Alle Artikel der Kategorie GreifsWelt

TITEL Baden im Bodden

Geschrieben von | Veröffentlicht am 21. Mai 2012 um 19:10 Uhr

Ein Vorteil der maritimen Lage Greifswalds ist, im Sommer kostenlosen Badespaß genießen zu können. Aber an welchen Strand soll man fahren? Um euch die Entscheidung zu erleichtern, hat moritz Boddenstrände unter die Lupe genommen.

Kartenmaterial von openstreetmap.org; CC by SA

Die Strände am Bodden lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Zum einen gibt es die bekannten, gepflegten Strände in Lubmin und Eldena, die im Sommer aber auch oft überlaufen sind. Zum anderen gibt es abgelegene Strände bei Wampen, Loissin und Vierow. Hier gibt es statt touristischer Angebote Ruhe, dafür aber auch ab und zu Seegrashaufen am Strand. Im folgenden werden euch die Strände von West nach Ost vorgestellt. Eine tabellarische Übersicht findet ihr auf der nächsten Seite.

Die Vorteile des Wampener Strands sind ganz klar seine Abgeschiedenheit und die relative Nähe zur Stadt. Wer per Rad den Weg am Rande des Naturschutzgebietes entlang gefunden hat, darf sich über einen knapp 300 Meter langen und zehn Meter breiten Strand freuen, der durch Naturbelassenheit besticht. Die Brandungszone wird von Kieseln gesäumt, der Spülsaum von Muscheln und Seegrashaufen. Einen Imbiss und Toiletten sucht man hier vergebens. Direkt an den Strand kommt man nur mit dem Rad oder zur Fuß, Autofahrer müssen im Ort parken und mehrere Hundert Meter laufen.

Wenn der Wind die Wellen auf den Strand in Eldena trägt, wirkt dieser auf den ersten Blick wie ein richtiger Ostseestrand. Er ist auf 600 Metern Länge und circa 50 Metern Breite mit schönem weißen Sand bedeckt, dazu gibt es einige Buden und Volleyballfelder. Geht man ins Wasser, wird jedoch sofort klar, dass man nur in der Dänischen Wiek ist. Der Grund ist immer schlammig, oft voller Seegras und dazu sehr lange sehr nah an der Wasseroberfläche. Der Strand in Eldena ist ein städtisches Strandbad und kostet in der Sommersaison tagsüber Eintritt.

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TITEL Der Notgroschen unserer Universität

Geschrieben von | Veröffentlicht am 1. April 2012 um 20:15 Uhr

Eine der reichsten Universitäten Deutschlands. Auf den ersten Blick eine Beschreibung, die man unserer Alma Mater gar nicht zutraut. Doch die Ländereien und der gleichzeitige Notgroschen haben zahlreiche Bauprojekte ermöglicht.

Wolfgang von Diest

Die Universität Greifswald verlor im Laufe der Geschichte viele ihrer Besitztümer, doch noch heute kann sie 8 700 Hektar Wald- und Ackerflächen, sowie zahlreiche Immobilien ihr Eigen nennen. Genug um mit dem erwirtschafteten Gewinn, neben dem steuerfinanzierten Haushalt, einen zweiten sogenannten Körperschaftshaushalt aufzustellen.

Doch wie wurde unsere Universität zur Gutsherrin? Mit Gründung der Alma Mater Gryphiswaldensis im Jahre 1456 wurden ihr bereits großzügige Ländereien zu eigen. Der Großteil ihres Besitzes war jedoch Teil einer Schenkung des Pommernherzogs Bogislaw XIV. Dieser war Patron der hohen Schule und damit der Universität finanziell verpflichtet. So war er nicht nur zuständig für die Einberufung von Rektoren, sondern auch maßgeblich für ihre Bezahlung.

In der Zeit um den 30-jährigen Krieg kamen die Herzöge ihren Verpflichtungen jedoch nur schleppend nach. So wuchsen die Forderungen der Universität auf 4 000 Gulden an. Den angehäuften Schuldenberg vor Augen, erinnerte man sich der Säkularisierung des Klosters Eldena, dessen Ländereien sich die Fürsten nach der Reformation einverleibten. Am 28. März 1634 überließ man das fürstliche Amt Eldena der Universität per Schenkungsurkunde. Der Herzog behielt sich allerdings Rechte, wie die Steuererhebung für die Ländereien, vor. Denn neben Wäldern, Äckern und Wiesen erhielt die Universität zahlreiche Dörfer wie Schönenwalde, Newenkirchen oder Wyke. Insgesamt besaß die Universität 14 500 Hektar, eine Fläche fast dreimal so groß wie das damalige Greifswald. Ziel der Schenkung war, dass die Universität sich aus den Liegenschaften selbst finanzieren kann, was nach Tilgung aller Schulden bis Ende des 19. Jahrhunderts der Fall war.

Mit der Bodenreform in der ehemaligen DDR wurde das Land Volkseigentum und im Zuge der Flüchtlingswelle großflächig aufgesiedelt. Während private Großgrundbesitzer und Kriegsverbrecher enteignet wurden, stellten Gemeinden, Kirchen und die Universität das Land entschädigungslos zur Verfügung. Durch diesen rechtlichen Unterschied war es nach der Wende möglich, Rückübertragungsanträge zu stellen.

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»Wasser marsch!« in Greifswald – Viva con Agua

Geschrieben von | Veröffentlicht am 1. April 2012 um 20:08 Uhr

Weltweit haben fast eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Seit sieben Jahren setzt sich Viva con Agua im Rahmen der Welthungerhilfe für diese Problematik ein. Nun haben auch einige Greifswalder Wasser geleckt.

Die Flaschen von VcA

Zu dem Buchstabendschungel der Abkürzungen in unserer Hansestadt ist eine neue hinzugekommen. Neben GreiMUN, HKS und AStA gesellt sich nun auch VcA. Viva con Agua (VcA) ist eine Bewegung des Hamburger Fußballvereins St. Pauli, die durch lustige Aktionen versucht, Geld zu sammeln um in Entwicklungsländern Wasser- und Hygieneprojekte verwirklichen zu können. Zusätzlich wollen die Mitglieder ein Bewusstsein für die steigende Wasserproblematik schaffen.

VcA setzt sich seit Mai 2005 für alle Wasserprojekte der Welthungerhilfe ein und lässt sämtliche Einnahmen dem großen Partner als Spende zukommen. Der 28-jährige Medizinstudent und Begründer der Greifswalder Regionalcrew Hannes Schuler, kam auf die Idee, dieses innovative Projekt nun auch bei uns zu verwirklichen. Regionalcrew bedeutet, dass die Greifswalder weitestgehend unabhängig von der Kopforganisation arbeiten und eigenständig Aktionen rund um das Thema Wasserarmut organisieren. Es begann 2011 mit einem Flohmarktstand in der Fleischervorstadt unter dem Motto „Krempel und Co für H₂O“ und hat sich mittlerweile zu einer Gruppe von ungefähr zehn festen Mitgliedern entwickelt. Hannes erklärt: „Ich hab an dem Tag zig E-Mail-Adressen gesammelt und aufgrund dieses E-Mail-Verteilers kam es dann zum ersten Plenum.“ Mitmachen kann jeder, der Lust hat. Ob jung, ob alt, Zugezogener oder Original-Greifswalder, es sind alle herzlich willkommen.

Jährlich begeht die UN-Water als Sonderausschuss der Vereinten Nationen für das Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele am 22. März den Weltwassertag, um auf die steigende Wasserarmut der Weltbevölkerung aufmerksam zu machen. In diesem Jahr gibt es überall auf der Erde große Aktionen zu dem Thema: „Die Welt ist durstig, weil wir hungrig sind“. Im Rahmen dieses Tages wird die ganze Welt und vor allem die Industrienationen dafür sensibilisiert, dass täglich Menschen an Wasserarmut sterben, während die großen Fabriken mehrere Millionen Kubikmeter von dem kühlen Nass verwenden um die stetig wachsende Nahrungsmittelindustrie zu sättigen.

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Die Angst allein zu sein

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. Januar 2012 um 22:32 Uhr

Die Tagesstätte und das Obdachlosenhaus in Greifswald unterstützen Menschen bei der Bewerkstelligung ihrer schwierigen Lebenssituation. moritz berichtet über die Einrichtungen und gibt einen Einblick in das Leben der Betroffenen.

Zum elften Todesstag des in Greifswald ermordeten Obdachlosen Eckhard Rütz fand am 25. November vergangenen Jahres eine Gedenkveranstaltung vor der Mensa statt. Vordergründig ging es um die rechtsextreme Problematik, hintergründig schwingt jedoch auch die in Greifswald öffentlich wenig präsente Obdachlosigkeit mit. Im Vergleich zu Großstädten, in denen Obdachlose Teil des Stadtbilds sind, rücken sie in der Universitätsstadt anscheinend aus dem Blickfeld der Bürger. Um die Belange der obdachlosen Menschen in Greifswald kümmern sich Mitarbeiter verschiedener Einrichtungen. Neben Unterkünften bieten sie Hilfestellungen, die die Selbstständigkeit fördern und somit aus der Obdachlosigkeit führen sollen.

Petra Werner arbeitet seit sechs Jahren in der Greifswalder Tagesstätte des Kreisdiakonischen Werks (KDW). Täglich treffen hier Menschen mit und ohne Wohnraum aufeinander. Verurteilt wird keiner. Das Ziel der Tagesstätte sei es, Beratungsmöglichkeiten für Betroffene zu schaffen und ihnen zugleich Ansprechpartner für Behördengänge zur Seite zu stellen. „Wenn man an den Rand dieser Gesellschaft gerutscht ist, fällt es schwer diese Wege alleine zu gehen oder man hat Angst davor es nicht zu schaffen und Ablehnung zu erfahren“, berichtet die stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

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An der Leitung

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. Januar 2012 um 22:29 Uhr

Die Nightline ist eine von Studenten geführte Telefonhotline, die in den nächsten Monaten den Greifswalder Studenten bereitgestellt wird. Neben dem Zuhörtelefon gibt es weitere Anlaufstellen, die psychologische Beratung anbieten.

Laut dem Studentenwerk wurden zu Beginn des Jahres 2010 über 60 der Studenten in Greifswald psychologisch und sozial beraten. Ende 2011 waren es bereits über 300, die die Beratung aufsuchten. Immer mehr Studenten nehmen psychologische Hilfe in Anspruch und holen sich bei Bewältigung von Leistungsdruck, Prüfungsstress und Motivationsproblemen Unterstützung von außen. Ein Grund könnte unter anderem die Umstellung der Diplom- und Magister-Studiengänge auf das Bachelor- und Master-System sein. Der daraus resultierende Druck auf die Studenten, aber auch private Anliegen machen die psychologische Beratung unabdingbar. Zwei Greifswalder Studentinnen kamen daraufhin auf die Idee, eine „Nightline“ in Greifswald aufzubauen.

Die Idee der „Nightline“ stammt aus dem Vereinigten Königreich und kam 1994 nach Deutschland. Dabei handelt es sich um ein Zuhörtelefon von Studenten für Studenten und soll vor allem nachts die Möglichkeit bieten, seine Sorgen mit jemandem zu besprechen. Die Universität Heidelberg war die erste Universität in Deutschland, die eine „Nightline“ aufbaute und in Betrieb nahm. Nun brachte die Medizinstudentin Julia, Vorstandsvorsitzende der neugegründeten „Nightline“ Greifswald, diese Idee zu uns. Seit Oktober 2011 ist sie zusammen mit Anne, ebenfalls Vorstandsmitglied, mit dem Aufbau beschäftigt. Den Wunsch dazu bekam Julia, weil sie selbst während ihres Studiums eine Phase hatte, in der es ihr nicht gut ging.

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TITEL Colour up your life

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 um 21:57 Uhr

Die Gender Trouble AG hat durch ihre gleichnamige Schwulen- und Lesbenpartys einen hohen Bekanntheitsgrad in Greifswald erlangt. In den letzten Monaten wandelte sich das Angebot in der Hansestadt und neue Initiativen bereichern die Szene.

Pauline Kagels & Sebastian Dahm, sind die Gründer des Treff MalAnders

Laut einer Meldung der Bundeszentrale für politische Bildung von 2010 sind fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell. Trotz dieser relativ hohen Anzahl sind viele von ihnen immer noch einer stetigen Diskriminierung ausgesetzt. Erst 1992 wurde Homosexualität von der Liste ansteckender Krankheiten der International Statistical Classification of Diseases der Weltgesundheitsorganisation gestrichen. Auch noch fast 20 Jahre später wird Homosexualität immer noch nicht vollständig toleriert, wie eine ältere Umfrage von MoritzTV aus dem Jahr 2007 ergeben hat. Aussagen wie „Sowas kann ich nicht begreifen und auch nicht tolerieren“ oder „Homosexualität muss genauso bekämpft werden wie das Trinken“ zeigten eindeutig die intolerante Haltung zur gleichgeschlechtlichen Liebe.

Eine weitere Umfrage, die letztes Jahr von MoritzTV durchgeführt worden ist, ergab das erfreuliche Ergebnis, dass mittlerweile mehr Befragte Homosexualität akzeptieren und auch unterstützen: „Jeder soll lieben, wen er will“. Es hat sich also etwas getan, doch wie sieht es genau in der Szene in Greifswald aus? In Greifswald gab es schon vorher Initiativen, die sich für Belange der Homosexuellen einsetzten, doch die bekannteste entwickelte sich Anfang der 1990er mit der Gender Trouble Arbeitsgemeinschaft (AG). Sie ist eine von der Greifswalder Studierendenschaft gegründete AG. Ihre Ziele sind vor allem die Erhaltung und die Weiterentwicklung der homosexuellen Szene in der Hansestadt, auch unter „Queerszene“ bekannt. Neben den sehr beliebten monatlichen Partys gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten der AG auch Aufklärungsarbeit, welche die Mitglieder leisten. Lange war sie die einzige Anlaufstelle für Homosexuelle, doch im Laufe der letzten zwei Jahre gründeten sich neue Vereine und Initiativen, welche das Spektrum in Greifswald erweitern und versuchen zu entwickeln.

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TITEL » Ich lebe so, wie ich es will «

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 um 21:57 Uhr

Tommy und Robert* sind schwul, doch nur einer von ihnen lebt seine Homosexu-alität offen aus. Wie sie zu ihrem Outing stehen, wie dies ihren Alltag beeinflusst und auf welche Probleme sie dabei stoßen, erzählen sie moritz im Gespräch.

Für viele in Deutschland und Europa ist es kaum vorstellbar, sich für seine Liebe verstecken zu müssen, doch in über 18 Staaten der Welt stehen homosexuelle Handlungen unter Todesstrafe oder lebenslanger Haft. Selbst im aufgeklärten Deutschland stellt das Outing einen schwierigen Schritt dar. Robert* wollte nicht mit uns persönlich sprechen, sondern lieber anonym bleiben. Er erzählt, dass er schon seit frühester Kindheit das Gefühl gehabt hätte anders zu sein. Dies wurde ihm am Beginn der Oberstufe dann richtig bewusst: „Als alle Jungen anfingen zu sagen: Boa, das Mädchen ist echt hübsch. Ich empfand aber immer etwas anderes.“ Zudem berichtet Robert, dass er schon immer einen besseren Draht zu Mädchen gehabt hätte. „Ich hatte viele Freundinnen, aber eher weniger Freunde.“

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Sicher, aber doch nicht frei

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 um 21:29 Uhr

Die Bewohner des Asylbewerberheimes in Jürgenstorf wandten sich im September mit einem Brief an die Öffentlichkeit. Darin kritisieren sie die Isolation und den Heimzustand und fordern die Schließung. moritz war vor Ort.

Du bist Asylbewerber und dies ist kein Hotel“, soll Rainer Plötz, Amtsleiter des Ordnungsamtes Demmin, während einer Kundgebung im Oktober vor dem Asylbewerberheim in Jürgenstorf gesagt haben. Wie ein Hotel sieht der stereotype DDR-Plattenbau wirklich nicht aus. Die triste, graue und mit Satellitenschüsseln gesprenkelte Fassade wird durch graue Nebelschleier verdunkelt, die sich an diesem Tag durch den Ort in Vorpommern ziehen. Ausgerechnet an der „Straße der Initiative“ gelegen, spiegelt der marode Zustand des Gebäudes eine Ironie wider, die von den ratlosen, müden Blicken der rund 200 Bewohner unterstützt wird. Die aus dem Hintergrund schallenden Klänge der Ostseewelle, der locker-fröhliche pommersche Akzent werkelnder Handwerker am Nachbarhaus und der Blick auf die Platte ergeben ein abstruses Bild.

In diesem Heim lebt Katayoun Housseini seit 16 Monaten. Die gebürtige Iranerin umgibt auf den ersten Blick, trotz ihrer 1,60 Meter Körpergröße, eine Aura der Entschlossenheit. Ihr gezwungenes Lächeln verrät jedoch etwas anderes und ihre Fassade bröckelt allmählich. In schwarzen Jeans, Lederstiefeln und königsblauer Fleecejacke gekleidet, hält sie sich nervös an ihrer silbrig schimmernden Blumenkette fest, während sie mit leiser und zittriger Stimme im gemischten Deutsch-Englisch ihre Geschichte erzählt. Katayoun hat sich in ihrer Heimat für Frauen stark gemacht, Frauenhilfsprojekte ins Leben gerufen und betreut. Politisch verfolgt, verließ sie mit ihrer achtjährigen Tochter den Iran im Glauben an eine bessere Zukunft in Deutschland. Doch nun hinterfragt sie die Situation Deutschlands als asylgewährender Staat, in dem sie zwar sicher, jedoch nicht frei sei. „Wir sind hier sehr isoliert und haben keinen Kontakt zu anderen Menschen außer den Heimleitern“, erzählt sie.

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Der Koloss von Rügen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 7. November 2011 um 19:48 Uhr

Der Eingang der Jugendherberge

Das Ostseebad Prora liegt an der östlichen Küste Rügens. Einst ein „Kraft durch Freude“-Projekt im Dritten Reich, ist es nun eine Jugendherberge. Die 68 Jahre alte Geschichte der Megabauten erzählt vom Größenwahn, Zerfall und Wiederaufbau.

„Ich finde es gut, dass endlich etwas aus dem alten Gebäude gemacht wird“, sagt eine ältere Dame, die gerade mit ihrem Ehemann auf der Terrasse der Jugendherberge sitzt. „Die Herberge ist ja auch wirklich sehr modern und schön eingerichtet“, bestätigt ihr Mann. Wir sitzen vor der neu eröffneten Einrichtung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Prora und genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Oktobers mit einer Tasse Kaffee.
Da nur ein Tisch mit Bänken aufgebaut ist, setzen wir uns zu dem älteren Ehepaar und kommen sofort ins Gespräch. „Man muss auch über die Geschichte hinwegsehen. Was soll auch sonst aus den Häusern werden? Die verfallen doch nur nach und nach.“ Doch auf die Information, dass auf einschlägigen rechten Internetportalen die Eröffnung der Jugendherberge als sehr positiv gewertet wird und man hofft, dass Prora „mit 70 Jahren Verspätung doch noch den verdienten Ruf als preiswertes Feriendomizil erster Güte“ erlangt, reagieren die beiden sichtlich schockiert. Stellt sich die Frage, ob das Gebäude jemals aus dem Schatten seiner Geschichte treten wird.

„Es geht auch darum, etwas zu nutzen, was ohnehin schon da ist. Das ist, glaube ich, der einzige Grund, mit dem man so etwas rechtfertigen kann. Es kommt dann darauf an, ob die Geschichte und der Hintergrund erklärt werden, und das scheint hier der Fall zu sein. Deshalb finde ich es nicht anstößig“, betont Professor Thomas Stamm-Kuhlmann, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit.

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Auf unsicherem Pfad

Geschrieben von | Veröffentlicht am 7. November 2011 um 19:44 Uhr

Die Kreisgebietsreform wirkt sich auf hier ansässige Vereine aus. Existenzsorgen und Unsicherheit über Zuständigkeiten bestimmen den Alltag der Vereine. Unter anderem sind das Frauenhaus und Jugendzentrum „klex“ betroffen.

Ich verbringe gerne Zeit dort, um Kontakte zu knüpfen und Leute kennenzulernen“, erzählt der 21-jährige Lehramtsstudent Michael Hein. In seiner Freizeit hält er sich oft im Jugendzentrum „klex“ auf, das eine wichtige Anlaufstelle für ihn als Musiker und Konzertbesucher ist. Würde das „klex“ schließen, „verlieren viele junge Bands die Unterstützung, weil der Proberaum wegfallen würde.“ Diese Umstände, die durch die Kreisgebietsreform entstehen könnten, beträfen nicht nur Michael, sondern eine Vielzahl junger Leute. Die Neuordnung der Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern wirkt sich nicht nur sozial, sondern auch geografisch aus: Durch die Zusammenlegung der Hansestadt Greifswald, Ostvorpommern, Uecker-Randow und Teile Demmins zu einem neuen Landkreis Vorpommern-Greifswald stehen die gemeinnützigen Vereine vor strukturellen Problemen, da Zuständigkeiten verschoben wurden.

Der 1991 gegründete Stadtjugendring e.V. (SJR) besteht aus 20 Trägern, die sich auf Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren. Der SJR zog in ein ehemaliges Kinderheim, aus dem das Jugendzentrum „klex“ entstand. Das Haus gehört heute zu den wichtigsten Anlaufstellen für junge Menschen in Greifswald und Umgebung. Es vertritt deren Interessen nach außen. In dem Gebäude befinden sich viele Initiativen und Vereine, die sich unter anderem der Konzertorganisation, Aidsberatung oder den neuen Medien widmen. Vor der Kreisgebietsreform wurde der SJR über Leistungsvereinbarungen mit der Stadt finanziert, die drei Jahre Handlungssicherheit gewährten.

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