Von Vätern und Töchtern

Geschrieben von | Veröffentlicht am 20. Dezember 2007 um 18:54 Uhr

„Lea“ von Pascal Mercier

Zwei Männer begegnen sich zufällig in der Provence und beschließen, da sie den gleichen Rückweg haben, diesen gemeinsam zu fahren. Martijn van Vliet beginnt dabei sehr bald die Geschichte seiner Tochter Lea zu erzählen. Diese hat nach dem Tod der Mutter die Leidenschaft zum Geigenspiel entdeckt, wird immer erfolgreicher und verliert sich schließlich über die Liebe zur Musik in der Liebe zu einem Mann. Das talentierte Wunderkind scheitert an ihren Gefühlen. Van Vliet versucht vergeblich, seine Tochter wieder zum Spielen zu bringen, doch genau daran zerbricht sie endgültig, landet in einer psychatrischen Klinik und nimmt sich schließlich das Leben.

Während der endlosen Tage des Erzählens ist es für Van Vliet unverständlich wie der Psychologe seiner Tochter ihm vorwerfen konnte, nie an Lea gedacht zu haben. Die Geschichte ist die bloße Rechtfertigung eines Vaters, der zwar viel bereut, aber nicht versteht, was er wirklich falsch gemacht hat. Der Weg ins Verderben von Vater und Tochter wird von dem Zuhörer, Adrian Herzog, jedoch mit Bewunderung und Mitleid aufgenommen, was beide Männer fremd und fern jedes Einfühlungsvermögens erscheinen lässt. Der Leser wartet vergeblich auf die Einsicht wenigstens einer der beiden Väter, dass Van Vliet vielleicht mit seiner Tochter hätte sprechen sollen, anstatt ihr eine teure Geige zu schenken oder beleidigt zu sein. Die Verantwortung, die er nie zu übernehmen wusste, schiebt er auf Leas Talent ab.

All die Andeutungen und Hätte-ich-doch und Wäre-nur-nicht enervieren mehr, als dass sie Spannung aufbauen. Das triefende Selbstmitleid macht es von Anfang an schwer, kostbare Zeit an dieses Buch zu verschwenden. Die Selbstgerechtigkeit des gescheiterten Vaters ermüdet und dass sein Zuhörer und Begleiter sich dieser auch noch ohne Vorbehalte annimmt, lässt vermuten, dass Pascal Mercier das, was er schreibt, wirklich so meint. Mit viel gutem Willen könnte man dem Erfolgsautor unterstellen, eine Kommunikationsstörung darstellen zu wollen. Das Hätte-ich-gewusst hört auch am Ende des Buches nicht auf. Alles wurde schon so oft zu gewollt geheimnisvoll angedeutet, dass nichts mehr überraschend erscheint.Geschrieben von Alina Herbing

Erweiterte Öffnungszeiten

Geschrieben von | Veröffentlicht am 20. Dezember 2007 um 18:19 Uhr

Ausstellung Heinrich Böll – Leben und Werk

Vom 27. bis 29. Dezember wird die derzeitige Ausstellung zum Leben und Werk Heinrich Bölls vom Literaturzentrum Vorpommern und der Heinrich-Böll-Stiftung MV im Koeppenhaus auch in der Zeit von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet sein. Neben Exponaten wie beispielsweise von Bölls unzähligen Irlandaufenthalten, der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Heinrich Böll bis hin zu Gedichtmanuskripten geben Ausstellungstafeln Auskunft über Bölls Einsatz für die Menschenrechte sowie sein Engagement für verfolgte Schriftsteller in der Sowjetunion. Der Eintritt ist frei.

Orcawal, Pottwal, StuPa-Wahl

Geschrieben von | Veröffentlicht am 20. Dezember 2007 um 17:47 Uhr

Ein Aufruf von Lisa Steckel, Co-Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), zu den Gremienwahlen im Januar 2008

Es gibt ein Problem! Immer dramatischer wird der Zustand des „StuPa- Wahls“! Kaum zu fassen, dass sich nur eine geringe Zahl Menschen gefunden hat eben dieses Exemplar zu retten! Der StuPa-Wahl hat eine wichtige Position im hochschulpolitischen Haifischbecken.

Erst einmal ein paar kurze Eckdaten: Das StuPa“ (Studierendenparlament) hat 27 Mitglieder. Das StuPA wählt aus seiner Mitte das Präsidium (einen Präsidenten und zwei Stellvertreter). Das Parlament ist für die ca.11000 Studenten in Greifswald das hochschulpolitische Organ. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Förderung von studentischen Interessen und die Ernennung der AStA Referenten. Das StuPa stellt die höchste Ausprägung der studentischen Selbstverwaltung dar.

Der „StuPa-Wahl“ wird organisiert und betreut vom so genannten „Wahlleiter“, der ist dieses Jahr Dominik Dahl. Der Physiker bemüht sich nach Kräften das possierliche Tierchen zu nähren und ihm zum Erfolg zu verhelfen. Er hofft sehr, dass der „StuPa-Wahl“ erfolgreich wird und sich möglichst viele Leute um Ihn kümmern werden.

Bitte helft alle mit und kümmert euch um den „StuPa-Wahl“!

Dies könnt ihr vom 14. – 18. Januar machen! Geht Wählen! Achtet auf die Aushänge und setzt euer Kreuz im ?Wahl-Lokac“!

Eine geheimnisvolle Leidenschaft

Geschrieben von | Veröffentlicht am 17. Dezember 2007 um 12:34 Uhr

Ketil Bjørnstad ?Vindings Spiel?

Der Mann, der bereits Romanbiographien über berühmte Norweger wie Munch und Grieg verfasste, kann auch in seinem aktuellen Künstlerroman „Vindings Spiel“ biographische Einflüsse nicht verneinen; in diesem Fall seine eigenen. Wie die der Hauptfigur Aksel Vinding, der Ende der sechziger Jahre mit seiner Familie in einer der besseren Wohngegenden Oslos lebt, bestand auch Bjørnstads Jugend aus dem Klavierspiel. In Paris, London und Oslo wurde er zum klassischen Musiker ausgebildet und debütierte mit sechzehn Jahren. Miles Davis’ „In a Silent Way“ bekehrte Bjørnstad und er widmete sich ganz der Jazzmusik.
In a Silent Way – so beginnt auch die Geschichte von Aksel: ein Familienausflug am Sonntag, Picknick und Baden gehen. Eigentlich idyllisch. Doch schon auf den ersten Seiten des Romans klingt eine gewisse Düsternis an – die Familie ist längst innerlich zerrissen und Aksels Mutter als einzige verbindende Kraft ertrinkt an diesem Nachmittag. Die Leidenschaft für das Klavierspiel hat Aksel von seiner Mutter geerbt und nach ihrem Tod entscheidet sich der Fünfzehnjährige, die schulische Ausbildung aufzugeben und sich ganz der Musik zu widmen. Und dann ist da noch dieses Mädchen, das er immer an der Straßenbahnhaltestelle sieht: Anja Skoog, die so geheimnisvoll auf ihn wirkt und seine Leidenschaft für die Klassiker teilt.
Ketil Bjørnstad schrieb mit Vindings Spiel nicht nur einen Roman über einen aufstrebenden jungen Künstler, sondern auch ein Buch über das mühsame Erwachsenwerden und die Qualen der ersten sexuellen Gelüste. Kurze prägnante Sätze vermitteln dem Leser das Innenleben des sensiblen Jungen. Bjørnstads Art zu schreiben gleicht dem zweiten Satz von Ravels G-Dur-Konzert, wie Aksel ihn Anja im Buch erklärt: „Scheinbar offen, klingt immer, als sei sie heiter. Aber es ist die Heiterkeit des Clowns, denn unter dem Lachen liegt die Melancholie“. Diese Melancholie und Düsternis halten bis zum Schluss des Romans vor; Bjørnstad erzählt nicht, ob Aksel auch debütieren wird oder was das Leben sonst noch für ihn bereithält. Doch es war schön, ihn auf einem kleinen Stück davon begleiten zu dürfe

Geschrieben von Jennifer Seelig

Interview: „Notwendig mal Nein zu sagen“

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2007 um 18:50 Uhr

Ricarda Bouncken bekleidet als einzige Frau einen Lehrstuhl in den Greifswalder Wirtschaftswissenschaften. Mit moritz sprach die 38-Jährige über ihren Tagesablauf, Frauen in der Wissenschaft und welches Verhalten von Geschlechtsgenossinnen sie ablehnt.

moritz: Seit 2004 sind Sie die Lehrstuhlinhaberin für Innovationsökonomie. Was hat Sie als Hamburgerin und erfolgreiche Professorin nach Greifswald verschlagen? Warum ist die Stadt für Sie attraktiv?
Professorin Ricarda Bouncken: Das ist mehr dem Zufall als rationalen Entscheidungen zu verdanken. 2002 war ich schon einmal als Lehrstuhlvertretung für ein Semester in Greifswald. Danach bin ich jedoch einem Ruf nach Cottbus gefolgt. Als der Greifswalder Lehrstuhl dann ausgeschrieben wurde, bewarb ich mich, denn ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt. Greifswald gefällt mir als Stadt an sich, die Region, aber auch die Universität mit ihrer langen Geschichte und Tradition. Ein Vorteil ist, dass man hier sehr gut über Fakultätsgrenzen hinweg arbeiten kann, beispielsweise mit der Medizin. Außerdem sind die Greifswalder Studierenden sehr interessiert und engagiert, so dass auch die Vorlesungen Spaß machen.

moritz: Blicken Sie doch bitte auf die letzten drei Jahre zurück.
Bouncken: Ich bin generell ein sehr zielorientierter, geradliniger und in allen Dingen ein direkter Mensch. Greifswald bedeutete für mich natürlich viele neue Aufgaben und Herausforderungen. Eines hat sich dadurch nicht verändert: Die viele Arbeit blieb mir erhalten. Die Publikationstätigkeit sowie Vorträge auf internationalen Konferenzen habe ich mir immer erhalten und sogar vorangetrieben. In Greifswald beschäftige ich mich viel mit Drittmittelanträgen und versuche Geld an die Uni zu holen. Ich spreche viel mit  Unternehmern aus der Region und unterstütze sie.
Natürlich treten dadurch täglich mehr Menschen an mich heran, auch aus der Regierung, die wissen wollen, was ich mache und Ratschläge einholen. Sozusagen ein Ansturm unterschiedlicher Personen. So wird es auch notwendig mal Nein zu sagen. Bei interessanten Projekten ist das natürlich sehr schade. Das hat mein Leben der letzten Jahre sehr verändert. Ich wachse aber auch mit den zusätzlichen Aufgaben, lerne dazu und werde reifer. Mein Verantwortungsbereich wird größer und ich muss Entscheidungen mit hoher Tragweite treffen. Dabei versuche ich jedoch ständig mein Bestes zu geben, nach objektiven Kriterien und bestem Gewissen Lösungen zu finden.

moritz: Gibt es Phasen, in denen Sie denken, dass Sie den ganzen Stress Ihres beruflichen Alltags nicht mehr schaffen?
Bouncken: Es gibt Momente, in denen ich die Arbeit und den damit verbundenen Stress toll finde. Oft wird mir das Ganze auch zu viel, so dass ich mich frage, wozu das alles, was bleibt für mich noch übrig. Da ich immer Vollgas gebe und oft 14 Stunden am Tag arbeite, meldet sich dann auch der Körper und sagt, „es geht nicht mehr“ und  drückt die Pausetaste. Migräne oder Kreislaufprobleme sind Zeichen davon. Das  Umherfliegen, von einer Besprechung zur nächsten zu hetzen und kaum noch Zeit für sich zu haben, nervt dann. Oft frage ich mich, „wie verrückt bist du eigentlich, welcher Idiot macht so was eigentlich noch mit.“ Seit fünf Jahren habe ich keinen richtigen Urlaub mehr gemacht. Manchmal funktioniere ich nur noch wie eine Maschine, vor allem, wenn der Terminkalender überfüllt ist. Die Luft zum Atmen wird dann knapper und ein Burn-Out ist da gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

moritz: Können Sie Vergleiche bezüglich Ihrer hohen Arbeitszeit zu anderen, ja, männlichen Kollegen ziehen? Denken Sie, dass Frauen gegenüber Männern mehr leisten müssen?
Bouncken: Ja, das denke ich. Frauen haben auf allen Ebenen mehr Probleme als Männer. Als Studentin war ich noch zutiefst davon überzeugt, dass es Gerechtigkeit und die volle Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gibt. Nach dem Studium musste ich dann feststellen, dass das überhaupt nicht so ist. Ganz im Gegenteil:
Es wird für Frauen mit höher werdender Position immer schwieriger, sich durchzusetzen und von Männern akzeptiert und respektiert zu werden. Ich wusste damals, dass ich daran nichts ändern konnte, also habe ich, wie jede andere erfolgreiche Frau das auch tut, die Zähne zusammengebissen und gearbeitet bis zum Umfallen. Das mache ich heute noch so, denn der Kampf ist noch lange nicht zu Ende.

moritz: Nur 15 Pozent aller Professoren in Deutschland sind Frauen. Welche Schwierigkeiten haben Frauen in der männerdominierten Wissenschaftswelt?
Bouncken: Um in der Wissenschaft anerkannt zu sein, muss man sich als Frau durchsetzen. Dies gelang mir vor allem durch viel Engagement, Publikationen, Vorträge und Forschungspreise. Männer haben es da leichter. Auf Tagungen merkte ich oft, dass Männer früh Netzwerke aufbauen. Als Frau kommt man schlecht da rein. Das  liegt schon an den unterschiedlichen Sprach- und Verhaltensstilen der Geschlechter. Obwohl ich denke, dass ich mich dem männlichen Sprach- und Verhaltensstil schon sehr genähert habe.
Oft blieb ich auf mich allein gestellt, was das Arbeiten natürlich schwieriger gestaltete, vor allem hinsichtlich des Publikationsoutputs. Als Einzelkämpfer arbeite(te) ich also noch mehr. Zudem wollte ich eigentlich auch keine Förderung und erst recht kein Mitleid oder als „kleine Süße“ wahrgenommen werden. Ein großer Nachteil, den Frauen gegenüber Männer haben, ist deren geringe körperliche Präsenz. Akzeptiert zu werden, ist da wirklich nicht einfach. Im Laufe der Zeit wurde mir bewusst, dass man durch eine bessere Körpersprache, Gestik und ein anderes Auftreten mehr erreichen kann. Man muss bewusst die eigene Strahlkraft fördern. Insbesondere habe ich gezielt daran gearbeitet, meine Stimme zu senken. Dadurch zeigt man noch mehr Präsenz und baut Charisma auf. Männer verfügen im Gegensatz zu Frauen über solche Dinge naturgemäß stärker, während wir das eher lernen müssen.

moritz: Für Frauen, die den Schwerpunkt ihres Lebens auf den Beruf legen möchten, hört sich das sehr düster an. Was würden Sie Frauen empfehlen, die erfolgreich im Arbeitsalltag stehen möchten? Oder funktioniert auch eine erfolgreiche Verbindung von Karriere und Familie?
Bouncken: Da fragen Sie die Falsche. Also, ich persönlich würde alles nochmal ganz genauso machen. Ich habe mich von Anfang an bewusst für die Karriere entschieden.
Jedoch hätte ich lieber noch früher gelernt, wie man besser an seinem Auftreten arbeiten kann. Soft Skills, die dann Respekt erzeugen sind sehr wichtig. Man hat eigentlich keine andere Chance als viel und sehr diszipliniert zu arbeiten. Oder man wählt den anderen Weg und versucht mit Charme und Vitamin B ans Ziel zu kommen. Aber das ist nicht mein Ding. Gegenüber Frauen, die gezielt die Schwächen der Männer ausnutzen, empfinde ich nur eine hohe Abneigung und mache einen riesengroßen Bogen um sie herum.

moritz: Was unterscheidet Sie von anderen Frauen?
Bouncken: Das kann ich nicht genau sagen. Ich weiß, dass ich sehr ehrgeizig und diszipliniert bin. Mit sieben Jahren wusste ich schon, dass ich promovieren möchte. Meine gesetzten Ziele habe ich bis jetzt fast alle erreicht. Außerdem habe ich eine sehr gute physische Kondition. Ich kann bis 2 Uhr morgens arbeiten und um 9 Uhr wieder im Büro sein. Das stört mich nicht, denn das liegt wohl in meiner Natur. Seit über zehn Jahren mache ich das schon so. Aber privat muss man doch Opfer bringen.

moritz: Stellen Sie die hohen Ansprüche, die Sie an sich selbst stellen, auch an Ihre Mitmenschen, beispielsweise an Ihre Mitarbeiter?
Bouncken: Ja schon. Aber das habe ich in der letzten Zeit schon versucht stark zurück zu schrauben. Mittlerweile habe ich begriffen, dass Menschen über unterschiedliche körperliche Fähigkeiten verfügen. Einige können eben mehr und länger arbeiten als andere. Das ist kein Problem des Wollens, sondern des Könnens. Das muss ich akzeptieren. Ich habe mit meiner Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer wohl irgendwie Glück gehabt.

moritz: Können Sie als erfolgreiche Frau eher mit Frauen oder mit Männern umgehen?
Bouncken: Ich denke, dass ich Frauen schon bevorzuge, was mir wiederum auch Angst macht. Eigentlich versuche ich aber immer alle gleich zu behandeln. Bei meinen Mitarbeitern ist die Beziehung mit Frauen aus meiner Sicht irgendwie offener. Letztendlich ist  die Nähe einfach höher, vor allem wenn die Frauen taff und keine Häschen sind. Mein Freundeskreis ist stärker von Männern geprägt. Aber Freundinnen sind natürlich auch wichtig, besonders da man auch mal andere Themen zu besprechen hat, denn nur taff bin ich ja auch nicht.
Tendenziell versuche ich jedoch Frauen zu fördern. Vielleicht stelle ich dabei gleichzeitig höhere Anforderungen, da ich Angst habe, dass sie in die „Ich- bin- so-süß-Nummer “ abrutschen.
In Prüfungen bin ich natürlich objektiv und versuche neutral und gerecht zu bleiben. Bei Klausuren schaue ich zum Beispiel nie auf den Namen. Bewertungen hängen vom  Inhaltlichen und der Argumentation ab und nicht davon, wie sich jemand verkauft.
Dennoch bin ich über jede Frau froh, die studiert, sich durchsetzt, kämpft und was aus ihrem Leben macht. Aber letztendlich muss jeder selbst wissen, was er macht.

moritz: Im September haben Sie als Preisträgerin des Innovationswettbewerb „Wirtschaft trifft Wissenschaft“, neben vielen anderen Forschungsgeldern, eine Prämie von 488.000 Euro an die Uni geholt. Was macht Sie für die Alma Mater noch so unentbehrlich?
Bouncken: Ja, das stimmt, ich bin in der Lage doch irgendwie erfolgreich Drittmittel zu akquirieren. Ich kümmere mich aber auch um die Unternehmen der Region und habe viele neue Ideen. Manchmal sogar zu viele. Ich bin kreativ, offen und mit mir kann man leicht in Kontakt treten. Ich denke, dass ich Unternehmern das Gefühl gebe, dass sie mit mir reden können und auch etwas Sinnvolles dabei rauskommt. Mit Themen wie Kooperations- und Innovationsmanagement bearbeite ich zudem Themen, die für die Praxis relevant sind. Außerdem habe ich durch meine unzähligen Reisen eine große Außenwirkung. Ich publiziere viel und glaube, dass die Studierenden meine Vorlesungen gar nicht so schlecht finden. Zumindest deuten die neugierigen, interessierten Blicke vieler daraufhin.

moritz: Wie wollen Sie Ihre Zukunft gestalten? Die Standardfrage: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Bouncken: Das hätten Sie mich vor zehn Jahren fragen sollen. Da hätte ich Ihnen das ganz genau beantworten können. Heute sieht das schon schwieriger aus. Ich habe schon viel erreicht und momentan fehlt mir irgendwie eine Mission. Einige berufliche Ziele bezüglich bestimmter Publikationen habe ich noch. Aber vielleicht ist es auch mal ganz gut durchzuatmen. Familiengründung sollte, wenn ich mir die biologische Uhrzeit ansehe, auch nicht mehr so weit weg sein – aber alles damit Verbundene macht mir Angst.

moritz: Und Greifswald?
Bouncken: Wer weiß das schon. Das hängt wie immer von bestimmten Bedingungen ab.

Geschrieben von Das Gespräch führte Ina Kubbe

100 Prozent Wahlbeteiligung

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2007 um 18:29 Uhr

Mit einer miesen Wahlbeteiligung von 8,5 Prozent begann die 17. Legislatur des Studierendenparlaments (StuPa). Zum ersten Mal umfasst das oberste Gremium der studentischen Selbstverwaltung 27 Mitglieder, statt der bisherigen 21. Einige Neulinge wagten sich in den hochschulpolitischen Dschungel und mischten sich unter alteingesessene Gremienprominenz. Gemeinsam und mit dem neuem Präsidenten Frederic Beeskow sollte vor allem das Problem der Außenwirkung und der daraus resultierenden eiskalten Missachtung der StuPa-Wahlen angegangen werden. Elf Sitzungen später steht der nächste Urnengang kurz bevor. Was hat sich getan?

Zunächst einmal schrumpfte die Zahl der StuPisten zu Beginn des Semesters rapide auf 21 Mitglieder und damit auf die ursprüngliche Größe zurück. Schon zu Beginn der Legislatur traten nacheinander fünf gewählte Mitglieder zurück.

Christian Bäz und Thomas Schattschneider bekamen von den Studenten die meisten Kreuze auf den Wahlzetteln. Doch sie entschieden sich, wie Kristina Kühn und Dirk Stockfisch, für ein AStA-Referat zu kandidieren und wechselten somit nach ihrer Wahl von der Legislative in die Exekutive. Damit verabschiedeten sie sich keineswegs vom hochschulpolitischen Engagement und konnten bis zu ihrer Wahl selbst noch ein paar Mitglieder in den AStA wählen. Die Besetzung der Referate ist eine nicht zu unterschätzende Sache. Sie nahm so viel Zeit in Anspruch, dass das StuPa gerade noch Änderungsanträge zum Landeshochschulgesetz (LHG) beschließen konnte, bevor es für die Studenten in die verdiente Sommerpause ging. Ach ja, und einem AStA-Referenten wurde mittels StuPa-Beschluss aufgetragen, mit bestimmten Personen essen zu gehen. Als Belohnung für ihre Hilfe bei „Wissen rockt“.

StuPa-Mitglied kann übrigens auch sein, wer nicht direkt vor Ort ist. Das StuPa sprach sich mehrheitlich dafür aus, dass Thomas Meyer, obwohl er im Ausland weilte, Mitglied bleiben darf. An den Sitzungen nimmt er erst seit Oktober teil. Wie er vorher seine Stimme in das Parlament einbringen konnte, ist da fraglich. Auch wenn moderne Kommunikationsmittel vieles möglich machen, an einer Abstimmung teilnehmen, kann nur wer anwesend ist. Und Abstimmungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Legislative.

Daher ist es auch wünschenswert, dass ein Mitglied des StuPa im besten Fall in jeder Sitzung anwesend ist. Das klappte im wesentlichen in der Legislatur. Die meisten schafften es auch sich zu entschuldigen (siehe Tabelle). Schlecht ist es nur, wenn  zuviele auf einmal fernbleiben. Abstimmungen mit 14 Anwesenden sind zweifelhaft.
Inzwischen ist theoretisch jeder der 35 angetretenen Kandidaten als Mitglied in das Parlament aufgerückt. Bis auf zwei ist das auch geschehen.

Wie sinnvoll ist dann überhaupt die Aufstockung des Stupa auf 27 Mitglieder, wenn gerade so 21 übrigbleiben? Schon sinnvoll. Aber nur wenn sich endlich mehr Studenten aufstellen lassen und auch eine Legislatur durchhalten. Immerhin gibt es dafür ein Freisemester (siehe BAföG-Empfänger) und interessante Einblicke in universitäres Arbeiten. Ganz nebenbei kann man auch einen gewissen Einfluss auf  Beschlüsse des Senats oder des Fakultätsrats nehmen. Warum die Wahl dieser beiden Gremien nicht wie die des StuPa im Audimax, sondern im Universitätshauptgebäude stattfinden, obwohl beide relativ zeitgleich liegen, ist seltsam. Die Beteiligung ist sowieso schon schlecht. Da sind getrennte Räumlichkeiten nicht förderlich. Wie meinte der Wahlleiter: Eine Wahlbeteiligung von 100 Prozent, wie in den kommunistischen Staaten, ist nicht hinzubekommen. Aber eine über 8,5 Prozent sollte schon möglich sein.

Geschrieben von Maria Trixa

Interview: Erstklassige Einblicke

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2007 um 18:28 Uhr

Veronika Pohlen agiert erstmals als Parlamentarierin. moritz sprach mit der 23-Jährigen über ihre Erfahrungen während der Legislatur 2007/08.

moritz: Was hat dir die bisherige Zeit als StuPa-Mitglied gebracht?
Veronika Pohlen: Meine Erwartungen haben sich erfüllt. Ich wollte einen besseren Einblick in die Gremienarbeit der Hochschulen bekommen. Neben den strukturellen Aspekten, die schneller zu vermitteln sind, hat sich die Kandidatur, vor allem was die Einsicht in die inhaltliche Arbeit des Gremiums betrifft, gelohnt. Spannend sind auch die tieferen Einblicke in die universitären Hintergründe und Arbeitsweisen, die für Nicht-StuPa Mitglieder schwieriger sichtbar sind.Das Gewicht der eigenen Stimme sollte nicht unterschätzt werden. Manchmal lässt sich in Diskussionen eine deutliche Tendenz erkennen. Einen größeren und durchaus entscheidenden Einfluss kann die eigene Stimme bei größeren Uneinigkeiten auf jeden Fall haben.

moritz: Ratschläge an zukünftige StuPa-Generationen?
Pohlen: Oft wiederholen sich die Argumente in einer Diskussion und ziehen diese unnötig in die Länge. Dazu kommt, dass die Meinungen sich manchmal sehr zuspitzen. Das kann anstrengend sein. Man sollte auf jeden Fall keine Angst haben, den Mund aufzumachen, aber dabei abwägen, ob die eigenen Argumente die Diskussion auch voranbringen.

moritz: Ist das Engagement zeitaufwendig?
Pohlen: Das kommt darauf an, wie jeder seine Arbeit versteht. Der Aufwand kann von sehr intensiv bis zur ausschließlichen Teilnahme an den Sitzungen reichen.

moritz: Welche Bedeutung misst du der studentischen Selbstverwaltung zu?
Pohlen: Studentisches Engagement in hochschulpolitischen Gremien ist ein zentraler Bestandteil einer Universität. Durch das StuPa werden viele Projekte erst realisierbar indem es die Gelder dafür bewilligt. Als Beispiel fallen mir  „Wissen rockt“ oder die Unterstützung der Fachschaftsarbeit ein. Außerdem beschäftigen wir uns mit studentischen Interessen, die von der Universität unserer Meinung nach nicht genügend Berücksichtigung finden.

Geschrieben von Das Gespräch führte Maria Trixa

Interview: Wahlalternativen schaffen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2007 um 18:28 Uhr

moritz sprach mit dem Physikstudenten Dominik Dahl. Der 29-Jährige ist Wahlleiter des Urnengangs im Januar 2008.

moritz: Warum soll ich überhaupt wählen gehen?
Dominik Dahl: Wählen zu gehen ist nicht nur Teil einer funktionierenden Hochschulpolitik, es geht auch um Demokratie im Allgemeinen. Natürlich gebe ich dem Kandidaten, der meine Meinung vertritt meine Stimme. Damit will ich erreichen, dass mein Kandidat später in meinem Sinne mit entscheiden kann. Zum Beispiel wofür die acht Euro ausgegeben werden, die jeder Student einmal im Semester mit seinem Semesterbeitrag in den Haushalt der Studierendenschaft einzahlt: Für billigeren Partyeintritt, Austausch mit Polen, eine Delegation nach Brüssel oder anderes. Je höher die Wahlbeteiligung dabei ist, desto höher ist auch die Legitimation für die Parlamentarier. Und mit vielen 1.000 hinter sich kann eine studentische Vertretung ganz anders auftreten.

moritz: Wie kann ich verhindern, dass ich lediglich nach Gesicht wähle?
Dahl: Ich möchte die Kandidaten in meiner Tätigkeit als Wahlleiter unterstützen, indem ich ihnen helfe sich zu präsentieren. Außerdem erhoffe ich mir einen „Hebeleffekt“. Das bedeutet, dass sich möglichst viele Studenten zur Wahl stellen sollen. Dann sind sie gezwungen stärker als bisher für sich selbst zu werben. Ich wünsche mir für Greifswald eine Wahlkampfkultur. Die gibt es bisher nicht. Dementsprechend niedrig sind auch die Wahlbeteiligungen.  

moritz: Macht das StuPa eigentlich etwas für mich?
Dahl: Auf den Sitzungen wird über das Budget der Studierendenschaft entschieden. Das umfasst momentan etwa 200.000 Euro und die sollen möglichst den Studenten zu Gute kommen. Wenn beispielsweise eine der studentischen Arbeitsgruppen einen Antrag stellt – wir planen eine Aktion, bitte finanziert das – dann wird darüber diskutiert. Fördert diese Aktion nicht nur Interessen eines Einzelnen, sondern bringt auch positive Wirkungen für die Universität, dann ist das schon ein guter Anfang.

Geschrieben von Das Gespräch führte Maria Trixa

Lehramtsstudenten unerwünscht

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2007 um 18:19 Uhr

Institut für Politikwissenschaft stellt sich quer

Das Wintersemester hat für einige Lehramtsstudenten mit Ärger und Unverständnis begonnen. Betroffen sind Lehramtsstudenten, die seit Oktober 2007 versuchen, einen Schein in der Vorlesung „Einführung in die Politikwissenschaft“ zu erwerben. Denn Dozent Hubertus Buchstein schickte die anwesenden Lehramtsstudenten zum Vorlesungsauftakt nach Hause. Unter ihnen war auch Julia Schöning.

„Wir wurden gefragt, wer alles Lehramt sei“, erinnert sich die Studentin im siebten Semester, „Alle Lehramtsstudenten meldeten sich und Professor Buchstein sagte, dass diese Vorlesung nicht für uns konzipiert sei. Diese Veranstaltung werde nicht für Lehrämter angeboten.“ Obwohl die „Einführung“ eine Pflichtvorlesung für die Politikwissenschaft-Bachelor im ersten Semester ist, kann Julia die Ausschließung nicht ganz nachvollziehen. Schließlich muss sie als Lehramtsstudentin einen Schein in Politikwissenschaft oder Philosophie machen. So steht es in der Lehrerprüfungsverordnung. Außerdem haben im vergangenen Wintersemester auch Lehrämter in der gleichen Vorlesung ihren Nachweis erbracht, weiß die 23-Jährige.  

Mangelnde Kapazitäten

Doch diesmal setzt das Institut für Politikwissenschaft die Möglichkeit für den Erwerb eines Scheines aus. Das liege daran, dass das Institut mit 300 neuen Bachelorstudenten an seine Grenzen stoße, erklärt Professor  Wolf. Das Institut habe aufgrund der hohen Erstsemesteranzahl Kapazitätsprobleme in den Hörsälen selbst und hinsichtlich der Korrektur der Klausuren. Deshalb: „Für uns ist es wichtig, dass wir entlastet werden, da uns die Lehramtsstudenten aufgedrückt werden“, sagt der Direktor des Instituts für Politikwissenschaft.

In der Tat sei der Hörsaal 1 in der Rubenowstraße 1 in der ersten Vorlesungswoche restlos gefüllt gewesen, sagt Julia Schöning. „Viele standen sogar noch draußen, weil überhaupt kein Platz mehr war“, fährt sie fort. Sie berichtet auch vom unfairen Verhalten der Bachelor-Studenten:  „Als wir gebeten wurden zu gehen, haben die gegrölt und geklatscht. Das war nicht nett.“

Viele Lehramtsstudenten äußerten ihr Schein-Problem dem Fachschaftsrat Politikwissenschaft. Deren Vorsitzender Alexander Köcher versicherte, dass das Institut für Politikwissenschaft sich bemüht, eine Lösung zu finden. „Ich bin dagegen, dass das Ganze auf den Rücken der Studenten ausgetragen wird“, meint Professor Wolf und verweist dabei auf das Institut für Philosophie. Für die Lehramtsstudenten bestehe die Möglichkeit, den Schein dort in unterschiedlichen Lehrveranstaltungen zu erwerben.  Das bestätigt Philosophieprofessor Geo Siegwart: „Bei uns werden die Lehrämter, die einen Schein machen wollen, individuell beraten und auf die Breite der Vorlesungen verteilt.“ Es sei bedenklich, dass Studenten gebeten werden eine Vorlesung zu verlassen. Das gehe einfach nicht, so Siegwart.

Verzögerung hat keine Konsequenzen

„Im nächsten Semester geht es wahrscheinlich auch wieder bei uns“, sagt Wolf, „Ich würde dann meine Vorlesung ‚Einführung in die Internationalen Beziehungen’ für Lehrämter öffnen.“

Mittlerweile sitzen einige von Julias Kommilitonen in der Vorlesung „Internationale Organisationen“.  In der Zeit hat Julia Schöning andere Veranstaltungen – Pflichttermine. Wie viele Lehrämter muss sie den Schein dann später nachholen. „Der Schein ist zwar nicht das Wichtigste. Aber mit der Zeit stapeln sich viele Pflichtveranstaltungen und es kommt zu Überschneidungen“, erklärt Julia. Das führe automatisch zu einer Verschiebung des Studiums. Allerdings: Eine Verzögerung der Regelstudienzeit, die nicht durch eigenes Verschulden entstanden ist, ziehe keine Konsequenzen seitens des Prüfungsamtes nach sich, versichert Professor Uwe Feiste, Leiter des Lehrerprüfungsamtes. Am meisten ärgert Julia, dass nirgends konkret im Vorlesungsverzeichnis steht, welche Veranstaltungen angehende Lehrer besuchen können. „Es sollte daher konkrete Kurse nur für Lehramtsstudenten geben“, fordert sie. Christian Ahlrep vom Fachschaftsrat Germanistik stößt in dasselbe Horn. Damit sei sichergestellt, dass der Schein erhalten bleibt. Denn: „Wenn Lehramtsstudenten keinen Schein mehr in Politikwissenschaft oder Philosophie erwerben können, leidet darunter die Qualität der Lehrerausbildung“, meint Ahlrep. „Wir wollen den Schein erhalten und haben dazu eine Bedarfsliste in unserem Institut ausgehängt.“ Zurzeit befinden sich 13 Namen auf dieser Liste. Hintergrund ist eine Diskussion um die Notwendigkeit des Scheinerwerbs in der Politikwissenschaft oder Philosophie, die während der Fachschaftsversammlung der Germanisten am 1. November 2007 geführt wurde.

Geschrieben von Benjamin Vorhölter

Sonderstatus Nebenfächler

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2007 um 17:47 Uhr

Interdisziplinarer Studiengang mit wenig Betreuung

„Ich bin nicht selbst betroffen, daher nehme ich mir die Freiheit meinen Mund auf zu machen. Ich darf das tun, ohne Konsequenzen in meinem Studentendasein befürchten zu müssen.“ Eine E-Mail diesen Inhaltes landete zwei Tage nach Vorlesungsbeginn im Postfach des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Was war der Anlass dieses anonymen Hinweises?

Der Schreiberin war aufgefallen, dass die Erstsemesterstudenten des Studiengangs Umweltwissenschaften mit erheblichen Hindernissen auf dem Weg zu ihren Vorlesungen kämpfen müssen. Es handelt sich bei diesen Hindernissen allerdings nicht um unüberwindbare Treppenaufgänge, denn dazu hätten die Umweltwissenschaftler zunächst einmal wissen müssen, welche Aufgänge sie zu den richtigen Vorlesungen führen. Die Studenten seien mehrfach gebeten worden Vorlesungen zu verlassen, da diese nicht für sie konzipiert seien. Sie irren durch die Institute, niemand fühle sich zuständig und der Termin für die Erstsemesterveranstaltung, der auf der Homepage der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ausgewiesen war, stimme nicht. Das erfordere dringend eine bessere Organisation und Informationen für diesen Studiengang, forderte die Schreiberin.

Tatsächlich fanden sich die neuen Studenten Anfang Oktober in der falschen Einführungsveranstaltung wieder. „Wir haben bereits in der Erstsemesterwoche darauf hingewiesen und auch den richtigen Termin weitergegeben“, sagt Anne-Sophie Blaschke. Sie studiert bereits im fünften Semester und ist im Fachschaftsrat. Die Probleme sind ihr nicht neu. „Auch wir wurden am Anfang ins kalte Wasser geworfen“, sagt sie. „Andererseits haben wir so gleich mitbekommen, was es bedeutet zu studieren. Da wir in allen Instituten als Nebenfachstudenten auftreten, müssen wir uns das ganze Studium über selbst organisieren. Niemand kommt extra zu uns“, ergänzt sie.

Platzprobleme in Praktikumsgruppen

Der Grund ist der interdisziplinäre Aufbau des Studiums. „Die Umweltwissenschaften haben keinen eigenen Lehrstuhl. Sie sind zwischen verschiedenen Instituten aufgehängt. Sie hören Vorlesungen in der Mathematik, Physik, Chemie, Biochemie, Biologie, Geowissenschaften, sowie in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften“, erklärt Klaus-Dieter Salewski. Er ist der Studienberater für die Umweltwissenschaftler. „Dadurch ist die Koordination zwischen den Instituten nicht so gut, Absprachen werden zwischen Tür und Angel getroffen“, sagt Salewski. Einen eigenen Lehrstuhl, wie ihn der Fachschaftsrat gern hätte, fände er da durchaus sinnvoll. Zumal auch die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät die wachsenden Immatrikulationszahlen zu spüren bekommt. Ursprünglich war der Studiengang Umweltwissenschaften auf etwa 20 Studenten pro Jahrgang angedacht.  Für dieses Semester schrieben sich über 100 Interessierte ein, übrig blieben etwa 70. „Wir waren ziemlich schockiert in der Erstsemesterwoche“, gesteht Anne-Sophie Blaschke. Kein Wunder, dass die Plätze für Praktika mehr als überbelegt sind. „Die Kapazitäten sind endlich“, sagt auch Professor Klaus Fesser, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Von einem eigenen Lehrstuhl hält er allerdings nichts. „Der Studiengang ist nicht grundlos interdisziplinär angelegt“, sagt Fesser.

Selbst ist der Student

So sollen Bachelor der Umweltwissenschaften befähigt werden,  Umweltprobleme komplexer Natur als zentrale Leitstelle mit den einzelnen Disziplinen zu vernetzen. „Wir sind wie Enten: Wir können laufen, schwimmen und fliegen. Nur alles nicht so richtig“, sagt Sven Milewski. Er hat gerade mit seinem Studium in Greifswald begonnen. „Ich habe mich gezielt für diesen Studiengang entschieden“, sagt er. Sein Kommilitone Philipp Labisch stimmt ihm zu: „Hier ist alles drin, was mich interessiert.“ Johanna Wiedling kann die Aufregung auch nicht verstehen. Sie studiert ebenfalls seit dem Wintersemester. „Ich halte es für völlig normal, dass Studenten in den ersten Wochen noch unsicher sind und orientierungslos durch die Institute laufen. Immerhin sind wir neu hier“, sagt sie. „Wir müssen uns eben selbst kümmern, hingehen und nachfragen“, ergänzt Wiedling, die gemeinsam mit Sven Milewski zur Semestersprecherin gewählt wurde. Nun klären die beiden anfallende Fragen mit Dozenten oder dem Dekan und leiten die Informationen an die anderen Studenten ihres Jahrgangs weiter. Diese Vorgehensweise ist längst gängige Praxis.
Doch Kritik trifft nicht nur fehlende Betreuung. „Das Studium ist schlecht aufgebaut“, findet Julian Scherrer, Student im dritten Semester. „Die Module sollten verkleinert werden. Wir schreiben 90-minütige Klausuren zu je vier Vorlesungen. Da wir jeweils in den Veranstaltungen für die Hauptfächer sitzen, sind diese entsprechend umfangreich. In der Prüfung kommt dann eine Frage pro Vorlesung“, erklärt Scherrer, der auch im Fachschaftsrat sitzt. Das Studium besteht hauptsächlich aus Vorlesungen. Die sind ein unkompliziertes, finanziell wenig aufwendiges Mittel um möglichst viele Studenten mit Lehrstoff zu versorgen. Die wenigen Praktika und Übungen haben zur Folge, dass der Studiengang lediglich vorläufig akkreditiert ist. Mit unbequemen Nachwirkungen. „Ich denke gerade über einen Wechsel an eine andere Universität nach“, sagt Scherrer. Doch bisher stößt er mit seinem vorläufig akkreditierten Studiengang auf wenig Begeisterung. Auch Anne-Sophie Blaschke, die sich bereits nach einem Masterstudiengang umschaut, trifft auf Ablehnung. „Die Akkreditierung läuft noch in diesem Semester“, versichert Dekan Fesser. Daher beschäftige sich der Prüfungsausschuss momentan mit Veränderungen in Prüfungs- und Studienordnung. „Der Masterstudiengang Geosciences and Environment ist für Umweltwissenschaftler gedacht“, fügt er hinzu.

Wechseln oder Arrangieren

Den Entschluss zu wechseln hat Julian Scherrer nach einem Gespräch mit dem Studiendekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Professor Patrick Bednarski gefasst. Ihm haben die beiden Fachschaftsräte die Probleme geschildert. Bednarski wird die angesprochene Kritik in seinem Studienbericht darstellen und an den Dekan und das Rektorat weiterleiten. Das wird voraussichtlich bis Februar 2008 geschehen. Bis dahin will er sich dem moritz gegenüber nicht äußern.

Der Fachschaftsrat rät unzufriedenen Studenten: „Wem es nicht gefällt, der sollte an eine andere Universität oder in einen anderen Studiengang wechseln. Große Änderungen wird es nicht geben.“ Für alle anderen heißt es: An die Semestersprecher halten oder auf der Seite www.uwis-greifswald.de.vu nachschauen. Erstsemesterstudent Philipp Labisch bringt es auf den Punkt: „Wir haben uns untereinander richtig gut organisiert. Aber ohne das Internet wären wir aufgeschmissen.“   

Geschrieben von Maria Trixa

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