Kurz vor Weihnachten führten die moritz-Medien ein Interview mit Jan Steyer von der Initiative “Uni ohne Arndt” und Marco Wagner von der Arndt AG Greifswald. Ein Auszug des Gesprächs erschien Anfang Januar im moritz-Magazin, MoritzTV hat ebenfalls einen Teil des Interviews veröffentlicht. Das Video findet ihr weiter unten.
Uns ging es dabei insbeondere um den stattfindenden hochschulpolitischen Prozess rund um die Urabstimmung und die anstehende Senatsentscheidung. Das Gespräch führten Alexander Müller, Daniel Focke und Carsten Schönebeck.
webMoritz: Im Januar steht die erste Urabstimmung in der Geschichte der Universität Greifswald an. Was ist von euch noch an Aktionen geplant um die Massen zu mobilisieren?
Jan Steyer: Wir wollen den Namen Ernst-Moritz-Arndt-Universität abschaffen, haben daher bis zur Urabstimmung vor, mit Infoständen die Menschen zu informieren. Kurz vor der Abstimmung wird es auch einige Plakataktionen geben. Momentan arbeiten wir gemeinsam mit der Pro-Arndt-AG an einer Zeitung, die Argumenten für und gegen Arndt beinhalten soll. Außerdem wird es noch einige verbale Zusammentreffen der beiden AGs, wie kürzlich beim Debattierclub, geben.
Marco Wagner: Solche Informationsaktionen planen wir natürlich auch. Auch nach der Urabstimmung wird es noch weiter Veranstaltungen geben. Das Thema ist dann ja noch nicht erledigt, am Ende entscheidet ja der Senat. Unter anderem wird es ja noch eine zweite Anhörung geben, bei der auch die Greifswalder Bevölkerung eingeladen wird.
webMoritz: Warum betreibt ihr überhaupt so einen großen Aufwand, um eine letztendlich rein symbolische Abstimmung?
Marco Wagner: So symbolisch ist die Urabstimmung gar nicht. Die Vollversammlung im Sommer, bei der die Studierendenschaft den Namen abgelegt hat, hatte so große Signalwirkung, dass der Senat eine eigene Kommission zur Namensfrage eingesetzt hat. Genauso hoffen wir, dass die Urabstimmung entsprechend Druck auf den Senat ausüben wird, so dass diese entsprechend für oder gegen den Namen entscheidet. Die Urabstimmung ist also bei Weitem nicht bedeutungslos.
Jan Steyer: Und das Interesse ist ja auch da! 1200 Studierende waren auf der letzten Vollversammlung, davon haben 95 Prozent für den Antrag auf eine Umbenennung gestimmt. Wir merken bei unseren Veranstaltungen und auf unserer Website und dem webMoritz wie viel Rücklauf wir haben. Jetzt wollen wir noch diejenigen erreichen, die sich noch nie mit Arndt beschäftigt haben, an denen das Thema bisher vorbeiging . Auch jene sollen erkennen, wie wichtig es ist, an der Abstimmung teilzunehmen. Das kostet keine große Zeit.
webMoritz: Mit welcher Wahlbeteiligung rechnet ihr?
Jan Steyer: Bei der letzten StuPa-Wahl am Anfang diesen Jahres sind 1500 Studierende zur Wahl gegangen. Wenn wir diese Zahl knacken und nochmals um 600 Stimmen erhöhen können, haben wir schon viel erreicht. Wir peilen die 20-Prozent-Marke an, alles darüber ist super. Dann stellt sich natürlich die Frage, wie das Votum ausgeht. Da sind wir sehr optimistisch, da die Argumente für Arndt äußerst schwach sind und die gegen Arndt wesentlich schwerer wiegen. Wir wollen, dass mindestens 60% der Studenten gegen den Namen stimmen.
Marco Wagner: So schwach schätze ich die Argumente für Arndt nicht ein. Wobei die Argumente für eine Ablegung des Namens natürlich einiges Gewicht haben.
webMoritz: Was ist mit den restlichen 80 Prozent? Interessiert sie der Namenspatron der Universität nicht?

Marco Wagner von der Arndt AG
Marco Wagner: Ich denke, das ist eher ein generelles Problem der Studierenden, wenn es um Politik geht. Bei der StuPa-Wahl haben wir ja genau das gleiche Problem.Viele denken, das bringt sowieso alles nichts, am Ende entscheidet eh das Rektorat oder der Senat. Sicherlich gibt es auch einige die das Thema nicht interessiert. Aber durch das Zusammenfallen von StuPa-Wahl und Urabstimmung hoffen wir, dass die Wahlen einiges an Attraktivität gewinnen.
Jan Steyer: Im Gegensatz zu einer Bundestagswahl sind die Auswirkungen einer Abstimmung auf der Universitätsebene sehr gering. Dadurch kriegen viele gar nichts von den Wahlen mit. Da kämpfen das Studierendenparlament, der Allgemeine Studierendenausschuss und auch wir gegen an. Daher können wir nur appellieren, geht zur Wahl, gebt eure Stimme ab, denn was dort im Januar entschieden wird, betrifft noch Generationen von Studierenden nach uns!
webMoritz: Am Ende ist es ja der Senat, der über eine Namensablegung entscheidet. Dessen Entscheidung beruht auf der Empfehlung der eingesetzten Namenskommission. Glaubt ihr wirklich, dass eine Urabstimmung unter Beteiligung von einem Fünftel aller Studierenden auf diese Gremien großen Druck ausüben kann?
Jan Steyer: Ich bin schon der Meinung, dass so Druck erzeugt wird, weil es die Diskussion am Leben erhält. Auf diese Weise wird das Thema nicht irgendwo am Rande behandelt, sondern viele müssen sich einen Kopf über ihre eigene Position machen. Wir müssen dem Senat ganz klar sagen: Wir wollen mitentscheiden. Daher müssen wir alle Mittel, die es gibt, nutzen. Eine Urabstimmung ist etwas völlig Neues in der Geschichte unserer Uni. Das hat es nie gegeben, das hat bisher noch keiner ausprobiert. Wir wollen beweisen, dass die große Beteiligung an der letzten Vollversammlung keine Eintagsfliege war, sondern dass wir in den letzten Monaten auch Leute wachgerüttelt haben, die sich jetzt mit dem Thema Arndt beschäftigen.
Marco Wagner: Der Druck wird dadurch erhöht, wenn viele Menschen zur Urabstimmung gehen. Je mehr desto besser. Wenn es uns nicht gelingt die Wahlbeteiligung zu steigern, ist natürlich wirklich fraglich wie sehr sich der Senat beeinflussen lässt. Das kann ich nicht einschätzen. Ich hoffe aber, dass wir die 20 Prozent knacken können und dann ist das sicher ein Zeichen.
webMoritz: Wie bewertet ihr die Namenskommission des Senats?
Jan Steyer: Uni-ohne-Arndt sieht die Kommissionsbesetzung sehr kritisch. Die Positionen pro Arndt sind in der Kommission klar in der Mehrheit. Die wollen das Problem aussitzen. Wir werden uns das Ergebnis genau ansehen und werden gucken, ob sich differenziert mit der Thematik auseinander gesetzt wurde oder ob nur die Positionen vertreten werden, mit denen man in die Kommission reingegangen ist. Wenn das so sein sollte, hätten wir uns die Kommission auch sparen können! Wir wünschen uns jedenfalls ein anderes Ergebnis, als den Text zu Arndt auf der Uni-Homepage. Denn der ist wirklich grottig. Deswegen will auch kein Autor seinen Namen drunter setzen.
Marco Wagner: Wir sehen das etwas anders. Ich glaube nicht, dass man bei allen Mitgliedern der Kommission einschätzen kann, wer dafür oder dagegen ist. Aber das die Komission so einseitig ist, glaube ich nicht. Bei den wenigsten ist das wirklich bekannt. Ich glaube aber auch, dass wenn man für Arndt ist, man trotzdem eine gute und seriöse Arbeit abgeben kann. Ich glaube kaum, dass diese Wissenschaftler den Antisemitismusaspekt ignorieren und Arndt als den größten Helden feiern werden. Das wäre sehr merkwürdig.
Jan Steyer: Aber wir sehen doch an dem Text auf der Homepage, dass die Wörter Antisemitismus und Rassismus darin überhaupt nicht vorkommen. Stattdessen wird von Vorurteilen und latenter Judenfeindlichkeit gesprochen. Wenn die Stellungnahme der Kommission genauso aussehen sollte, hätten wir uns die Kommission sparen können.
webMoritz: Was macht ihr eigentlich, wenn der Senat genau das Gegenteil vom dem beschließt, was ihr jeweils wollt?
Marco Wagner: Das ist eine gute Frage. Letztlich ist das eine Entscheidung des Senats, da können wir dann höchstens noch entsprechende Protestbriefe an den Senat schreiben. Wir würden unser Informationsangebot weiter aufrecht erhalten und darüber informieren, dass die Uni den Namen einmal getragen hat und welche Position wir damals hatten. Das ist natürlich nicht, dass wir wollen, aber wenn der Senat das entscheidet sehe ich wenige Möglichkeiten da noch etwas zu machen.

Jan Steyer von Uni ohne Arndt
Jan Steyer: Wir haben ein klares Votum der Studierendenschaft hinter uns. Entsprechend sehen wir uns auch gebunden daran und werden unsere Initiative auch weiterführen. Selbst wenn es im Senat eine Mehrheit geben sollte, die für die Beibehaltung des Namens ist. Das Thema kann nicht einfach weggeschoben werden, wir, die Studierenden, dürfen uns nicht einfach abbügeln lassen!
webMoritz: Was macht denn überhaupt einen guten Namenspatron aus?
Jan Steyer: Ein guter Namenspatron sollte eine Vorbildfunktion haben. Er sollte auch im Hier und Jetzt für die Studierenden und Lehrenden die Möglichkeit bieten, sich an ihm zu orientieren. Das ist bei Arndt nicht gegeben, der war Zeit seines Lebens rückwärts gewandt. Wir brauchen jemanden, der uns in die Zukunft blicken lässt.
Marco Wagner: Wir sind auch der Meinung, dass ein Namenspatron ein Vorbild sein muss. Aber es darf nicht in einer göttergleichen Götzenverehrung enden. Es gibt niemanden der generell nur Gutes geleistet hat.
webMoritz: Darf man denn bei der Beurteilung eines Menschen eine simple Plus-Minus-Rechnung aufmachen? Oder gibt es Dinge, die, wenn sie einmal in der Welt sind, so schwer wiegen, dass sie nicht wieder wettzumachen sind?
Marco Wagner: Die Frage ist, wie man mit solchen Sachen umgeht. Wir müssen die positiven Aspekte Arndts ehren, wie beispielsweise seinen Einsatz für die Abschaffung der Leibeigenschaft, dürfen aber die negativen Aspekte nicht vergessen. Wir müssen uns auch mit seinem Negativwerk auseinandersetzen und dieses auch als Mahnung sehen.
Jan Steyer: Wir haben mit unserer Internetseite ja versucht zu zeigen, was die positiven Aspekte Arndts sind. Die sind sehr gering und, was den wissenschaftlichen Bereich angeht, kaum da. Man muss aber den ganzen Arndt sehen. Man kann ihm nicht einfach drei Haare rausreißen und sagen: Guck mal, hier setzt sich Arndt für den deutschen Wald ein und das ist jetzt repräsentativ. Arndt hat Zeit seines Lebens gegen Frankreich und gegen die Juden gehetzt und das ist entscheidend.
webMoritz: Wie steht es eigentlich um die Außenwirkung des Namenspatrons? Schadet der Streit um Arndt der Universität, wenn es so viele negative Schlagzeilen gibt?
Marco Wagner: Nicht der Streit selber schadet, sondern dass immer auf dem Antisemitismus und dem Rassismus rumgeritten wird. Es gab jede Menge Leute im 19. Jahrhundert, die rassistisch gedacht haben und heute verehrt werden. Sollen wir jetzt aufhören Kant zu ehren? Die Einseitigkeit der Diskussion schadet der Außenwirkung am meisten.
webMoritz: Woran genau liegt denn die Einseitigkeit der Debatte?
Marco Wagner: Rassismus und Antisemitismus liefern einfach die besseren Schlagzeilen. Das zieht mehr, als wenn man den Leuten mit der Bauernbefreiung kommt.
webMoritz: Warum wird die Debatte so erbittert geführt und warum so sehr auf persönlichem Niveau?
Marco Wagner: Das hängt damit zusammen, dass viele mit der Art und Weise wie die letzte Vollversammlung abgelaufen ist, nicht einverstanden waren. Diese Leute schlussfolgern dann daraus, dass Uni-ohne-Arndt immer so vorgeht, wie damals. Und ich muss ihnen da teilweise recht geben. Ich habe oft den Eindruck dass Uni-ohne-Arndt sich nicht sehr intensiv mit dem Texten auseinandersetzen will.
webMoritz: Fehlt es der Pro-Arndt-AG an eigenen Argumenten, so dass sie sich jetzt auf die Schwächen der Gegner stürzen muss?
Marco Wagner: Nein, unsere AG tut das überhaupt nicht. Wir haben relativ viel vorgebracht, wie man auch auf unserer Homepage nachlesen kann. Da brauchen wir uns nicht auf unsere Gegner stürzen.
Jan Steyer: Ich finde man hat gerade bei der Veranstaltung im Debattierclub vor ein paar Wochen gesehen, wie sehr einige Leute einfach nur mal Dampf ablassen wollen. Man konnte an den Redebeiträgen sehr gut merken, wie viel angestaute Wut auch gegen Sebastian Jabbusch immer dabei ist. Wir haben versucht, im Nachhinein noch einmal auf die Redebeiträge des Abends auf unserer Homepage einzugehen. Denn es waren einige neue Aspekte dabei, an die noch keiner gedacht hat. Kritik ist immer berechtigt, aber sie sollte sachlich sein.
webMoritz: Warum hat sich Pro-Arndt eigentlich so spät gegründet? Ist sie die typische parteipolitische Reaktion, dass wenn von links ein guter Vorschlag kommt von mitte-rechts gegengesteuert wird?
Marco Wagner: Nein, unsere AG ist eine Folgeerscheinung der Vollversammlung. Wir haben vorher nicht gewusst, was da auf uns zukommt. Es gab nicht wenige, die die Art und Weise der Vollversammlung als gezielte Demagogie betrachteten. Aus dieser Konsequenz sagten wir uns dann, jetzt müssen wir wirklich was machen und gegensteuern. Schließlich sind in unserer AG nicht nur RCDS-Mitglieder.
Jan Steyer: Ich finde es ganz gut, dass es eine Pro-Arndt Gruppe gibt, auch wenn sie vom RCDS unterstützt ist. Denn so gibt es Leute, die sich vom rechtsextremen Rand abgrenzen, der ja auch Arndt für sich beansprucht. So belegen sie eine Position, die sonst das rechtsextreme Lager beansprucht hätte.
webMoritz: Gibt es schon Ideen seitens Uni-ohne-Arndt für einen neuen Namen?
Jan Steyer: Wir wollen den Namen abschaffen. Was dann passiert, muss in einem größeren Rahmen geschehen. Das würden wir auch nicht vorgeben wollen, da sind alle gefordert. Eine gute Möglichkeit wäre, eine Art Wettbewerb um einen neuen Namen zu veranstalten. Es ist aber müßig, sich über künftige Namenspatrone zu unterhalten, solange der alte noch nicht weg ist.
webMoritz: Wenn ihr in der jeweils anderen Initiative wäret, was würdet ihr besser machen?
Marco Wagner: Ich würde mehr die Pro-Argumentation miteinbeziehen. Außerdem würde ich mich weniger auf Professoren, als vielmehr auf Arndts Werke selber beziehen.
Jan Steyer: Wenn ich in der Pro-Arndt-AG wäre, würde ich die Abgrenzung gegenüber den extrem Rechten weiter ausbauen. Da ist Pro-Arndt bisher viel zu weich und ausweichend. Ich würde viel mehr betonen: wenn ihr für Arndt und seinen Antisemitismus seid, dann habt ihr mit uns nichts zu schaffen! Und ich würde dafür sorgen, dass die AG endlich mal loskommt vom RCDS. Ich würde die AG öffnen und aufhören, da eine hochschulpolitische Geschichte kurz vor der StuPa-Wahl draus zu machen.
webMoritz: Vielen Dank für das Gespräch.
Fotos:
Interview – Patrice Wangen
Startseite – Ullrich Kötter
- TITEL Ein Streitgespräch für und wider Arndt vom 26. Dezember 2009
- Arndt in der Evangelischen Studentengemeinde vom 7. Januar 2010
- Urabstimmung, Senat, StuPa: Stimmen zu den Wahlen vom 17. Januar 2010










http://www.sueddeutsche.de/,tt8m1/jobkarriere/313… Die Urabstimmung wird in der sueddeutschen thematisiert.
Man stelle sich mal vor, die Martin Luther Universität in Halle würde ihren Namen ablegen, weil Martin Luther als bekennender Christ heftigst gegen die islamischen Völker gehetzt hat. Trotzdem studieren, gemäß einer mir als sicher bekannten Quelle, jede Menge islamische Studenten in Halle. Genauso verhält es sich mit dem "Franzosenhass" von Arndt. Alle Welt lacht sich tot über uns, dass wir uns in ihrem Namen mit so albernen Fragen herumschlagen, obwohl sie sich gar nicht dafür interessieren und wegen der Wissenschaft und dem Ruf des guten Namens gerne herkommen. Sollte Peter Madjarov jetzt wieder mit seinen schockierten französischen Freunden kommen, muss ich sagen, dass einige Deutsche auch zurecht schockiert über französische Revolutionäre oder "Reformer" sind und diese weiterhin, unbeachtet dessen in Frankreich vereehrt werden.
Ja – auch Luther (mehr) und Goethe (sehr wenig) haben hier und da gegen die Juden gewettert. Dies ist aber nicht mit den 40 Jahren aktiver Verbreitung von Rassen- und Volkshass und Antisemitismus von Arndt vergleichbar. Außerdem: Die Vorurteile von Goethe und Luther beruhten auf dem – ebenfalls verurteilungswürdigen – Antijudaismus. Arndt hingegen vertrat bereits den biologisch-begründeten Rassismus, auf dem die Nazis später ihre fanatische Ideologie aufbauen. Sein Volkshass gegen die Franzosen zieht sich durch fast alle Werke. Ein Vergleich mit Goethe ist unangemessen! Gerade Goethe fiel wie die gesamte Weimarer Klassik dadurch auf, dass sie sich für die Gleichheit aller Menschen eingesetzt hat.
Luther & Goethe stehen zudem für ein großartiges Lebenswerk. Arndts Hauptwerk waren eben seine politischen Schriften. Genau dort aber finden wir all den Fremdenhass, den Antisemitismus und Rassismus. Genau für diese “politischen” Schriften wurde Arndt ja durch die Nazis geehrt. Während bei Luther und Goethe sich der Antisemitismus nur vereinzelt und am Rande findet, steht Arndts Fremdenhass im Zentrum seines Werkes. Es ist ihr Kern.
Wenn Dich unsere Worte nicht überzeugen, möchten wir Professor Dr. Thomas Stamm-Kuhlmann (Professor für Neuere Geschichte an der Universität Greifswald) zitieren. Er schrieb anno 2001 in Bezug auf die Diskussion mit Arndt:
“Man hat gesagt, Judenfeindschaft sei ein bedauerlicher Zug, der aber auch bei anderen vorkomme, Martin Luther zum Beispiel. Man stelle sich nun vor, man könnte von Luther den Judenhass und den Hexenglauben abziehen: Dann bliebe immer noch die Reformation, die auch von Nichtprotestanten als ein Meilenstein auf dem Weg zur Gewissensfreiheit gesehen werden kann. Was aber bleibt von Arndt, wenn wir den integralen Nationalismus abziehen? Es bleiben Märchen, Kirchenlieder und eine Schrift gegen die Leibeigenschaft, die einen keineswegs originellen Teil des allgemeinen europäischen Diskurses über die Agrarreform darstellt. Würde das irgendjemanden zu einer Namensgebung einer Universität veranlassen [...]?”
siehe auch: http://www.uni-ohne-arndt.de/uniohnearndt/pro-arn…
RABULISTIK- geh bloss niemals auf Argumente wie von Buerger ein… spule immer schön die Kopiervorlagen ab… hätte nicht ein einziger Link als Antwort gereicht..?
Gegenfrage: Hättest Du den gelesen?
Ich empfehle zudem, den Begriff "Rabulistik" mal in einem Wörterbuch nachzuschlagen, bevor er hier falsch benutzt wird.
Wenn sich alle Welt darüber tot lacht, frage ich mich, wieso es das Thema auf die Titelseite der Süddeutschen schafft – hmm….
War es wirklich auf der Titelseite..? Das Jabbusch´se Team
Und bevor sich einer aufregt der den Artikel nicht gelesen hat…
"Die Studenten werden entscheiden. Zwar ist der Senat, dem eine Umbenennung obliegt, nicht an die Urabstimmung gebunden, könnte aber ein eindeutiges Votum kaum ignorieren. 60 Prozent hat sich Jabbuschs Team als Ziel gesetzt."
kleiner Auszug
60% + an Zustimmung bei einer Wahlbeteiligung von 20% +. Das ist und war immer das Ziel der Initiative Uni ohne Arndt.
Was hast Du daran auszusetzen bzw. nicht verstanden?
Wenn ich schon direkt angesprochen werde, muss ich mich auch zu Wort melden:
Es geht nicht darum, ob es größere Probleme gibt, ob es anderen Unis auch Probleme gibt, ob die Franzosen in der Vergangenheit schlimmer waren als die Deutschen.
Es geht um die Frage: Taugt Ernst Moritz Arndt im Jahre 2010 als Vorbild für eine ganze Universität?
Es geht um Sensibilität gegenüber eigenem Verhalten. Das ist genau die Sensibiltät, die der RCDS vor kurzem mit einer deutschlandweiten Aktion eingefordert hat gegenüber der Verehrung von Che Guevara. Damals argumentierte der RCDS so: Auch wenn er gutes getan hat (Bekämpfung eines faschistischen Diktators) ist in seinem Lebenslauf so viel schlechtes zu finden (Kriegsverbrechen etc.), dass er nicht zur Verehrung auf Millionen T-Shirts und Plakaten taugt.
Ich will jetzt keine Debatte über Che Guevara anfangen, aber zeigen, dass Sensibilität gegenüber dem, dessen Namen oder Bild man trägt, keineswegs linkes Gutmenschentum ist.
Und das gilt insbesondere für den Antisemitismus. Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle hat bei seinem Antrittsbesuch in Yad Vashem geschrieben: "Die Verantwortung bleibt". Antisemitismus ist eben nicht irgendwas, bei dem man mal ein Auge zudrücken kann.
Mich würde interessieren, wie die UoA-Gruppe sich verhält, wenn eine Mehrheit bei der Urabstimmung für Arndt ist? Wird dann trotzdem weitergekämpft? Auf ein Votum des Senates wird ja anscheinend weniger Rücksicht genommen wenn ich dies hier lese:
Jan Steyer: Wir haben ein klares Votum der Studierendenschaft hinter uns. Entsprechend sehen wir uns auch gebunden daran und werden unsere Initiative auch weiterführen. Selbst wenn es im Senat eine Mehrheit geben sollte, die für die Beibehaltung des Namens ist. Das Thema kann nicht einfach weggeschoben werden, wir, die Studierenden, dürfen uns nicht einfach abbügeln lassen!
Wenn das Thema einfach weggeschoben wwerden sollte, so könnte ich diese Aussage tragen, aber wenn eine Entscheidung gegen Arndt aufgrund der Urabstimmung oder eines demokratischen Willensfindungsprozesses getroffen wird, dann nicht. Es sieht für mich jedenfalls so aus, als würde dann solange abgestimmt oder Politik gemacht, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wird. Könntet ihr mir das nochmal erklären?
Da die Urabstimmung lediglich ein Meinungsbild darstellt und die tatsächliche Entscheidung über die Namensablegung später im Jahr getroffen wird, ist es das gute Recht der UoA´ler ihre Initiative wie angekündigt weiter zu betreiben, sollten ihre angestrebten Ziele (20% Wahlbeteiligung und 60% Ablehnung) nicht erreicht werden. Ich bin allerdings gespannt, ob sich im Falle eines "Scheiterns" (Nichterreichens der Ziele) selbstkritisch mit den eigenen Methoden,der Propaganda und eventuell auch mit dem in der Öffentlichkeit stehenden Personal auseinander gesetzt wird. Denn seien wir mal ehrlich: Die ganze UoA-Kampagne war "sehr Jabbusch". Es gibt mit Sicherheit genügend Leute, die auf Grund persönlicher Aversionen gegen ihn auch gegen die Namensablehnung stimmen werden. Möglicherweise auch dann, wenn ihre eigene Position zu Arndt garnicht so klar entschieden ist.
Aber das ist noch Zukunftsmusik – ich bin auf das Ergebnis der Wahl gespannt.
PS: 20%+ Wahlbeteiligung wär prima.
Wie schon gesagt: Die Initiative Uni ohne Arndt wird nur dann weiter machen, wenn wir auch weiterhin das Mandat und die Interessen der gesamten Studierendenschaft vertreten.
Bisher stehen die Vollversammlungen 2007, 2008 und zuletzt 2009 mit über 1200 Studenten hinter uns.
Die Kampagne war keinesfalls "sehr Jabbusch", auch wenn ich hier in den Kommentaren im Gegensatz zu Euch mit meinem echten Namen schreibe. Denn auch wenn wir die Namen ändern wird gegen die Menschen gehetzt. Egal ob Jan Steyer, Martin Schubert, Prof. Buchholz oder Prof. Stamm-Kuhlmann oder eben meine Wenigkeit. Allesamt werden hier persönlich fertig gemacht oder angegriffen. Als "Bolschewisten" / "Linksextreme" / "Vaterlandsverräter" / "Polemiker" / "Westprofessoren" / "Zugereiste" oder ähnliches bezeichnet.
Die Professoren der Debatte 2001 wussten ähnliche persönliche Angriffe zu berichten.
Ich möchte aber die Frage stellen: Was passiert wenn die Pro-Arndt AG verliert? Wird sich der RCDS dann die Frage stellen, ob er sich stärker von der rechtsextremen Szene hätte distanzieren sollen? Wird dann die Frage gestellt, ob es klug war Arndts Antisemitismus und Rassismus zu verharmlosen? Und stellt man sich der Frage, ob die Personalisierung der Debatte ausschließlich auf die Verleumdung der Person "Sebastian Jabbusch" erfolgreich war? …
Ich bin gespannt. Eine Wahlbeteiligung von 20 % + X und eine Befürwortung der Namensablegung von 60 % + X wären prima.
@Sebastian: Wie bereits oben gesagt, bezog sich mein Kommentar über Luther nur auf seinen "Ruf" in den islamischen Ländern, der auch viele islamische Studenten nicht davon abhält dort zu studieren und der sie auch nicht interessiert. Ich glaube nicht dass die Martin Luther Univertsität Probleme hat sich im Ausland zu präsentieren. Gleiches gilt für Arndt und seine Ablehnung gegen die französische Fremdherrschaft und das imperialistische Streben Frankreichs zu der Zeit.
Zur Urabstimmung: die Arndt AG wird, unabhängig vom Ergebnis der Urabstimmung, keine erneuten Abstimmungen o.ä. von den Studenten verlangen. Eine Abgrenzung von der rechtsextremen Szene hat schon immer stattgefunden und wird auch danach nicht aufhören. Extremismus in jeder Form hat an einer Universität nichts zu suchen. In diesem ganzen Diskurs ging es immer nur darum eine faire Debatte und Entscheidung bei der Urabstimmung zu ermöglichen indem die zuvor absolut einseitige Debatte erweitert wurde. Wenn sich die AG, wie du sagst und ich kann dir versichern das wird nicht passieren, nicht an das Ergebnis halten sollte (auch ein Ergebnis von euch von annähernd oder deutlich unter 60% würde zeigen, dass ihr die Studierendenschaft nicht mehr voll hinter euch habt) wäre sie wirklich so undemokratisch wie du sagst. Deshalb: Nach der Urabstimmung wird es, wenn es nach der AG geht keinen Bedarf geben für die Studenten, neu zu entscheiden. Und nochmals: In der AG sind ausschließlich Studenten, die einen freiheitlichen Staat, und einen solchen streben weder "Linksextremisten" noch "Rechtsextremisten" an, bevorzugen (mir ist bewusst, dass links und rechts als Unterscheidungsmerkmal größtenteils veraltet ist, deshalb die Anführungszeichen), warum sollte es also keine weitere Abgrenzung zu diesen Kreisen geben? Das musst du mir erklären Sebastian.
"Eine Abgrenzung von der rechtsextremen Szene hat schon immer stattgefunden und wird auch danach nicht aufhören." – Komisch, daß dann Thorben Vierkant (Sprecher der Pro-Arndt AG und RCDS-Vorsitzender in Greifswald) in der Dezemberausgabe des rechtsextremen Monatsmagazins "Zuerst!" (ehemals "Nation und Europa") mit Bild und Kurzstatement auftaucht. Offenbar scheint hier zwar in Worten eine klare Distanzierung von der rechtsextremen Szene vorzuliegen, aber in Taten nicht viel zu folgen.
Die "Zuerst!"-Ausgabe kennt ihr ja selber in der AG, und ich denke, da haben etliche von euch Thorben entsprechend zur Rede gestellt, aber es gibt doch echt zu denken, wie locker-flockig mit Journalisten eines offen rechtsextremen Magazin (die machen ja keinen Hehl aus ihrer Position*) gesprochen wird, wo dann Thorben auch noch mit Foto im vierseitigen Artikel erscheint.
Die Uni ohne Arndt Initiative erscheint mit ihren Positionen z.B. in Spiegel online und der Süddeutschen Zeitung, während der Sprecher der Pro-Arndt AG einem bekannten Schreiberling (Günter D. Franke) aus der "Junge Freiheit" einen O-Ton für das Magazin "Zuerst!" gibt. – Und letzteres finde ich, wie wahrscheinlich Du auch, wirklich nicht in Ordnung.
Andreas Speit in der taz zu "Zuerst!": http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/aus-de…
* "Zuerst!"-Herausgeber Günther Deschner schreibt ja selbst: "ZUERST! wird an dieser Entartung unseres politischen Systems und der Entmündigung des Volkes politischer Souverän nicht mitwirken, sich dem Konformitätsdruck des Meinungskartells nicht unterordnen und unabhängige Stimme eines unabhängigen Journalismus sein."
In der aktuellen Ausage finden sich neben dem vierseitigen Artikel über die Uni-Umbenennung u.a. folgende Artikel (und die Texte beinhalten auch das, was als Titel draufsteht, hab das Blättchen selbst vorliegend):
"Wie türkische Lobbygruppen in Deutschland mit Steuergeldern gegen die Bevölkerung agieren" oder "Los von Rom. Noch immer – seit nunmehr 90 Jahren – steht -Süd-Tirol unter italienischer Herrschaft. Bei einem Festumzug in Innsbruck machten die Teilnehmer ihrem Unmut darüber Luft." Am "besten" immer noch der persönliche Haßfeldzug von Manuel Ochsenreiter gegen die Amadeu-Antonio-Stiftung ("Das ZDF als Propagandist linksradikaler
Verschwörungstheorien").
Hallo Jan,
ich möchte an dieser Stelle ganz klar sagen, dass ich niemals einem Zuerst-Reporter wissentlich ein Interview gegeben habe. Die Abgrenzung zur rechten Szene habe ich bewusst betrieben und werde dies auch weiter tun. Wenn dort wirklich O-Ton und Foto von mir aufgetaucht sein sollten (wie gesagt: ich kenne die Zeitung nicht und weiß daher auch nicht um den Hintergrund deiner Anschuldigungen bzw. um den betreffenden Artikel), kann es sich nur um Zusammenschnitte aus anderen Interviews handeln oder um ein, unter Angabe des falschen Zwecks besorgtes Interview. Ich habe in meiner ganzen Zeit Interviews nur an einen Redakteur von der ddp (die auch einen Artikel veröffentlicht hat), an den NDR (jenes dürfte dir ja bekannt sein) und an einen freien Journalisten, der behauptete für den Spiegel oder den Stern ein allgemeines Meinungsbild der Studenten erforschen zu wollen. Ausdrücklich verwahre ich mich dagegen, dass die rechte Szene mich für sich instrumentalisiert. Ich habe Arndt als Bildnis für ausländerfeindliche und undemokratische Menschen zu keinem Zeitpunkt unterstützt und erkläre auch nochmal nachdrücklich, mich nicht mit diesen Menschen zu identifizieren. Jenes besagte Interview wurde entweder zusammengeschnitten oder ohne mein Wissen um den Hintergrund geführt (wobei dort zur rechtsextremen Instrumentalisierung auch ein Zusammenschneiden notwendig gewesen sein dürfte).
Ich distanziere mich von der "Zuerst" (?) und würde mich freuen, wenn du mir für den Fall dass es wirklich so sein sollte, die Quelle zeigen könntest. Das schockiert mich nun doch gerade sehr.
Noch eine Richtigstellung am Ende: Ich bin nicht Vorsitzender des RCDS Greifswald sondern nur Beisitzer.
Mit freundlichen Grüßen
Thorben Vierkant
Danke für das klare Statement! Um so erschreckender, daß dieses Magazin ohne Dein Einverständnis derartiges veröffentlicht. Den Artikel habe ich Dir als pdf-Scan an die Adresse der Arndt AG geschickt, damit Du Dir selbst ein Bild davon machen kannst.
Wahrscheinlich war es jener Herr Franke, der Dir gegenüber "behauptete für den Spiegel oder den Stern ein allgemeines Meinungsbild der Studenten erforschen zu wollen". Das ist ja eine alte Strategie aus dem Hause der "Junge Freiheit" (Franke kommt ja aus dem JF-Stall.)
Noch kurz als Anmerkung, weil ich jetzt von mehreren Leuten per E-Mail angefragt wurde: Ich war tatsächlich davon ausgegangen, daß Thorben von der Veröffentlichung wußte, zumal er ja mit Foto und O-Ton in dem Magazin auftaucht.
Daß das rechtsextreme Magazin, das offenbar unter Verschleierung ihres Hintergrundes von dem "Journalisten" durchgeführt wurde, Thorben nicht einmal über die Veröffentlichung informiert hat, ist schon ein starkes Stück und würde ich mir persönlich an Thorbens Stelle auch nicht einfach so gefallen lassen. Die Pro Arndt AG sollte sich ggf. auch überlegen, ob sie nicht auch noch eine eigene Stellungnahme gegen diesen Artikel veröffentlicht, damit auch Außenstehenden klar wird, daß die AG mit solchen Blättchen explizit nichts zu tun haben will.
(test)
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