Gegner übergeben Unterschriften/ Befürworter formieren sich

Einige Wochen war es etwas ruhiger geworden rund um den Namenspatron der Greifswalder Universität. Bundestagswahlkampf und Semesterferien hatten die Aktivitäten ein Stück weit gebremst. Nun, püntlich zum Semesterstart kommt es zu neuen Entwicklungen.

rcds-255x88-rcds_seiteWas als Gerücht schon länger im Umlauf war, nimmt nun konkrete Formen an: Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) lädt in einer Pressemitteilung zu einem überparteilichen Treffen der Umbenennungs-Gegner. Der erste Termin ist bereits am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Café Caspar (Fischstraße 11). Auf der Vollversammlung im Juni war Ivo Sieder, Vorsitzender des RCDS unter den wenigen die sich offen für den Namenspatron aussprachen.Laut Pressemitteilung sei das Ziel dieser Initiative „die Debatte um Arndt vielseitiger zu gestalten und eine Gegenposition zu „Uni-ohne-Arndt“ zu entwickeln, die umfassender ist, als das einige wenige Studenten schaffen könnten.“ Zudem schreibt man von einer Schweigenden Mehrheit der Studenten die gegen eine Umbenennung sei.

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Thorben Vierkant

Thorben Vierkant, Jura-Student und Beisitzer im Greifswalder RCDS-Vorstand, erklärte:

Besonders freuen würde es uns, wenn auch Studenten, die sonst kein Interesse an der Hochschulpolitik an sich haben, erscheinen würden und sich dafür einsetzen, dass der berühmte Patron weiterhin unserer Universität erhalten bleibt. Personen aus dem rechtsextremen Spektrum sind unerwünscht. Wir wollen sachlich eine gute Gegenargumentation durch eine Vielzahl von Blickwinkeln erreichen. Das geht nur, wenn das Niveau sachlich bleibt.

Bei der bereits seit einigen Monaten aktiven Initiative Uni ohne Arndt begrüßt man den Impuls des RCDS. Sebastian Jabbusch, Sprecher der Gruppe, erklärte gegenüber dem webMoritz: „Wir freuen uns auf eine spannende Auseinandersetzung und auf weitere engagierte Studenten die sich mit dem Thema beschäftigen. Wenn dort die seriösen Argumente für Arndt gesammelt und präsentiert werden, wird das die Debatte sicherlich befruchten.“

Parallel dazu hat am Mittwochmittag die Initiative „Uni ohne Arndt“ einen wichtigen Schritt hin zu einer Urabstimmung über den Namenspatron unter den Greifswalder Studenten getan. Knapp 1400 Unterschriften von Greifswalder Studenten wurden heute dem StuPa-Präsidenten Korbinian Geiger (RCDS) übergeben. Notwendig für eine Urabstimmung sind die Unterschriften von zehn Prozent der Studierendenschaft, also etwa 1250.

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Mitglieder der Initiative "Uni ohne Arndt" übergeben die Unterschriftenliste an StuPa Präsident Korbinian Geiger (r.)

Korbinian Geiger erklärte, er nehme die Aktion „genauso ernst wie jeder der Unterzeichner der Petition“. Weiterhin erläuterte er, dass nun anhand von Stichproben die Echtheit der Unterschriften überprüft werden müsse, anschließend würde im Studierendenparlament über einen Termin für die Abstimmung verhandelt werden. Wahrscheinlich sei eine Zusammenlegung mit den StuPa-Wahlen im Januar.

Die Initiative rechnet selbst allerdings nicht damit, dass die Urabstimmung bindende Kraft für die studentischen Gremien haben wird. Dazu wäre die Teilnahme der Hälfte aller Studenten notwendig. In ihrer Pressemitteilung heißt es, man hoffe, „dass sich mindestens 20 Prozent der Studenten an der Urabstimmung beteiligen und sich mindestens 60 Prozent für die Umbenennung aussprechen.“

Bilder:

Logo RCDS, Foto Thorben Vierkant – RCDS Greifswald

Foto Unterschriftenübergabe – Carsten Schönebeck

„Inglourious Basterds“ – Brutal und charmant zugleich

70 Jahre nach Beginn des zweiten Weltkriegs lockte Quentin Tarantino mit einem Film der die NS-Zeit thematisiert, zahlreiche Besucher in die weltweiten Lichtspielhäuser. In den Medien wurde „Inglourious Basterds“ als Film des Jahres gehandelt. Schon der Trailer versprach Action und Humor in typischer Tarantino-Manier.

Während sich allerdings in den letzten Jahren Filme über die Nazizeit meist mit realen Personen und Ereignissen beschäftigten, nutzt Tarantino lediglich die  historische Kulisse um darin eine größtenteils frei erfundene Geschichte zu erzählen. Folgerichtig heißt eines der fünf Kapitel des Films auch „Operation Kino“.

Sadismus soweit das Auge reicht

Der SS-Offizier Hans Landa (Christoph Walz) hat den Auftrag im besetzten Frankreich untergetauchte jüdische Familien aufzuspüren und zu töten. Mit grausamer Scharfsinnigkeit und unmenschlichem Sadismus geht er dieser Tätigkeit nach.

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Aldo Raine (Brad Pitt) stellt sein Einsatzkommando zusammen

In den vereinigten Staaten formieren sich derweil die titelgebenden „Basterds“ um den US-Leutnant Aldo Raine (Brad Pitt). Ihr Ziel ist es in Frankreich brutale Vergeltung an den Nazis zu üben. In der Premiere eines Propagandafilms um den deutschen Kreigshelden Frederick Zoller (Daniel Brühl) in Paris sieht die Spezialeinheit ihre Chance einen Großteil der NS-Führung auszuschalten. Gleichzeitig plant jedoch auch die jüdische Kinobesitzerin ein Attentat während der Vorstellung. Sie konnte einige Jahre zuvor dem „Judenjäger“ Landa entkommen. Dieser ist nun für die Sicherheit bei der Premiere zuständig.

Jedes der fünf Kapitel des Films steht in gewisser Weise für sich allein, sie wirken wie kleine Szenarien, bzw. Geschichten ohne fließende Übergänge, trotzdem erzählen sie eine fortlaufende Geschichte. Vor allem durch die zur Schau gestellte Brutalität der ist keiner der Charaktere dabei Sympathieträger oder Identifikationsfigur.

Kino im Kino

Besonders herausragend ist die Rolle des Hans Landa, großartig gespielt vom Österreicher Christoph Walz. Er ist hinterlistig, scharfsinnig, zynisch und hoch intelligent. Die Figur wird nie als Karikatur dargestellt, im Gegensatz beispielsweise zu Hitler oder Goebbels, die in Nebenrollen zu sehen sind. Allerdings wird später auch klar, dass Hans Landa kein überzeugter Nazi ist, sondern die Judenjagd eher zum Ausleben seines Sadismus‘ und seiner Mordphantasien nutzt.

Brad Pitt als Lt. Aldo Raine sticht zwar nicht so hervor wie Christoph Walz, allerdings gefällt Pitt als älterer „Nicht-Schönling“ sehr gut. Die Pitt und die anderen „Basterds“ haben, tarantinotypisch, trotz ihrer dargestellten Brutalität auch Witz und Charme

Eine weitere sehr gute Figur wird von Mélanie Laurent gespielt, die der Shosanna Dreyfus. Sie ist die schöne, jüdische Kinobesitzerin, die sich nach nichts als Rache an Nazis sehnt. Sie wirkt kaltblütig, aber nicht gefühllos.

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Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) mit Wehrmachtssoldaten

Die schwächste Leistung gibt Diane Kruger in ihrer Rolle als deutsche Kontaktperson der amerikanischen Spezialeinheit ab. Sie wirkt immer ein wenig farblos und erweckt den Eindruck Kruger spiele mit wenig Leidenschaft.

Besonders Spaß beim Zuschauen machen die teilweise unerwartet auftauchenden deutschen Schauspieler wie zum Beispiel Till Schweiger und Gedeon Burkhard als „Basterd“, Bela B. als Platzanweiser oder Volker „Zack“ Michalowski als deutscher Soldat. Damit überrascht Tarantino wohl vor allem das deutsche Publikum.

Wie erwähnt bietet die Handlung trotz der historischen Anspielungen, bzw. des geschichtlichen Hintergrundes keinen größeren Wahrheitsgehalt. Durch den Tod Hitlers, welcher somit das Ende des zweiten Weltkrieges darstellt, ist eindeutig, dass Tarantino keine Nacherzählung der echten Geschichte wollte. Vielmehr nutzt er die Geschehnisse für einen Actionfilm, der vor allem auch die Rolle des Kinos, insbesondere in der NS-Zeit widerspiegelt. Denn im Film endet die Grausamkeit der Nazis in einem Lichtspielhaus.

Die doch sehr verstrickte Geschichte führt aber auch ein paar logische Fehler mit sich. So gehen zwischenzeitlich einige der „Basterds“ aus der Handlung verloren. Auch andere Kleinigkeiten werfen Fragen aus, sind aber unwichtig für die Gesamtwirkung des Films. Denn obwohl der Film stolze 2 ½ Stunden geht, wirkt er nie langatmig oder übertrieben breit gezogen. Jede Szene des Films ist wichtig für die Fortführung des Inhalts.

Tarantino lässt wie in fast jedem seiner Filme eine Menge Patronen platzen, Blut fließen und Feuerbälle hochgehen. Seine Vorliebe für brutale Szenen sind bekannt aus Filmen wie „Pulp Fiction“ oder „Deathproof“. Vor allem die Schlüsselszene im Kino mag für den ein oder anderen sehr bedrückend sein.

Untermalt werden solche Szenen durch großartige Musik. Es lohnt sich auf jeden Fall den Soundtrack anzuhören, auch wenn man kein Fan des Films ist.

Fazit – Nichts für schwache Nerven

Wer schwache Nerven hat sollte sich überlegen ob er „Inglourious Basterds“ wirklich sehen will. Aber die Darsteller sind bis auf kleine Ausnahmen großartig und auch der typische, scharfsinnige und zielsichere Humor des Regisseurs macht großen Spaß und ist auf jeden Fall sehenswert.

Für jeden Tarantino- und Actionfan ist der Film ein Muss.

Bilder:

Deutsche Homepage des Films/ The Weinstein Company

Wahlergebnisse: Bund – Wahlkreis – Greifswald

Ein spannender Wahlabend war von vielen Seiten versprochen worden. Als um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme liefen, war jedoch sehr schnell klar, wer an diesem Abend jubeln und wer in Trauer verfallen würde.

Stärkste Fraktion im neuen Bundestag ist, trotz leichter Verluste,  wie erwartete die CDU/CSU mit 33,8 Prozent. Über Zugewinne freute man sich bei der FDP, den Linken und den Grünen – dramatische Verluste gab es bei der SPD. Prognosen in den letzten Tagen vor der Wahl hatten Hoffnungen bei den Sozialdemokraten genährt, man könne noch in die Nähe der 30 Prozent kommen, gereicht hat es gerade mal für gut 23 Prozent.

Die rechtsextrem Parteien NPD, DVU und Republikaner haben bundesweit knapp zwei Prozentpunkte bekommen. Beachtlich immerhin die Piratenpartei, die unter den sonstigen Parteien mit zwei Prozent der Zweitstimmen „stärkste Kraft“ wude, die Fünf-Prozent-Hürde aber dennoch weit verfehlte. Die Wahlbeteiligung lag mit 70,8 Prozent deutlich unter der Beteiligung 2005.

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Die Verteilung der Zweitstimmen bei der Wahl zum 17. Deutschen Bundestag

Die einzige wirklich beworbene Koalition – aus CDU und FDP – hat sich am Sonntag an den Wahlurnen durchsetzen können. Vor allem die FDP hatte allen Grund zum Jubeln und erreichte mit 14,6 % der Zweitstimmen ihr bisher bestes Ergebnis. Trotz leichter Stimmverluste konnte die CDU/CSU die Anzahl ihrer Mandate im Bundestag vergrößern – durch den Gewinn von 24 der umstrittenen Überhangmandate. Das Bundesverfassungsgericht hatte die derzeit geltende Regelung für verfassungswidrig erklärt, für die Änderung aber eine Frist bis 2011 eingeräumt. Eine  Mandatsmehrheit für die so genannte „bürgerliche Koalition“ würde aber auch ohne die zusätzlichen Mandate zustande kommen. (mehr …)

Interviews zur Bundestagswahl (6): Jürgen van Raemdonck, Willi-Weise-Projekt

Am 27. September wählt die Republik einen neuen Bundestag. Der webMoritz interviewte die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 16 (Greifswald – Demmin – Ostvorpommern) per E-Mail. Heute: Jürgen van Raemdonck (Willi-Weise-Projekt).

webMoritz: Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Jürgen van Raemdonck: Die klassische Musik, vor allem W.A. Mozart; auch Unzufriedenheit mit der heutigen Situation.

webMoritz: Im Bundestag gibt es direkt gewählte Kandidaten und Kandidaten, die über Listen einziehen. Macht das abgesehen von gewissen Repräsentationspflichten im Wahlkreis irgendwelche Unterschiede?

raemdonck-300x200Jürgen van Raemdonck: Ja große! Es ist eine Demokratiefrage.

webMoritz: Wo sehen Sie Möglichkeiten, sich besonders für Ihren Wahlkreis einzusetzen?

Jürgen van Raemdonck: Meine Präsenz für die Wähler, Ihre Fragen und Sorgen! Konkrete Maßnahmen hängen an der Mehrheit! Als der, der mahnt!

webMoritz: Wie sieht ihr Wahlkampf aus?

Jürgen van Raemdonck: Wesentlich im Internet! Akut vor Ort nahezu unmöglich, von Podien z.B. werden Freie Kandidaten durch Nicht-Information ausgeschlossen.

webMoritz: Wer unterstützt Sie im Wahlkampf? (Haben Sie ein Wahlkampf-Team und wie sieht es aus?) (mehr …)

Interviews zur Bundestagswahl (5): Matthias Lietz, CDU

Am 27. September wählt die Republik einen neuen Bundestag. Der webMoritz interviewte die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis 16 (Greifswald – Demmin – Ostvorpommern) per E-Mail. Heute: Matthias Lietz (CDU).

webMoritz: Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Matthias Lietz: Zur Politik bin ich über die Jugendarbeit in der Kirche gekommen. Zu DDR-Zeiten wurde dort Oppositionsarbeit geleistet. Hier wurde mein Interesse für Politik geweckt. Nach 1989 engagierte ich mich in der Gemeinde und kam über die Kommunalarbeit zur Politik.

webMoritz: Im Bundestag gibt es direkt gewählte Kandidaten und Kandidaten, die über Listen einziehen. Macht das abgesehen von gewissen Repräsentationspflichten im Wahlkreis irgendwelche Unterschiede?

lietz-300x200Matthias Lietz: Nein, es gibt keine nennenswerten Unterschiede zwischen Abgeordneten, die direkt oder über Liste eingezogen sind. Die Legitimation, den Wahlkreis zu vertreten, ist für einen direkt gewählten Abgeordneten natürlich größer.

webMoritz: Wo sehen Sie Möglichkeiten, sich besonders für Ihren Wahlkreis einzusetzen?

Matthias Lietz: Die Stärkung des Mittelstandes und der sozialen Marktwirtschaft ist für unseren Wahlkreis sehr wichtig. Ich möchte Unternehmensgründungen und Neuansiedlungen unterstützen, damit wettbewerbsfähige Arbeitsplätze geschaffen werden. Wir brauchen vor Ort eine über verschiedene Branchen breit aufgestellte Wirtschaft, um eine langfristige, positive wirtschaftliche Entwicklung zu sichern. So wird auch der soziale Frieden gestärkt.

Die Universität in Greifswald ist ein ganz wichtiges Element für die hiesige Bildung, Forschung und Entwicklung. Sie muss in ihren Belangen unterstützt werden, damit wir Teil einer Bildungsrepublik werden.

Ich möchte mich auch für die Stärkung unserer ländlichen Räume und unserer Tourismuswirtschaft einsetzen. So müssen wir unsere Infrastruktur weiter modernisieren und den Küsten-, Natur- und Umweltschutz gemeinsam mit allen Beteiligten fortentwickeln.

Eine Herausforderung – insbesondere für unsere Region – wird die zu erwartende demografische Entwicklung sein. Künftig wird der Zusammenhalt der Generationen noch wichtiger. Daher möchte ich neue Wohn-, Pflege- und Betreuungsformen wie Mehrgenerationenhäuser unterstützen.

webMoritz: Wie sieht ihr Wahlkampf aus?

Matthias Lietz: Der Wahlkampf setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Neben der bundespolitischen Themensetzung möchte ich den Wählerinnen und Wählern aufzeigen, wofür ich mich als Abgeordneter im Bundestag und vor Ort einsetzen will. Mit Informationsständen versuche ich viele Bürgerinnen und Bürger direkt anzusprechen. Auf gemeinsamen Veranstaltungen mit den anderen Kandidaten, z.B. Podiumsdiskussionen, nutze ich die Möglichkeit, meine politischen Positionen zu verdeutlichen.

Neben der Wahrnehmung solcher Termine ist natürlich die Wahlwerbung sehr wichtig. Plakate, Flyer und Anzeigen müssen gestaltet und sichtbar platziert werden, um wahrgenommen zu werden. Dazu wird der Online-Auftritt heute immer wichtiger. Meine Homepage sowie die Profile bei studiVZ und Facebook sollten aktuell sein. Dann kommen viele Anfragen von Bürgern und verschiedenen Organisationen, die sich für meine Haltung zu unterschiedlichen Themen interessieren. Diese Anfragen versuche ich immer persönlich zu beantworten.

webMoritz: Wer unterstützt Sie im Wahlkampf? (Haben Sie ein Wahlkampf-Team und wie sieht es aus?) (mehr …)