Des Nazis schicke Sportklamotte

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 19:31 Uhr

Thor Steinar als Schafspelz junger Rechtsradikaler

Wer in Greifswald und auch sonstwo mit einem Quentchen Aufmerksamkeit unterwegs ist, dem fällt gelegentlich jemand in trendgemäßer Sportswear namens Thor Steinar (TS) auf. Wer es genau wissen will fragt sich dann, was das denn sei und warum diese Kleidung Embleme mit Maschinengewehren und Schriftzüge wie Hausbesuche zieren. Doch fällt das oft gar nicht groß ins Auge. Gerade diese Unauffälligkeit ist jedoch der Sinn der Sache, was auch die Gefährlichkeit von TS ausmacht.

Es handelt sich bei TS um einen nicht mehr ganz neuen Trend. Nazis verzichten auf das klassische, martialische Outfit von Bomberjacke und Springerstiefeln. Heutzutage kleidet Braun sich trendy. Antifas wurden so anfänglich nicht unbedingt aufmerksam, untereinander erkennt man sich aber als Gesinnungsgenossen.

Verkauft wird TS seit eineinhalb Jahren von der Firma MediaTex GmbH aus Zeesen südöstlich von Berlin, registriert auf einen Axel Kopelke. Der Vertrieb organisiert sich über die schicke Internetseite oder auch über Modeboutiquen, die sich nicht am Gesinnungsgehalt der Klamotten stören. Dieser ist nämlich hochbrisant. Das Logo setzt sich aus zwei germanischen Runen, der Tyr-Rune (Todesrune) sowie der Gibor-Rune (Wolfsangel) zu einer sogenannten Binderune zusammen.

Die Tyr-Rune war während der NS-Zeit im Zeichen der SA-Reichsführerschulen und der 32. SS-Division ?30. Januar? enthalten. Die Gibor-Rune wurde von der SS-Panzerdivision ?Das Reich? sowie von Nazi-Werwolfeinheiten und Sabotagegruppen am Ende des Zweiten Weltkriegs verwendet. Doch ist das Logo von TS auch in der Nachkriegsgeschichte nichts Neues – es ist fast deckungsgleich mit dem Symbol des rechtsextremen “Thule Seminar”, über das auch der Verfassungsschutz urteilte:

“Das Thule Seminar ist [...] auf der Seite derjenigen Rechtsextremisten positioniert, die ihre Ablehung der Institutionen und Wertvorstellungen der demokratischen Verfassungsstaaten aggressiv und offen zum Ausdruck bringen”.

Der Markenname an sich, vor allem in Verbindung mit dem Namen einer Kollektionsreihe “Division”, wird als gezielte Hommage an den von Neonazis verehrten SS-General Felix Steiner verstanden.

Doch imagepolierende Kampagnen antirassistischen Inhalts wie von der britischen Marke “Lonsdale” sind von der MediaTex GmbH nicht zu erwarten. Zwar sagt Geschäftsführer Uwe Meusel (29) “Wir haben mit keiner Organisation auch nur ansatzweise etwas zu tun”. Doch Jonas Grutzpalk vom Brandenburger Verfassungsschutz weiß: Der Firma gehören Rechtsextremisten an.

Auf das Logo angesprochen antwortet Meusel:  ”Unser Logo? Das ist ein T und ein S, in Runenschrift.” Und: “Warum fragen Sie uns nicht, wie viele Arbeitsplätze wir hier in Brandenburg geschaffen haben??” Fragt man ihn dann danach, antwortet er: “Das werde ich Ihnen jetzt nicht sagen.”

Er ist der Meinung: “Ich muss mich hier nicht distanzieren.” Auch der Anwalt der MediaTex GmbH verweist darauf, dass es nicht das Problem der Firma sei, wenn Leute, die mit der Verfassung Probleme haben, die Sachen tragen.

Klaus Parker, Jurist und Rechtsextremismusexperte, ist da anderer Meinung: “Im Gegensatz zu Lonsdale, die nichts dafür können, gehört Thor Steinar zu den Marken, die eindeutig für die rechtsextreme Szene produziert werden.”

Der Meinung schloss sich nun kürzlich auch die Staatsanwaltschaft Neuruppin an, die vor dem Amtsgericht Königs-Wusterhausen die Beschlagnahmung der Kleidung verfügte sowie jedem, der die Marke trägt, mit einem Strafverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen droht. (AZ 2.2 GS 594/04)

Dr. Gerd Schnittcher, Leitender Oberstaatsanwalt in Neuruppin, erhofft sich eine von diesem Urteil ausgehende Signalwirkung. Sie müsste eine Entscheidung vor einem Oberlandesgericht verursachen. Das Urteil eines Amtsrichters kann in der nächsten Instanz des deutschen Gerichtsweges leicht wieder aufgehoben werden. Außerdem ist das Urteil über dir Beschlagnahme von TS höchst umstritten.

Nachdem nun jedoch selbst die London Times auf das Urteil aufmerksam wurde, hat die MediaTex GmbH zwei Tage nach dem Urteil ?alle Händler aufgefordert, die Logos zu entfernen oder die Ware zurückzugeben?, so der Anwalt der Firma. Und weiter: “Aber ein neues Logo ist bereits in der Mache.”

Es bleibt also abzuwarten, was aus TS wird. Rechtsextreme sind kaum noch davon abzubringen, sich modebewusst und damit unauffällig doch füreinander erkennbar zu gewanden. Aufmerksamkeit empfielt sich unbedingt.

Geschrieben von Stephan Kosa

Greifswalder Akzente gegen Rechts

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 19:27 Uhr

„No Exit“ in unserer Stadt

Wenn es im öffentlichen Diskurs mal wieder um das Thema Rechtsextremismus geht, scheinen die Fallbeispiele immer furchtbar weit weg, unbedeutend, irgendwie banal und teilweise sogar lächerlich. Aber leider trügt der Schein. Rechtsextreme Gruppierungen sind oft gut organisiert und auf dem Vormarsch. ?Salonfähig? geworden, treten sie als Kameradschaften und Bürgerinitiativen auf oder übernehmen bei Volksfesten die Ordnerfunktion.

In den ländlichen Gegenden Vorpommerns gehören sie dabei vielfach schon zur Gemeinschaft und zum Straßenbild. Bei ihren Auftritten machen sich die Rechtsextremisten häufig aktuelle Themen zunutze und versuchen  auf teils plumpe, teils subtile Weise, aus den Ängsten der Menschen vor Arbeitslosigkeit, Altersarmut oder der omnipräsenten Europäisierung politisches Kapital zu schlagen.
Kay Bolick von der Organisation LOBBI (Landesweite Opferberatung, Beistand und Information für Betroffene rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern) weist in seinen Vorträgen auf diese alarmierenden Strategien hin. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern von LOBBI und berät seit drei Jahren Opfer rechter Gewalt. In seiner Präsentation im IKUWO am 5. November illustrierte er deutlich, dass sich längst rechte Strukturen etabliert haben, welche sich aus Kameradschaften, nationalistischen Bündnissen und Parteien zusammensetzen, die erstere politisch ergänzen. Obwohl verboten, arbeiten diese Netzwerke sehr effizient: Es gibt gut funktionierende Verbindungen zwischen Gruppierungen in Nord-, Süd-, Ost- und Westdeutschland und darüber hinaus den ?Nationalen

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Kommunikationskulturen

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 19:26 Uhr

Ein Buch geht der Frage nach, warum Ost und West aneinander vorbeireden

Nach 15 Jahren Einheit spaltet sich unser Land immer noch in zwei Teile. Ost und West. Dass dies nicht an Einkommensverhältnissen oder politischen Ansichten liegt, behauptet Olaf Georg Klein, der Autor des Buches ?Ihr könnt uns einfach nicht verstehen – Warum Ost- und Westdeutsche aneinander vorbeireden?. Klein, der auch ?personal coach? in Berlin ist, bewegt sich auf dem Gebiet von zwischenmenschlicher Kommunikation, wozu schon Paul Watzlawick entscheidende Axiome aufgestellt hat.

Die wichtigsten zwei Grundannahmen: ?Man kann nicht nicht kommunizieren? und ?Jeder Dialog besitzt einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt? werden von Klein voll und ganz aufgegriffen. Auf diese Aussagen gestützt, begründet er, warum ?Ossis? und ?Wessis? aneinander vorbeireden. Hier sind auf nonverbaler Ebene die Länge des Blickkontaktes, der Abstand zweier Personen im Gespräch, spontane Berührungen und Pausen während des Sprechens entscheidend. In diesen Punkten soll es kulturelle Differenzen geben, so dass in der östlichen Kommunikationskultur ein Blickkontakt von vier Sekunden als normal gilt während in der westlichen Kommunikationskultur alles über einer Sekunde als unangenehm empfunden wird. Anhand dieser Beispiele sieht Klein die Begründung, warum Ost und West sich einfach nicht verstehen können.
Denn selbst wenn auf nonverbaler Ebene eine Übereinstimmung erreicht wird, folgt die nächste Hürde der Kommunikation, das Gespräch. Schon  in den ersten Worten liegt die Schwierigkeit auf Symphatie zu stoßen, denn in der Gesprächseröffnung gehen westliche und östliche Kulturen verschiedene Wege. Im Osten hebt man sich nicht zu sehr hervor, im Westen hingegen beginnt man ein Gespräch positiv und auf sich selbst bezogen. Kommt es dann auch noch zu einer Diskussion, stehen sich wieder einmal kommunikativ zwei verschiedene Menschen gegenüber. Der eine geht auf Konsens und Übereinstimmung, der andere lebt seine Streitkultur aus und versucht, Probleme offen anzusprechen um sie lösen zu können. Spätestens wenn alle nur noch schweigen, versteht der Wessi den Ossi nicht mehr und umgekehrt. Denn während in der östlichen Kommunikationskultur das Schweigen als ?Nein? interpretiert wird, versteht die westliche Kommunikationskultur stillschweigende Zustimmung.
Diese Ja-Nein-Falle beendet dann schließlich auch das letzte Gespräch und Olaf Georg Klein kommt zu Hilfe. Zu dieser Ansicht kommt auch die Frankfurter Rundschau, wo Birgit Loff den Autor hoch lobte. Doch nicht immer werden die Ansichten von Klein vertreten und so meint die Süddeutsche Zeitung, dass Klein den Osten zu sehr liebe und den Westen zu wenig kenne um ihn scharfsinnig analysieren zu können. Olaf Georg Klein scheint jedenfalls hinter seinem Konzept zu stehen, das er nach jahrelanger Erfahrung im Praxisbereich mit Wirtschaftsunternehmen gesammelt hat.
Bleibt nur noch die Frage offen, ob es denn sinnvoll erscheint, das Problem zwischen Ost- und Westkulturen allein von einer einzigen Seite aufzurollen und sein Gesichtsfeld auf den Aspekt der Kommunikation zu beschränken oder ob man vielleicht auch die politischen, soziologischen und  kulturellen Faktoren miteinbeziehen sollte.
Klein trägt sicherlich zu den Problembehebungen zwischen Ost und West bei, jedoch schließt man aus rein kommunikativer Sicht leicht Aspekte aus, die zur Lösung beitragen würden.
Zum Schluss ist der politische Wandel nicht zu unterschätzen. Denn wie kann eine Generation, die seit der Weimarer Republik nicht auf demokratischen Boden gelebt hat in gerade einmal 15 Jahren Demokratie lernen?
Und auf der anderen Seite, kann eine Generation, die 40 Jahre länger das Gut der Demokratie besaß, kann nicht meinen, von heute auf morgen ein sozialistisch geprägtes Land zu vereinnahmen und die Ansicht vertreten, dass der Ossi zum Wessi werden muss, weil er dann ein besserer Mensch ist.
Nach 15 Jahren der Einheit gibt es eines ganz gewiss: Zwei Kulturen, die lernen müssen einander zu tolerieren und kennenzulernen. Denn wer sich nicht kennt, kann auch nicht über den anderen urteilen und nur so kann es in Richtung einer wirklichen Einheit gehen. Wenn man dazu Kommunikationstheorien in praktischen Nutzen umsetzt um dem anderen aufgeschlossen entgegenzutreten, dann kann auch Kommunikation zwischen Ost und West funktionieren.

Geschrieben von Kilian Jäger

Zur Lage der Nation

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 19:25 Uhr

Dem Deutschen Volke eine Jahresabschlussbilanz

Wir Deutschen sind schon ein tolles Völkchen. Ein Volk, das seine besten Zeiten gehabt zu haben scheint. Wir hatten Dichter, Denker, Demagogen, den Dreißigjährigen, Den Ersten und Den Zweiten (Welt)Krieg. Wir hatten alles, was es gibt, sogar Demokratie und Durchbruch.


Ja Leute, ich will ehrlich sein, der Drops ist wohl oder übel gelutscht. Den Blick ostwärts gerichtet stelle ich fest, “Jetzt sind andere am Zuge”.

Vorbei die Zeit der üppigen Industrienation mit einer handvoll Arbeitslosen. Jeder Aufschwung, und sei er noch so schön, ist irgendwann vorbei. Und für uns scheint dieser Zeitpunkt gekommen zu sein. Lange angekündigt, aber nun erst so richtig in Rollen gebracht, beginnt heute die Zeit der deutschen Zurückentwicklung. Oder anders: Jetzt fängt es an Spaß zu machen.

So doof wie Hundert Meter Feldweg

Da haben wir den ersten Indikator: Die gesamtdeutsche Verblödung. Pisa hin Pisa her, blöd zu sein ist gar nicht schwer. Das Beste daran ist ja noch, dass es den Leuten egal ist, was sie nicht wissen. Doch mal ehrlich, Hand auf Herz: Wie und Wo lernen wir denn heute überhaupt noch etwas? Ist es nicht so, dass ein Großteil der Bürger ihr Wissen bei Galileo und Barbara ?Ich will keine Schokolade? Salesch empfängt. Wo ist der Fünfzehnjährige, der den Namen des deutschen Umweltministers weiß? Wo bist du, Oh Herr?

Mal ganz abgesehen davon, dass das niemanden wirklich interessiert, sind wir damit schon bei Bergab-Indikator Nummer Zwo. Politik. Denn wenn einer Schuld am Niedergang dieses unseres Landes zu tragen hat, dann ja wohl dieser unfähige Haufen alter S[zensiert]e im Bundestag. Ach wie fühlt man sich da an Heines Wintermärchen erinnert und möchte am liebsten ein paar Strophen hinzudichten oder zumindest auswendig lernen. Prost Pisa übrigens. Unsere Regierung, dieses Sammelsurium menschlich bedauernswerter Geschöpfe, die sich in dubiosen Machenschaften ergehen jenseits von veruntreuten Parteigeldern. Ach wie haben wir sie lieb.

Doch Leute, in einem Punkte, da bin auch ich glücklich über unsere Regierung, da kann sich einfach fast jeder freuen. Das ist der Punkt, da sage auch ich ?Ja? zu deutschen Größen wie Fischer, Schröder, Trittin und natürlich auch zu Hans ?Ich bin kein Teil des Gliedes? Eichel. Das liegt allein daran, dass nur wegen denen dieses Land nicht von den anderen, der Opposition, gelenkt wird. Wenn es dann doch irgendwann mal die erste schwarze Kanzlerin gibt, na dann Prosit Merkel, äh, Mahlzeit. Wenigstens würde sich der Bush freuen, denn dann ist Deutschland endlich wieder mit dabei, wenn es heißt, ?Endlich Krieg?. Und was das Beste daran ist: Am Ende sind wir Schuld. Und in den Geschichtsbüchern, sofern es noch welche geben wird, wohl aber in der BILD-Zeitung, wird stehen: ?Deutschland! Schuld am dritten Weltkrieg?. Aber vielleicht geht’s dann ja mal wieder bergauf. Kennt doch jeder Geschichtsstudent den Leitsatz: Krise, Krieg Aufschwung.

Abgesehen von stupidem Machtgerangel, Bürgerschwindel, Stasiaktenherauskramen von unbequemen Nachfragern, Magenkuhleboxen, ________________,  (Platz für eigene Kreationen) haben unsere Politiker also alles andere zu tun, als dieses Land zu regieren.
Nichtsdestotrotz aber sind sie doch nur unser, der Bürger, verlängerter Arm. Unsere Repräsentanten. Und wenn man bedenkt, dass man von den Leuten regiert wird, die man verdient, dann wird man erkennen, dass sie eigentlich alles richtig machen beim Repräsentieren.

Wir Deutschen selber sind also Indikator Nummer drei. Ein verstrittenes, verbohrtes, jammerndes Häufchen Elend im Herzen Europas. Man mag kaum glauben, dass wir zu einer friedlichen Einigung im Jahre 90 fähig waren. Dass das wir selber, wir das Volk, waren. Unglaublich! Schaut uns doch an. Es kümmert doch keine Sau, wenn selbst dieser unser Feiertag, der Tag des deutschen ?Wir sind ein Volk? Volkes abgeschafft werden soll. Feige, und ranzig wie alte Butter, die mit ihrem gelben, zerlaufenen Fett unsere Küche verpestet warten wir auf das Jungle-Camp und die obligatorischen Scheißhausfliegen in Gestalt vergilbter Prominenter. Puh, wie es stinkt! Ein bisschen Spaß muss sein…

Wer auf die Straße geht wird ausgelacht. Wer nicht auf die Straße geht, guckt Salesch und Jungle-Camp. Nur meckern tun wir alle. (Außer Herr Esser.) Man hat mittlerweile gelernt immer die anderen für das eigene Elend zu hassen. Das befreit und ist einfach zu machen. So sind irgendwie alle Schuld, nur ist sich dessen keiner bewusst. Haha.

Wir graben uns das eigene Grab, verschrumpeln langsam zu einem widerwärtigen Volksgeschwür. Wenn so zusammenwächst, was zusammengehört, na dann Prosit Neujahr Herr Brandt. Das hätten sie nicht gewollt. Doch wer macht uns so träge, so ängstlich, so dumm? Sind es Existenzängste, die gescheut durch Arbeitsplatzerpressung hervorgerufen werden? Eine gute Frage, die uns den vierten Indikator auf dem Weg zum Postentwicklungsland näher bringt. Die gute alte deutsche Industrie. Unsere Zwei Kriege gingen auch auf deren Rechnung, vor allem aber ging die Rechnung für diese auf.
Da sind unsere Konzerne, die die Manager mit Geldern bezahlen, die 100 andere zusammen nicht in zwanzig Jahren erwirtschaften.

Da sind die Forderungen nach der 50- und 60- bald auch noch 100-Stunden Woche. Man droht ganz einfach mit Kündigung und Standortwechsel. Oder man kürzt Zusatzleistungen mit den Worten: ?Seid froh, dass ihr noch arbeiten dürft.? Da muckt doch keiner mehr auf, hierzulande. Ob die Gewerkschaften ein weiterer Bergab-Indikator sind, steht auch noch zur Debatte, beweisen doch sie, dass Organisationen ab einer bestimmten Größe irgendwann nur noch zum Selbstzweck wirtschaften.

O ja, wie ineffizient wir arbeiten, wir Deutschen. Wenn es eines gibt, was hier noch günstig ist, dann sind es wohl die Managergehälter. Denn die kriegen sogar bei Rauswurf die Millionen nur so nachgeworfen.

Mähh!

“Wir sind ein Dummes Volk. Mähhh.” Das habe ich 1992 an einem der Wohnblöcke meiner Heimatstadt gelesen. Von Jahr zu Jahr habe ich mehr das Bedürfnis dem Sprayer für diese Aussage die Hand schütteln zu müssen. Ich ging jeden Morgen daran vorbei, zur Schule. Ich musste lachen. Heute kann ich nicht mehr lachen. Heute mache ich nur noch Mähhh.
Ja und sehen sie, wie einfach es geht! Probieren sie es aus: Mähhh. Mähhh. Mähhhh. Arztpauschale 10 Euro! Mähhh! Geht halt keiner mehr zum Arzt der, keine Kohle hat, steigen halt die verschleppten Grippen, kostet halt 3 Milliarden. Mähh! Senken wir eure Löhne! Und wenn ihr streikt – Mähh. Bauen wir halt ein Werk in der Ukraine! Mähh. Benzin muss teurer werden! Mähh. Das Geld stecken wir uns in den Hintern! Mähh! Zahlt Krankenversicherung! Mähh! Und zahlt eure Medikamente selber! Mähh. Zahlt, Zahlt und macht Mähh, und geht doch zu Hause.

Ja so könnte ein jeder von uns diesen Schafschor um ein bis tausend Beispiele ergänzen. Mähh! Es ist schon traurig, nicht wahr? Wenn man es sich so vor Augen hält. Fehlt eigentlich nur noch, dass Gott unserem Kanzler erscheint, um ihn von der Richtigkeit seiner Kanzlerschaft zu überzeugen.

Es ist, als würden wir bergab rollen, leider noch nicht schnell genug, darum müssen wir treten und treten. Alle Hand in Hand, bringen wir dies Land so richtig die Abfahrt runter, wieso auch nicht: Runter geht ja besser als hoch. Ich bin nur mal gespannt, was unten auf uns wartet.

Vielleicht ja wieder mal eine Mauer. Oder ist das alles gar nicht wahr? Bauschen wir diese ganzen Dinge nur auf, um was zum Meckern zu haben oder zum Mähen? Möähh! Geht es uns noch viel zu gut, uns Deutschen?

Sind wir nicht noch viel zu klug für Pisa? Sind nicht unsere Politiker die Besten? Sind wir nicht ein Volk? Haben wir nicht die netteste Industrie der Welt?

Und nun? Was jetzt?

Nein, ich schreibe hier keine Zusammenfassung, keine belehrenden Worte, die mit Basta enden, ich will nur noch eine Frage stellen, obwohl ich schon viel zu viel gefragt habe.
Glaubt ihr im Osten etwa immer noch, dass ihr irgendwann auf Hundert Prozent kommt? Da zumindest eure 100 Prozent den Wessis so was von egal sind, und da es euch Ossis nur um Gleichberechtigung geht, wird zumindest dieses Problem schon seit Monaten gelöst.
Stichworte wie Opel, Mercedes, Minus Weihnachtsgeld, Minus Urlaubsgeld… reichen doch wohl aus, um zu erkennen, dass man nicht bestrebt ist den Osten auf Westniveau zu bringen, sondern den Westen auf Ostniveau. So hat der Osten seine Gleichberechtigung und dem Westen war es ja eh egal. Mähh!

Ja genau EGAL. Ist es womöglich jenes EGAL, dass uns geißelt? Das Kifferwort EGAL! Egal ist 88 erklärt dann ja wohl auch die Landtagswahlen in Sachsen Anhalt. Macht das EGAL, die Deutschen so schwach. Lässt sie zwar meckern, aber egal (Mähh!).

Vielleicht sollte es uns nicht egal sein, wenn Feiertage abgeschafft werden sollen, Menschen für ihren Rauswurf 30 Millionen. kassieren, Lohn gekürzt und Abgaben erhöht werden. Vielleicht sollte uns Deutschen im Neuen Jahr 2005 einfach nicht mehr soviel egal sein. Aber egal.

Geschrieben von Eric Wallis

Tutor – Wer ich?

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 18:47 Uhr

Vorgestellt: Das LEI Greifswald
- Mit Langzeitwirkung

Für alle, die es noch nicht wissen, sei es jetzt einmal gesagt: Tutor werden ist nicht schwer. Wer jetzt an die Belange seines Institutes denkt, an die Erstsemesterwoche oder die ersten Hinweise für all, jene die ihr Studium in Greifswald beginnen, der ist schon auf dem richtigen Weg. Aber nur fast. Mit dem Wort ?Tutor? sind vielmehr all jene gemeint, die sich fürsorglich um die ausländischen Studenten, die an unsere alma mater kommen, kümmern und sie durch die ersten Wochen, durch ein oder zwei vielleicht sogar Semester begleiten. Wenn der Kontakt dann auch schließlich länger hält, dann auch ein Leben lang. Als Tutor für ausländische Studenten kann man viel Erleben und lernt Neues hinzu. Aber dazu kommen wir noch. Fangen wir erst einmal an.

Auf der Seite des Akademischen Auslandsamts findet sich eine Rubrik, die heißt LEI Greifswald. Hinter LEI verbirgt die Lokale-Erasmus-Initiative. Weiter heißt es da: ?Erasmus von Rotterdam reiste gern in Europa und wünschte sich ein Zusammentreffen der europäischen StudentInnen, so dass sie miteinander und voneinander lernen und ihre Kulturen gegenseitig kennen lernen sollten.? Gaststudenten, die nach Greifswald kommen, erhalten eine Bezugsperson, die ihnen hilft, Rat gibt und Probleme wälzt. Jemand, der möglichst passt.
Seit dem Wintersemester 2000 gibt es LEI in Greifswald. Am Ende eines Semesters treffen sich die TutorInnen und besprechen die Planung für das kommende Semesterprogramm. Jeder erklärt sich für ein oder zwei Sachen bereit, die er dann organisiert. Adressen, Telefonnummern und Email werden ausgetauscht. Das Akademische Auslandsamt schlägt jedem die zu betreuenden Studierenden vor. Auf einer Liste kann man seine Wunschländer angeben, die dann möglichst berücksichtigt werden.
Zwischen Planung und Anreise steht dann der erste Kontakt. Meist per Mail. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich über Anreisetag und Art der Anreise aus. Gut ist dabei, einige Ratschläge zu. Beispielsweise bräuchte dann in Greifswald erst ein unter Umständen teures Vorhängeschloss gekauft werden. Das kann ja von zu Hause mitgebracht werden.
Dann geht es ziemlich rasch. Der Zug rollt in den Bahnhof ein, ein Treffen auf dem vereinbarten Parkplatz vor dem Wohnheim oder ein kurzer Anruf aus der Domstraße 8 – die erste Begegnung führt vorerst einmal in das Akademische Auslandsamt. Die Zimmerschlüssel für die Unterkünfte wechseln den Besitzer, gelegentlich ist eine Passkopie noch notwendig. Wenn dann noch Fragen verbleiben, helfen die Beraterinnen vom Akademischen Auslandsamt gern und freundlich.
Nach der Anreise fallen zuerst die behördlichen Gänge an. Ein Bankkonto wird eröffnet, die Einschreibung erfolgt, der Mietvertrag wird abgeschlossen, ein Besuch beim Einwohnermeldeamt und der Ausländerbehörde. Im bürokratischen Papierkrieg tut es gut, wenn dann jemand, einmal kurz über die Schulter schaut, ein Wort oder eine Frage der Sachbearbeiter rasch erklärt. Die/ der eine oder andere unter den Schützlingen besucht noch einen auffrischenden Deutschkurs in der Makarenkostraße.
Sind die offiziellen Dinge geregelt,  dann lockern Fahrten beispielsweise nach Berlin, Partys oder Weihnachtsfeiern den gaststudentischen Alltag auf. Spaß gehört schließlich zum Studium. Dazu kommen Angebote wie beispielsweise der Stammtisch oder das Sprachtandem.
Jede Woche am Dienstagabend findet im Internationalen Kultur- und Wohnprojekt (IKUWO) der LEI-Stammtisch statt. Ausländische und deutsche Studierende treffen hier bei einem guten Gläschen und sich über ihre Kulturen austauschen. Seit diesem Wintersemester gibt es das Sprachtandem wieder. Wer immer schon einmal beispielsweise Polnisch, Spanisch oder Finnisch mit und von einem Muttersprachler lernen wollte, der sollte sich für weitere Infos an folgende Adresse wenden: EMAU_tandem@hotmail.com
Das gilt natürlich auch für alle, die gern einmal Tutor werden wollen, um auf die Gastfreundlichkeit unseres Landes unter Beweis zu stellen. (Adresse siehe unten) Denn das LEI und der Studienort genießen im Ausland ein gutes Ansehen. Daher sollte es nicht verwundern, wenn in jedem Semester die Zahl der Gaststudenten steigt. Daraus lassen sich Kontakt knüpfen, aus den langfristig gepflegten Beziehungen entstehen. Für die Greifswalder Universität als Tor zum Ostseeraum und darüber hinaus, ist dies nicht ganz unwichtig. Außerdem ist es schön, zu Weihnachten eine Karte mit einem Gruß aus der Ferne zu erhalten. Wie gut, dass es die Initiative seitens des Akademischen Auslandsamtes gibt.
Bei Fragen bitte eine E-Mail an lei@uni-greifswald.de oder direkt beim Akademischen Auslandsamt vorbeischauen.

Geschrieben von Uwe Rossner

Stranger in Greifswald: Wenn die EU eine Praline wäre, hätte Belgien die Schokolade geliefert

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 18:41 Uhr

Wer ihnen in Brüssel auf der Straße begegnet hält sie für ein ganz normales belgisches Pärchen, das sich beim ?Slow? tanzen* kennen gelernt hat, das ordentlich abgeschlossene Studium dazu nutzt bald beruflich durchzustarten und demnächst eine kleine Familie gründet. Wer ihnen in Greifswald begegnet, am Institut oder auf Partys, stellt bald fest: Sophie Martens und Michiel vanHee erfüllen dieses Schema nicht und sind irgendwie was Besonderes.

Um sich dem geregelten Leben noch einige Zeit zu entziehen, Neues auszuprobieren und noch mindesten 3 weitere Sprachen zu lernen, haben sich die beiden entschlossen nach dem abgeschlossenen Dolmetscherstudium nach Deutschland an die Uni zu kommen. Falsche Zeugnisübersetzungen in Kombination mit hohen NCs  haben den Traum von Berlin schnell zerplatzen lassen. Durch Zufall erfuhren sie von Greifswald, das durch sein gutes Angebot im Bereich der Nordistik und Slawistik und seine formale Unkompliziertheit bestach. ?Außerdem hatte es einen Hauch von Exotismus und hat nach Urlaub gerochen” sagt Michiel, den der Osten Deutschlands schon seit längerem interessierte. Mit einem riesigen Anhänger machten sie sich also bald auf nach Greifswald um Polonistik, Nordistik und Russistik zu studieren. Unterschlupf gefunden haben sie stilecht studentisch in einer Platte in Schönwalde, und haben somit die Chance täglich nicht nur mit den Greifswalder Studenten, die sie als sehr offen, diskutierbereit und freundlich empfinden, in Kontakt zu treten, sondern auch andere Deutschen zu treffen, die sich teilweise als schwierige, gefrustete Zeitgenossen entpuppen. Mit offenkundiger Ausländerfeindlichkeit wurden sich allerdings nicht konfrontiert.
Wenn Sophie und Michiel nicht gerade ihrer Leidenschaft nachgehen Sprachen zu lernen und Vokabeln aus kiloschweren Wörterbüchern lernen oder kleine Comics zu deutschen und niederländischen Sprichwörtern zeichnen, verbringen sie ihre Zeit z.B. beim Ausländerstammtisch im IKUWO, in der ?Tschaika?, sehen sich ausländische Filme, ‘bitte in Originalsprache’, an, oder beschäftigen sich mit ihrer anderen Leidenschaft, der Musik, sowohl passiv als auch aktiv.
Greifswald gefällt ihnen sehr gut, aber empfehlen hierher zu kommen würden sie nur Leuten, die tolerant und absolut offen für Neues sind. Eine gute Priese Humor hilft außerdem alles merkwürdige etwas leichter zu nehmen und bricht das Eis. In diesem Sinne: ?Man muss kein Elch sein um sich als Weihnachtsmann zu verkleiden, aber es liegt halt viel näher.”                         juli

* langsamer Paartanz zu romantischer Musik, bei dem sich alle belgischen Pärchen kennenlernen

Geschrieben von Juliane Hesse

Kino: Ziellose Revoluzzer

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 18:38 Uhr

Das psychologisches Kabinettstückchen ?Die fetten Jahre sind vorbei? überfordert deutsche Jungstars

Wenn ?die neue deutsche Hoffnung?, ?der Newcomer?, ?der Jungstar? Daniel Brühl einem Film seine mimischen Fähigkeiten zur Verfügung stellt, ist das ein Leise-Töne-Revoluzzer-Produkt mit einem Extra an Weltverbesserungspotential. Aber: Die fetten Jahre sind vorbei. So gesehen im neuen Film von Hans Weingartner.

Julia (Julia Jentsch) darf nach einem selbstverschuldeten Unfall für die nächsten Jahre den Mercedes eines reichen Managers (Burghard Klaußner) abzahlen, ihr Freund Peter (Stipe Erceg) bricht derweil mit seinem besten Kumpel Jan (Daniel Brühl als Daniel Brühl) in vornehme Villen ein. Dabei sind die beiden nicht auf Beutefang, sondern vielmehr auf Erziehungstour: Teure Vasen, mondänen Kitsch und edle Sessel verknäulen sie zu einem modernen Konsumturm zu Babel. Darauf hinterlassen sie wahlweise die Botschaft ?Die fetten Jahre sind vorbei? oder ?Sie haben zuviel Geld. Die Erziehungsberechtigten?.
Verwickelt wird die Situation, als sie in das Haus des Neureichen geraten, an den Julia ihre Schuld abzutragen hat. Eins kommt zum anderen und schwuppdiwupp befinden sich die Drei mit dem Manager als Geisel auf einer Alm in den Bergen. Dass der Gekidnappte ein Alt-68er ist, der seine Ideale irgendwann wie Ballast abgeworfen hat, macht die Situation nicht leichter. ?Das Rebellieren ist schwieriger geworden?, stellt Jan fest. Che-Guevara-Shirts als Modeobjekt, Anti-Haltung als Lebensgefühl, komplette Meinungsfreiheit als Diskussionskiller. Der Film beschreibt das Dilemma vieler Rebellen: Denn sie wissen nicht was sie tun. Das ?Dagegen? ist klar, das ?Wofür? nicht. Die Reflektion der Protagonisten verliert sich zu oft in diffuser Anklage gegen das Establishment, ihr Beitrag zu verantwortungsvollerem Miteinander ist das Möbelrücken und Fernsehantennenkappen. Immerhin, möchte man sagen, immer noch entgegnen.
So ziellos wie die Suche nach dem gelobten Staat wirkt stellenweise auch der Film. Die darstellerische Kraft der Schauspieler reicht nicht, um das psychologische Kabinettstückchen zu tragen, dessen Anlagen sich zumindest vermuten lassen. Und die unvermeidliche Liebesgeschichte zwischen Jan und Julia lässt erschaudernd wünschen: Herr Brühl, den nächsten Film ausnahmsweise nicht als Gutmensch!

Geschrieben von Britta Voß

Stranger in Greifswald: Justyna Zagrodzka

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 18:35 Uhr

Name: Justyna Zagrodzka
Alter 26:
Herkunft: Polen
Studienrichtung: Deutsch als Fremdsprache


moritz: Warum bist Du nach Deutschland gekommen?
Ich habe in Polen angefangen Germanistik zu studieren. An meiner Uni war viel los. Wir haben eine Germanistenkonferenz, DaF-Studierendentagung und verschiedene Austauschprogramme organisiert und Studenten aus der Ukraine, Slowakei und Deutschland empfangen, Inzwischen war ich mit einem Studentenaustauschprogramm in Saarbrücken, Bayreuth und Ostrova. Jeweils nur für 1 Woche. Und ich hatte Verlangen nach mehr….

Warum gerade nach Greifswald?
Ich habe so gut wie alle Internetseiten von deutschen Unis durchgewühlt, Angebote verglichen und dann wusste ich nicht weiter. An der Uni, die ich wählen wollte, sollte DaF angeboten werden und die Stadt sollte auch nicht zu groß sein. Dann bin ich auf Greifswald gestoßen. Das passte – und dann noch die Ostseeküste – herrlich.

Was gefällt Dir an Greifswald und an unserer Uni?
Als ich das ersten Mal hier war und aus dem Zug ausgestiegen bin, war mein erster Gedanke: ?Bin ich jetzt falsch ausgestiegen?? Ganz schnell habe ich meine Meinung geändert. Es war an einem sehr warmen, sonnigen Septembertag und die Stadt sah so frühlingshaft und sonnig aus.
Greifswald ist die perfekte Stadt zum Studieren, alles ist in der Nähe, es gibt viele Studierende und die Stadt lebt. Das merkt man vor allem in der vorlesungsfreien Zeit, wenn alle plötzlich weg sind.

Gibt es Unterschiede zwischen Deiner polnischen Uni und der deutschen?
Ja, und zwar sehr viele. Hier hat man mehr Freiheit. In Polen dagegen habe ich jedes Semester einen neuen Stundenplan in die Hand gedrückt bekommen und alles was drin stand, alle Seminare und Vorlesungen musste ich besuchen. Unabhängig davon, ob ich die interessant gefunden habe oder gar nicht.
Das Beste kommt jetzt: am Ende jedes Semesters ist Prüfungszeit, man hat 2-4 Prüfungen (manchmal auch mehr) innerhalb von 2 Wochen zu bestehen. Jeder ist voll im Stress. Ich finde es aber leichter ein Studium in kleineren Schritten zu schaffen, als sich hier, zum Beispiel für die Zwischenprüfung vorzubereiten und alles, was man in 2 Jahren gelernt hat auf einmal zu wiederholen.

Wie feiert man in Polen das Weihnachtsfest?
Weihnachtszeit in Polen? Ist ähnlich, wie in Deutschland, die Zeit, die man mit der Familie und den engsten Freunden verbringt. Am wichtigsten ist der Heilige Abend. Man setzt sich an den festlich gedeckten Tisch, wenn der erste Stern am Himmel aufleuchtet. Man teilt den Weihnachtsoblaten miteinander und wünscht sich Frohe Weihnachten. Am Tisch ist noch ein zusätzliches Gedeck bereit gelegt, für einen Gast, der vielleicht noch unerwartet vorbeikommt. Dieses Gedeck soll auch an die Verstorbenen erinnern. Unter der Tischdecke sollte sich ein kleines Heubündel befinden. Das polnische Abendmahl ist fleischlos. Meist werden 12 Gerichte serviert, weil 12 Apostel Christus gefolgt sind. Die Zahl der Gerichte wird heute nicht immer eingehalten. Der Abend endet meistens mit der feierlichen Mitternachtsmesse in der Kirche. Da ist die ganze Familie, selbst die  Kleinkinder mit dabei. Das hat etwas Mystisches an sich.

Geschrieben von Jens Kirch

Immer das Theater mit den Frauen/Männern!

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 18:29 Uhr

„Falsch gepaart“ – Ein musikalischer Geschlechterkampf im Theater Vorpommern

Liebe Kati,

manchmal kommt es mir vor, als wäre es ein Traum, die Vorstellung, dass Mann und Frau gleichberechtigt und glücklich zusammenleben könnten.
Wohin ich auch schaue, überall teilt sich die Welt in Männlein und Weiblein. Das ZDF bringt den ?Pisageschlechterkampf?, in Berlin stellt ein einzelner Schauspieler in ?Caveman? die Urinstinkte von Mann und Frau dar und selbst hier in Greifswald bringt das Theater ein Stück auf die Bühne, in dem Mann und Frau stets aneinander vorbei reden.
Doch warum? Sind wir denn alle falsch gepaart?
In diesem Stück, wovon ich gerade sprach, ?falsch gepaart?, gab es eine Silberhochzeit zu feiern und zu Gast waren drei Paare und ein Single. Eine amüsante Konstellation. Aber noch nicht genug; diese Leute schafften es den ganzen Abend ein Vorurteil nach dem anderen zu bestätigen und nach kurzer Zeit fragte ich mich, warum man eigentlich in einer Beziehung lebt, wenn man sich nur Vorwürfe macht und hinter dem Rücken des Partners mit anderen herumknutscht.
Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende hatte ich den Glauben an die wahre Liebe verloren und sah keine große Aussageabsicht des Boulevardtheaters.
Ich ging an diesem Abend hinaus und stellte fest, wie verletzlich der Mensch doch ist, wenn er sich auf das andere Geschlecht einlässt.
Vielleicht weißt Du mir ja weiter zu helfen und siehst die Welt als Frau mit anderen Augen.

Mit freundlichen Grüßen –
Kilian Jäger
Lieber Kilian,

da gebe ich Dir Recht. Mann und Frau passen eben wirklich nur in der Mitte zusammen. Frauen verstehen nicht, wie Männer funktionieren und Männer werden nicht aus den Frauen schlau. Warum das so ist? Ich glaube, diese Frage wird auch in Zukunft nie beantwortet werden können. Allerdings wird es auch nicht besser, wenn immer die gleichen Klischees bedient werden; die verheiratete, sexuell frustrierte Frau geht fremd und der sexuell befriedigte Mann sitzt ahnungslos mit Bier und Fernbedienung vorm Fernseher und guckt Fußball.
Aber haben diese ganzen Vorurteile und Klischees nicht auch ihr Gutes? Was wären wir denn ohne sie? Mann und Frau würden bis an ihr Lebensende in aller Seligkeit friedlich nebeneinander leben bis das der Tod sie scheidet oder zumindest bis zur Silberhochzeit, die dann im tödlichen Dilemma um ein Salzfass endet, wie in dem Theaterstück ?Falsch gepaart?.
Aber wollen wir denn diese ganze Harmonie und das alles denn wirklich? Schließlich ist es doch nur der leidige Perfektionismus des Menschen, seine Sehnsucht nach Idylle, die ihm vorgaukeln, alles müsse eitler Sonnenschein sein.
Ich meine, ist es da nicht viel aufregender, wenn man während eines Streits auf die altbackenen Klischees zurückgreifen kann? Vielleicht ist es ja heutzutage auch gar nicht mehr möglich, ohne Klischees zu leben. Denn welcher Topf sucht sich seinen Deckel denn nicht mehr nach den gängigen Klischees aus? Ohne sie wären die Suche nach einem Partner und die anschließende Beziehung doch langweilig.
Was würden Alice Schwarzer, Simone de Beauvoir und die ganzen anderen Frauenrechtlerinnen dazu sagen, die Begriffe wie Feminismus, Gleichberechtigung und Sexismus prägten? Ich glaube, auch sie würden unsere Sorgen teilen.

Mit freundlichen Grüßen –
Kati Sass

Geschrieben von Kilian Jäger, Katharina Sass

Stranger in Greifswald: Bienvenido a Greifswald!

Geschrieben von | Veröffentlicht am 15. Dezember 2004 um 18:29 Uhr

Marta Lobato und Adrián Álava haben ihre Schönwetter-Heimat Spanien gegen den rauen Winter Deutschlands eingetauscht. Und doch: Die beiden Erasmus/ Sokrates Studenten leben und studieren gern hier.

moritz: Wie seid ihr auf die Idee gekommen in Deutschland und vor allem in Greifswald zu studieren?
Marta: Ehrlich gesagt, hatte ich keine große Auswahl, aber mir gefällt es hier sehr gut.
Adrián: Das ist jetzt schon mein drittes Semester hier in Greifswald. Ich interessiere mich sehr für die deutsche Sprache und die deutsche Kultur.

So ein Auslandssemester kann ziemlich lang werden, was vermisst ihr am meisten?
Marta: Natürlich meine Freunde und meine Familie. Mir fehlt aber auch das Sonnenlicht. Es wird hier immer so früh dunkel und die Nacht ist sehr lang.
Adrián: Ich vermisse den Geruch des Meeres, es ist einfach eine andere Seeluft bei uns. Vor allem fehlt mir jedoch das Nachtleben. Ab neun Uhr abends kann man in Spanien in den Straßen kaum noch treten. Alle sind unterwegs, hier ist dagegen ziemlich ruhig.

Gibt es noch mehr worin sich eurer Meinung nach die deutsche Kultur von der spanischen unterscheidet?

Adrián: Die Deutschen sind distanzierter. Einfach strenger. Ich glaube, dass viele Europäer gern in Spanien Urlaub machen, weil sie dort mit soviel Wärme empfangen werden.  Die Deutschen sind etwas kühler, aber dafür sind wir eigentlich nie pünktlich.

Ihr sprecht beide kein Deutsch, ist das ein Problem im Alltag? Was macht ihr zum Beispiel, wenn ihr euch beim Bäcker ein paar Brötchen kaufen wollt?

Marta: Ich gehe nur in den Supermarkt. (lacht) In der Freizeit ist das mit der Sprache kein Problem. Aber an der Uni ist das schon ein bisschen schwierig, da meine Psychologievorlesungen alle auf Deutsch abgehalten werden. Oft versteht man jedoch mehr als man denkt und Hilfe habe ich auch. Außerdem kann ich meine Hausarbeiten auf Englisch schreiben.
Adrián: Ich verstehe zwar viel, spreche aber nur ein paar Sätze Deutsch. Für mich ist das aber kein Problem. Ich studiere Anglistik und mehr als Englisch muss ich da nicht sprechen.
 
Es ist Adventszeit. Wie verbringt man in Spanien die besinnlichste Zeit des Jahres.
Adrián: Den Heiligen Abend und die Weihnachtsfeiertage verbringen wir im Kreise der Familie. Geschenke gibt  es da jedoch noch nicht. Erst in der Nacht vom 5. zum 6. Januar bringen die Heiligen Drei Könige Geschenke. Man stellt ihnen dann abends Milch und Kekse hin.
Marta: Am Tag zuvor hat unser König Geburtstag. Abends schauen sich die Kinder die Königsparade im Fernsehen an und gehen ins Bett. Am nächsten Morgen stehen sie besonders früh auf, um nach ihren Geschenken zu sehen.
Adrián: Aber da wir dann wieder in Deutschland sein müssen, werden wir diesen Tag wohl in der Uni verbringen.

Und Sylvester?
Marta: Wir sind eigentlich die ganze Nacht unterwegs. Außerdem ist es bei uns Brauch, wenn es Mitternacht schlägt, zwölf Weintrauben zu essen, diese bringen einem dann Glück für das kommende Jahr.

Geschrieben von Anne Schuldt

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