Die Akkreditierung von Studiengängen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:24 Uhr

Wissenschaftsfreiheit in den Händen privater Parallelverwaltung? Studiengänge müssen neuerdings in aller Regel durch private Agenturen akkreditiert werden. Die Praxis ist bereits angelaufen.

Buch: Chauvinismus und Nationalsozialismus in Russland

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:22 Uhr

Säuberungen der russischen Kultur und kein Ende? Die Anfänge der ersten nicht-autorisierten Eingriffe in die Kultur Russlands beschreibt Michael Ryklin als Chronist, indem er von einem Prozess gegen die Veranstalter und Künstler der Ausstellung „Achtung Religion!“ berichtet. Schnell kann aus Russland wieder ein Polizeistaat werden, dies belegt er in seinem aktuellen Buch „Mit dem Recht des Stärkeren“.

Am 14. Januar 2003 kam es im Moskauer Sacharow-Zentrum zu vandalistischen Ausschreitungen militanter Anhänger der orthodoxen Kirche. Sie verwüsteten die Kunstausstellung „Achtung, Religion!“, deren zeitgenössische Exponate spielerisch-kritisch mit religiösen Symbolen umgingen. Doch nicht die Täter sahen sich öffentlicher und juristischer Verfolgung ausgesetzt, sondern die Organisatoren und Künstler mussten sich vor Gericht verantworten. In einem Aufsehen erregenden Strafprozess warf man ihnen „Beleidigung der religiösen Gefühle des russischen Volkes“ vor und drohte mit Lagerhaft.  
Michail Ryklin, Professor am Institut für Philosophie der russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau, berichtet, wie dessen Frau Anna Altschuk als Künstlerin angeklagt wurde und zeigt auf diesem Weg gegenwärtige politische Tendenzen im Umgang mit der Meinungs- und Kunstfreiheit im Russland dieser Tage auf. Neben der aus seiner Sicht an Sowjetzeiten erinnernden Ächtung zeitgenössischer Kunst, antisemitischen Pöbeleien und einer erstarkenden Zusammenarbeit von russisch-orthodoxer Kirche und Geheimdienst beobachtet Ryklin russische Xenophobie, fehlende Zivilcourage, zunehmende Angst und zynische Passivität im System Putin.
Das groteske Verfahren gegen die Künstler verdeutlicht auf emphatische Art und Weise, wie Chauvinismus und Nationalismus in Russland allmählich die Oberhand gewinnen.
Zu Recht erhielt Ryklins beunruhigender Essay den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2007.

Ryklin, Michail: Mit dem Recht des Stärkeren. Die russische Kultur in Zeiten der „gelenkten Demokratie“. Suhrkamp. 239 Seiten.10,00€

Geschrieben von Ina Kubbe

Im Regelfall BAföG

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:20 Uhr

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) wurde am 1. September 1971 erlassen. Es war damals als Vollzuschuss gestaltet, man musste also nichts von der erhaltenen Unterstützung zurückzahlen. Ziel war es, im Bildungswesen Chancengleichheit zu etablieren und Kindern aus einkommensschwachen Familien den Zugang zu weiterführender Bildung zu ermöglichen.

Im Laufe der Jahre wurde die Höhe der Zuschüsse zwar immer wieder erhöht, effektiv wurde die Versorgung der Empfänger im Vergleich zu deren Bedürfnissen jedoch immer schwächer. Auch die Anzahl der berechtigten BAföG-Empfänger ging immer weiter zurück. Der Tiefpunkt dieser Entwicklung lag 1998, bei nur noch 13 Prozent der Studenten. Erst unter der danach regierenden Rot-Grünen Koalition wurden viele der Einschränkungen zurückgenommen, die hauptsächlich während der Ära Kohl beschlossen worden waren. Im Jahr 2003 erhielten wieder 25 Prozent aller Studenten BAföG.
Studenten erhalten BAföG, wenn das BAföG-Amt entscheidet, dass sie dazu berechtigt sind. Weiterhin wird nur die Regelstudienzeit des jeweiligen Studienganges bezahlt, ausgenommen es greifen Härtefalle. Im Regelfall erhalten Studenten nur für ihr Erststudium eine Förderung nach dem BAföG, der Regelsatz beträgt 521 Euro. Heute wird der Zuschuss zur einen Hälfte als zinsloser Zuschuss gezahlt, zur anderen Hälfte als zinsloses staatliches Darlehen. Wer nicht durch einen sehr guten oder frühen Abschluss glänzen kann, muss diese Hälfte einkommensabhängig und vierteljährlich in Raten an das Bundesverwaltungsamt zurückzahlen. 

Geschrieben von Stephan Kosa

Buch: Le grand macabre

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:20 Uhr

Der deutsche Buchpreis ist verliehen. Katharina Hacker durfte sich über das Prädikat „Roman des Jahres 2006“ für ihren Roman „Die Habenichtse“ freuen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzte im vergangenen Herbst zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse damit wieder Zeichen. Romane in deutscher Sprache, Lesen und das Medium Buch bedürfen der Aufmerksamkeit. So hieß es.

In Konkurrenz zu Martin Walser, Thomas Hettche, Ingo Schulze und Ilija Troja-now ging Katharina Hacker letztlich mit 25.000 Euro Preisgeld als strahlende Siegerin hervor. Nur einer aus der damaligen Shortlist macht immer stärker von sich reden: Sasa Stanisic. Mit seinem Debütroman „Wie der Soldat das Grammophon repariert“ erzählt der seit 2004 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig Studierende den einstigen Bosnienkrieg aus Sicht des Kindes Aleksandar. Warum ein Schwein auf der Flucht abrupt stehen bleibt, welche Geständnisse die Drina als Fluss für sich behält oder wann es bei einem Fußballspiel auf Leben und Tod geht, davon kann der in Visegard (Bosnien-Herzegowina) geborene Autor wunderbar und  ganz eigentümlich schreiben. Seine Nominierung für den engeren Kreis beweist, die Literatur der Gegenwart besitzt nachhallende Originalität und im Falle Stanisics ein junges Gesicht, einen vielleicht sogar etwas anderen Sieger.

Stanisic, Sasa: Wie der Soldat das Grammophon repariert. Luchterhand. 320 Seiten. 19,95€

Geschrieben von Uwe Roßner

Buch: Verfeinerte Risse

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:18 Uhr

Erzählungen sind zarte Pflänzchen und dünnes Eis. Was vermag ein Bändchen von 144 Seiten Neues zu sagen? Sollte so ein Debüt auf einem fremden Buchmarkt gestartet werden? Der polnische Autor Wojciech Kuczok gilt als eine junge Hoffnung, Stilist, gar als ein neuer Witold Gombrowicz. „Im Kreis der Gespenster“ wirft in fünf Erzählungen und vier Interludien in Chopinscher Manier über Homosexualität, Liebe und Tod auf Papier.

 Wunderbar gießt der heute in Krakau lebende Autor die eigenwilligen Geschichten in jeweils dafür ausgesuchte Sätze, Aufzählungen oder Szenen. Weniger vordergründige Sensation als sensible Begegnungen sprechen aus dieser eigenwilligen Prosa. Doch dem nicht genug! Die vier Vorspiele zu den einzelnen Erzählungen verweisen nicht allein der Bezeichnung nach auf Frederic Chopin, sondern treffen den Ton der anspruchsvollen Préludes des Klaviervirtuosen. Den ästhetischen Anspruch des polnischen Romantikers beansprucht Kuczok für sich. Unabhängig vom Inhalt findet er einen sprachlich adäquaten Ausdruck. Wer in den Texten Gefühlsduselei sucht, wird sie nicht finden. Die formale Strenge fasst in sich die zum Bersten ernsten Themen. Biblische Motive leuchten hier und da auf. Dennoch geht es nicht um literarische Beichte. Liebe bleibt ein Thema in Variationen. Hier ein Regentropfenprélude, da absolute Ruhe oder brilliante Triller auf der Gefühlsklaviatur. Kuczok erzählt und provoziert ganz überraschend. Gilt Homosexualität  heutzutage in Polen zu den öffentlichen Tabus, so eröffnet „Im Kreis der Gespenster“ mit dem Erwachen der Homosexualität dank eines bloßen Händedrucks eines Bettlers in einem Park. Richtig spannend wird es erst im Februar, wenn der in Polen hoch ausgezeichnete Roman „Miststück“ erscheint. Solang mögen die Erzählungen als ein erster Vorgeschmack reichen.

Kuczok,  Wojciech: Im Kreis der Gespenster. Suhrkamp Verlag. 144 Seiten. 19,80€

Geschrieben von Uwe Roßner

Schuldenfalle oder Studienchance?

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:17 Uhr

Wenn andere Geldquellen ausbleiben – der Studienkredit ist für alle da.

Der BAföG-Bescheid brachte für Hannes Lemke nicht die ersehnte Lösung zur Finanzierung seines Studiums. Was ihm vom Studentenwerk zusteht, reichte bei weitem nicht aus um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Der Exmatrikulationsantrag war schon fast unterschrieben, als dem 20jährigen Lehramtsstudenten beim Herumstöbern im Internet immer wieder der Studienkredit der KfW-Förderbank auffiel.

Dieser verspricht für alle deutschen Studierenden, die für ein Vollzeitstudium an einer staatlich anerkannten deutschen Hochschule immatrikuliert, nicht älter als 31 Jahre sind und noch keinen Hochschulabschluss haben, eine Unterstützung von bis zu 650 Euro monatlich. Vorteilhaft für Hannes: Er kann den Antrag unabhängig vom eigenen Einkommen oder dem seiner Eltern stellen. Doch umsonst heißt diese Finanzspritze nicht Studienkredit! „Spätestens 23 Monate nach Beendigung des Studiums muss das Geld inklusive Zinsen wieder zurückgezahlt werden. Die belaufen sich momentan auf 5,9 Prozen“, sagt Jana Kolbe, Sozialberaterin beim Greifswalder Studentenwerk. Zwar wird eine Zinshöchstgrenze garantiert, doch im Gegensatz zum BAföG gibt es keine maximale Verschuldung. Ein Knackpunkt, der vielleicht einige dann doch den Gang aus der Uni antreten lässt. „Wir weisen vorher in einem Beratungsgespräch eindeutig auf die hohe Verschuldung hin“, sagt Kolbe. Das bestätigt auch Hannes. Er schlief eine Nacht darüber und dann unterschrieb er. Damit war er im vergangenen Jahr einer von 32 Studierenden in Greifswald. Dabei musste er nicht unbedingt den Weg über das Studentenwerk einschlagen. Auch andere Kreditinstitute agieren als Vertriebspartner für die KfW. Sie sind dabei lediglich für Beratung, Ausweiskontrolle und Vermittlung der Anträge zuständig. Dieser Service wird dem Antragssteller einmalig zusätzlich angerechnet, ist allerdings unvermeidlich. Etwas länger als die KfW-Förderbank bieten auch schon die Deutsche Bank und kleinere Privatbanken Studienkredite an, welche hier zum Zweck der Finanzierung der Studiengebühren eingeführt werden mussten. Dass diese nun auch schon von Studenten in Anspruch genommen werden, die noch nicht einmal solche Gebühren zahlen müssen, wundert Kolbe nicht. „Diese „Mittelschichtsproblematik“derer, die zwar zu viel Geld für einen höheren BAföG-Anspruch haben, aber zu wenig um damit noch ihre studierenden Kinder finanzieren zu können, wird weiter zunehmen. Ob das zu einer abnehmenden Studierendenzahl führen wird, müssen wir noch abwarten“, sagt Kolbe. Hannes hat sich für ein Studium entschieden. Er sieht es inzwischen gelassen und freut sich über das ihm monatlich zur Verfügung stehende Geld. 

Geschrieben von Maria Trixa

Buch: Hausmusik mit Augenzwinkern

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:16 Uhr

Ein Buch aus letzter Hand mag Reinhard Baumgarts „Damals“ nicht sein. Zu plötzlich, so scheint es, verstarb der einstige Lektor, Schriftsteller, Filmemacher und Rezensent im Sommer 2003, um dem Manuskript einen letzten Schliff zu geben. Ja, der sprachlich so schöne Stil ist da, die Szenen fügen sich und beim Lesen fühlt es sich dennoch gut – denn es menschelt. Die posthum erschienene Autobiographie, das letzte Buch schmückt sich mit dem eleganten Untertitel „Ein Leben in Deutschland“.

Der in Breslau Geborene stellt sich in „Damals“ als Kind seiner Zeit vor, als einer vom Jahrgang 1929, der für den Nationalsozialismus zwar zu jung, doch dessen Folgen im Nachkriegsdeutschland, die Zeit der Gruppe 47 und den Fall der Berliner Mauer begleitet, reif genug war. Nicht als Literaturpapst, auch weniger als Protagonist schreibt sich Baumgart in seiner Vita fest, sondern gibt den Blick frei auf einen aufmerksamen Beobachter. Die Entdeckung der Literatur als Spiegel des eigenen Ichs, die der Frage des neuen Theaters nachgehenden Besprechungen und die verspätete Durchdringung des Fall Wagners geben vorsichtige und behutsam ausgewählte Eindrücke des Familienvaters Reinhard Baumgarts. Vielmehr sollen einige persönliche Anekdoten die Szenen von Gesellschaften (Ingeborg Bachmann, Rudolf Augstein, Gruppe 47) mit feinen Federstrich nachzeichnen. Baumgart war ein Hingeborener, ein Liebender und Lesender, der Trümmer sah und Glück leben konnte. „Damals“ skizziert eine Bilanz und setzt einen Punkt. Manchen mag (danach) Baumgarts Stimme fehlen.

Baumgart, Reinhard: Damals – Ein Leben in Deutschland. dtv. 383 Seiten. 12,50€

Geschrieben von Uwe Roßner

Buch: Für Perlentaucher

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:12 Uhr

Vier mal neun Geschichten ergeben einen Kosmos gefüllt mit Mythen und Sagen, Chroniken und Zeitungsartikeln, Flaschenpost und E-Mails, Liebesgeschichten und Märchen.
Kann man ein Buch zu Ende lesen, das aus 36 einzelnen Heften besteht, die sich in der Reihenfolge beliebig mischen lassen?

Der georgische Schriftsteller Aka Morchiladze erzählt von einer eigentümlichen, melancholischen Insel namens Santa Esperanza, die, umgeben vom Schwarzen Meer, der Handlungsort dieser Episoden ist.  Sie handeln von Sitten und Gebräuchen verschiedener familiärer Clans, deren handlungstragende Elemente aus Kartenspielen, Pfeife rauchen, Stolz, Wein und essen bestehen. Des Weiteren bilden die 36 Hefte ein interessantes Kartenspiel.
Jedes Heft enthält eine abgeschlossene Geschichte.  Zusammen ergeben sie einen Sinn. Die zumeist melancholisch endenden Episoden ranken sich wie eine Melodie um den Erzähler. Das eigentümliche Leben wird mit warmen Worten beschrieben, auf denen langsam ein unerwarteter Stimmungswandel folgt. Der Charme der einfachen kurzen Sätze weicht einem unausweichlichen Sog voller Ereignisse und zieht immer tiefer in einen Sumpf aus Liebe, Tod, Sehnsucht, Wunsch und Wirklichkeit.
Dazwischen erscheinen Sätze wie Perlen, stoppen den raschen Lesefluss und wirken lange nach. Die schmerzliche Sehnsucht nach Zufriedenheit und Ruhe, Struktur und Halt spiegelt sich in teilweise sehr berührenden Passagen wieder. Struktur geben auch nicht die Hefte, die in beliebiger Reihenfolge lesbar sind. Es gibt lediglich Hinweise, wie sie gelesen werden können.
Sie alle laufen auf ein Schlusskapitel hinaus. Die schleichend ernsthaft werdende Erzählweise bewahrheitet sich im letzten Heft. Die zuvor poetisch aufgebaute Welt bleibt nur noch als Fragment in der Erinnerung bestehen. Der schweizer Pendo-Verlag hat mit Santa Esperanza einen Schatz gehoben.

Morchiladze, Aka: Santa Esperanza. Ein Kosmos aus vielen Romanen. Pendo Verlag. 850 Seiten. 27,50€

Geschrieben von Judith Küther

Buch: Auf den Spuren des Heiligen Jakobus

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:10 Uhr

Iny Lorentz schreibt seit Jahren zusammen mit ihrem Mann historische Romane, mit abenteuerlichen und erotischen Elementen. In „Die Pilgerin“, geht es um eine junge Frau in den wirren Zeiten des Hundertjährigen Krieges, die durch eine Pilgerreise versucht, das Seelenheil ihres verstorbenen Vaters zu retten. Wie auch schon in vorhergegangenen Werken ist die Protagonistin eine wohlhabende Frau, die durch Unheil in die Unterschicht gelangt. Doch im Gegensatz zu ihren anderen Romanen wird die Titelheldin Tilla untergehen.

Die Wallfahrt beginnt in der fiktiven Stadt Tremmlingen des 14. Jahrhunderts und findet ihr Ende am Grab des Heiligen Jakobus in der Stadt Santiago de Compostela. Um ans Ziel zu kommen, verkleidet sich Tilla als Mann, erliegt des öfteren  den menschlichen Trieben und versucht, sich aus dem ihr von der Gesellschaft aufgezwungenen Verhaltenskorsett zu befreien. Parallelen zur „Kastratin“ und „Wanderhure“ sind unverkennbar und gleichzeitig ein großes Manko. Dadurch, dass immer wieder die gleichen Schemata vorkommen, ist der Roman durchschaubar und langweilig. Das Werk „Die Pilgerin“ gibt mehr historische Fakten und politische Hintergründe als bisherige Romane von Iny Lorentz wieder. Obwohl der Wälzer ein wenig trivial daherkommt, ist er dennoch für Historien-Liebhaber zu empfehlen.          

Lorentz, Iny: Die Pilgerin. Knaur. 702 Seiten. 16,90€

Geschrieben von Anne Regling

CD: Zu cool

Geschrieben von | Veröffentlicht am 29. Januar 2007 um 23:08 Uhr

Eric Clapton und J.J. Cales „The Road To Escondido“ (Reprise)

Eric Clapton nahm sein letztes Album „Riding With The King“ gemeinsam mit B.B. King auf. Das Resultat konnte sich damals sehen lassen. Bewährtes soll man beibehalten, muss „Slowhand“-Eric sich gedacht haben und lud auch für seine jüngste Platte eine der alten Blues-Koryphäen zu sich ins Studio ein. Nachdem er schon länger den Wunsch dazu hegte, kam es für „The Road To Escondido“ zu einer Zusammenarbeit mit niemand geringerem als J.J. Cale.

Es ist, als ob der Prophet zu seinem Berge kommt. Immerhin verdankt Clapton seinem alten Kumpel einige seiner größten Erfolge: „Cocaine“ und „After Midnight“ stammen ursprünglich aus Cales Feder, nur blieb diesem der ganz große Durchbruch versagt. Dabei setzten auch andere Größen des Bluesgeschäfts wie zum Beispiel John Mayall auf seine Songs. Clapton und noch vielmehr Cale sind für ihre lässige Spielweise, den „laid back“-Stil, bekannt.  Liebhaber dessen werden auf „The Road To Escondido“ ganz viel davon finden: Die Platte klingt so entspannt, als ob die beiden Gitaristen sie direkt in J.J. Cales Wohnwagen aufgenommen hätten. Völlig stressfrei gondelt man mit knapp 50 Meilen in der Stunde durch die 15 Nummern des Albums und wird dabei nur von wenigen, etwas flotteren Titeln („Dead End Road“) aufgerüttelt. Für einigermaßen temperamentvoll Veranlagte ist das dann aber doch nichts. Zwar wechseln sich Clapton und Cale fleißig bei Soli und Gesang ab, aber die Aufnahme kommt dennoch ein wenig zu unspektakulär daher. Die betonte Lässigkeit zweier Bluesmusiker sorgt hier leider nicht für doppelte Coolness, sondern eher für einfache Langeweile.

Geschrieben von Robert Heinze

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