positiver Modernisierungsuntersuchung entschieden sich Kanzler und Senat dagegen. Im gleichen Jahr schrieb die Universität das Gebäude zum Kauf aus, worauf sich zunächst der Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern meldete, jedoch eine Absage erhielt. Er sei nicht seriös genug. Der Zuschlag ging an die Wohnungsbaugesellschaft „Petruswerk“, welche schlussendlich das Gebäude nicht rettete, sondern einen Antrag auf Abriss stellte. Der Antrag wurde abgelehnt und so verfällt das denkmalgeschützte Haus zunehmend. Die studentische Kultur ist jedoch nicht nur bei der „Straze“ in ihre Schranken gewiesen worden. Aus diesem Grund wurde am 15. Oktober 2012 zur feierlichen Immatrikulation die studentische Kultur vor dem Dom sprichwörtlich zu Grabe getragen. Die dazugehörige Demonstration unter dem Namen „Genug ist Genug!“ erfolgte zwei Tage später, wo rund 400 Studenten anwesend waren. Gründe für die Demonstration waren nicht nur die ungewisse Zukunft der Initiativen; sie forderten gleichzeitig ihr Recht auf finanzielle Unterstützung seitens der Universität ein. Diese hatte unrechtmäßig zu hohe Studiengebühren erhoben. Aufgrund einer Klage war die Universität gezwungen einige Gelder zurückzuerstatten. Der Restbetrag beläuft sich nun auf 250 000 Euro, welche noch verteilt werden müssen. In einem Beschluss vom 16. Oktober 2012 forderte das Studierendenparlament die Universität dazu auf, mit einem Anteil von 100 000 Euro die studentische Kultur und den Hochschulsport zu fördern.

Das Geld wird benötigt, um die baufälligen Kulturvereine wieder auf die Beine zu bringen. Der wohl schwerste Fall zeigt sich hierbei in Hinblick auf die Situation des Club 9 e.V., welcher bis zum 31. Dezember 2012 seine Räume in der Hunnenstraße räumen muss. Passende Ausweichmöglichkeiten wurden den Mitgliedern noch nicht geboten, aber man sollte mit Zuversicht auf eine weitere Gesprächsrunde zur Zukunft des Club 9 blicken. Diese soll in den kommenden Wochen stattfinden, mit Vertretern des Studentenwerks, des Club 9, des Allgemeinen Studierendenausschusses sowie vorrausichtlich auch der neuen Rektorin. Bei dem Studentenclub Geographenkeller e.V. sieht es fast ähnlich aus. Diese müssen zwar nicht ihre Räume verlassen, ihnen fällt aber sprichwörtlich die Decke auf den Kopf, da die Räume eine zu hohe Feuchtigkeit aufweisen und daher der Putz nicht mehr halten will. Soll aus der studentischen Kultur also nun die neue „Straze“ werden? Die neue Rektorin Professor Hannelore Weber erklärt zwar, dass für sie die studentische Kultur sehr wichtig sei, aber ob sie es tatsächlich ist und sich endlich etwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Erst am Anfang des kommenden Jahres soll die Aufteilung der Gelder stattfinden.

Ein Bericht von Ulrike Günther & Laura-Ann Schröder; Bild: Anonym

„Der größte anzunehmende Unfall“

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Oktober 2012 um 21:22 Uhr

Zwölf Jahre war er der Dekan der hiesigen Universitätsmedizin: Professor Heyo Klaus Kroemer. Er verließ Greifswald zum 1. September und leitet nun die Universitätsmedizin Göttingen. Mit moritz blickt er zurück und nach vorn.

Professor Heyo Klaus Kroemer (52) ist der ehemalige Dekan der Universitätsmedizin Greifswald

Wie sah die Situation der Medizinischen Fakultät aus, als Sie nach Greifswald kamen?
Greifswald war 1998 in der Medizin noch nicht sehr gut aufgestellt, um das mal ganz vorsichtig zu sagen. In den Kliniken gab es vielfach keine leitenden Ärzte, weil die Berufungsverfahren nicht funktioniert hatten. Die Gesamtbedingungen der Medizin waren sehr, sehr schwierig. Man hat ja 1999 in dieser Not überlegt, diese Medizin zu privatisieren, sich dadurch der Investitionsmaßnahme zu entledigen und die Verantwortung jemand Privatem zu übergeben. Es wurde seinerzeit vom damaligen Rektor, Kanzler und ärztlichen Direktor betrieben. Ich glaube schon, dass man, bei allem Respekt vor den damaligen Kollegen sagen kann, dass die Medizin nur zum kleinen Teil wettbewerbsfähig gewesen ist. Wobei man auch sagen muss, und das ist das kleine Wunder an Greifswald, dass diese Medizin durch die Wende gekommen ist. Da gab es hier ein paar Leute, die es geschafft haben, dass die Landesregierung sagte: Wir machen die Medizin in Greifswald nicht zu, obwohl wir zwei Standorte im Land haben. Das ist das eigentliche, worüber man staunen kann, dass wir das OK aus Schwerin bekommen haben, die Medizin hier weiter zuführen.

Was war Ihre schwierigste Aufgabe als Dekan?
Durch den großen Zusammenhalt in der Medizin und der Universität konnte man Dinge, die sehr problematisch sind, in gemeinsamer Arbeit sehr gut erledigen. Wir haben zweimal die Rechtsformen weiterentwickelt: Früher war die Universitätsmedizin so was wie die Bibliothek. Dann wurde daraus eine Anstalt öffentlichen Rechts, die wirtschaftlich beweglicher war. Und nun im nächsten Schritt die Universitätsmedizin. Das waren schon größere Dinge. Was uns über die ganzen Jahre im Vorstand beschäftigt hat, war der komplette Neubau der universitären Medizin. Wenn Sie sich da in Deutschland umschauen, gibt es nicht so viele Standorte, die einen kompletten Neubau bekommen haben. Was ich auch glaube, was fundamental wichtig war: 1998 war es das Schlimmste, was Ihnen passieren konnte, wenn nach Hause ein Brief kam und sie hatten einen Medizinstudienplatz in Greifswald bekommen. Ja, es war der größte anzunehmende Unfall. Dadurch, dass der Studiendekan Klaus Heideke das ganze Studium sehr schnell umgestellt hat und wir uns wirklich intensiv um die Studierenden bemüht haben, ist die Nachfrage nach Studienplätzen wirklich explodiert.

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Auf der Suche

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Oktober 2012 um 21:16 Uhr

Im Oktober steht die nächste Rektorwahl an. Zwei Kandidaten wollen den Posten ausfüllen: Professor Hannelore Weber und Professor Robert Seckler. In einer öffentlichen Anhörung sprachen sie über ihre Ziele und Motivationen.

Bis Ende Januar 2013 ist Professor Rainer Westermann noch im Amt als Rektor der Universität Greifswald. Nach ihm wird es zu einem Wechsel kommen, denn er schloss eine neue Kandidatur aus.

Die beiden Rektorkandidaten nach der öffentlichen Anhörung

Seine jetzigen Aufgaben, die Universität nach außen zuvertreten und die Rechtsübersicht über andere Organe, Gremien und die Studierendenschaft, wird auch sein Nachfolger haben. Nachdem das Stellenangebot für das Amt des Rektors ausgeschrieben wurde, gingen fünf Bewerbungen von unterschiedlichen Professoren außerhalb der Universität Greifswald ein. Nach eingehender Prüfung, schlug der Rektorwahlausschuss daraufhin Professor Robert Seckler vor; den Vizepräsidenten der Universität Potsdam, als Kandidaten. Professorin Hannelore Weber wurde als zweite Kandidatin von der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät vorgeschlagen. Beide Professoren wurden am 19. September von dem engeren Senat bestätigt. Die Wahl findet nun am 17. Oktober statt. Der neue Rektor wird dann ab dem 1. Februar 2013 sein Amt im Uni-Hauptgebäude in der Domstraße 11 antreten.

Professor Robert Seckler, wurde 1954 in Baden geboren. Nach seinem Abitur begann er das Studium der Biochemie an der Universität Tübingen, wo er 1984 promovierte. Seit 1998 ist er der Professor der Physikalischen Biochemie an der Universität Potsdam. Die Motivation für seine Kandidatur für den Rektorposten in Greifswald sieht er darin, dass er neue Aufgaben suche. „Meine fünf Kinder sind jetzt bald alle flügge“, sagt Seckler. Er würde sich jetzt mit ganzer Kraft der Universität Greifswald widmen. Ebenfalls um den Rektorposten bewirbt sich Professor Hannelore Weber, 1955 geboren. Ihre Laufbahn begann mit dem Publizistikstudium 1974. Im folgenden Jahr begann sie das Studium der Psychologie in Mainz. Sechs Jahre später absolvierte sie erfolgreich mit dem Diplom der Psychologie. Ein Stipendium für ihre Promotion von der Studienstiftung des Deutschen Volkes lehnte sie ab, da sie die Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Bamberg annahm.

Es folgte die Promotion 1987 und die Habilitation 1992 mit dem Thema „Über den Ärger“. 1994 zog sie nach Greifswald, da sie am den Lehrstuhl für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie/ Psychologische Diagnostik berufen wurde, wo sie half, dass neu gegründete Institut der Psychologie aufzubauen. Gerade durch den Aufbau des Instituts fühlt sich Weber mit der Universität verbunden. Sie lehnte aufgrund einen Ruf nach Heidelberg ab. Für die Kandidatur bestärkte sie auch ihr Umfeld, viele Kollegen meinten, dass sie die geeignete Person sei. Emotional berührt tritt sie nun die Kandidatur zum Rektor an.

Das Lehramtsstudium soll bleiben

Beide Kandidaten sprachen sich am 18. September in einer öffentlichen Anhörung für den Erhalt des Lehramtsstudiums in Greifswald aus. Den Plan, das Lehramtsstudium in Mecklenburg-Vorpommern komplett nach Rostock zu verlegen, halten beide für nicht realisierbar. Gerade die neue Zielvereinbarung zeige, dass das Lehramtsstudium sowohl nach Rostock als auch nach Greifswald gehöre. Auf die Nachfrage nach der Erweiterung des Angebotes für Lehramtsstudenten, besonders in Richtung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, reagierten Seckler und Weber ebenfalls gleich. Beide wollen das Angebot nicht erweitern, sondern lediglich die jetzigen Fächer beibehalten. Seckler erklärte weiter, dass er in Gesprächen mit der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät keine Begeisterung für das Lehramtsstudium an dieser Fakultät vorgefunden habe.

Ein weiterer gemeinsamer Punkt der beiden Kandidaten ist die Förderung der studentische Kultur. Genauso wie Seckler steht auch Weber dahinter. Man müsse noch mehr tun um Studenten nach Greifswald zu holen. Es sei nicht selbstverständlich für die Universität das Studenten sich zum Standort Greifswald hingezogen fühlen. Gerade die nicht vorhandenen Studiengebühren seien für Studenten attraktiv. Dies ist auch der Grund, warum sich Weber klar gegen die Erhebung von Studiengebühren ausspricht. „Ich möchte nicht, dass befähigte Schülerinnen und Schüler vom Studium abgehalten werden.“

Positiv bewertet Seckler, dass die Universität es geschafft habe,20 Prozent der Stellen zu streichen und dabei noch zu funktionieren. „Die Universität hat es geschafft, sich auf Stärken zu konzentrieren, die nach außen weiterhin sichtbar sind. Wir müssen daran arbeiten, dass das weiter so bleibt.“

Werbung um ausländische Studierende

Weiters Ziel für Weber sei die Verbesserung der Internationalisierung. „Bei einem Ranking der Alexander-von-Humboldt-Stiftung hat Greifswald einen erbärmlich schlechten Platz. Wir haben zu wenige ausländische Studierende und Promovierende“, so Weber. Hier müsse man für eine stärkere Internationalisierung werben. Ebenfalls kritisiert sie die momentanen Verhältnisse in der Zusammenstellung des Personals. „Wir stehen in der Gleichstellung noch zu schlecht da“ Es müssten viel mehr Hochschullehrerinnen und Professorinnen eingestellt werden.

Kritik übt auch Seckler am Bildungssystem, besonders an der Lage der Juniorprofessoren. Nach seiner Ansicht können viele Juniorprofessoren den weiteren Karriereaufstieg nicht mehr schaffen, da sie in ihrer Position festgefahren sind. Gerade hier würde er eine bessere Förderung vorantreiben.

In der Finanzierung sieht Seckler ebenfalls Verbesserungsbedarf. Mit knapp 50 Millionen Euro Förderung vom Land für 11 500 Studenten liegt Greifswald weit unter dem Durchschnitt. Durch eine stärkere Förderung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern könnten „intelligente und junge Leute in das Land geholt werden, von denen viele hier bleiben, weil es ihnen so gut gefällt. Das setzt man aufs Spiel, wenn man die Universitäten schlecht ausstattet.“, erklärt Seckler gegenüber dem webMoritz.

Problematisch für Seckler ist die Tatsache, dass er seit dem 1. Dezember 2012 der Vizepräsident der Universität Potsdam ist und er dieses Amt noch bis 2014 inne hat. Falls er die Stelle in Greifswald bekäme, müsste er sein jetziges Amt niederlegen. Auf die Frage, ob er sich auch in Greifswald frühzeitig nach anderen Positionen umschauen würde, wenn er der neue Rektor sei, antwortet er vehemend. „Ich stelle mich darauf ein, an der Universität Greifswald nicht nur eine Amtszeit zu arbeiten, sondern so gute Arbeit zu machen, dass mich der Senat nach den ersten vier Jahren erneut wählt.“

Kaum Unterschiede zwischen den beiden

Auf den Betrachter wirkt es, als ob beide Kandidaten keinen klaren Standpunkt festigen wollen, um jenden in der Universität von sich zuüberzeugen. Kaum ein Unterschied ist zwischen den Aussagen von Seckler und Weber zu finden.

Erst im Oktober wird die Entscheidung fallen, wer die Nachfolge von Professor Rainer Westermann antreten darf. Ob nun ein weiterer Psychologe Platz auf dem Rektorstuhl nimmt oder aber ein auswärtiger Professor, der keinen Lehrstuhl an der Universität Greifswald hat, dies tun kann, bleibt offen.

Ein Bericht von Corinna Schlun mit einem Foto von Johannes Köpcke.

Das vierte Rad zur Mitbestimmung

Geschrieben von | Veröffentlicht am 13. Juli 2012 um 19:01 Uhr

Drohanrufe und Einschüchterungen – und das nur, weil Studenten und Mitarbeiter sich für eine bessere Kommunikation in ihrem Institut einsetzen. Was unglaublich klingt, findet gerade am Historischen Institut der Universität Greifswald statt.

Denn dort setzen sich Studenten und Mitarbeiter für den Aufbau eines Institutsrats ein. Und das scheint nicht überall auf Gegenliebe zu stoßen. Eine externe Evaluationskommission, die das Historische Institut und die Studienbedingungen im November 2011 bewertete, empfahl den Historikern einen Institutsrat zu gründen. Die Kommissionsmitglieder bemängelten die Kommunikation innerhalb des Instituts und waren überrascht, dass das Greifswalder Geschichtsinstitut keinen Institutsrat habe. An anderen deutschen Universitäten ist so etwas seit Jahrzehnten gang und gäbe. Das bestätigt auch Doktor Hedwig Richter, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Allgemeinen Geschichte der Neuesten Zeit. Sie kam im Oktober 2011 von Bielefeld nach Greifswald und war erstaunt, dass es am Institut keinen Rat gab. Gemeinsam mit dem damaligen Fachschaftsrat (FSR) und anderen Mitarbeitern setze sie sich für die Gründung eines Institutsrats ein.

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» Jung und wild « – Milos Rodatos im Interview

Geschrieben von | Veröffentlicht am 21. Mai 2012 um 19:21 Uhr

Mit 16 Stimmen wurde Milos Rodatos am 17. April zum neuen Präsidenten des Studierendenparlaments gewählt. Der Hochschulpirat sprach mit moritz über Transparenz, biedere Satzungsrealitäten und die Macht des Einzelnen.

Milos, die Außenwirkung einer politischen Institution trägt viel zu ihrem Image bei. Siehst du dich in deinem neuen Amt als „Verkäufer“ der Greifswalder Hochschulpolitik ?
Nein, nicht als Verkäufer. Ich bin der Bote (lacht).

Und was bringst du uns?

Milos Rodatos

Hochschulpolitik.

In Reinform oder auch mit Inhalten?

Der Begriff „Hochschulpolitik“ schließt Inhalte doch schon ein (lacht). Na ja, wahrscheinlich trifft es Öffentlichkeitsarbeit für das Studiernendenparlament (StuPa) am besten. Auch dieses Interview ist letztendlich Öffentlichkeitsarbeit für das StuPa und die Hochschulpolitik und weniger Information über meine Person. Dementsprechend fühle ich mich gerade eher als Präsident denn als Student Milos Rodatos. Das Studierendenparlament steht, wie ich finde völlig zu Unrecht, in der Öffentlichkeit unglaublich schlecht da. Natürlich macht es einen großen Unterschied, ob ich Sitzungen als Außenstehender wahrnehme oder als aktiv Beteiligter. Sinn oder Unsinn einer hitzigen Debatte werden dann ganz anders beurteilt. Ich denke, dass wir als StuPisten ganz deutlich sagen müssen: Hey, wir sind die Leute, die eure acht Euro verwalten und ihr könnt mitbestimmen, was mit dem Geld passiert. Aktuell arbeite ich mich gerade in die Materie ein, aber mittelfristig ist geplant, die Arbeit des Präsidiums auf einer eigenen Internetseite transparent und nachvollziehbar darzulegen. Einfach um zu zeigen, womit wir uns wann beschäftigen und für welche Themen und Inhalte wir eintreten.

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