1. Allgemeine Angaben zur Person (Name, Alter, Studienfach, Fachsemester):
Marco Wagner, 23 Jahre, Studium Lehramt für Deutsch und Geschichte, 8. Semester
2. Für welche Gremien kandidierst du?
Ich kandidiere für den Senat (Liste Solidarische Universität) und den Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät (SDS).
3. Was machst du außer Studium und Gremienarbeit?
Außerhalb von Studium und Gremienarbeit fahre ich im Sommer ganz gerne mal mit dem Kanu, um zu entspannen. Das ganze Jahr über hinweg gehe ich – je nach dem, was gerade kommt, ins Theater, Kino, zu Buchlesungen und anderen Veranstaltungen, die man in Greifwald (aber auch außerhalb; allerdings ist man als Studierender ja die meiste Zeit in Greifswald) so besuchen kann. Partys gehören ansonsten auch mit zu meiner Freizeitgestaltung, wobei diese im Moment mehrheitlich durch die Gremienarbeit im Vorstand des Instituts für Bildungswissenschaften, der Stupa-AG Lehrerbildung sowie der ehrenamtlichen Arbeit bei den Moritz-Medien drauf geht, wobei gerade die Arbeit bei den Moritz-Medien eigentlich für mich auch mehr Hobby als „Gremienarbeit“ im eigentlichen Sinne darstellt.
4. Warum kandidierst du bzw. willst du in das betreffende Gremium?
Während meiner bisherigen Tätigkeit im Vorstand des Instituts für Bildungswissenschaften habe ich festgestellt, dass es in der Philosophischen Fakultät nach wie vor noch viele Baustellen und Brennpunkte gibt. Eine große Baustelle ist die Modularisierung Lehrerausbildung. Zur Zeit bin ich als studentisches Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Stupa-AG-Lehrerbildung bereits in den Modularisierungsprozess mit eingebunden. Endgültig entschieden und wird es aber erst im Fakultätsrat und Senat. Daher möchte ich auch auf dieser Ebene Einfluss üben.
Darüber hinaus entscheiden Senat und Fakultätsrat auch über die Besetzung neuer Stellen. Hier ist es mir besonders wichtig, dass nicht an der einen Stelle überproportional viele neue Stellen besetzt werden, an anderen Stellen dafür Lehrende (seien es Professor/-innen oder Dozent/-innen) eingespart werden. Eine starke Universität lebt von der Vielfalt der Fächer, der Vielfalt des weiter zu vermittelnden Wissens. Eine Leuchtturmförderung zugunsten einzelner Institute oder Fakultäten, die zu Lasten anderer Fakultäten und Institute geht, lehne ich grundsätzlich ab und möchte ich auch in den genannten Gremien verhindern.
Ebenfalls großes Thema der kommenden Legislatur werden die Rektoratswahlen sein. Bei den Wahlen zum neuen Rektorat ist es besonders wichtig, dass am Ende ein Rektorat zustande kommt, das sich für die Belange aller Studierenden einsetzt und nicht leicht gegenüber der Landesregierung einknickt oder durch das einen Ausverkauf des Greifswalder Lehramtsstudiums ermöglicht wird. Ein Rektorat darf bei allen wirtschaftlichen Zwängen und allen Vorgaben und Bestrebungen der Landesregierung, niemals ihren Hauptzweck, der Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Ausbildung in allen Studienfächern und Studienrichtungen aus den Augen verlieren. Wissenschaft muss immer vor der Wirtschaft im universitären Alltagsbetrieb Vorfahrt haben!
Im Bereich der Bachelor- und Masterstudiengänge gibt es meiner Meinung nach ebenfalls noch viel zu erledigen. So ist der Studienfachwechsel immer noch nicht völlig problemlos, vor allem wenn es um die Anrechnung von Seminaren aus vorherigen Semestern im anderen Studienfach geht, die sich in dem Fach, in das gewechselt wurde, fast identisch wiederfinden. Insgesamt sollte das BA-/ MA-Studium flexibler gestaltet werden, als es im Moment ist (auf eine flexible Gestaltung ist übrigens auch bei der Modularisierung des Lehramtsstudiums zu achten).
Speziell auf den Fakultätsrat bezogen steht in der kommenden Legislatur die Bewältigung bestehender Probleme am Historischen Institut an: Die Fachdidaktik Geschichte ist immer noch unterbesetzt, im Fachbereich der Alten Geschichte gibt es deutliche Hinweise, dass weiter Geld gekürzt werden soll, abgesehen davon, dass auch diese unterbesetzt ist. Es geht also in diesem besonderen Fall um eine langfristige Sicherstellung der qualitativ hochwertigen Ausbildung im Fach Geschichte.
Weiterhin einsetzen möchte ich mich in beiden Gremien für einen Erhalt und den Ausbau der studentischen Kultur und des Hochschulsports.
Ich habe jetzt hier nur Themenfelder genannt, die mir aufgrund meines bisherigen Engagements aufgefallen sind. Allerdings würde ich sowohl im Senat, als auch im Fakultätsrat ein offenes Ohr für alle Studierenden/ Fachschaften haben.
5. In welcher politischen Richtung fühlst du dich verortet?
Das ist aufgrund meiner Mitgliedschaft beim SDS eindeutig: links.
6. Wie empfindest du die Debattenkultur in den universitären Gremien?
Durchwachsen und unterschiedlich. In akademischen Gremien wie Senat und Fakultätsrat ist die Debattenkultur logischerweise eine andere, als im Stupa. Im Senat und Fakultätsrat geht alles geordneter zu, die Mitglieder sind ausreichend auf die jeweiligen Sitzungen vorbereitet, die Redebeiträge durchdacht. Die Sitzungen gehen daher auch schneller vorbei, als im Stupa.
Die Debattenkultur im Stupa war am Anfang der Legislatur deutlich besser, als am Ende. Zuletzt war sie mitunter unerträglich. Stupisten haben einander oft nicht zugehört, es wurde die Rednerliste häufig nicht beachtet und einfach dazwischen gequakt und am Ende ergaben sich plötzlich nachfragen, worüber denn eigentlich abgestimmt wird. Hinzu kommt noch, dass nicht wenige Stupisten unvorbereitet erschienen sind. Diese Form der Debattenkultur führte zuletzt nicht nur zur deutlichen Verlängerung der Sitzungszeiten, sondern auch dazu, dass für Zuschauer oft nicht mehr klar war, warum wie abgestimmt wurde.
7. Welches Themenfeld siehst du in den Gremien/dem Gremium für die/das du kandidierst unterrepräsentiert? (ein Punkt pro Gremium)
Schwierige Frage. Behandelt werden in meinen Augen in beiden Gremien die für die jeweiligen Gremien entscheidenden Themenfelder. Die Frage ist am Ende nur das „Wie“. Das wiederum hängt von der Arbeit eines jeden einzelnen Mitgliedes des Gremiums ab.
8. Welchen Eindruck hast du von der bisherigen Arbeit der studentischen Vertreter?
Ich habe einen unterschiedlichen Eindruck. Es gibt Vertreter, die engagieren sich, die arbeiten unermüdlich, die arbeiten inzwischen in so vielen Gremien und Kommissionen mit, dass sie kaum noch Zeit fürs Studium haben dürften oder wohl auch kaum Zeit dafür haben. Von diesen Vertretern halte ich sehr viel und vor allem sind sie auch zuverlässige Ansprechpartner, wenn es Probleme im Institut, der Fakultät usw. gibt. Wenn sie sagen, sie sprechen es an, kann man sich verlassen, dass dem so auch ist. Im Fakultätsrat zeigten sich, zumindest so oft ich in den Sitzungen war, die Studierendenvertreter als selbstbewusst, offensiv und beteiligten sich rege an den Diskussionen. Eine schweigende Fraktion gab es nicht. Im Senat sieht das wieder anders aus. Hier gibt es zwar deutlich mehr studentische Vertreter, doch wirklich aufgefallen sind in den Sitzungen nur einzelne Vertreter. Ein stärkeres Engagement in den Debatten wäre hier durchaus wünschenswert.
Im Stupa sieht das wieder anders aus: Hier gibt es viele Stupisten, die ihr Mandat nicht wirklich ernst nehmen, die zu spät kommen, oder die Hälfte der Zeit unentschuldigt fehlen, die dann, wenn sie mal da sind, gar nichts sagen und bei denen es eigentlich egal ist, ob sie kommen, oder nicht. Diese werden einfach nicht wahrgenommen. Doch möchte ich meinen, dass die Mehrheit der Stupisten sich in der letzten Legislatur rege beteiligt haben. Im konservativen Lager beschränkte sich das mehrheitlich auf einzelne Personen, während das linke Lager eher flächendeckend aktiv war, wobei auch da einzelne Mandatsträger mit Abwesenheit oder Schweigen glänzten (…dass ich jetzt das linke Lager hervorhebe, liegt aber auch in der Natur der Sache J).
Trotz aller Kritik, die ich auch öffentlich immer wieder gerne äußere, denke ich, dass die bisherige Arbeit der studentischen Vertreter/-innen sich sehen lassen kann. Doch es könnte besser sein.
9. Als wie groß siehst du die Rolle der Studenten und der studentischen Selbstverwaltung in universitären Entscheidungsprozessen?
Studierende haben, was vielen hier gar nicht so bewusst wird, einen vergleichsweise hohen Einfluss in universitären Entscheidungsprozessen. Dass es ein Stupa, feste Fachschaftsräte, einen Allgemeinen Studierendenausschuss gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Vor allem in Baden-Württemberg und Bayern müssen Studierende immer noch darum kämpfen, dass überhaupt ein Stupa oder Stura (Studierendenrat) eingerichtet wird. Häufig finden die Studierendenausschüsse nicht einmal Anerkennung bei den jeweiligen Unileitungen. Das ist in Greifswald anders. Wir haben hier eine starke Studierendenvertretung. Auf unterschiedlichen Ebenen können sie in unterschiedlichen Gremien mitwirken. Sei es bei der inhaltlichen Ausgestaltung und Organisation des eigenen Studienfaches, oder bei Stellenbesetzungen. Entscheidend ist, dass die Studierenden in den jeweiligen Gremien, sei es der Fachschaftsrat, die Fachschaftsrätekonferenz (FSK), Stupa, Fakultätsrat, Senat oder den jeweiligen Kommissionen oder AGs, erkennen, dass sie hier Einfluss ausüben können. Meine bisherige Erfahrung aus meiner noch nicht allzu langen hochschulpolitischen Aktivität ist die, dass man eigentlich viel bewegen kann, wenn man auch viel bewegen will. Freilich stößt man irgendwann auch an seine Grenzen und kommt nicht weiter. Nicht alles, was man erreichen will, wird man am Ende auch erreichen können.
Ungeachtet dessen gibt es aber auch Felder, wo ich meine, dass da Studierende noch zu schwach vertreten sind. So stellt das Fehlen eines studentischen Prorektors ein erhebliches Hindernis im Kommunikationsprozess mit dem Rektorat dar. Studierende könnten über einen studentischen Prorektor stärker ihren Einfluss geltend machen, mehr bewirken, je nachdem, welchen studentischen Prorektor sich die Studierendenschaft wählt. Wählt sie sich den falschen, würde es wie in Rostock sein, dass er am Ende die Interessen des Rektorats vertritt, nicht die der Studierenden. Doch das kann einem auch bei der Rektoratswahl passieren: Dass der Senat sich einen Rektor wählt, der reine Klientelpolitik betreibt. Doch das ist Demokratie. Und sie lebt auch davon, dass mal – rückblickend betrachtet – die Falschen gewählt werden können. Das im Stupa vom AStA vorgebrachte Argument, ein studentischer Prorektor wäre schlecht, weil in Rostock der studentische Prorektor die Interessen des Rektorats anstelle der der Studierenden vertreten habe, ist in meinen Augen nicht schlüssig. Es wäre das Gleiche, als würde man sagen: In der Demokratie können Fehler passieren, deshalb lassen wir es gleich ganz mit der Demokratie. Eine solche Argumentation ist nicht nur unlogisch, sondern widerspricht auch meinem politischen Verständnis. Ebenfalls mehr Studierende könnten im Senat oder Fakultätsrat vertreten sein, allerdings würde das zu Lasten der wissenschaftlichen Mitarbeiter gehen, würde man hier sich für eine stärkere Repräsentanz einsetzen wollen. Schließlich ist per Bundes- und Landesgesetz festgelegt, dass in den genannten Gremien Professor/-innen immer zu 50%+1 vertreten sein müssen. Um hier Veränderungen herbei zu führen, müsste man den Rechtsweg der Klage wählen. Da aber bereits das Bundesverfassungsgericht in den 70iger Jahren entschieden hat, dass dieses Verhältnis der Vertretung rechtmäßig sei, gibt es da einfach keinen Spielraum.
Foto: privat
- Friedemann Maess vom 4. Januar 2012
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Herr Wagner – wie immer meisterhaft prägnant und zuspitzend.