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Gegen einen Schock hilft am besten eine Bestandsaufnahme, das Problem zu lokalisieren und auf den positiven Aspekten aufbauend nach vorne zu schauen. Ein Kater-Kommentar.

Der Brexit im Juni hat alle kalt erwischt. Man nahm peripher in den Nachrichten wahr, dass es eine Abstimmung geben würde. Man dachte vielleicht kurz darüber nach was das bedeuten könnte und sagte sich dann etwas wie: „Ein Austritt aus der EU ist einfach zu dumm als dass es passieren könnte“. Und am nächsten Morgen traf es einen dann wie eine Krebsdiagnose.

 

Der Brexit im Sommer und die Landtagswahlen im September haben uns abgehärtet. Dummheit ist wieder ein Teil der Menschheit mit dem man rechnen muss. Um ehrlich zu sein, hätten wir es kommen sehen sollen, wenn man die Welt abseits der medialen Berichterstattung betrachtet. Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Donald Trump soll für die nächsten vier bis acht Jahre der Präsident der Vereinigten Staaten sein. Bei schlechter Führung besteht die Chance ihn nach vier Jahren zu ersetzen.

Klingt komisch, ist aber so. Die New York Times prognostizierte am Wahltag: Clinton würde mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% gewinnen. Die Zeit führte Umfragen durch, nach denen die gesamte Welt (mit Ausnahme von Polen und Frankreich) gegen Trump wählen würde. Und doch sieht die Realität heute anders aus. Einmal mehr wird die deutliche Divergenz zwischen Realität und Berichterstattung klar. Man kann es auf die ungebildeten Schichten schieben, auf Trotzwähler, auf Florida doch das alles wird dem Resultat nicht gerecht.Während des spektakulär inszenierten Wahlkampfs wurde eines klar. Die Kandidaten wurden gewählt, weil der Gegner als das schlimmere von zwei Übeln gesehen wurde. Man wählte Clinton, weil man Trump nicht leiden konnte. Das heißt im Umkehrschluss: Nicht Trump wurde gewählt, sondern Clinton wurde dismissed.

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Das amerikanische Volk hat sich entschieden. Sie wollen wieder „great“ sein. Mehr Jobs, mehr Wachstum, mehr Amerika. Wo das hinführt zeigt der prophetische Mike Judge in seiner Dystopie Idiocracy. Und ganz ehrlich: sie haben es sich verdient. Trump hat schon seine überraschend gemäßigte Siegesrede gehalten. Die Seite der kanadischen Einwanderungsbehörde ist wegen zu vielen Anfragen zusammengebrochen. Da hilft kein Klagen oder fliehen. Wie meine Oma sagte: Mit nichts kann man einen Menschen mehr strafen als seiner eigenen Dummheit freien Lauf zu lassen.

Doch bevor wir in einen Exzess des Hohns verfallen sollten wir bedenken, dass nächstes Jahr Bundestagswahl ist. Wenn Frauke Petry als Kanzlerin kandidiert müssen wir uns auf das schlimmste gefasst machen.

Und jetzt denken wir positiv!

Fakt ist: Clinton war auch nicht so viel besser. Bei dem Ausmaß an Anti-Putin-Propaganda wäre ein Krieg genauso wahrscheinlich wie mit Trump an der Spitze. Fakt ist: Je deutlicher Trump in den nächsten Jahren versagt umso deutlicher werden die Gefahren von Populismus und Trotzwahlen. Wie eine Krankheit die erst schlimm genug werden muss damit man endlich zum Arzt geht um sie loszuwerden. Und Fakt ist: Das Wahlergebnis war ähnlich knapp wie beim Brexit. Amerikaner sind auch nur Menschen, gestraft mit einem indirekten Wahlsystem.

Beitragsbild: wiki.commons

Kommentare

  1. Jan    

    Als mir letzte Woche eingefallen ist, dass 2004 Bush wiedergewählt wurde obwohl er sich zu dieser Zeit sehr unbeliebt gemacht hatte und es auch allseits war (vor allem in Europa), konnte ich mir schon vorstellen dass Trump reelle Chancen hat, die Wahl zu gewinnen. Entgegen dem üblichen Meinungsbild der halben Welt.

    Ich meine die USA sind doch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, oder nicht?

    Aussedem muss man doch Mitleid mit dem Amis haben – die Qual der Wahl, Pest oder Cholera. Ich hätte garnicht gewählt!

    Apropos, wie demokratisch ist eigentlich ein Land, in dem seit zwei Jahrhunderten bei der Präseidentenwahl immer nur zwischen zwei Parteien entscheiden kann???

  2. Alex    

    Ich hoffe, die Amis fordern jetzt nicht, ein zweites Mal wählen zu dürfen. … Oh, war das echt? … Ja? … Nee, dann will ich nochmal.

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