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Pauline Stopp studiert am Caspar-David-Friedrich-Institut Bildende Kunst im Master und hat bereits zwei Stipendien erhalten. Ende Januar wurde ihr von der Uni der Rudolf-Stundl-Preis verliehen. Am Dienstagabend eröffnete sie im Kulturzentrum St. Spiritus ihre Ausstellung „Fluoreszierende Jugend“ – eine Nachwuchskünstlerin mit Potenzial.

Nach mehr als zwanzig Jahren wurde am 28. Januar in den Räumlichkeiten des Caspar-David-Friedrich-Instituts (CDFI) zum ersten Mal wieder der Rudolf-Stundl-Preis verliehen. Den ersten Platz im Wettbewerb um die mit 750 Euro dotierte Auszeichnung machten die polnische Professorin Dr. Agata Jakubowska und die aus dem Erzgebirge stammende Greifswalder Kunst-Studentin Pauline Stopp. Die von den verschiedenen Künstler*Innen eingereichten Werke erstreckten sich von Hausarbeiten über den wissenschaftlichen Aufsatz von Dr. Jakubowska bis hin zu textilen Wandbehängen, wie dem Werk von Pauline Stopp.

Die Kunsthistorikerin Dr. Birgit Dahlenburg berichtete zunächst ausführlich über die Geschichte hinter dem Preis. In der Medieninformation der Universität lässt sich nachlesen, dass der Preis „1985 vom Initiator der vorpommerschen Teppichknüpferei Rudolf Stundl der Universität Greifswald gestiftet“ wurde. „Aufgrund der langjährigen Verbundenheit des Wiener Tapisseristen Rudolf Stundl mit der vorpommerschen Universität überließ er 1990 seinen gesamten künstlerischen Nachlass der Greifswalder Akademischen Kunstsammlung. Ziel des Wettbewerbs um den Rudolf-Stundl-Preis ist die Förderung von hervorragenden wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten in Zusammenhang mit textilen Materialien oder aus benachbarten Bereichen der materiellen Kultur.“

Ein Wettbewerb also, der wie gemacht zu sein schien für Pauline Stopp, die eine Seminararbeit aus ihrem Bachelor-Studium in Textilkunst und Textildesign an der Westsächsischen Hochschule Zwickau einreichte: ein 60 x 60 Zentimeter großer, gewebter Gobelin mit dem Titel „without any motion“ inklusive dazugehöriger Fotografien und Zeichnungen, die den Entwicklungsprozess wiederspiegeln. Die Laudatio für die Platzierung der Kunst-Studentin hielt der CDFI-Professor Christian Frosch, der seine Studentin für ihre breit gefächerten Begabungen in verschiedensten Bereichen der Kunst lobte. Neben Zeichnungen, Malerei, Collagen und Objektkunst beschäftigt sich Pauline Stopp auch mit Fotografie und Videokunst – ein echtes Multitalent also. Skepsis aufgrund der vielfältigen Fähigkeiten sei trotzdem unangebracht, so Professor Frosch. Der Gobelin wurde in traditioneller Technik am Hochwebstuhl gefertigt und beschäftigt sich mit den Themen Krankheit, Verlust und Zerstörung – einem Motivkreis, den Pauline Stopp auch aus persönlichem Anlass in ihren Arbeiten des Öfteren aufgreift.

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Entstehung der Collage

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links: Collage, rechts: Pauline Stopp vor dem Gobelin

Seit vorgestern stellt die Sächsin, die sich nach ihrem Bachelor-Studium im gebirgigen Schneeberg „aus Liebe zu Meer und Flachland“ für ein Master-Studium der Bildendem Kunst in Greifswald entschied, im Kapellenraum des Kulturzentrums St. Spiritus eigene Zeichnungen, Malereien, Collagen und Objekte aus. Die Ausstellung wurde im Rahmen einer Vernissage mit musikalischer Untermalung eröffnet. Der Name der Ausstellung, „Fluoreszierende Jugend“, ist zugleich Titel einer aus 20 Einzelbildern bestehenden Collage, für die Pauline Stopp 2013 mit dem Bernhard-von-Lindenau-Stipendium ausgezeichnet wurde. Mittels eines Abklatschverfahrens übertrug sie hierfür kopierte Körperteile, wie etwa Hände, auf Stoff. Nähte, Drucke und andere Techniken bilden eine dritte Ebene.

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Neben naiven Zeichnungen dominieren Textil und aus dem Textilbereich stammende Elemente die präsentierten Werke. So finden sich beispielsweise Nahten und Stickereien auf Pappe wieder. Aber auch Alltagsgegenstände und Verbrauchsmaterialien verwandelte die Jungkünstlerin in Werke: So wurde aus Karteikarten Kunst, ebenso aus Verpackungsresten von Pralinenschachteln und Goldfolie von Bierflaschen. Sogar Taubenrispe und Broccoli haben den Weg in den Glaskasten gefunden. Paulines Alltag spiegelt sich auch in ihrem Werk „Asphaltkleister“ wieder, das unter anderem aus in leeren Medizinfläschchen aufbewahrten alten Kaugummis besteht. Auch die Begeisterung der Künstlerin für den menschlichen Körper findet in den Ausstellungsgegenständen ihren Platz. Das Thema des Geschlechts wird immer wieder aufgegriffen, auch bezüglich der Farbgebung. Noch bis zum 25. März kann die Ausstellung wochentags von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden.

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Fotos: Collage und Gobelin: Rebecca Firneburg, Beitragsbild und Vernissage: Michael Fritsche

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