Alle Artikel der Kategorie GreifsWelt

Die Angst allein zu sein

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. Januar 2012 um 22:32 Uhr

Die Tagesstätte und das Obdachlosenhaus in Greifswald unterstützen Menschen bei der Bewerkstelligung ihrer schwierigen Lebenssituation. moritz berichtet über die Einrichtungen und gibt einen Einblick in das Leben der Betroffenen.

Zum elften Todesstag des in Greifswald ermordeten Obdachlosen Eckhard Rütz fand am 25. November vergangenen Jahres eine Gedenkveranstaltung vor der Mensa statt. Vordergründig ging es um die rechtsextreme Problematik, hintergründig schwingt jedoch auch die in Greifswald öffentlich wenig präsente Obdachlosigkeit mit. Im Vergleich zu Großstädten, in denen Obdachlose Teil des Stadtbilds sind, rücken sie in der Universitätsstadt anscheinend aus dem Blickfeld der Bürger. Um die Belange der obdachlosen Menschen in Greifswald kümmern sich Mitarbeiter verschiedener Einrichtungen. Neben Unterkünften bieten sie Hilfestellungen, die die Selbstständigkeit fördern und somit aus der Obdachlosigkeit führen sollen.

Petra Werner arbeitet seit sechs Jahren in der Greifswalder Tagesstätte des Kreisdiakonischen Werks (KDW). Täglich treffen hier Menschen mit und ohne Wohnraum aufeinander. Verurteilt wird keiner. Das Ziel der Tagesstätte sei es, Beratungsmöglichkeiten für Betroffene zu schaffen und ihnen zugleich Ansprechpartner für Behördengänge zur Seite zu stellen. „Wenn man an den Rand dieser Gesellschaft gerutscht ist, fällt es schwer diese Wege alleine zu gehen oder man hat Angst davor es nicht zu schaffen und Ablehnung zu erfahren“, berichtet die stellvertretende Leiterin der Einrichtung.

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An der Leitung

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. Januar 2012 um 22:29 Uhr

Die Nightline ist eine von Studenten geführte Telefonhotline, die in den nächsten Monaten den Greifswalder Studenten bereitgestellt wird. Neben dem Zuhörtelefon gibt es weitere Anlaufstellen, die psychologische Beratung anbieten.

Laut dem Studentenwerk wurden zu Beginn des Jahres 2010 über 60 der Studenten in Greifswald psychologisch und sozial beraten. Ende 2011 waren es bereits über 300, die die Beratung aufsuchten. Immer mehr Studenten nehmen psychologische Hilfe in Anspruch und holen sich bei Bewältigung von Leistungsdruck, Prüfungsstress und Motivationsproblemen Unterstützung von außen. Ein Grund könnte unter anderem die Umstellung der Diplom- und Magister-Studiengänge auf das Bachelor- und Master-System sein. Der daraus resultierende Druck auf die Studenten, aber auch private Anliegen machen die psychologische Beratung unabdingbar. Zwei Greifswalder Studentinnen kamen daraufhin auf die Idee, eine „Nightline“ in Greifswald aufzubauen.

Die Idee der „Nightline“ stammt aus dem Vereinigten Königreich und kam 1994 nach Deutschland. Dabei handelt es sich um ein Zuhörtelefon von Studenten für Studenten und soll vor allem nachts die Möglichkeit bieten, seine Sorgen mit jemandem zu besprechen. Die Universität Heidelberg war die erste Universität in Deutschland, die eine „Nightline“ aufbaute und in Betrieb nahm. Nun brachte die Medizinstudentin Julia, Vorstandsvorsitzende der neugegründeten „Nightline“ Greifswald, diese Idee zu uns. Seit Oktober 2011 ist sie zusammen mit Anne, ebenfalls Vorstandsmitglied, mit dem Aufbau beschäftigt. Den Wunsch dazu bekam Julia, weil sie selbst während ihres Studiums eine Phase hatte, in der es ihr nicht gut ging.

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TITEL Colour up your life

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 um 21:57 Uhr

Die Gender Trouble AG hat durch ihre gleichnamige Schwulen- und Lesbenpartys einen hohen Bekanntheitsgrad in Greifswald erlangt. In den letzten Monaten wandelte sich das Angebot in der Hansestadt und neue Initiativen bereichern die Szene.

Pauline Kagels & Sebastian Dahm, sind die Gründer des Treff MalAnders

Laut einer Meldung der Bundeszentrale für politische Bildung von 2010 sind fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell. Trotz dieser relativ hohen Anzahl sind viele von ihnen immer noch einer stetigen Diskriminierung ausgesetzt. Erst 1992 wurde Homosexualität von der Liste ansteckender Krankheiten der International Statistical Classification of Diseases der Weltgesundheitsorganisation gestrichen. Auch noch fast 20 Jahre später wird Homosexualität immer noch nicht vollständig toleriert, wie eine ältere Umfrage von MoritzTV aus dem Jahr 2007 ergeben hat. Aussagen wie „Sowas kann ich nicht begreifen und auch nicht tolerieren“ oder „Homosexualität muss genauso bekämpft werden wie das Trinken“ zeigten eindeutig die intolerante Haltung zur gleichgeschlechtlichen Liebe.

Eine weitere Umfrage, die letztes Jahr von MoritzTV durchgeführt worden ist, ergab das erfreuliche Ergebnis, dass mittlerweile mehr Befragte Homosexualität akzeptieren und auch unterstützen: „Jeder soll lieben, wen er will“. Es hat sich also etwas getan, doch wie sieht es genau in der Szene in Greifswald aus? In Greifswald gab es schon vorher Initiativen, die sich für Belange der Homosexuellen einsetzten, doch die bekannteste entwickelte sich Anfang der 1990er mit der Gender Trouble Arbeitsgemeinschaft (AG). Sie ist eine von der Greifswalder Studierendenschaft gegründete AG. Ihre Ziele sind vor allem die Erhaltung und die Weiterentwicklung der homosexuellen Szene in der Hansestadt, auch unter „Queerszene“ bekannt. Neben den sehr beliebten monatlichen Partys gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten der AG auch Aufklärungsarbeit, welche die Mitglieder leisten. Lange war sie die einzige Anlaufstelle für Homosexuelle, doch im Laufe der letzten zwei Jahre gründeten sich neue Vereine und Initiativen, welche das Spektrum in Greifswald erweitern und versuchen zu entwickeln.

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TITEL » Ich lebe so, wie ich es will «

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 um 21:57 Uhr

Tommy und Robert* sind schwul, doch nur einer von ihnen lebt seine Homosexu-alität offen aus. Wie sie zu ihrem Outing stehen, wie dies ihren Alltag beeinflusst und auf welche Probleme sie dabei stoßen, erzählen sie moritz im Gespräch.

Für viele in Deutschland und Europa ist es kaum vorstellbar, sich für seine Liebe verstecken zu müssen, doch in über 18 Staaten der Welt stehen homosexuelle Handlungen unter Todesstrafe oder lebenslanger Haft. Selbst im aufgeklärten Deutschland stellt das Outing einen schwierigen Schritt dar. Robert* wollte nicht mit uns persönlich sprechen, sondern lieber anonym bleiben. Er erzählt, dass er schon seit frühester Kindheit das Gefühl gehabt hätte anders zu sein. Dies wurde ihm am Beginn der Oberstufe dann richtig bewusst: „Als alle Jungen anfingen zu sagen: Boa, das Mädchen ist echt hübsch. Ich empfand aber immer etwas anderes.“ Zudem berichtet Robert, dass er schon immer einen besseren Draht zu Mädchen gehabt hätte. „Ich hatte viele Freundinnen, aber eher weniger Freunde.“

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Sicher, aber doch nicht frei

Geschrieben von | Veröffentlicht am 18. Dezember 2011 um 21:29 Uhr

Die Bewohner des Asylbewerberheimes in Jürgenstorf wandten sich im September mit einem Brief an die Öffentlichkeit. Darin kritisieren sie die Isolation und den Heimzustand und fordern die Schließung. moritz war vor Ort.

Du bist Asylbewerber und dies ist kein Hotel“, soll Rainer Plötz, Amtsleiter des Ordnungsamtes Demmin, während einer Kundgebung im Oktober vor dem Asylbewerberheim in Jürgenstorf gesagt haben. Wie ein Hotel sieht der stereotype DDR-Plattenbau wirklich nicht aus. Die triste, graue und mit Satellitenschüsseln gesprenkelte Fassade wird durch graue Nebelschleier verdunkelt, die sich an diesem Tag durch den Ort in Vorpommern ziehen. Ausgerechnet an der „Straße der Initiative“ gelegen, spiegelt der marode Zustand des Gebäudes eine Ironie wider, die von den ratlosen, müden Blicken der rund 200 Bewohner unterstützt wird. Die aus dem Hintergrund schallenden Klänge der Ostseewelle, der locker-fröhliche pommersche Akzent werkelnder Handwerker am Nachbarhaus und der Blick auf die Platte ergeben ein abstruses Bild.

In diesem Heim lebt Katayoun Housseini seit 16 Monaten. Die gebürtige Iranerin umgibt auf den ersten Blick, trotz ihrer 1,60 Meter Körpergröße, eine Aura der Entschlossenheit. Ihr gezwungenes Lächeln verrät jedoch etwas anderes und ihre Fassade bröckelt allmählich. In schwarzen Jeans, Lederstiefeln und königsblauer Fleecejacke gekleidet, hält sie sich nervös an ihrer silbrig schimmernden Blumenkette fest, während sie mit leiser und zittriger Stimme im gemischten Deutsch-Englisch ihre Geschichte erzählt. Katayoun hat sich in ihrer Heimat für Frauen stark gemacht, Frauenhilfsprojekte ins Leben gerufen und betreut. Politisch verfolgt, verließ sie mit ihrer achtjährigen Tochter den Iran im Glauben an eine bessere Zukunft in Deutschland. Doch nun hinterfragt sie die Situation Deutschlands als asylgewährender Staat, in dem sie zwar sicher, jedoch nicht frei sei. „Wir sind hier sehr isoliert und haben keinen Kontakt zu anderen Menschen außer den Heimleitern“, erzählt sie.

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Der Koloss von Rügen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 7. November 2011 um 19:48 Uhr

Der Eingang der Jugendherberge

Das Ostseebad Prora liegt an der östlichen Küste Rügens. Einst ein „Kraft durch Freude“-Projekt im Dritten Reich, ist es nun eine Jugendherberge. Die 68 Jahre alte Geschichte der Megabauten erzählt vom Größenwahn, Zerfall und Wiederaufbau.

„Ich finde es gut, dass endlich etwas aus dem alten Gebäude gemacht wird“, sagt eine ältere Dame, die gerade mit ihrem Ehemann auf der Terrasse der Jugendherberge sitzt. „Die Herberge ist ja auch wirklich sehr modern und schön eingerichtet“, bestätigt ihr Mann. Wir sitzen vor der neu eröffneten Einrichtung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Prora und genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Oktobers mit einer Tasse Kaffee.
Da nur ein Tisch mit Bänken aufgebaut ist, setzen wir uns zu dem älteren Ehepaar und kommen sofort ins Gespräch. „Man muss auch über die Geschichte hinwegsehen. Was soll auch sonst aus den Häusern werden? Die verfallen doch nur nach und nach.“ Doch auf die Information, dass auf einschlägigen rechten Internetportalen die Eröffnung der Jugendherberge als sehr positiv gewertet wird und man hofft, dass Prora „mit 70 Jahren Verspätung doch noch den verdienten Ruf als preiswertes Feriendomizil erster Güte“ erlangt, reagieren die beiden sichtlich schockiert. Stellt sich die Frage, ob das Gebäude jemals aus dem Schatten seiner Geschichte treten wird.

„Es geht auch darum, etwas zu nutzen, was ohnehin schon da ist. Das ist, glaube ich, der einzige Grund, mit dem man so etwas rechtfertigen kann. Es kommt dann darauf an, ob die Geschichte und der Hintergrund erklärt werden, und das scheint hier der Fall zu sein. Deshalb finde ich es nicht anstößig“, betont Professor Thomas Stamm-Kuhlmann, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte der Neuesten Zeit.

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Auf unsicherem Pfad

Geschrieben von | Veröffentlicht am 7. November 2011 um 19:44 Uhr

Die Kreisgebietsreform wirkt sich auf hier ansässige Vereine aus. Existenzsorgen und Unsicherheit über Zuständigkeiten bestimmen den Alltag der Vereine. Unter anderem sind das Frauenhaus und Jugendzentrum „klex“ betroffen.

Ich verbringe gerne Zeit dort, um Kontakte zu knüpfen und Leute kennenzulernen“, erzählt der 21-jährige Lehramtsstudent Michael Hein. In seiner Freizeit hält er sich oft im Jugendzentrum „klex“ auf, das eine wichtige Anlaufstelle für ihn als Musiker und Konzertbesucher ist. Würde das „klex“ schließen, „verlieren viele junge Bands die Unterstützung, weil der Proberaum wegfallen würde.“ Diese Umstände, die durch die Kreisgebietsreform entstehen könnten, beträfen nicht nur Michael, sondern eine Vielzahl junger Leute. Die Neuordnung der Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern wirkt sich nicht nur sozial, sondern auch geografisch aus: Durch die Zusammenlegung der Hansestadt Greifswald, Ostvorpommern, Uecker-Randow und Teile Demmins zu einem neuen Landkreis Vorpommern-Greifswald stehen die gemeinnützigen Vereine vor strukturellen Problemen, da Zuständigkeiten verschoben wurden.

Der 1991 gegründete Stadtjugendring e.V. (SJR) besteht aus 20 Trägern, die sich auf Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren. Der SJR zog in ein ehemaliges Kinderheim, aus dem das Jugendzentrum „klex“ entstand. Das Haus gehört heute zu den wichtigsten Anlaufstellen für junge Menschen in Greifswald und Umgebung. Es vertritt deren Interessen nach außen. In dem Gebäude befinden sich viele Initiativen und Vereine, die sich unter anderem der Konzertorganisation, Aidsberatung oder den neuen Medien widmen. Vor der Kreisgebietsreform wurde der SJR über Leistungsvereinbarungen mit der Stadt finanziert, die drei Jahre Handlungssicherheit gewährten.

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TITEL Mit dem Blaulicht durch Greifswald

Geschrieben von | Veröffentlicht am 8. Oktober 2011 um 17:32 Uhr

Viele Studenten sehen wöchentlich diverse Arztserien, wo sich meistens alles nur im Krankenhaus abspielt. Doch wie arbeiten Menschen, die als erstes am Einsatzort sind und Patienten ins Krankenhaus bringen? moritz war hautnah dabei.

Es ist noch dunkel draußen, als mein Tag beginnt. Langsam schiebe ich mein Fahrrad über den Hof und schalte den Dynamo ein, bevor ich auf die Straße fahre. Mein Wecker ging um fünf Uhr früh los und zwang mich mein warmes Bett zu verlassen. Mein erster Gedanke: Letzte Woche bin ich um diese Uhrzeit erst nach Hause gekommen! Aber es nützt nichts. Mein Weg führt mich die Wolgaster Straße entlang. Sie ist menschenleer. Nur wenige Autos fahren an mir vorbei. Greifswald schläft noch.

Nachdem ich endlich die Greifswalder Feuerwehr gefunden habe, entdecke ich dahinter das weiße, zweistöckige Haus, an dem groß „HKS – Greifswalder Rettungsdienst“ geschrieben steht. Aus den Anfangsbuchstaben der drei Begründer Hohmuth, Klüber und Schwinge setzt sich die Abkürzung HKS zusammen. Ich schließe mein Fahrrad an und gehe auf das Haus zu. Vor der Krankenwagenzufahrt stehen schon ein paar Rettungssanitäter, einige sind gerade erst zu ihrer Schicht erschienen, die anderen berichten von ihrer letzten Nacht. Ich fühle mich leicht beobachtet, Besuch bekommt man hier wohl nicht oft durch die Vordertür. „Hallo, ich bin Luise vom moritz und ich suche Ronny Brösemann.“ „Einfach den Gang lang, dann durch die große Stahltür und nach Brösi fragen.“ Das geht ja gut los, Stahltüren und Wegbeschreibungen sind nicht meine Spezialgebiete.

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Die Zurückbleiber

Geschrieben von | Veröffentlicht am 8. Oktober 2011 um 17:10 Uhr

Die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten in Ostdeutschland hält an. Es sind meist gut ausgebildete junge Frauen, die gehen. Wer bleibt zurück? Eine Bestandsaufnahme über den heutigen Frauenmangel im Osten der Republik.

Die Anzeige für eine Reportage auf dem lokalen Onlineportal „MV-Spion.de“ spricht für sich:„Du bist männlich, Single und auf der Suche? Die jungen Frauen aus deinem Ort gehen alle in den Westen“. Vor einem halben Jahr wurde der NDR-Beitrag ausgestrahlt, mit dem 29-jährigen Martin* auf der Suche nach einer Partnerin. Er ist einer von Vielen und die Situation wird sich so schnell nicht ändern.
Die Frage nach einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis hat schon viele Menschen beschäftigt. Denn den Konsequenzen durch „zu wenig“ oder „zu viel“ Frauen und Männern will begegnet werden.

Die Entwicklung des Geschlechterverhältnisses in der Bundesrepublik zwischen 1995 und 2005. (Grafik & Quelle: "Not am Mann"-Studie - Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

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Wenn Mauern unumgänglich sind

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Juni 2011 um 23:20 Uhr

Eine Straße, ein kleiner Wald und dann: eine versteckte Jugendanstalt, hinter sechs Meter hohen Mauern. Gewaltverbrecher, Drogendealer, Wiederholungstäter – aber alles junge Menschen. moritz berichtet vom Leben hinter den Gittern.

Der erste Eindruck von Neustrelitz ist ein ruhiger, nahezu friedvoll. Ein gepflegter Bahnhofsplatz umgeben von restaurierten Häusern und ersten grünenden Bäumen. Als der Begriff „Jugendanstalt“ fällt, weiß die Angestellte der Ortsinformation, die direkt neben dem Bahnhof ist, erst nicht, was gemeint ist. Mit dem Wort Gefängnis allerdings verweist sie an den Taxiverband. Rund drei Kilometer Entfernung liegen zwischen Neustrelitz und der Jugendanstalt, wo momentan 220 Insassen, davon neun Mädchen, inhaftiert sind. „Natürlich bringe ich auch Verwandte zu Besuchszeiten in die Einrichtung“, erzählt der Taxifahrer aufgeschlossen während der Fahrt. „Erst letzten Sonntag hatte ich eine Mutter, die mir viel von ihrem Sohn erzählte, der dort einsitzt.“

Am Neustrelitzer Ortsende erstreckt sich ein Wald, in welchen das Schild „Jugendanstalt“ den Weg weist. Das Gespräch mit dem Taxifahrer endet als ein wuchtiger, weißer Gebäudekoloss zu Tage tritt. Ein Parkplatz mit zahlreichen Autos der Bediensteten und Schranken, welche die zwei Welten voneinander trennen – die eine hinter der Mauer, die andere davor. Dieser weiße Koloss ist eine der beiden Jugendanstalten in Mecklenburg-Vorpommern und hat Platz für 297 Menschen. Separiert wird das Gelände von einer sechs Meter hohen weißen, glatten Mauer, die mit Hochsicherheitsdraht und mehreren Sicherheitsschleusen versehen wurde. Eine graue, schalldichte Stahltür versperrt den Weg nach drinnen zu dem großen modernen Gelände. Seit nunmehr zehn Jahren läuft die Arbeit mit straffälligen Jugendlichen auf den 155.000 Quadratmetern.

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