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Ein GreifsWald voller Bücherbäume

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Januar 2013 um 14:00 Uhr

Seit einem halben Jahr lädt ein öffentliches Tauschregal in der Innenstadt zum unkomplizierten Bücherhandel ein. moritz ist auf der Suche nach den Wurzeln des ersten Greifswalder Bücherbaums und den Früchten, die er trägt.

Winter in Greifswald – ein leidiges Thema. Die Straßen der Stadt sind vereist, der Himmel grau und die Bäume kahl. Bis auf einer.

Am Platz der Freiheit – den meisten besser als Europakreuzung bekannt – wurzelt seit Juli vergangenen Jahres ein besonders prächtiges Exemplar. Aus seinem Stamm wachsen Bücher der verschiedensten Genres und Farben. Ein bunt gefüllter Bücherbaum ist das.

Die Idee zu dem Projekt ist von der Spree zu uns herübergeschwappt. Wie so vieles in Greifswald, könnte man meinen. Mode, Mate und Musik, … jetzt eben auch Bücherbäume. Vielleicht kennen einige von euch sogar die Rotbuche in Berlin Köpenick/Grünau oder die fünf Baumstämme an der Ecke Kollwitzstraße/Sredzkistraße in Prenzlauer Berg, nach deren Vorbild das Greifswalder Projekt entstanden ist. Vertreter des Kulturamts, der Jugendkunstschule, der Stadtwerke Greifswald und des Vereins Bücherfreunde e.V. setzten sich vergangenen Jahres in einer Arbeitsgruppe zusammen und diskutierten lange über eine mögliche Umsetzung. Das Ergebnis: Im Sommer wurde die Skulptur des Stralsunder Bildhauers Raik Vicent an der Bushaltestelle in der Anklamer Straße aufgebaut. Die Finanzierung haben die Stadtwerke übernommen und auch die Sparkasse Vorpommern ist mit einem Metallschild am Baum als Sponsor vermerkt. Mitglieder der Bücherfreunde betreuen das öffentliche Tauschregal. Fast täglich füllen sie die Fächer mit Büchern aus ihrem Bestand auf und kontrollieren, was von den Passanten hineingestellt wurde. Dabei kann es allerdings auch vorkommen, dass „fremde“ Bücher mal eben entfernt werden, wenn sie dem Sinn der Bücherfreunde nicht entsprechen.

Buchdeckel mit dem Aufruf, sich beim moritz zu melden.

Diesem Eifer fiel wohl auch moritz zum Opfer. Anfang Dezember hatten unsere Redakteure einige Bücher mit einem kleinen Text  und der Bitte, sich bei „Fund“ zu melden, präpariert und in den Bücherbaum gestellt.  Auf eine Antwort warteten wir vergeblich. Dabei war durchaus ansprechende Literatur darunter: zwei Krimis, ein Kinderbuch, ein paar Romane. Aber wie Paul Kroll vom Verein deren Interessen und Bestand beschrieb: „Der Grundstock sind eben die guten DDR-Verlage.“

Von eben diesen finden sich hunderte, ja tausende wahre Klassiker und Raritäten in den Vereinsräumen in der Spiegelsdorfer Wende. Ein echtes Erlebnis, sich dort durch das Labyrinth aus Lesestoff zu forsten – wie in einem richtigen Bücherwald eben!

Weitere Bücherbäume geplant

Doch zurück zu dem einzelnen Baum an der Europakreuzung. Auch hier trifft man nicht selten Neugierige, die einen Blick in die Regalfächer werfen. Natalia Okuń ist eine von ihnen. „Immer wenn ich auf den Bus warte, schaue ich, ob etwas Interessantes für mich dabei ist“, verrät sie. Der Bücherbaum ist ein absolutes Novum für die polnische Austauschstudentin. „Am Anfang wusste ich nicht, wie das funktioniert, aber jetzt nutze ich das Angebot oft, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern.“ Im Gegenzug hat Natalia einige polnische Bücher in den Baum gesteckt für die Studenten, die hier in Greifswald ihre Sprache lernen.

Der Bücherbaum an der Europakreuzung.

Es scheint, als wäre dieser neue Trend ein voller Erfolg. Und die Akzeptanz der Bürger zahlt sich aus: Schon jetzt plant die Arbeitsgruppe um den Bücherbaum, weitere Exemplare in der Hansestadt zu etablieren. Nur wenige Meter entfernt vor den Kunstwerkstätten wäre so ein Standort. Und auch Schönwalde soll mit einem Bücherbaum aufgeforstet werden. Nur das liebe Geld verzögert wie gewöhnlich jegliches Vorhaben. Zumindest der Baum an der Europakreuzung bleibt vorerst bestehen. Die Bücherfreunde geben ihr Bestes, sein Inneres trocken zu halten, doch das raue Klima macht auch vor Bücherbäumen nicht Halt. Im Laufe der Monate hat sich das Holz mal zusammengezogen, mal ausgedehnt, schließlich hier und da gespalten. Ihn als mobile Tauschbörse zeitweilig in anderen Teilen der Stadt aufzustellen, wie ursprünglich angedacht, ist daher nicht mehr möglich. Allerdings gibt es zumindest in der Innenstadt auch noch andere Orte, die zum „Bookcrossing“ einladen. So befindet sich neben dem Jugendhaus Pariser seit Längerem ein in die Wand eingelassenes Tauschregal, ebenso in der Gützkower Straße am Waschsalon. Eine ältere Passantin begrüßt die Idee: „Es ist doch so: Man sammelt und sammelt, und irgendwann landet es im Keller. Hier haben die Bücher wenigstens noch Verwendung.“

Natalia ist von dem Prinzip sogar so begeistert, dass sie die Bücherbäume nun auch in ihrer Heimat vorschlagen will, zuerst an der Universität und später vielleicht im Stadtzentrum. Schon bald könnte es in Polen dann heißen: „Das haben wir uns aus Greifswald abgeguckt.“ Wer braucht schon noch Berlin als Trendsetter?

Ein Feature von Laura Hassinger; Bilder von Laura Hassinger

Lohmanns Lunch #4 – Vegetarische Burger

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Januar 2013 um 14:00 Uhr

Na, seid ihr gut im neuen Jahr angekommen? Habt ihr die Schlemmereien überlebt und auch beschlossen „Ab jetzt lebe ich gesünder“? Ich für meinen Teil habe mich nach den weihnachtlichen Fressorgien zu zwei Wochen vegetarischem Dasein entschlossen, da ich kein Fleisch mehr sehen kann. Glücklicherweise gibt es eine Menge sehr leckerer, vegetarischer Gerichte, sodass keine Langeweile aufkommt, wie manche eingefleischte Fleischesser gerne behaupten. Vieles Asiatische, einiges Mediterrane und auch manches Deutsche ist fleischlos. Und selbst eines der klassischen Fleischgerichte – der Burger – ist ziemlich einfach vegetarisch zuzubereiten. Der Clou dabei sind natürlich die Bestandteile der Bratlinge, und ich zeige euch, wie ihr sie richtig schmackhaft hinkriegt.

Der Vorteil von Burgern ist, dass sie leicht zu variieren sind; mal mit Tomate und Zwiebel, mal mit Gurke, Salat und Zucchini, und jedes Mal eine andere Sauce. Dazu kommt, dass die vegetarischen Bratlinge nicht schwer im Magen liegen, im Gegensatz zum klassischen Hackfleischburger. Also ein gesunder, leichter Ausgleich zum Geschlemme über die Feiertage.

Ein bisschen Vorbereitung solltet ihr allerdings einplanen, denn die Linsen und der Reis müssen abkühlen, bevor ihr daraus die Bratlinge formen könnt. Also am besten morgens oder bereits am Vortag aufkochen. Dann geht alles fix: Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch kleinschneiden, Möhren reiben, in einer Schüssel mit Reis, Linsen, Eiern und Kumin (Kreuzkümmel) mischen. Etwas Pfeffer und Salz dazu, eventuell auch Mehl, damit die Bratlinge nicht auseinanderfließen, sondern halbwegs formstabil sind.

In einer Pfanne bratet ihr die etwa handtellergroßen Bratlinge in Öl an, bis sie hellbraun sind, was eine Weile dauern kann (nicht auf höchster Stufe, sonst sind sie schnell schwarz). In der Zwischenzeit halbiert ihr die Brötchen und toastet sie. Das geht auch im Backofen, dauert nur etwas länger. Salat, Gurke, Tomate, Zwiebel und was ihr sonst noch auf eure Burger packen wollt, zurechtschneiden, Brötchen aus dem Toaster oder Ofen holen und mit Sauce bestreichen. Die genaue Schichtung eurer Burger ist euch überlassen, Hauptsache es schmeckt und ihr könnt noch gerade so abbeißen. Dazu passt eine Lemongrass-Limonade. Haut rein!

Für 12 Burger braucht ihr:

12 Burgerbrötchen (logisch)

125g Reis, am besten rot

125g Linsen

2 Möhren

1 Zwiebel

2 Knoblauchzehen

1 Stange Staudensellerie

1 TL Kumin (Kreuzkümmel), gemahlen

2 Eier

Salz, Pfeffer, Mehl

Zum Garnieren Salat, Gurke, Tomate, Zwiebel, Sauce, Käse, etc.

Von und mit Erik Lohmann; Bilder von Milan Salje

Lohmanns Lunch #3 – Geflügel an Rosmarinkartoffeln

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Dezember 2012 um 16:30 Uhr

Juhu, es ist Weihnachtszeit! Fröhliches Gedudel im Radio und in den Kaufhäusern, Geschenke kaufen, alle sind auf einmal nett zueinander und überhaupt – mir geht es meist einfach nur auf die Nerven. Die Musik ist jedes Jahr dieselbe, Geschenke kann man auch so machen und nett sein sollte man immer und nicht, weil es so im Kalender steht. Wie auch immer, eine positive Seite hat die Weihnachtszeit in meinen Augen: Es gibt was Leckeres zu essen. Leider aber erst, wenn man zu Hause ist. Für alle, die schon einen Vorgeschmack auf die Weihnachtsfeier haben wollen, ist das folgende Rezept: Geflügelkeule an Rosmarinkartoffeln. Im Gegensatz zu den aufwändigen Gerichten daheim braucht ihr hier auch nicht viel Zeit und auch keinen Bräter.

Zuerst schneidet ihr die Zwiebel in Ringe, zerhackt den Knoblauch und würfelt Kartoffeln und Gemüse. Spült das Fleisch ab und tupft es trocken, eventuell müsst ihr noch ein paar Federreste aus der Haut zupfen. Dann bratet ihr das Geflügel in etwas Öl an, bis die Haut schön braun ist. Ein klein wenig salzen, aus der Pfanne damit und ab auf einen Teller. Im Anschluss dünstet ihr Zwiebeln und Knoblauch an, gebt die Kartoffeln und das Gemüse dazu und wendet alles ein paar Mal, damit sich das Öl gut verteilt. Mit Salz und Pfeffer würzen.

In der Zwischenzeit setzt ihr einen großen Topf auf. Dort hinein gebt ihr das Gemüse und die Kartoffeln, streut den klein geschnittenen Rosmarin darüber und legt die angebratenen Geflügelteile obenauf. Gießt eine halbe Tasse Wasser hinzu und lasst das Ganze bei mittlerer Hitze schmoren. Ab und zu rühren und nach rund 25 Minuten ist der Vorgeschmack auf Weihnachten fertig.

Welches Geflügel ihr nehmt, sei eurem Geschmack und Geldbeutel überlassen. Ihr müsst auch nicht unbedingt eine Keule nehmen, ein Filetstück tut es auch, dann könnt ihr fünf Minuten kürzer schmoren. Sollte eure Wahl auf Ente fallen, achtet darauf, die Hautseite zuerst anzubraten und vor allem etwas länger zu garen als zum Beispiel Hähnchen. Ihr tut euch auch einen Gefallen, wenn ihr frischen oder zumindest gefriergetrockneten Rosmarin verwendet, der entfaltet einfach mehr Aroma.

Da es ein recht deftiges Gericht ist, passt ein trockener Rotwein dazu. Oder ihr macht euch einen erfrischenden Grün- oder Minztee dazu, das ist auch nicht verkehrt.  Lasst es euch schmecken und habt ein schönes Weihnachtsfest!

Zutaten (für Zwei):

 2 Geflügelkeulen oder –filets

500g Kartoffeln

1 Zwiebel

1 Knoblauchzehe

3 Möhren oder 2 Paprika oder 5 Tomaten

1 EL Rosmarinblätter

 

von Erik Lohmann; Fotos von Milan Salje

Geglückter Quereinstieg in die Opernwelt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 19. Dezember 2012 um 16:30 Uhr

Seit August 2012 ist Linda van Coppenhagen im Theater Vorpommern zu bewundern. Rund 14 000 Kilometer von ihrer Heimatstadt Johannesburg entfernt, sang sie unter anderem bereits die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte.

Mit einem Bachelor in Psychologie im Gepäck und der Sonne Afrikas im Herzen kam Linda van Coppenhagen im Januar 2010 nach Deutschland. Und traf neben einer fremden Kultur und einer noch schwierigeren Sprache vor allem auf Kälte. Unterkriegen ließ sie sich davon jedoch nicht. Ihre Liebe zur klassischen Musik führte sie schließlich nach Greifswald, wo sie nun für zwei Jahre als Solistin zu sehen und – viel wichtiger – zu hören sein wird. Van Coppenhagens Weg auf die Bühne war kein typischer: Entdeckt bei einem Vorsingen für ein Amateurmusical, dachte sie zunächst keineswegs an eine große Gesangskarriere. Was nütze es ihr, wenn sie nie so singen könne wie Celine Dion oder Whitney Houston, sagte sie sich und schloss erst einmal ihr Studium ab. Doch die Worte, die ihr damals mit auf dem Weg gegeben wurden, ließen sie nicht los: „Mein Gott, warum bist du nicht Sängerin?“ und so nahm sie 2007 ihre erste Gesangsstunde. Gleichzeitig arbeitete sie Vollzeit als Englischlehrerin an einem Gymnasium.

Bereits in ihrer Kindheit besaß van Coppenhagen eine Leidenschaft für klassische Musik. Operngesang fand sie allerdings furchtbar. Ob es an den schlechten Aufnahmen von damals lag, könne sie nicht sagen, jedenfalls wollte sie von Opern nichts wissen. Erst als sie selbst im Chor einer Opernproduktion mitwirkte, wusste sie, sie werde alles im Leben aufgeben, damit sie diesem Beruf nachstreben könne. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits Mitte 20 und musste mit jüngeren Sängerinnen „konkurrieren“, ein Wort, das die heute 30-jährige überhaupt nicht mag. Glücklicherweise gelang es ihr, diesen Rückstand aufzuholen.

Den Ratschlag ihres Gesangslehrers befolgend entschloss sie sich nach Deutschland zu kommen. Ihre erste Hürde bestand nun darin, sich in einer fremden Kultur zurechtzufinden. Sich der deutschen Mentalität anzupassen, war eine große Herausforderung für sie. Hier leben mehr Menschen auf engerem Raum, ein Zustand, der mehr gegenseitige Rücksichtnahme erfordere als im weiträumigen Südafrika. „Hier musste ich alles irgendwie einschränken, ich musste mich anpassen. Es war für mich nicht leicht und ich bin einfach, wie ich bin. Ich kann meine Seele nicht so einschränken.“ Ihre größte Umstellung war allerdings das Klima. Im Januar 2010 kam sie nach München, vom südafrikanischen Sommer in den deutschen Winter. Mittlerweile hat sie sich aber recht gut an die Kälte gewöhnt und schmunzelt über Freunde in ihrer Heimat, die sich über fünf Grad Celsius im Januar beschweren.

Auch das Problem der Sprache hat Linda van Coppenhagen, deren Muttersprache Afrikaans ist, inzwischen erfolgreich gemeistert. „Ich musste schon ziemlich viel investieren, meine Zeit und überhaupt meinen Geist“, so die Sängerin, die in sechs Sprachen singen kann. „Man muss es wollen! Sonst kann man es nicht lernen, dann wird es 20 Jahre dauern, bevor man Deutsch spricht.“

Doch trotz aller Schwierigkeiten hat Linda van Coppenhagen viele Aspekte ihres neuen Zuhauses entdeckt, die sie inzwischen lieb gewonnen hat. Hierzu gehören die Menschen, deren Wärme und Ehrlichkeit sie sehr schätzt. Daraus erklärt sich für sie auch, „warum Musik, Kunst und Kultur in Deutschland so phantastisch sind. Und ich werde hier bleiben, so lange ich darf und kann.“

In der Mentalität ihrer Landsleute stellt die Südafrikanerin vor allem Unterschiede zwischen Arm und Reich fest: „Die Südafrikaner, die fast nichts haben, sind oft so strahlend wie die Sonne, das vermisse ich. In Südafrika gibt es nicht so viel Arbeit, wir tanken nicht selber, sondern es gibt Leute, die für uns tanken und nebenbei die Scheiben sauber machen. Und wie sie singen, sie sind so fröhlich. “

In einem Gespräch mit der Künstlerin wird schnell deutlich, welchen großen Stellenwert die Natur für sie besitzt. So vermisst sie zum einen die Wildnis und die Sonne Afrikas, die unbeschreiblichen und zugleich unheimlichen Gewitter. Ebenso den Geruch der Buschfeuer, den man selbst in den Städten wahrnehmen kann. Andererseits habe sie sich aber auch in Norddeutschland dank der Natur sehr schnell wohl gefühlt. „Ich wohne ganz nah am Hafen in Stralsund. Drei Minuten, dann habe ich Platz, ich sehe das Wasser, ich sehe den Himmel. Und hallo, Ostsee! Wie viel schöner kann man es denn haben? Diese Gegend ist einer der schönsten Orte Deutschlands.“

Linda van Coppenhagen als Zerlina in Don Giovanni

Einen weiteren, überaus wichtigen Unterschied zu ihrer Heimat erkennt die Sängerin an der ihr in Deutschland gewährten Freiheit: „Musikalisch und in einer bestimmten Art, die ich noch nicht ganz beschreiben kann, fühle ich mich in Deutschland freier als in Südafrika.“ Ein Grund hierfür sei die hohe Kriminalität in Südafrika, insbesondere Johannesburg. Hier habe sie stets Pfefferspray bei sich getragen. Deutschland sei dagegen ein sicheres Land. Hier traue sie sich auch nachts alleine auf die Straße und vergesse sogar gelegentlich, Türen oder Fenster ihrer Wohnung zu schließen. Freiheit habe sie aber auch musikalisch inspiriert: „Ich kam nach Deutschland und hatte die Gelegenheit, mich in der Musik auszudrücken. Eine Gelegenheit, die ich nicht unbedingt so stark in Südafrika hatte.“

Für die Zukunft hat die aufstrebende Sopranistin große Pläne. Sie habe viele Traumrollen, die sie gerne auch an großen Häusern spielen würde. Eine dieser Traumrollen hat sie im Theater Vorpommern bereits bekommen: Ab kommenden März wird sie Gilda in Verdis Rigoletto verkörpern. „Das ist für meine Stimme im Moment die beste Rolle, die es gibt. Das geht nicht nur über die Musik, sondern auch über diesen Charakter. Dieses junge Mädchen ist wahnsinnig mutig, ehrlich und unschuldig. Es wird für mich eine Ehre sein, diese Rolle zu spielen.“

Trotz Quereinstieg bereut Linda van Coppenhagen nichts. Schließlich könne man im Leben nicht alles planen und die richtigen Dinge passieren manchmal, wenn man es gar nicht erwartet. „Alles, was ich hier zu lernen habe und was ich erfahren darf, will ich komplett genießen! Ich habe hart gearbeitet und lange gewartet, um einen festen Job in einem Theater zu bekommen.“

Ein Portrait von Preciosa Alberto, Anne-Marie Martin & Katharina Stegelmann; Fotos: Preciosa Alberto (Portrait) & privat (Theaterszene)

Lohmanns Lunch #2 – Kokossuppe

Geschrieben von | Veröffentlicht am 3. Dezember 2012 um 11:23 Uhr

Die Laune sinkt proportional zur Temperatur, die Erkältungsquote schießt in die Höhe und der Teeverbrauch steuert einem neuen Allzeithoch entgegen. Höchste Zeit, dem Winterblues entgegen zu wirken und etwas Sommer aufzukochen!

‚Was schreibt der denn für nen Blödsinn? Sommer aufkochen?!‘, denkt ihr euch wohl. Nix Blödsinn! Man nehme Kokosmilch, die steht für Sonne, Limetten für die Frische, Zucker für die Süße und Tomaten für die Wärme. Das ganze hört auf den Namen „Kokossuppe“ und schmeckt scharf, süß-sauer und salzig zu gleich, erfrischt und hebt die Laune.

Als erstes bringt ihr die Kokosmilch mit Ingwer, Zitronengras und Schalotten zum Kochen. Dann gebt ihr das klein geschnittene Fleisch hinzu und gart es  fünf Minuten. Mit Zucker und Fischsauce würzen, eine Prise Pfeffer kann auch nicht schaden. Die Champignons in Scheiben schneiden, die Tomaten halbieren und ab in die Suppe damit. Drei Minuten köcheln lassen und dann die Limettenblätter, die Chillischoten und den Limettensaft hinzugeben. Schnell noch mit Koriander garnieren und sofort servieren.

Wenn ihr es lieber vegetarisch haben wollt, ersetzt die Fischsauce durch vier Esslöffel dünne Sojasauce und das Geflügel durch eingelegten Tofu oder Pilze. Dazu passt wunderbar ein Glas Mangosaft, den ihr auch zu einem Tequila Sunrise aufrüsten könnt.

Insgesamt dürftet ihr knapp zehn Euro in diese Sommer-Kur investieren.

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    Macht vier satt:

1l Kokosmilch

5cm Ingwer, klein gehackt

2 Stängel Zitronengras, klein gehackt

4 Schalotten, geschält und zerdrückt

2 EL Fischsauce oder 4 EL dünne Sojasauce

1 EL Zucker

200g Geflügelfilet oder eingelegter Tofu

200g Champignons

100g Cocktailtomaten

2 Chillischoten

Drei Kafirlimettenblätter

 Saft von 1 Limette

Korianderblätter zum Garnieren

Von und mit Erik Lohmann, Bilder von Milan Salje

TITEL Vergänglichkeit als Kunstform

Geschrieben von | Veröffentlicht am 3. Dezember 2012 um 11:22 Uhr

„Analoge Fotografie ist dichter an dem Original. In dem Moment, wo du den Auslöser drückst, ist die Entscheidung getroffen“, meint Heiko Krause. Seine Ausstellung „russemblage“ ist bis zum 16. Dezember im Alfried-Krupp-Kolleg zu sehen.

Bei der Eröffnung von Heiko Krauses Ausstellung „russemblage“ am 15. Oktober im Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg ist der Vortragssaal überfüllt. Die Arbeiten des Greifswalder Fotografen und Kunstdozenten am Caspar David Friedrich Institut werden gelobt und gefeiert. Die Objekte im Fokus seiner Kamera sind Bilder des Vergehens eines ganzen Zeitalters, eines gefürchteten Staatsapparats, von dem heute nichts weiter übrig ist als farbige Wände und kaputte Aktenschränke.

Zimmer in der Liegenschaft Wünsdorf im Jahr 2008

Fotografien, die aussehen als wären sie Gemälde, zeigen Raumsituationen in verlassenen Liegenschaften der sowjetischen Armee auf dem ehemaligen DDR-Gebiet. Die sogenannten Militärstädte wurden im August 1994 endgültig geräumt. Seitdem blieb die Zeit, nicht aber der Zerfall in den abgeschiedenen Baukomplexen mitten im Wald, wo niemals ein DDR-Bürger Zutritt  hatte, stehen. „Die Tatsache, dass ich nach 10 bis 15 Jahren in diese Liegenschaften hinein gehen konnte, war ganz bizarr“, erzählt der Fotograf und Doktorant, „Ein Wachmann  öffnet dir ein Tor, man fährt hinein, sieht da sofort ein Lenin-Denkmal und beinahe 40 Jahre sowjetischer Lebenswirklichkeit. So war man fünf Minuten später in einer absoluten Parallelwelt.“ Professor Michael Astroh schreibt in seiner Einführung ins gleichnamige Fotoband „russemblage“: „Überreste, so wertlos, wie ihre Beseitigung teuer ist.“

Trotz des unmittelbar politischen Kontextes ist kaum eine direkte Symbolik in den Bildern der damaligen Zeit zu bemerken. Es ist viel eher ein sarkastisches Augenzwinkern, mit dem die alten Sowjet-Botschaften, wenn überhaupt, präsentiert werden. „Das ist eigentlich die Dimension, die in den Bildern steckt, dass man nicht mehr sieht, wer dort mal gelebt hat. Nur durch bestimmte Farbcodes ist ein Anklang des Russischen oder eher Sowjetischen vorhanden“, sagt Krause.

Der Künstler, der geboren in Templin wurde, hatte schon immer ein Interesse an der sowjetischen Kultur, denn seine Großeltern wohnten unmittelbar neben einer sowjetischen Militärstadt. Außerdem habe er schon in frühster Kindheit angefangen, Russisch zu lernen: Die kulturellen Einflüsse, Filme und Trickfilme seien einfach omnipräsent gewesen. In diesem Sinne kann man bei seinen Arbeiten nur begrenzt von Voyeurismus sprechen, denn Krause ist jemand, der mit der sowjetischen Kultur auf eine ganz besondere Art und Weise verbunden ist.

Forst Zinna im Jahr 2008

„Ich bin nicht jemand, der sich in diese Zeit zurücksehnt, aber ich versuche, die Bedeutung solcher Prozesse zu begreifen“, erklärt er. „Es gab da eine Situation kurz vor meiner Examensarbeit: Ich habe auf dem Balkon meiner Großmutter gestanden und von dort aus den Abriss der ehemaligen Garnison verfolgt. Da stellte sich die Frage, was denn mit diesem Teil der Geschichte, der Architektur passiert, was bleiben würde, was vergehen?“ Die Aufarbeitung der Geschichte sei seiner Meinung nach in erster Linie recht einseitig geschehen, schablonenhaft und wenig differenziert. „Aber es gab natürlich auch Zwischentöne und das hat mich interessiert, das wollte ich wissen.“

Für seine Doktorarbeit über die Architektur der sowjetischen Militärstädte hat Krause Zutritts- und Fotogenehmigungen beantragt und innerhalb von zwei Jahren zahlreiche Liegenschaften besichtigt. Dabei sind neben den dokumentarischen Fotografien die künstlerisch intendierten Aufnahmen der Serie „russemblage“ entstanden.

Ein Bericht von Anastasia Statsenko mit Bildern von Heiko Krause

Lohmanns Lunch

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Oktober 2012 um 20:58 Uhr

Es wird Oktober und Halloween steht vor der Tür. Auf einmal kann man sich gar nicht mehr vor diesem komischen orangen Gemüsezeug retten, das untrennbar mit diesem importierten „Feiertag“ verbunden ist. Von Halloween kann man halten, was man will, aber aus Kürbis kann man leckere Sachen machen zum Beispiel Kürbissuppe, und … äh…. Kürbissuppe und… ja, vielleicht, Kürbissuppe?

Dabei ist Kürbis eigentlich sehr vielseitig: Ob als Beilage oder als Snack, als Vorsuppe oder als Hauptgang, Kürbissamen zum Knabbern oder Kürbisöl im Salat, sogar Kürbisschnaps gibt es. Kürbis macht einfach immer eine gute Figur, und das im doppelten Sinne, denn er hat wenig Kalorien und viele Vitamine.

Ich möchte euch einen Weg abseits der ausgetretenen Pfade der Kürbissuppe zeigen: Gebackener Kürbis in Orangensauce.

Den Ofen auf 180° vorheizen, Kürbis entkernen, schälen und würfeln. Die Kürbisstücke mehrmals mit einer Gabel einstechen. Gewürze, Orangensaft und Honig vermischen und über den Kürbis gießen. Auflaufform mit Alufolie abdecken und für circa eine Stunde im Ofen backen, bis der Kürbis weich ist. Zusätzlich könnt ihr mit frisch geschlagener Sahne garnieren. Als Getränk passt dazu einfach alles, wonach euch der Sinn steht. Merket Kinder: „Schnaps geht immer!“ (Empfehlung von Metre de cuisine) Sofern ihr nicht die Gewürze kaufen müsst, solltet ihr mit 5 Euro auskommen.

Ihr braucht (fur 4 Personen):
2,5kg Kurbis
Saft von zwei großen Orangen
Eine Prise Salz
1,5 TL Zimt
1 TL Piment (aus dem
Gewurzregal)
1 EL Honig (am besten flussig)
2 EL brauner Zucker

mit Erik Lohmann // Fotos: Milan Salje

Zerfall und Abriss einer Stadt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 28. Oktober 2012 um 20:53 Uhr

Im Pommerschen Landesmuseum wird von Oktober bis Ende Januar eine Ausstellung mit Architekturfotografien von Robert Conrad gezeigt. Er dokumentiert eine bewegende und traurige Zeit für die Greifswalder Bürger in den 80er Jahren.

Blick von der Fleischerstraße zur Bachstraße um 1987

Der Schulweg des Fotografen Robert Conrad veränderte sich zunehmend und bald stand für ihn fest, dass das nicht mehr sein Greifswald ist, wie er es kennt. In den 70er Jahren begannen die Abrissarbeiten, die er live erlebte und bald musste Conrad feststellen: „Von der Hafenstraße aus über die Bachstraße hinweg, entlang der Roßmühlenstraße und die Knopfstraße hinauf war die Stadt verschwunden.

Auch dahinter fehlten inzwischen ganze Blöcke, so dass meine alte Schule mit ihrer Turnhalle und ein einzelnes Giebelhaus nun wie Inseln inmitten der von schweren Baumaschinen planierten Freiflächen standen.“ Im Laufe der Nachkriegszeit wurde größtenteils nicht mehr in die Instandhaltung von Häusern investiert. Ganze Städte zerfielen nach und nach. Oftmals sollten die Innenstädte sich einfach selbst überlassen werden und es wurde günstig und effektiver neu gebaut. Dazu gab es verschiedene und utopische Großprojekte aus den 70er Jahren.

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Kaffitími mit Steingrímur

Geschrieben von | Veröffentlicht am 13. Juli 2012 um 18:54 Uhr

Zum Nordischen Klang spielte der Isländer Steingrímur Karl Teague mit seiner Band Moses Hightower und hielt eine musikalische Lesung. Neben der Musik und dem Texteschreiben hat er eine ausgeprägte Vorliebe für koffeinhaltige Heißgetränke.

Steingrímur Karl Teague (28) plaudert über seine Inspiration beim Schreiben: „Jeder schreibt doch irgendwas als Kind – und ich habe einfach nie aufgehört.“

Als ich Steingrímur an einem grauen Sonntagmorgen zum Frühstück abhole, begrüßt er mich direkt mit einer Entschuldigung: „Ich bin noch kein richtiger Mensch, bevor ich nicht ein paar Tassen Kaffee getrunken habe.“ Da sind wir auch gleich bei seinem Lieblingsthema. Über Weihnachten habe er einmal einen Kaffee-Entzug versucht und schwor sich nach dem gescheiterten Experiment, nie wieder ohne zu leben. Das Liebeslied an den Kaffee, das er nach diesem traumatischen Erlebnis schrieb, trägt er am Abend bei seiner Lesung vor. Es scheint wirklich eine liebevolle Beziehung zu sein.

Heute morgen ist Steini tiefenentspannt. Gestern spielte er mit der Band Moses Hightower im St. Spiritus und war vor der Show ziemlich nervös, denn sie spielten mit einem ganz neuen Line-Up. Der Drummer konnte nicht dabei sein, weil er den ersten Geburtstag seines Sohnes feierte – der Albumtitel „Búum til börn“, „Lass uns Kinder machen“, hatte Wirkung gezeigt. Außerdem hatten sie sich spontan noch drei weitere Musiker einfliegen lassen und trafen sich in dieser Formation das erste Mal zum Soundcheck. Dazu kam die Aufregung, in einem anderen Land vor einem unbekannten Publikum zu spielen. Auf Island haben die Konzertbesucher meist eine Ahnung, was sie erwartet, und wenn nicht, verstehen sie zumindest die Texte. Die Greifswalder gingen dagegen ahnungslos zum Konzert: „Es war für mich unglaublich, dass die Leute so bereitwillig eine Band hören wollten, die in irgendeiner obskuren Sprache singt.“

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» Druck gegen die Ohnmacht « – Jürgen Landt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 13. Juli 2012 um 18:50 Uhr

Von der DDR drangsaliert und ausgebürgert, vom bundesdeutschen Literaturbetrieb ignoriert, vom Leben gezeichnet. Seine dichte Kurzprosa ist keine Abrechnung, keine Planerfüllung, keine Ware: Der Greifswalder Schriftsteller Jürgen Landt.

Jürgen, welche Erinnerungen verbindest du mit Demmin, deiner Heimatstadt? Oder ist „Heimat“ schon der falsche Begriff?
Nein, ich glaube schon, dass Heimat der Ort ist, an dem man geboren wird und Kindheit und Jugend verbringt. Aber ich habe keine tollen Erinnerungen an die Zeit. Mir fehlte das, was wahrscheinlich vielen jungen Leuten gefehlt hat: Freiheit und Impulse von außen. Wir wollten raus und umher reisen. Das durften wir nicht. Auch deshalb wurde dann unglaublich viel gesoffen. Die Reihenfolge des Aneckens war Elternhaus, Schule und später die Gesellschaft. Wer auffällig wurde, der bekam staatliche Kontrollmaßnahmen. Irgendwann habe ich mich da freigeschlagen, soviel Aggression hatte sich da angestaut. Den ersten Aufenthalt im Zuchthaus hatte ich mit 17 Jahren. Umerziehung durch Arbeiten und Exerzieren, alles in alten Nazi-Klamotten. Danach kam ich zurück in die Schule, aber mein Weltbild war total verrutscht. Ab dann ließ ich mir nichts mehr sagen, besonders nicht vom Staatsbürgerkundelehrer. „Jeder kann hier alles werden“, haben sie uns immer gesagt. Das habe ich bis heute nicht begriffen. Nichts konntest du da werden, wenn du anders warst.

Inwiefern haben dich die Gefängnisaufenthalte für dein weiteres Leben geprägt? Was blieb von den abgesessenen Stunden im Zuchthaus?
Ohnmacht. Vor der Gesellschaft und vor dem Staat. Die Erlebnisse dort haben den letzten Rest der kruden Schulpropaganda, dass die DDR die bessere Gesellschaft sei, hinweggefegt. Eingeschüchtert war ich von den Erlebnissen nie, aber Ängste habe ich gehabt. Vielleicht war das die Jugend, die einen so unerschütterlich machte.

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