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Zu Greifswald gehört auch der Ortsteil Riems. Dieser lag einst wie eine Enklave als Insel im ostvorpommerschen Gebiet. Heute ist es ja ein gemeinsamer Kreis. Riems bedeutet auf der einen Seite Vorzeigeobjekt der hiesigen Flora und Fauna. Andererseits forscht man hier mit neuster Technik und unter schärfsten Sicherheitsmaßnahmen an Krankheitserregern. Vor einer Weile wurde in einer Quiz-Sendung in Österreich nach einem Meerschweinchen-Denkmal gefragt. Das soll dort auch irgendwo stehen und an die vielen unfreiwilligen Meerschweinchen-Opfer erinnern, die beim Erforschen der Maul- und Klauenseuche eingesetzt wurden. Fußball wird hier auch gespielt,…

…  aber an diesem Spieltag leider nicht auf der Halbinsel. Der Riemser FV hatte es in Kröslin mit der Reserve-Elf zu tun. Für die Orientierung: Riems spielt in der Kreisklasse – tiefer geht es nicht. Die teilnehmenden Mannschaften kommen alle so ungefähr aus dem Dreieck Greifswald-Wolgast-Gützkow. Sportlich ist die Liga schwach. Wegen Überalterung und kleiner Kader könnte es demnächst zu einer drastischen Dezimierung der Teams kommen. Obwohl Riems auch nur ein kleiner Ort ist, traten es aber dennoch mit einer kompletten Mannschaft samt Auswechselspielern an. Schon in der 39. muss ein Riemser vom Platz. Stockfisch hält sich die Leiste, aber sagt: „Ich mache solange, bis die Knochen kaputt sind, auch wenn es nur noch für 30 Minuten reicht.“ Er könnte schon seit vielen Jahren in einer Ü35-Mannschaft spielen. Trotz dieser Probleme wurde abwechslungsreicher Fußball gespielt. Schon nach drei Minuten spielt Leibelt innerhalb eines Konters John im Strafraum an, der dem Krösliner Torwart keine Chance lässt. Es ist ein munteres Spielchen, da so manche Aktion durch den glitschigen Untergrund und den nassen Ball misslingt, und es dadurch zu schnellen Wechsel in der Laufrichtung kommt. Es geht relativ fair zu, nur die lauten Schreie der Krösliner bei verlorenen Zweikämpfen stören. Nach der anfänglichen Drangphase übernimmt nun doch Kröslin langsam das Zepter. Erst trifft Baltsch den Pfosten, danach wird einer im Riemser Strafraum zu Fall gebracht. Dirk Schulz scheitert beim Strafstoß aber an Schirrmeier. Das Spiel ist schnell, aber nicht hektisch. Die Schiedsrichterin Heidi mit dem bereits grauen Haar unterbindet jede Diskussion mit einem kräftigen: kroeslin-riems-3„Hier ist Ruhe!“ Auch wenn mal eine kleine Fehlentscheidung dabei ist, bleiben Zuschauer, Trainer und Mannschaften stets gelassen. Nach genau 45 Minuten ist die erste Hälfte zu Ende. Zeit, um sich das Gelände anzuschauen. Für die Ästheten der Stadionbau-Kunst ist vermutlich die kleine Tribüne ein das Herz erwärmende Element. Aus dem Fenster des Vereinshauses heraus werden die üblichen Sportplatz-Getränke und Würste gereicht. In einer Schachtel liegen „Leuchtstäbe“ mit dem Schriftzug des SV Kröslin. Auf die Frage, wozu man das braucht, antwortet die Frau am Imbiss: „Keine Ahnung. Es leuchtet. Es hat zwei Magneten.“ Doch Euphorie sah sie in meinem Blick noch nicht, weshalb genauso schnell nachgelegt wurde, dass es auch blinken könne. Überzeugt. 1,50€ und ein Leuchtstab wechselten die Besitzer. Und schon das nächste technische Highlight: Das ganze Gelände ist mit Überwachungswarntafeln bestückt. „Wird hier oft geklaut?“, frage ich. „Nein, es ist nur prophylaktisch.“ Auf in Halbzeit II! Jetzt wird es doch ruppiger. Der Respekt vor dem Alter weicht. „Ruhe da draußen!“, keift es vom Platz in Richtung Riemser Kabine. Innerlich unsicher, was diverse Einwurf-Entscheidungen nach harten Zweikämpfen belegen, äußerlich aber souverän. Nach einer Stunde wird auch die erste Karte gezeigt, die sie viel zu lange in der Tasche versteckt hielt. Danach fällt der Ausgleich (64.). Darauf schon wieder einer dieser merkwürdigen Entscheidungen, der in diesem Fall zu einer Ecke führt. Daraus resultiert ein Schüsschen aufs Tor, nur greift Schirrmeier zu spät zu und damit vorbei, sodass der Ball belustigend für die Zuschauer ins Tor kullert. 2:1 (77.). Am Ende wurde Riems sogar noch für den Schlussspurt belohnt. Auch hier erfreute sich das Publikum an einer abgerutschten Flanke, die sich langsam unhaltbar hinter dem Torwart senkte. Das Kreisklasse-Tor des Monats! Der Schütze ist die Nummer 12 Madeia. Kröslin verständlicherweise angefressen und sucht in der Schiedsrichterin die Schuldige. Die heizt die Stimmung noch etwas auf, in dem sie alle Spieler zum Kreis heranruft. Die ganz alte Schule. Das ist dieses Ritual aus Ostzeiten, das irgendwann eigentlich schon als ausgestorben galt. Von Kröslin fanden sich dann wenigstens zwei, die gemeinsam im Chor das übliche und eingestaubte „Sport frei!“ riefen.

Beide Mannschaften bleiben nach diesem Unentschieden weiterhin im Tabellen-Mittelfeld.

Aufstellungen:

Kröslin II: Krämer, Schuldt, Ettinger, Kobielle, Wittchow, Holtz, Richter, Walter, Thurow, Schulz, Baltsch

Riems: Schirrmeier, Kiehn, Madeia, Müller, Zeibelt, Thürk, Marlow, Stockfisch (39. Drews), Dietze, John, Schulz

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