shadow

Knisternde Gummibärchentüten, Dauer-Räusperer, lautstarkes In-die-Tastatur-Hämmern – die Besucher der Bibliotheken sind immer wieder für Überraschungen gut, auf die man lieber verzichten würde.  Wir haben unsere dreistesten und nervigsten „Bib“-Erfahrungen zusammengetragen.

Willst du was erleben, musst du dich nur zur UB begeben. Dort ist man jederzeit zu einem kleinen Streit bereit. Wir saßen neulich so beisammen und ganz vorsichtig wurde das Thema der  Rücksichtslosigkeit in den Bibliotheken in den Raum gestellt. Es könnte ja sein, dass man selbst einfach überempfindlich ist. Dann aber sprudelten die Geschichten nur so. Sicherlich werden die Damen der Uni-Bibliothek (UB) noch über viele weitere Erlebnisse und  Geschehnisse berichten können, doch schildern wir das Ganze zunächst einmal aus unserer Sicht.

Die wachsende Respektlosigkeit macht den Leuten zu schaffen. Manche setzen sich da einfach die Kopfhörer auf. Das hilft nur einigen. Quatschen, lautes Musikhören und allgemein ein lautes Auftreten bilden eine permanente Geräusche-Kulisse, die nur durch die Europameisterschaft oder späte Abendstunden unterbrochen wird. Selbst dort schnattert gelegentlich sogar das Ordnungspersonal über Fußball, Autos und das Wetter. Auch ein Streitgespräch über eine Cola-Flasche war mal dabei! Eigentlich sollen die für Ruhe sorgen. Ansprechen oder böse Blicke können im Allgemeinen auch mal helfen, aber leider nicht immer. Da war mal ein Student der uneinsichtigen Sorte, von denen es viele gibt, der in der neuen Bereichsbibliothek (BB) in sich hineinredete und damit die Umgebung merklich störte. Eine Studentin fasst sich ein Herz und bittet ihn, aufzuhören. „Das interessiert mich einen Sch…!“, antwortete er mit ebenso derber Rhetorik. Die meisten gehen dem Streit aus dem weg. Das ist heute auch kein Wunder mehr. Da kommt eine zierliche Studentin und fragt ihre beste Freundin, ob sie ihr nicht helfen könne. Ein Student würde laut Musik hören und sie hätte Angst, allein etwas zu unternehmen. Es wurde sich ein erst einmal auf einen Plausch vor der BB geeinigt. Woher ich das weiß? Es war nicht zu überhören. Die frische BB hat noch mehr Lach- und Krachgeschichten auf Lager.

Da fehlen manchmal nur noch Chips und ein gemütlicher Sessel und das UB/BB-Programm ist die Alternative zum ab040720161656 Kopieendlichen Fernsehen. Leider ist das Essen in den Bibliotheken verboten. Eigentlich. Schon mal beobachtet, was da so gefuttert wird? Stullen und Schokoriegel sind zwar nicht erlaubt,  aber für das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmbar, es sei denn, der Hungrige schmatzt. Das schafft auch ein Kaugummi. Mir schräg gegenüber saß lässig ein „cooler“ Student im luftigen Basketball-Trikot. Auf dem Kopf ein Base-Cap stilecht herumgedreht. Ebenso cool gnatschte er auf seinem Kaugummi herum. Aufgrund der Mundbewegung hätte ich ihn wohl sonst für eine Mischform zwischen Mensch und Kuh gehalten.
Doch schauen wir doch mal, was die UB am  Beitz-Platz im Programm hat. Etwas RTL2-Reality-Soap wäre doch jetzt ganz nett. Und es dauert auch nicht lange, da legen zwei Studentinnen  für alle Anwesenden hörbar ihre Beziehungsgeschichten dar. Sehr interessant, nur muss ich heute noch ein paar Seiten schreiben und ich als männliche Person bin leider nicht multitaskingfähig. Schluss mit lustig. Böse Blicke reichen nicht. Also muss meinerseits aktiv eingegriffen werden. Einsichtig verziehen sich die zwei irgendwohin, von wo aus man sie nicht mehr hört.

Next Story: Dort in der BB, wo die Computer stehen, breitet eine Studentin GEZ-Formulare aus und lässt sich von einer anderen beraten, wie diese Blätter auszufüllen seien. Klar, die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) erhitzt schnell Gemüter und beim Ausfüllen ist auch eine große Sorgfalt erforderlich, aber das muss doch nicht hier passieren, in direkter Umgebung von mindestens sieben weiteren hart ackernden Studierenden.

Zweckentfremdung der Bibliotheks-Rechner ist nichts Neues. Da spielt doch eine Studentin irgendein Spiel, in dem ein Leichtathlet Aufwärmübungen macht. Das würde ja auch nicht stören, aber wenn, aber wenn… Sie findet das so lustig, dass sie dabei nicht nur kichert. Über den ca. 10 Minuten dauert das Schauspiel. Da ist mir doch die Studentin lieber, die zwischen den Bücherreihen ein Nickerchen macht.

Ja, die Liste der Begebenheiten ist schon lang. Just in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen verfasse, zaubert eine Studentin einen noch verpackten USB-Stick hervor. Sie benötigt ungelogen drei Minuten, um den Stick aus seinem Kunststoff-Gefängnis zu befreien. Es knackt, quietscht und raschelt. Irgendwann erblickt der Stick das Licht der Welt, doch das Knacken hört nicht auf. Sie hat eine Plastikflasche dabei, die sie bis zum Vakuum aussaugt. Das Fläschchen ist bereits leer, dennoch wird weiter gesaugt, wodurch sie eine extrem nervige Geräuschkulisse aufbaut. Vielleicht eine Störung in der oralen Phase und wir sollten Rücksicht nehmen? Man weiß es nicht.

Es ist schwierig zu begreifen, was in den Köpfen mancher Studierender vorgeht. Diese Geschichtchen sind nur die Spitze des Eisbergs. Wenn die Rücksichts- und Disziplinlosigkeit weiter anhält, wird die Reihe dieser Artikel fortgesetzt (werden müssen).

Kommentare

  1. Laura M.    

    Nur als Hinweis: Die GEZ gab es bei der Eröffnung der BB schon lange nicht mehr. Es heißt Rundfunkbeitrag und Rundfunkbeitragsservice.
    Ansonsten sehr erheiternder Artikel über die nervigsten Situationen in der Bib 🙂

  2. Jan    

    Gabs eigentlich schon Studenten, die in den Bibs nach Pokemon gesucht haben?

    Ich hatte einige negative Erfahrungen mit den Sicherheitsleuten und studentischen Hilfskräften (In der Zentral-Bib).
    Bei den Welt- und europameisterschaften haben die die Computer der Mitarbeiter im Eingangsbereich gerne zum Public Viewing genutzt. Ja Public Viewing, manchmal konnte man die Spielgeräusche bis zur Galerie hören.
    Und wenn ein Tor für die deutsche Mannschaft fiel, wurde dann auch entsprechend gejublet; sowohl de Hilfskraft als auch der Sicherheitsmann.

    Aber generell finde, dass es in meiner Wohnung und Umgebung (Plattenbauviertel) ruhiger zugeht und leiser ist als am Beitzplatz und in der Löfflerstraße.

    1. Keule    

      Is doch geil, dass die Mitarbeiter so hinter der Nationalmannschaft stehen. Wenn die es sich aussuchen könnten wären die auch lieber daheim geblieben. Rat mal wer es sich aussuchen kann 😉

      1. Jan    

        Na wer kann es sich denn aussuchen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Artikel