Mit bloßen Händen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. November 2007 um 13:51 Uhr

„Vier Minuten“ ist ein ungewöhnlicher Film über Musik, Freiheit und den respektvollen Knicks. In hochkarätiger Besetzung. Hannah Herzsprungs Debüt in Chris Kraus zweiten Kinospielfilm hinterlässt einen gewaltigen Eindruck.

Zwei Frauen, ein Gefängnis, eine Passion: die Musik. Die Pianistin Traude Krüger (Monica Bleibtreu) findet an der Insassin Jenny (Hannah Herzsprung) eine selten begabte Schülerin. Für deren Vorbereitung auf den Endausscheid eines Klavierwettbewerbes fühlt sie sich verpflichtet. Eine Sensation für das trostlose Frauengefängnis. Denn hier wird weder an den Erfolg des Vorhabens geglaubt noch entpuppt sich Jenny als umgängliche Schülerin. Schwer lasten die Spuren zweier Biografien auf dem Lehrerin-Schülerin-Verhältnis.

Mit seinem zweiten Film gelingt Chris Kraus ein erschütternder Musikfilm, der sich gegen die triebhafte Selbstgefangenheit des Individuums auflehnt, die hochnäsige Herabsetzung von Kunst eisern verlacht und die verpflichtende Aufrichtigkeit der Liebe in zartem Leinwandgrün einfordert. Auf ganz einmalige Weise wird dabei ein schwarzer Flügel rockend auf einer holprigen Landstraße eingeführt, liebevoll geschundene Hände gepflegt oder bildgewaltig der Klavierdeckel zugeknallt. Und sei es bis der Atem stockt.  

Geschrieben von Uwe Roßner

Hingehen heißt mitgestalten

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. November 2007 um 13:29 Uhr

Bemerkungen zur studentischen Mitgestaltungskraft der Greifswalder Hochschulpolitik

Interesse erregte die mittwochabendliche Vollversammlung. Zweifelsohne. Denn im Vergleich zur Veranstaltung im letzten Semester konnte die Teilnehmerzahl gehalten werden. Und dies bei einer von sozialen Themen beherrschten Tagesordnung. Gewiss. Die Verbindlichkeit der gefassten Beschlüsse konnte nicht erreicht werden. 140 Studierende genügten nicht. Die durchgeführten Abstimmungen gelten als Empfehlungen. Dennoch handelt es sich um einen beachtlichen, wenn auch bescheidenen Erfolg für die Veranstalter. Denn Eines zeigte die abendliche Veranstaltung in der kleinen Mensa am Schießwall deutlich: Hochschulpolitik lebt von Partizipation. Von beiden Seiten. Wer zu Hause bleibt, soll sich nicht beschweren, nicht mitentscheiden zu können. Denn die per Urnengang legitimierten studentischen Vertreter der akademischen Gremien benötigen das Feedback ihrer Wähler. Nicht nur einmal im Semester. Nicht allein zur Vollversammlung. Die Sitzungen des Studierendenparlaments, (StuPa), des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), der Fachschaften, jeder Fakultät und des Senates sind ebenfalls hochschulöffentlich. Es sind Gelegenheiten zur Nachfrage und Anregung. Nicht erst, wenn die Struktur einer Fakultät unwiderruflich beschlossen, eine neue Prüfungsordnung eingeführt ist oder eine langfristig festgezurrte Stellenplanung maßgeblich Forschung und Lehre beeinflusst. Dass hochschulpolitische Mitbeteiligung funktioniert, bekräftigten alle Versammelten. In insgesamt außerordentlich effektiver Weise.

Geschrieben von Uwe Roßner

Konstruktive Empfehlungen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 30. November 2007 um 13:27 Uhr

140 Studierende nahmen am vergangenen Mittwochabend an der Vollversammlung in der kleinen Mensa am Schießwall teil. In den Berichtspunkten informierten die verantwortlichen Referenten des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) nach der Abstimmung der Tagesordnung über das ab Beginn des neuen Jahres für sozial bedürftige Studierende geltende Freitischkartenmodell, warben für Beteiligung an den Gremienwahlen im Januar und luden zum dafür vorbereitenden hochschulpolitischen Wochenende am 8. und 9. Dezember nach Binz auf Rügen ein. Die nach konstruktiver Diskussion in den Themenfeldern Wohnraumsituation, Mieten, Familienfreundlichkeit und gegenwärtige Studienbedingungen gefassten Beschlüsse besaßen aufgrund der geringen Teilnehmerzahl nur empfehlenden Charakter. Ebenfalls traf dies für den unter dem Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ von einem Studenten kurzfristig eingebrachten Antrag zur Umbenennung des Namens der Universität zu.Geschrieben von Uwe Roßner

Prächtiger Festivalausklang

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. November 2007 um 19:20 Uhr

Bewährt groß besetzt endete am vergangenen Samstag der Greifswalder November im Dom St. Nikolai. Die Musikreihe des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Ernst-Moritz-Arndt Universität bot nach romantischer Originalmusik für Harmonium und Klavier, einem Chorkonzert mit dem Motto „Peace and Joy“, einem Vortrag zur Wirkung von Paul Gerhardts Schaffen und einer daraufhin abgestimmten Orgelnacht zum Finale eine überraschende Programmtrias. Denn dessen Seltenheitswert speiste sich nicht allein aus der Abfolge von Cesar Francks, Giacomo Puccinis und Georges Bizets als Komponisten. Mit Puccinis „Messa di Gloria“ und Bizets „Te Deum“ stellten der Greifswalder Domchor, die Sänger der Kantorei Demmin und das Philharmonische Orchester Vorpommern unter der Leitung von Kirchenmusik-direktor (KMD) Prof. Jochen A. Modeß geistvoll zwei frühe Werke der Komponisten vor. Allein der Franzose Cesar Franck (1822 – 1890) durfte neben den späteren Opernkomponisten als Kirchenmusiker gelten. Dessen bewegende Vertonung des Psalms 150 aus dem Alten Testamentes eröffnete die klangschöne Konzertstunde. Mit der 1880 entstandenen „Messa di Gloria“ Giacomo Puccinis (1858 – 1924) errangen die Aufführenden bereits zwischen einzelnen Teilen des vertonten Messzyklus die Gunst vieler Zuhörer im sehr gut besuchten Dom. Liebenswert gestalteten Gabriele Czerepan (Sopran), Reinhard Ginzel (Tenor) und Johanes Happel (Bass) in ihren Partien mit Puccinis hinreißenden Belcanto. Dennoch entfalteten sich die Sopranistin und der Tenor bei Georges Bizet stärker als bei Puccini. Mit deutlich weit tragender Stimme füllten sie zusammen mit den jubelnden Chören und dem geschmeidigen Orchester beim 1859 komponierten „Te Deum“ des 20-jährigen Franzosen mit feierlichem Lob das Kirchenschiff aus. Langanhaltender Applaus dankte für die begeisternde Mußestunde in der kalten Novembernacht.

Geschrieben von Uwe Roßner

Klangvolle Scarlattiana

Geschrieben von | Veröffentlicht am 27. November 2007 um 11:23 Uhr

Mit dem zweiten Kammerkonzert des Theater Vorpommerns gedachten Katja Pfeifer und Johannes Gebhardt des vor 250 Jahren verstorbenen italienischen Virtusoen und Komponisten Domenico Scarlatti.

Neben Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi scheint Domenico Scarlatti (1685 – 1757) heute fast in Vergessenheit geraten zu sein. Zu Unrecht. Mit seinen über 550, meist einsätzigen Sonaten schuf der italienische Komponist ein umfangreiches Werk für das Chembalo. Nicht allein als glänzender Virtuose seiner Zeit, sondern auch als Veredler der Spieltechnik für Tasteninstrumente und als Formentwickler der heutigen Sonate wirkte Scarlatti. Anlässlich seines 250. Todesjahres widmeten ihm Katja Pfeifer und der Johannes Gebhardt am vergangenen Sonntagnachmittag das 2. Kammerkonzert des Theater Vorpommerns in der Museumshalle des Pommerschen Landesmuseum. Dabei verwoben die Aufführenden gewinnend die durchsichtigen Sonaten für Cembalo mit einer Auswahl italienischen Sonetten aus zwei Jahrtausenden. Denn gemäß der Wortwurzel liegt dem Sonett und der Sonate der Klang zugrunde. In der mit Bedacht zusammengestellten Programmabfolge verfolgten die aufmerksam lauschenden Zuhörern beispielsweise den Jacopo da Lentini als Meister des Wortspieles, den vor Liebe hin und her gerissen Francesco Petrarca und einen empfindlich getroffenen Nicolò Machiavelli. Katja Pfeifers zweisprachige und bewegende Rezitation der kunstreichen Verse fügte Johannes Gebhardt Scarlattis mal heitere, mal stillere Klangbilder mit der zarten Klarheit des nussfarbenen Cembalos hinzu. Eine gelungene Verbeugung vor dem alten Meister, ohne dass das spätere Sonatenschaffen Ludwig van Beethovens nicht denkbar wäre.

Geschrieben von Uwe Roßner

Für baldige Entscheidungsträger

Geschrieben von | Veröffentlicht am 26. November 2007 um 16:08 Uhr

Vom 8. bis zum 9. Dezember findet das hochschulpolitische Wochenende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) in der Binzer Jugendherberge auf Rügen statt. Den teilnehmenden Studierenden soll damit die Entscheidung für eine Kandidatur bei den Gremienwahlen im Januar 2008 erleichtert werden. Plätze sind dafür noch frei. „Den Aufbau, die Funktion und die Wichtigkeit der Gremien wollen wir dabei vermitteln“, sagt Organisator Konstantin Keune. Kurze Vorträgen und die Simulation von Sitzungen des Senats oder des Studierendenparlaments (StuPa) sollen beispielsweise deren Entscheidungsprozesse erlebbar machen. „Für viele ist das sicherlich erst einmal Neuland“, meint der AStA-Referent für Hochschulpolitik. Den angehenden Entscheidungsträgern soll damit eine rasche und erfolgreiche Arbeit nach der Wahl erleichtert werden. Für Unterbringung und Vollpension entfällt auf jeden Teilnehmer ein Selbstkostenbeitrag von 10 Euro. Anmeldeschluss ist der 5. Dezember.

Geschrieben von Uwe Roßner

Betörender Akkordeonzauber

Geschrieben von | Veröffentlicht am 26. November 2007 um 15:08 Uhr

Das polnische Motion Trio verlieh dem 10. Jubiläum des Greifswalder PolenmARkTs im Theater Vorpommern einen ganz eigenen Glanz.

Festivals leben von Höhepunkten. Keine Frage. Doch wenn dies bereits für die Zusage eines Künstlers gilt, dann dürfen die Erwartungen beim Auftritt keine geringen sein. Mit dem Motion Trio erhüllte sich der PolenmARkT zum zehnten Jubiläum einen Traum. Endete eine Anfrage vor zwei Jahren erst einmal negativ, so ist der Auftritt des polnischen Akkordeontrios am vergangenen Freitagabend im Theater Vopommern zweifelsohne ein ausnahmsloser Erfolg. Für alle Beteiligten. Denn weder Veranstalter, Musiker oder Publikum konnten den so außergewöhnlich verlaufenden Abend vorhersehen. „Es ist beeindruckend, in die Runde zu sehen“, begrüßte Alexander Pehlemann das ungeduldig wartende Publikum. Anstelle einer langen Lobesrede durfte das quer durch Europa tourende Motion Trio rasch ins Rampenlicht treten. Spritzig, groovend und mit einer guten Portion spielerischen Witz gelang den drei Akkordeonisten bereits nach der Eröffnung des Abends etwas Unerwartetes und bisher in Greifswald selten Erreichtes: der Saal tobte. „Keine Angst. Es ist nicht das letzte Stück“, sagte Bandleader Janusz Wojtarowicz mit ruhiger Freude ins Mirkofon.

Mit ausgefeilten Kompositionen über den ersten Frühlingstag, eine Reise nach Islamabad oder einen Tango erzählte das 1996 gegründete Ensemble beispielsweise ganz einmalig ihre kleinen Klangeschichten. Weit zogen dabei Pawel Baranek, Marcin Galazyn und Janusz Wojtarowicz ihre Akkordeons auf, wechselten plötzlich in blitzschnelle Läufe über und wandelten dabei mühelos zwischen eingeflochtener Klassik, Jazz, Rock und Techno. Selbst Folklore fehlte dabei nicht. Atemberaubend entpuppte das Trio ihr Instrument als Rhythmuskasten, volltonigen Melodiebogen und noch nie gehörter Effektmaschine. Tiefste Verbeugungen half ihm am Ende nichts. Mit Standing Ovations und Jubelrufen rang das Publikum den Musikern überraschenderweise gleich drei Zugaben nacheinander und lange bittend ab. Mit Handküssen und tiefen Verbeugungen trat das Motion Trio als selten so gefeierter, ja verehrter Gast in Greifswald ab. Respekt!

Geschrieben von Uwe Roßner

Einblicke eines Reporters

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. November 2007 um 15:50 Uhr

Antiquariate duften nach Büchern. Normalerweise. Beim Eintritt in die Steinbecker Straße 20 roch es am vergangenen Mittwochabend nach heißen Waffeln und warmen Apfelsaft. Lesepult, Mikrofon und ein Wasserglas standen bereit. Zum Veranstaltungsbeginn war kein Stuhl mehr frei. Die Lesung des Antiquars ist beim Greifswalder PolenmARkT zu einem festen Termin geworden. Seit gut vier Jahren. Dabei wählt Dr. Ulrich Rose gezielt einen polnischen Autor aus. Zum zehnten Jubiläum ist es Ryszard Kapuscinski (1932 – 2007). Der im Januar an den Folgen einer Herzoperation verstorbene Journalist gehört zu den am häufigsten übersetzten Autoren seines Landes. Als Reporter für die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete er aus Asien, Südamerika und vor allem Afrika. „Notizen eines Weltbürgers“ ist Kapuscinskis letztes Buch, eine Sammlung feinsinnig beobachteter und knapp festgehaltener Alltagsmomente. „Lapidarium“ heißt es im Original. Aus dem mit grünen, gelben und orangenen Lesezeichen gepräparierten Band stellte Ulrich Rose erst die hintergründige Anekdoten über die Umbrüche im postkolonialen Afrika der fünfziger und sechziger Jahre vor, um im zweiten Teil nach der Pause nach Europa, zum deutsch-polnischen Verhältnis und den anderen Eigenheiten des Nachbarn östlich der Oder zurück zu kehren. „Man lernt unheimlich viel von seiner Sicht“, sagte Ulrich Rose über Kapuscinski. „Es wäre schön, wenn sich immer mehr Menschen für ihn interessieren würden.“

Greifswalder Musikkultur in ihre Zeit gestellt

Geschrieben von | Veröffentlicht am 22. November 2007 um 12:33 Uhr

Die Reihe ?Reden über Musik? des Instituts für Kirchenmusik der Universität Greifswald in Kooperation mit der Volkshochschule und der Gesellschaft für Pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst wird gegen Ende des Monats im Pommerschen Landesmuseum fortgesetzt. Den Anfang macht am 27. November um 20 Uhr PD Dr. Peter Tenhaef mit seinem Vortrag ?Die bangste Trauerklage, die uns zur Erde beugt…?.  In dessen Mittelpunkt steht die Rolle der Musik in akademischen Trauerfeiern an der Greifswalder Universität im Zeitalter des Barock und der Aufklärung. Die Zeremonien anlässlich des Todes zweier schwedischer Könige in den Jahren 1660 und 1792 werden dabei miteinander verglichen und die beträchtlichen veränderte Umgang mit dem Tod daran aufgezeigt. Erhaltene Dokumente lassen eine genaue Nachzeichnung der Stimmungen und äußeren Umstände zu. Was heute noch an Relikten davon in der öffentlichen Trauerkultur eine Rolle spielt, ist eine Frage, die ebenfalls gestellt wird.
Am 11. Dezember 2007 spricht Martin Loeser unter dem Motto ?Bei einer Tasse Kaffee? über die Musik in Greifswalder Bürgerhäusern. Am 15. Januar 2008 gibt UMD i. R. Ekkehard Ochs Einblicke in den Beethoven-Kult, Händel-Enthusiasmus und den Beginn bürgerlichen Konzertwesens in Greifswald in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

″Einmal Inspiration-pur; zum Mitnehmen, bitte!″

Geschrieben von | Veröffentlicht am 21. November 2007 um 17:16 Uhr

Im Greifswalder Theater Vorpommern gab es damit ein höchst außergewöhnliches Hörvergnügen. Der Nordische Klang holte mit dem Auftritt von Kari Bremnes das einst kurzfristig abgesagte Konzert während des diesjährigen Festivals nach. Ein prächtiges Juwel von den norwegischen Lofoten. Dicht gedrängt wartete das Publikum im ausverkauften Saal auf den Beginn des Abends. In fröhlicher Stimmung bildeten sich bereits vor dem Signalläuten Menschen-Trauben um die CD- und Postertische. Jeder war erpicht, eine eigene Kari für’s CD-Regal zu ergattern.

Auf die Bühne kam eine sich bescheiden positionierende Band bestehend aus dem Schlagzeuger Helge Norbakken, dem Pianist Bengt Hanssen, dem Bassist Sondre Meisfjord und dem Gitarrist Hallgrim Bratberg. Wie sich herausstellte war das sehr exklusiv. Denn die Band kam gerade von einer Tournee aus dem Heimatland und besteht üblicherweise aus nur vier Musikern. Glück für uns, denn das Ensemble war bewegend und gut aufeinander eingestellt.

Mit einigen kleinen Anekdoten führte Kari Bremnes uns durch den Abend und vor allem durch ihre Musik, die sich neben fast schon sphärischem Gesang auch aus vielen starken Instrumentalpassagen zusammensetzte. Mit dezent eingflochtener Folklore untermauerte die Sängerin ihre Verbundenheit zu ihrem Land. Sie erzählte, wie sie als Kind von den strengen Lockenwicklern ihrer liebeskranken Nanny fasziniert war und wie die starke Ana, eine der wenigen Frauen zuständig für den Transport von Eisenerzen, stets träumte, in die weite Welt außerhalb Nordnorwegens zu gehen. Bremnes scheute sich auch nicht eine sehr sensible Frage auf die Bühne zu bringen: Zu wem würde Jesus eigentlich gehen, wenn er zurückkommt? Auch von den Bildern des norwegischen Expressionisten Eduard Munch fanden sich Spuren in ihrenTexten und ihrer Musik.

Zumeist singt die schlanke Song-Writerin auf Norwegisch, was bei der eher ungewohnten Sprache einen besonderen Reizwert in sich birgt. Dass langsame Balladen den Ton angaben, störte gar nicht. Im Gegenteil! Durch sich meisterhaft und stetig in Macht und Pracht aufbauende Stücke hatte jeder Ton, ja jede Silbe seine ganz eigene Präsenz.

Mit Standing Ovations dankte das Publikum für die offene und ungezwungene Ernsthaftigkeit des Konzertes. Der Applaus hielt ungebrochen bei den anschließenden beiden begeisternden Zugaben durch.

Die aktuelle CD heißt ″Over enby″. In deren Booklet gibt es hilfreiche deutsche Übersetzungen. Wer noch größeres Interesse hat, kann und sollte die Gelegenheit nutzen, Kari Bremnes und Band in mehreren anderen deutschen Städten selbst zu erleben. Ihre momentane Tournee führt sie in Deutschland unter anderem nach Hamburg (15. Januar) und Berlin (24. Januar).

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